mini|Berta Cáceres
Berta Isabel Cáceres Flores (* 4. März 1973 in La Esperanza, Intibucá, Honduras; † 3. März 2016 ebenda) war eine honduranische Menschenrechts- und Umweltaktivistin. Sie wurde am Morgen des 3. März 2016 in ihrem Haus von mehreren Bewaffneten ermordet.
Leben Cáceres war eine der Mitbegründer des 1993 ins Leben gerufenen Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras (Council of Popular and Indigenous Organization of Honduras) (COPINH),COPINH – Home (Blog)COPINH – Who we are einer Organisation, die sich für die Rechte indigener Völker und den Erhalt ihrer natürlichen Umwelt in Honduras einsetzte, insbesondere der Lenca, einer Volksgruppe, der sie selbst entstammte. 2012 erhielt sie den Shalom-Preis. 2015 wurde sie für ihren Einsatz mit dem Goldman Environmental Prize geehrt.The Goldman Environmental Prize: Berta Cáceres: 2015 Goldman Prize RecipientThe Goldman Environmental Prize: Goldman Environmental Foundation mourns the loss of Berta Cáceres Berta Cáceres wurde zudem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen posthum als Champion of Earth 2016 ausgezeichnet.
Cáceres war Mutter von vier Kindern. Im Zusammenhang mit dem Wasserkraftprojekt Agua Zarca am Río Gualcarque organisierte sie über COPINH den Widerstand der Lenca-Gemeinden gegen den Bau auf Gemeindeland; der Fluss gilt in der Lenca-Kosmologie als heilig. Im April 2013 führte sie Proteste in Río Blanco an, bei denen Zufahrtswege blockiert wurden und der Konflikt um Agua Zarca öffentlich eskalierte. In den Jahren 2013 und 2014 erreichte die Bewegung, dass frühe Unterstützer wie die Weltbankgruppe und das chinesische Staatsunternehmen Sinohydro ihre Beteiligung an Agua Zarca beendeten. Die Auseinandersetzungen um das Projekt führten zugleich zu erheblichen Spannungen innerhalb der betroffenen Gemeinden und trugen zur langfristigen Spaltung lokaler Gemeinschaften bei.
Nachdem Cáceres wegen ihrer verschiedenen Kampagnen, die sich unter anderem gegen illegale Bauprojekte, Plantagenbesitzer, zuletzt die Errichtung des Agua-Zarca-Damms am Río Gualcarque im Departamento Intibucá richteten, immer wieder das Ziel von sexuellen Angriffen, Entführungs- und Morddrohungen gewesen war, wurde sie am Morgen des 3. März 2016 in ihrem Haus von mehreren Bewaffneten ermordet.International Rivers 3. März 2016: Berta Cáceres MurderedHuffington Post vom 4. März 2016: Who Killed Berta Cáceres? Der Anschlag erfolgte in der Nacht zum 3. März 2016, als Auftragsmörder in ihr Haus eindrangen und sie erschossen. Bei dem Angriff wurde der mexikanische Aktivist Gustavo Castro, der sich zu Besuch bei Cáceres befand, verletzt und überlebte, indem er sich tot stellte.
Schon 2013 hatte Cáceres in einem Interview mit Al Jazeera erklärt:
Neben Berta Cáceres wurden 2016 in Honduras 13 weitere Umwelt- und Landrechts-Aktivisten ermordet.Global Witness: Zwischen 2010 und 2015 wurden in Honduras zudem über 120 Aktivistinnen und Aktivisten getötet, die sich gegen Landraub oder Großprojekte engagierten.
Im Mai 2022 verabschiedete der Nationalkongress ein Dekret, mit dem Berta Cáceres in den Rang einer Nationalheldin erhoben wird. Es ist außerdem die Schaffung eines Preises mit ihrem Namen vorgesehen, mit dem engagierte Menschenrechts- und Umweltschützer ausgezeichnet werden sollen. Darüber hinaus wurde die Zentralbank angewiesen, die neuen 200-Lempira-Scheine mit einer Abbildung Cáceres’ herauszugeben, was teilweise zu kontroversen Reaktionen führte.
