mini|hochkant=1.3|Schloss Benrath, Nordfassade des Corps de Logis (2012) mini|hochkant=1.3|Schloss Benrath, Südfassade des Corps de Logis (2007)
Schloss Benrath ist eine ehemalige Residenz der Kurfürsten von der Pfalz in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Die barocke Dreiflügelanlage wurde in den Jahren 1755 bis 1771 im Auftrag von Karl Theodor von der Pfalz nach Entwurf von Nicolas de Pigage erbaut. Hervorzuheben sind das Vestibül, der Kuppelsaal und der Schlosspark.
Geschichte mini|Jan van Nickelen, Das alte Schloss Benrath, 1715 mini|Charles Vernet, Das neue Schloss Benrath, 1806 mini|Luftbild von Norden, um 1900
Baugeschichte Das Schloss liegt im heutigen Stadtteil Benrath der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Benrath war bis zur Eingemeindung im Jahr 1929 eine selbstständige Gemeinde. Eine ursprüngliche Burg der „Herren van Benroide“, über die keine genaueren Informationen überliefert sind, wurde bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts von den Grafen von Berg übernommen. Ob diese mittelalterliche Burg bereits eine Wasserburg war oder ob erst die „Berger“ sie umbauten, ist ebenfalls nicht bekannt. Die zeitweise Anwesenheit der Grafen und späteren Herzöge in einer Burg in Royde ist aber durch Urkunden ab dem 13. Jahrhundert belegt. Später ab Beginn des 16. Jahrhunderts wurde sie von den Herzögen einige Male verpfändet, jedoch immer wieder ausgelöst.Karl Leopold Strauven, Wilhelm Cricelius: Historische Nachrichten über Benrath, 1890, S. 59, online, Digitalisat der ULB Düsseldorf. Diese ursprüngliche und inzwischen baufällige Wasserburg aus dem 15. Jahrhundert sollte auf Weisung von Elisabeth Amalia Magdalena, der zweiten Frau des Herzogs Philipp Wilhelm, 1660 in ein repräsentatives Wasserschloss im Renaissancestil umgestaltet werden. Oberingenieur Johann Lollio wurde mit dem Bau des Renaissanceschlosses beauftragt. Im Jahr 1666 wurde es fertiggestellt und für den Sommer- und Jagdaufenthalt der Familie des Herzogs genutzt. Der älteste Sohn und Nachfolger Philipp Wilhelms, Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg (genannt Jan Wellem), der im Düsseldorfer Schloss residierte, war mit Schloss Benrath eng verbunden und nutzte es mit seiner zweiten Gemahlin Anna Maria Luisa de’ Medici als Sommerfrische. Das Wasserschloss lag etwa auf der Mitte des Kanals, der auf der Südseite des heutigen Schlosses die Hauptachse des Parks bildet.
1753 erstellte der Hofbaumeister Johann Heinrich Nosthofen noch Pläne zur Instandsetzung des alten Lustschlosses, doch 1755 entschloss sich der aus der Pfalz–Sulzbacher Linie stammende Kurfürst Karl Theodor (1724–1799), in Benrath ein neues Lust- und Jagdschloss (in der Art einer maison de plaisance) als Sommerresidenz im Barock-Stil zu errichten. Während er in Mannheim und Schwetzingen residierte, beauftragte er mit dem Neubau seinen Hofarchitekten Nicolas de Pigage (1723–1796), der in Paris ausgebildet worden war. Pigage ließ zunächst das baufällige Wasserschloss abreißen, nur die Kapelle und ein Seitentrakt, die sogenannte Orangerie, blieben erhalten. Zeugnisse des alten Schlosses findet man noch in Fresken, Stuckaturen und Kaminen in Räumen der Orangerie und an einem Altar in der Kapelle. Das neue Schloss entstand in den Jahren 1755 bis 1771 nach Entwurf von Pigage im Auftrag Karl Theodors als eigenes Jagd- und Sommerschloss sowie als späterer Witwensitz für seine Gemahlin Elisabeth Auguste. Die Kosten betrugen 700.000 Taler.Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf. Erster Theil, 1836, S. 284, . Das neue Barockschloss wurde etwa 300 Meter nördlich des alten angelegt und erstrahlte nach 16-jähriger Bauzeit auf einer Grundfläche von 42 mal 27 Metern in der Farbe Altrosa, wobei das Herrenkabinett im Rokokostil und die Empfangsräume im klassizistischen Stil gehalten wurden. In der scheinbar eingeschossigen Fassade zeigt sich eine Art „Understatement“ des fürstlichen Bauherrn. Denn hinter den Fassaden verbirgt sich in vier Geschossen ein raffiniert durchkomponiertes System von 80 Räumen, zwei Lichthöfen und sieben Treppenhäusern. Dies erzeugte einen Überraschungseffekt, wie er in der barocken Bau- und Gartenkunst schon vorher beliebt war: Besucher sollten erst im Innern die Geräumigkeit bemerken.
