mini|Soldaten der 10th Cavalry auf Kuba, Spanisch-Amerikanischer Krieg, 1898 mini|Hauptmann Charles Young (1864–1922), 9th Cavalry. Seit 1918 erster schwarzer Oberst der US-Streitkräfte.Stanford L. Davis: Foto um 1903. Ihm zu Ehren wurde 2013 das Charles Young Buffalo Soldiers National Monument eingerichtet. mini|Mit Martin Robison Delany (1812–1885) erreichte 1865 erstmals ein Schwarzer den Majorsrang. Zeitgenössisches Gemälde. mini|Einsätze der Buffalo Soldiers in den Indianerkriegen mini|Einige der Soldaten des 25th Infantry Regiment tragen Büffelpelze, Fort Keogh, Montana, 1890. mini|Buffalo Soldier Memorial, Fort Bliss, El Paso: The Errand of Corporal Ross’, I Troop, 9th Cavalry Als Buffalo Soldiers (dt. Büffelsoldaten) bezeichneten die Indianer der Großen Ebenen (Great Plains) die Soldaten der afroamerikanischen Einheiten, die die Unionsarmee der Nordstaaten zum Ende des Sezessionskrieges (1861–1865) aufstellten.
Die häufig gelockte Haarpracht der schwarzen Soldaten erinnerte die Indianer an die Mähne eines Büffels, des nordamerikanischen Bisons (Buffalo).William H. Leckie, Shirley A. Leckie: The Buffalo Soldiers: A Narrative of the Black Cavalry in the West. University of Oklahoma Press, 2012, ISBN 978-0-8061-8389-3, S. 26-27 Mit dem Lied Buffalo Soldier hat der Reggae-Musiker Bob Marley die Absurdität, dass ehemalige Sklaven als Soldaten gegen die amerikanischen Ureinwohner kämpfen mussten, thematisiert.
Aufstellung und Einsatz im Sezessionskrieg Einsatz in den Streitkräften der Union Die Aufstellung der „Farbigenregimenter“ (engl. „Coloured Regiments“) war politischen Rücksichtnahmen auf die mächtige Sklavenbefreiungsbewegung geschuldet. Aufgrund des großen Reservoirs an weißen Rekruten hätte es in den Nordstaaten der Aufstellung von „Farbigenregimentern“ nicht bedurft. In den Streitkräften herrschte von Beginn an das Prinzip der Rassentrennung, d. h. in den Einheiten dienten ausnahmslos Soldaten gleicher Hautfarbe. Die Offiziere der „Farbigenregimenter“ waren bis auf wenige Ausnahmen Weiße.
Die Buffalo Soldiers sahen sich rassistischen Anfeindungen ausgesetzt, weshalb sie oft nur zu Hilfsdiensten herangezogen wurden. Den Vorwurf mangelnder Kampftüchtigkeit widerlegten die wenigen in Schlachten eingesetzten „Farbigenregimenter“ mehrmals. Besonders tat sich das 54. Massachusetts Infanterieregiment unter Colonel Robert Gould Shaw 1863 beim Kampf um Charleston, insbesondere beim Angriff auf Fort Wagner hervor. Da die Truppen der Südstaaten „farbige“ Angehörige der Armee der Nordstaaten nicht als Kriegsgefangene ansahen und sie oft exekutierten oder in die Sklaverei zurückschickten, scheute die Armeeführung vor deren Einsatz zurück. Bekannt ist in diesem Zusammenhang das „Massaker von Fort Pillow“ (Henning, Tennessee), bei dem die Südstaatenkavallerie unter Nathan Bedford Forrest am 12. April 1864 eine große Zahl gefangengenommener afroamerikanischer Soldaten hinrichtete.James McPherson: Battle Cry of Freedom. Penguin Books, 1990, S. 748
Einsatz in den konföderierten Streitkräften Die Armee der Südstaaten stellte gegen Kriegsende „farbige“ Baukolonnen aus Sklaven auf, denen man für ihren Einsatz die Freiheit versprach. Überlegungen zur Aufstellung echter Kampftruppen wurden in den Südstaaten gegen Ende des Bürgerkriegs trotz heftiger Widersprüche aufgrund der militärischen Unterlegenheit diskutiert und im Gesetz Negro Soldier Bill ermöglicht. Die Kapitulation stand jedoch unmittelbar bevor, so dass es kaum mehr angewandt wurde.