Nach der Ermordung mini|hochkant|Auf einer Kundgebung am 5. April 2016 während des Treffens Berta Cáceres lebt Etwa einen Monat nach dem Tod Berta Cáceres’ fand vom 13. bis 15. April 2016 in Tegucigalpa das internationale Treffen Berta Cáceres lebt statt. Daran nahmen etwa 1.500 Menschen aus 22 Ländern teil. Sie berieten zur Entwicklung von Strategien sozialer Bewegungen nach dem Mord an Berta Cáceres.Daniela Dreißig und Kathrin Zeiske (Amerika21): Internationales Treffen "Berta Cáceres lebt" in Honduras vom 18. April 2016, abgerufen am 12. April 2018
Die Familie von Berta Cáceres und die COPINH beauftragten zur Ermittlung der Mörder und der Hintergründe des Mordes eine unabhängige Kommission, bestehend aus fünf in solchen Untersuchungen erfahrenen Anwältinnen und Anwälten aus Guatemala, Kolumbien und den USA. Ihren Abschlussbericht legte diese Internationale Gruppe beratender Experten (GAIPE) (spanisch: Grupo Asesor Internacional de Personas Expertas) Anfang November 2017 vor.Roxanna Altholz, Jorge E. Molano Rodríguez, Dan Saxon, Miguel Ángel Urbina Martínez, y Liliana María Uribe Tirado: , November 2017, abgerufen am 12. April 2018, knappe deutschsprachige Zusammenfassung: Blog von HondurasDelegation vom 11. November 2017, abgerufen am 12. April 2018 Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte die Staatsanwaltschaft Honduras’ acht Personen verhaften lassen, die nicht als Hintermänner galten. Nach Einschätzung der Kommission war der Mord von Unternehmern und staatlichen Sicherheitskräften gemeinsam geplant worden. Gleichzeitig deckte GAIPE eine Vielzahl von Straftaten und Unregelmäßigkeiten in den Ermittlungen auf.Neue Zürcher Zeitung (NZZ): Experten vermuten Komplott hinter Mord an Indio-Führerin in Honduras, vom 1. November 2017, nach einer dpa-Meldung, abgerufen am 12. April 2018 Am 20. November 2017 wurden zwei polizeiliche Ermittler festgenommen. Sie sollen Beweismittel im Mordfall manipuliert und gefälscht haben, womit die Ermittlungen in eine falsche Richtung gelenkt werden sollten.Melanie Schnipper (Amerika21): Polizeiliche Ermittler im Mordfall Cáceres in Honduras festgenommen, vom 23. November 2017, abgerufen am 12. April 2018 Am 9. März 2018 erhob die Staatsanwaltschaft Honduras’ Anklage gegen den ehemaligen Geheimdienstoffizier des honduranischen Militärs David Castillo Mejía, heute u. a. Präsident und Geschäftsführer der Firma Desarrollo Energético S.A. (Desa), als einen der mutmaßlichen Hintermänner und den mutmaßlichen Hauptlogistiker. Desa ist eines der am Staudammprojekt Agua Zarca beteiligten Unternehmen, gegen dessen rechtswidrigen Bau sich Berta Cáceres eingesetzt hatte.Daniela Dreißig (Amerika21): Fortschritte in Honduras bei Ermittlungen im Mordfall Berta Cáceres, vom 17. März 2018, abgerufen am 17. April 2018
Nach dem Abzug internationaler Finanzierung wurde der Bau von Agua Zarca 2018 auf unbestimmte Zeit eingestellt. Die Entwicklungsbank FMO beendete ihre Beteiligung 2017 und unterstützte später die Einrichtung eines Entschädigungsfonds mit dem Namen Berta Cáceres. Drei Kinder von Berta Cáceres erstatteten 2022 bei der niederländischen Generalstaatsanwaltschaft Strafanzeige gegen die FMO und drei ehemalige Direktoren.