Kurze Zeit dauerte es noch, bis die Wasserspiele, die Weiher und Parkanlagen vollendet waren, die in engem Zusammenhang mit dem Bau stehen. Denn Gebäude und Park bilden eine Einheit. Die runden und eckigen Formen der Grünanlagen setzen sich im Schloss fort. Das Schloss mit seinen beiden Flügeln und Torwächterhäusern ist symmetrisch. Ebenso wurden die Lebensbereiche von Kurfürst und Kurfürstin spiegelbildlich gebaut. Der Wohntrakt der Kurfürstin ist im Osten mit Blick auf den französischen Garten angelegt. Die fürstlichen Wohn- und Schlafräume sowie die Dienstbotenkammern gruppieren sich um zwei versteckte Innenhöfe, die von außen nicht sichtbar sind. Im Obergeschoss wurde die kurfürstliche Hauskapelle eingerichtet. Ebenso sind dort Apartments für Gäste des Fürstenpaares sowie zwei Gesellschaftsräume untergebracht. Zur Ausstattung gehören Parkettböden, Marmorkamine, farbig gefasste Vertäfelungen, geschnitzte Spiegelrahmen und farbige Chintz–Wandbespannungen, die im Rahmen von Restaurierungsmaßnahmen in den 1970er Jahren erneuert wurden. Die Arbeiten am Innen- und Außenausbau waren 1771 abgeschlossen. Bis auf kleine unwesentliche Veränderungen im Garten ist Schloss Benrath noch unverändert. Kurfürst Carl Theodor und Kurfürstin Elisabeth Auguste genossen die Vorzüge des behaglichen Schlosses allerdings kaum. Nur jeweils einmal besuchten sie die Residenz. Hingegen reisten viele Künstler und Schriftsteller nach Benrath. Theodor Fontane und Thomas Mann beispielsweise ließen sich von dem kurfürstlichen Kleinod für ihre Werke inspirieren.
Nutzungsgeschichte Ursprünglich diente Schloss Benrath als Sommer- und Jagdresidenz der Kurfürsten von der Pfalz. Kurfürst Karl Theodor war als aufgeklärter Fürst an Kunst und Wissenschaft interessiert. An seinem Mannheimer Hof wirkten unter anderem die Komponisten Christian Cannabich und Johann Stamitz. Außerdem pflegte er den Briefwechsel mit Voltaire. Das Erbe des Kurfürstentums Bayern im Jahr 1777 erforderte die Verlegung seiner Residenz nach München. Anlässlich seines letzten Regierungsaufenthaltes im Herzogtum Berg unternahm er am 6. Juni 1785 von Düsseldorf aus einen Tagesausflug zum Schloss Benrath. Von 1806 bis 1813 war Schloss Benrath offizielle Residenz der Großherzöge von Berg und Kleve. Die Hauptstadt dieses aus dem ehemaligen Gebiet des Herzogtums Berg und den rechtsrheinischen Gebieten des Herzogtums Kleve sowie Teilen des Kurfürstentums Köln-Bonn und des Hochstifts Münster in Westfalen neu gebildeten Staates war Düsseldorf. Die Großherzöge von Berg und Kleve waren der mit Napoleon Bonaparte verschwägerte Joachim Murat, Ehemann von Caroline Bonaparte, und sein Neffe Ludwig von Holland.