Paradoxerweise waren es die Südstaaten, die 1861 mit der 1st Louisiana Native Guard die erste Einheit des Bürgerkriegs mit schwarzen Kompanieoffizieren aufstellte; diese besaßen jedoch nur Milizstatus und galten Berufssoldaten gegenüber als nicht ebenbürtig. Die aus freien Afroamerikanern rekrutierte Truppe blieb eine exotische Ausnahme und trat 1862 teilweise auf die Seite der Nordstaaten über. (englisch)
Indianerkriege Nach dem Ende des Sezessionskriegs wurde die Armee weitgehend demobilisiert und die verbleibenden Teile neu strukturiert. Ein Teil der afroamerikanischen Regimenter wurde neu zusammengestellt. Das 9. und 10. US-Kavallerieregiment wurden ab 1867 in Fort Davis, Texas stationiert, wo sie etwa die Hälfte der Garnison ausmachten. Sie sicherten die Handelswege im Südwesten der Vereinigten Staaten und kämpften in den Indianerkriegen bis 1890. 1869 wurden vier schwarze Infanterie-Regimenter zum 24. und 25. Infanterieregiment zusammengefasst. Auch sie wurden für rund zehn Jahre in Texas stationiert, dienten dem Schutz der Grenze mit Mexiko und wurden in den Indianerkriegen eingesetzt.
Kuba und die Philippinen
Nach dem Ende der Indianerkriege kamen sie im Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) und bei der anschließenden Invasion der Philippinen (1898–1902) zum Einsatz. Die 10. Kavallerie kämpfte auf Kuba an der Seite der „Rough Riders“ des späteren Präsidenten Theodore Roosevelt.
Nach der Rückkehr wurde das 9. Kavallerie-Regiment im Presidio von San Francisco stationiert und war bis zur Gründung des National Park Service 1916 für die Kontrolle der ersten Nationalparks in der kalifornischen Sierra Nevada, Yosemite und Sequoia und General Grant zuständig.
Erster Weltkrieg
Nachdem sich eine große Zahl Afroamerikaner nach dem Kriegseintritt der USA im Jahr 1917 zu den Fahnen gemeldet hatten, stellte das US-Kriegsministerium eher widerwillig zwei afroamerikanische Divisionen (92. Division, 93. Division) auf. Die Wilson-Administration (1913–1921) war (selbst im zeitgenössischen Kontext der 1910er-Jahre) sehr rassistisch, stark von weißen Südstaatlern (inklusive Präsident Woodrow Wilson selbst) geprägt und hatte ab 1913 Schwarze praktisch von der Aufnahme in den Beamtenstand ausgeschlossen sowie Versuche unternommen, schwarze Regierungsangestellte aus ihren Berufen zu verdrängen. In den 1910ern gab es besonders in den Südstaaten viele rassistische Lynchmorde, ohne dass die Behörden viel unternahmen. Viele weiße Rassisten fürchteten nach dem Kriegseintritt 1917, dass eine Teilnahme schwarzer Verbände an den Kampfhandlungen das soziopolitische Selbstbewusstsein der Afroamerikaner stärken und ihnen eine moralische Basis für Forderungen nach größeren Rechten geben könnte. Aus genau diesem Grund befürworteten viele prominente Schwarze wie W. E. B. Du Bois (im Jahr 1909 Mitbegründer der NAACP) mit Nachdruck die Teilnahme schwarzer Soldaten am Kriegseinsatz.
Die vier bereits vor Kriegsbeginn aktiven schwarzen Regimenter der US-Armee (Infanterieregimenter 24 und 25 sowie Kavallerieregimenter 9 und 10) wurden jedoch nach einem Beschluss der Armeeführung nicht für den Kriegsdienst in Frankreich ausgewählt, wo sich nur die neuen schwarzen Verbände beweisen sollten. Die vier regulären Regimenter stellten jedoch eine beträchtliche Zahl von Offizieren und spezialisierten Unteroffizieren ab, um die zwei neuen Divisionen zu verstärken. Die schwarzen Wehrpflichtigen wurden wie ihre weißen Kameraden Intelligenztests unterzogen, die zur Freude weißer Rassisten starke Disparitäten zwischen Weißen und Schwarzen zeigten. Bereits im Jahr 1921 konnte der weiße US-Oberst Robert M. Yerkes jedoch statistisch aufzeigen, dass Schwarze aus den Nordstaaten in ihren Ergebnissen Weiße aus den Südstaaten übertroffen hatten, sodass der Vergleich der Intelligenztests zu großen Teilen ein Vergleich der Schulsysteme war, der hauptsächlich durch die starke Konzentration von Schwarzen in den Südstaaten so stark zuungunsten der Afroamerikaner ausgefallen war.
Unter General John Pershing wurden die 9. und 10. Kavallerie und die 24. Infanterie 1916 wieder gemeinsam eingesetzt und nach Mexiko entsandt, um an der Strafexpedition gegen Pancho Villa teilzunehmen.