Anfang 2025 vereinbarten Honduras, die Interamerikanische Menschenrechtskommission und die Familie Cáceres die Einsetzung einer Interdisziplinäre und unabhängigte Expertengruppe (GIEI) zur weiteren Untersuchung des Mordes. Die GIEI wertete über elf Monate umfangreiche Ermittlungs- und Gerichtsakten, Finanzinformationen sowie Telefonüberwachungsdaten einschließlich Chats aus. Mitte Januar 2026 stellte die Expertengruppe ihren Bericht in Tegucigalpa vor und bewertete den Mord als vorhersehbar und vermeidbar.
Der Bericht zeichnet detailliert nach, dass zur Bezahlung der Täter mindestens ein Teil der Mittel aus Krediten von Entwicklungsbanken stammte, darunter die niederländische FMO und die Zentralamerikanische Bank für wirtschaftliche Integration (BCIE). Die Auszahlung an die später verurteilten Auftragsmörder erfolgte über drei Schecks über zusammen mehr als eine halbe Million Lempira (umgerechnet rund 25.000 US-Dollar). Zudem werden im Zusammenhang mit dem Projekt Agua Zarca umfangreiche Unregelmäßigkeiten und Abzweigungen von Projektmitteln beschrieben. Die Kreditvergabe wurde fortgeführt, obwohl bereits Gewalt im Kontext des Projekts dokumentiert war und ein gültiges vorheriges Konsultationsverfahren fehlte.
Im Bericht wird die Rolle von Führungskräften und Anteilseignern des Unternehmensverbunds um Desa und die Unternehmerfamilie Atala Zablah als vertiefend untersuchungsbedürftig dargestellt. Mehrere Angehörige der Familie Atala Zablah gehörten dem Vorstand von Desa an; ihr unternehmerisches Netzwerk umfasst unter anderem Bank- und Immobilieninteressen sowie den Erstligafußballclub Motagua. In diesem Zusammenhang wird auch ein WhatsApp-Chat mit der Bezeichnung „Seguridad PHAZ“ beschrieben, in dem systematische Überwachung und Informationssammlung über Cáceres und COPINH koordiniert worden sein soll. Fünf Monate vor dem Mord fiel in diesem Umfeld die Formel „entweder sie oder wir“.
Im Dezember 2023 wurde ein Haftbefehl gegen den früheren Desa-Finanzmanager Daniel Atala Midence erlassen. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass er sich dem Verfahren entzieht und das Verfahren ohne seine Festnahme nicht abgeschlossen werden kann. Zugleich werden Vorwürfe beschrieben, dass in den ersten Tagen nach dem Mord durch Ermittler und Teile der Öffentlichkeit Deutungen als Privattat verbreitet wurden, um den politischen Hintergrund zu verschleiern.
Cáceres’ Tochter Bertha Zúñiga Cáceres übernahm später Aufgaben als Koordinatorin von COPINH und war dabei weiterhin Bedrohungen und Delegitimierungskampagnen ausgesetzt. Sie berichtete, ihren Alltag mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen organisieren zu müssen, unter anderem mit gepanzertem Fahrzeug.
Zu Ehren ihres 50. Geburtstags widmeten ihr die Musiker Damien Rice, Sandrayati Fay und Jófríður Ákadóttir (JFDR) den Song for Berta, der von ihrem Leben und ihrer Arbeit inspiriert wurde.
Im Januar 2026 gab die Zentralbank von Honduras eine 200-Lempira-Banknote mit einer Abbildung Berta Cáceres’ heraus.
Weblinks
urgewald.org: Mord an Menschenrechtsaktivistin Cáceres
Einzelnachweise
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