Nach den Befreiungskriegen und den Verhandlungen auf dem Wiener Kongress ging das Schloss 1815 in preußischen Besitz über. Friedrich Wilhelm III. stellte das Gebäude 1821 seinem Neffen Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen in dessen Funktion als Divisionskommandeur und dessen Frau, Prinzessin Luise, zur Verfügung. Nach 1852 nutzte es Karl Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen als Sommerresidenz. Zehn Jahre später bat sein Sohn, Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, den nun regierenden Wilhelm I., das Schloss beziehen zu dürfen, was ihm Ende 1862 genehmigt wurde. Bereits 1864 wurde hier Wilhelm geboren, der erste Sohn von Leopold und Antonia. Da sich das Gebäude zu diesem Zeitpunkt in einem baufälligen Zustand befand, musste es für Wohnzwecke restauriert werden. Der für die auswärtigen Schlösser Preußens zuständige Direktor der Schlossbaukommission, Ludwig Ferdinand Hesse, legte dem König am 1. Juni 1868 seinen Bericht zur Instandsetzung vor, die Wilhelm I. mit dem Wunsch der originalgetreuen Wiederherstellung genehmigte. Im Jahr 1820 wurden stilistische Parallelen zum Potsdamer Schloss Sanssouci im Grund- und Aufriss sowie der Innendekoration erkannt. Durch den hohen Restaurierungsaufwand verzögerte sich die Fertigstellung bis 1870. Die Prinzenfamilie bewohnte Schloss Benrath noch bis 1875. Im September 1877 weilte Kaiser Wilhelm I. auf dem Schloss, nachdem er dem Künstlerverein „Malkasten“ in Düsseldorf einen Besuch abgestattet hatte.Bernhard Endrulat: Ein Kaiserfest im „Malkasten“ zu Düsseldorf. In: ULB Düsseldorf, Digitalisat, Düsseldorf 1878, S. 84, aufgerufen am 21. September 2019.
1911 erwarb die Gemeinde Benrath das Schloss von der preußischen Krone.Birgit Wanninger: . In: Rheinische Post, 17. August 2013. Durch Eingemeindung Benraths gelangte das Schloss 1929 in den Besitz der Stadt Düsseldorf. Schon zuvor hatte die Gemeinde Benrath im Jahre 1907 begonnen,Festschrift: In: schloss-gymnasium.de, (PDF; 6,7 MB). die Seitenflügel des Schlosses für den sukzessiven Aufbau einer höheren Knabenschule zu nutzen, an der später aber auch Mädchen aufgenommen wurden. Die Schüler benutzten zunächst nur den östlichen, später auch einige Bereiche des westlichen Flügelgebäudes als „Schloß-Gymnasium“. 1980 zog man unter Beibehaltung des Namens in das neu errichtete Schulzentrum in die Wimpfener Straße um. Die Mädchenschule hieß zunächst „Benrather Schloss-Lyzeum“ und später „Schloß-Schule Benrath“. Schon 1958 verließ sie das Schloss, bezog ihr heutiges Domizil an der Brucknerstraße 19 und nannte sich kurze Zeit später Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium. Das Schloss war nach dem Zweiten Weltkrieg in Teilen beschädigt, so dass der Schulbetrieb gegen dessen Ende 1945 ruhen musste. Es wurde in jahrelanger Arbeit mit erheblichem Aufwand und mit großer stilistischer Treue restauriert. Nach dem Auszug der Schulen übernahm im Jahre 2000 die Stiftung Schloss und Park BenrathStiftung Schloss und Park Benrath – schloss-benrath.de die Verwaltung und Nutzung im Auftrage der Stadt Düsseldorf. Die inzwischen dort eingerichteten Museen sind heute neben Steuermitteln die finanzielle Basis zur Erhaltung des denkmalgeschützten Gesamtensembles. Die kostenlos nutzbare große Parkanlage ist ein vielbesuchter Erholungsort. Auch zu repräsentativen Zwecken wird das Schloss genutzt. Beispielsweise fanden hier Staatsempfänge des Landes Nordrhein-Westfalen für Michail Gorbatschow und Königin Elisabeth II. statt, ebenso beim Besuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik Deutschland 1987.Birgit Wanninger: Kaiser und Könige zu Gast im Schloss. In: Rheinische Post, Lokalredaktion Düsseldorf, 27. September 2014. Manfred Agethen: Besuch des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker in der Bundesrepublik. In: Konrad-Adenauer-Stiftung, (alte Fassung.)
Schlossanlage mini|Luftbild von Osten, 2023 mini|Corps de Logis, Nordportal, 2008 mini|Corps de Logis, Südportal, 2008
Außenarchitektur