Zweiter Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Kavallerieregimenter aufgelöst. Ihre Angehörigen wurden vorwiegend Versorgungseinheiten zugeteilt, die nicht unmittelbar am Kampfgeschehen beteiligt waren. Die 24. und 25. Infanterie wurden im Pazifikkrieg eingesetzt. Die 25. Infanterie wurde nach Kriegsende 1946 demobilisiert und aufgelöst. Andererseits wurden ab 1941 im Umfeld der prominentesten Universität für Schwarze, der Tuskegee University in Tuskegee, Alabama, die Tuskegee Airmen ausgebildet, rund 1000 schwarze Piloten, die an allen Fronten des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurden.
Diskriminierung und Kampf um Gleichberechtigung Gerade in der Zeit nach dem Bürgerkrieg bildete der Dienst in den Streitkräften für viele Schwarze die Möglichkeit eines sozialen Aufstiegs.Chuck Hunt, National Park Service, Superintendent of Fort Davis National Historic Site: „An immensely significant civil rights story unfolded on the post as African-Americans assumed their first federal jobs as soldiers at the frontier.“ (PDF; 237 kB) Der Aufstieg in die Offiziersränge war indes selten. Die Gründe waren vielfältig. Im 19. Jahrhundert erschwerten oft noch dem rassistischen Schulsystem geschuldete Bildungsdefizite vieler Schwarzer eine erfolgreiche Militärkarriere. Häufig aber behinderten rassistische weiße Vorgesetzte den Aufstieg schwarzer Soldaten in das exklusive Offizierskorps. Erst seit dem Ersten Weltkrieg gelangten Afroamerikaner vermehrt auch in Ränge oberhalb der Kompanieebene.
Beispielhaft für die Widrigkeiten, denen schwarze Offiziere innerhalb der Streitkräfte anfangs ausgesetzt waren, ist der Fall Henry Ossian Flippers (1856–1940). Flipper war der erste Schwarze, der an der elitären US-Militärakademie in West Point die Ausbildung zum Offizier erfolgreich abschloss. Infolge einer Intrige seines rassistischen Kommandeurs wurde er 1881 unehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen. Ihm gegenüber steht der Aufstieg Charles Youngs (1864–1922) bis zum ersten schwarzen Obristen der US-Army im Jahr 1918; die Beförderung zum Brigadegeneral scheiterte indes wohl ebenfalls an Vorurteilen innerhalb der militärischen Führungsriege. In der United States Navy sollte erst 50 Jahre später, im Jahr 1966, dem Militärgeistlichen Thomas David Parham (1920–2007) mit der Beförderung zum Kapitän zur See eine vergleichbare Karriere gelingen.
Bevor sich ihre Lage ab Mitte des 20. Jahrhunderts allmählich besserte, sahen sich schwarze Soldaten auch außerhalb der Streitkräfte massiven Diskriminierungen ausgesetzt. Uniformierte Schwarze, ob einzeln oder in Gruppen, wurden wiederholt Opfer von Ausschreitungen rassistischer Zivilisten. Als exemplarisch dafür können Pogrome in drei Städten des US-Bundesstaates Texas gelten: 1899 in Rio Grande City (Fort Ringgold Aufstand), 1906 in Brownsville (Brownsville Affäre) und 1917 in Houston (Houston Aufstand von 191719 Soldaten wurden gehängt, davon 13 auf einmal die einzige Massenhinrichtung in den USA). Landesweite Empörung provozierte die Misshandlung des uniformierten US-Army-Sergeanten Isaac Woodard, den 1946 weiße Polizisten in South Carolina bis zur Erblindung misshandelt hatten. Sein Fall führte zu einer landesweiten Debatte über die Diskriminierung der schwarzen US-Soldaten.
Aufstieg in Generalität und Admiralität mini|Benjamin Oliver Davis Sr. (1877–1970), seit 1940 erster schwarzer US-Brigadegeneral. Foto von 1940. Seit dem Zweiten Weltkrieg fassten schwarze Offiziere auch in den Generalsrängen Fuß. 1940 wurde Benjamin O. (Oliver) Davis, Sr. (1877–1970) der erste schwarze US-Brigadegeneral; sein Sohn Benjamin O. (Oliver) Davis, Jr. (1912–2002) erlangte 1954 als erster Schwarzer den Rang eines Brigadegenerals der US-Luftwaffe. In der US-Navy gelang Vergleichbares erst im Jahr 1971 mit der Beförderung von Samuel Lee Gravely, Jr. (1922–2004) zum Konteradmiral; der Seeoffizier war schon 1961 der erste schwarze Kommandant eines US-Kriegsschiffes gewesen. Als letzte Teilstreitkraft zog das United States Marine Corps nach, als Frank E. Petersen (1932–2015) 1979 zum Brigadegeneral und 1986 zum Generalleutnant aufstieg.