Karin Burmeister (* 4. August 1942 in Rostock; † 10. Dezember 2023 in Frechen) war eine deutsche Frauenrechtlerin, Pionierin in der Datenverarbeitung sowie Kommunalpolitikerin. Zum Internationalen Frauentag 2016 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Leben
Werdegang Burmeister wurde während eines nächtlichen Bombenangriffes in Rostock geboren. Ihr aus Neumünster stammender Vater Robert Burmeister (1907–1998) war gelernter Tuchmacher und besaß eine Fabrik. Ihre Mutter Ursula († 1966), geborene Becker, stammte aus Malchow. Der Vater verließ im Jahr 1947 die sowjetische Besatzungszone und flüchtete ins niedersächsische Wardenburg bei Oldenburg. Zwei Jahre später folgte der Rest der Familie. In Wardenburg verbrachte Burmeister ihre Kindheit und Jugend, wo ihre Eltern eine Weberei aufbauten.
Nach dem Erwerb der mittleren Reife wechselte Burmeister 1959 auf das Wirtschaftsgymnasium in Oldenburg, an dem sie 1962 das Abitur mit dem Schwerpunkt als Industriekauffrau ablegte. Anschließend absolvierte sie mehrere Praktika in Webereien. Während eines Besuchs bei ihrem Halbbruder in Kalifornien entschied sie sich, dort ein einjähriges Studium der digitalen Datenverarbeitung aufzunehmen. Nach ihrem Abschluss kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitete als eine der ersten weiblichen IT-Assistentinnen bei der deutschen Niederlassung von IBM. Sie ließ sich in Nordrhein-Westfalen im Kölner Raum nieder.
Nach schwerer Krankheit starb Karin Burmeister am 10. Dezember 2023 im Alter von 81 Jahren im St.-Katharinen-Hospital Frechen. Ihre Urne wurde auf dem Friedwald in Dormagen beigesetzt.
Wirken
Kommunalpolitik Ab 1983 war sie Mitglied bei den Grünen in ihrem Wohnort Pulheim und wurde dort 1984 in den Rat gewählt. Bis 2009 vertrat sie fast 30 Jahre lang als Ratsmitglied und Fraktionssprecherin die Belange von Umwelt, Natur, Landschaft und Klima. Auf ihre Initiative hin wurden die Gleichstellungsstelle und der Frauenbeirat eingerichtet, in dem sie bis kurz vor ihrem Tod aktiv war.
Frauenförderung Im Jahr 1985 gründete Burmeister zunächst einen politischen Stammtisch für Frauen in Pulheim. Aus diesem Stammtisch heraus entstand das Café F, welches kulturelle und politische Bildungsveranstaltungen anbietet und Frauen in verschiedenen Lebenslagen kostenfrei berät. Um das Projekt langfristig tragen zu können, wurde im Jahr 1992 der Verein „F.e.V. Beratung, Bildung, Kultur und Treff für Frauen“ gegründet, dessen Vorsitzende Burmeister für 27 Jahre war. Ab 1994 wurde das Café F eine Interventions- und Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt.
Engagement für digitale Bildung Ab 1965 war sie im Raum Köln in der Datenverarbeitung tätig. Über viele Jahre hinweg gab sie zunächst hauptamtlich und später ehrenamtlich Computerkurse für Frauen. Dabei vermittelte sie Kenntnisse im Umgang mit digitalen Technologien und setzte sich für die Förderung der Kompetenzen und Selbstständigkeit der Teilnehmerinnen bei der Nutzung des Internets ein.
Stiftung Entsprechend eines Vorschlags ihres Vaters gründete sie die gemeinnützige Karin-Burmeister-Stiftung. Nach dem Tode ihres Vaters wurde Burmeister Hauptgesellschafterin seiner Firma KB-Filter-Service, eines mittelständischen Unternehmens in Wardenburg. Die Stiftung erbte das Familienvermögen und setzte sich zum Ziel, dass die Errungenschaften der Frauenbewegung nicht in Vergessenheit geraten. Dass die Stiftung nach ihr benannt ist, weist nach Burmeisters eigener Aussage darauf hin, dass es Stiftungen gibt, die von Frauen für Frauen gegründet wurden, während die meisten Stiftungen in Deutschland nach Männern benannt sind.
Die Stiftung fördert frauenpolitisches und -gesellschaftliches Engagement, insbesondere zum Thema Chancengleichheit. Ebenfalls liegt ein Schwerpunkt bei der Förderung von EDV-Angeboten für Frauen. Die Politikerin Marita Haibach gehörte von der Errichtung der Stiftung bis 2014 dem Stiftungsrat an.
Ehrungen Im Jahr 2007 durfte Burmeister sich nach über 20 Jahren Ratsarbeit in das Goldene Buch der Stadt Pulheim eintragen.
Am Vortag des Internationalen Frauentages wurde Burmeister 2016 vom Bundespräsidenten Joachim Gauck zusammen mit 23 Frauen aus 16 Bundesländern im Schloss Bellevue empfangen. Für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement im politischen, sozialen und kulturellen Bereich wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Kurz vor ihrem Tod wurde Burmeister 2022 anlässlich ihres 80. Geburtstages zur Ehrenvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen in Pulheim ernannt.
Anlässlich des 40-jährigen Bestehen des Gleichstellungsbeirates fand 2025 im Rathaus von Pulheim eine Ausstellung über das Leben von Karin Burmeister statt.
Weblinks Stiftung
Einzelnachweise
Kategorie:Politiker (Pulheim) Kategorie:Stifter Kategorie:Frauenrechtler (Deutschland) Kategorie:Unternehmer (Niedersachsen) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Bündnis-90/Die-Grünen-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Frau