mini|hochkant|Włodzimierz Czarzasty (2025) Włodzimierz Czarzasty (* 3. Mai 1960 in Warschau) ist ein polnischer Politiker und Medienunternehmer. Er ist ehemaliges Mitglied des nationalen Rundfunkrates sowie seit 2016 (Co-)Vorsitzender des Sojusz Lewicy Demokratycznej bzw. ab 2021 der Nowa Lewica. Er gehört dem Sejm seit 2019 in der IX. und X. Wahlperiode an. Im November 2025 löste er gemäß einer Koalitionsabsprache Szymon Hołownia zur Halbzeit der Legislaturperiode im Amt des Sejmmarschall ab.https://wiadomosci.wp.pl/sprawa-marszalka-rotacyjnego-wlodzimierz-czarzasty-zastapi-szymona-holownie-7066723880159872a

Leben und Beruf Włodzimierz Czarzasty studierte internationale Beziehungen an der Fakultät für Journalismus und Politikwissenschaft der Universität Warschau.

Beruflich war er im Print- und Medienbereich als Mitglied von Unternehmensführungen tätig. Von 1988 bis 1990 war Czarzasty Direktor der Kulturagentur Alma-Art. 1990–1999 war er zusammen mit seiner Frau Mitinhaber sowie Vorstandschef des in Polen bedeutenden Verlags Muza, der zur Zeit des Systemumbruchs mithilfe einer Kapitalgesellschaft aus dem Umfeld der ehemaligen PZPR gegründet wurde. Bis 2006 verkaufte er den Großteil seiner Aktien, behielt aber einigen Streubesitz. Seine Frau blieb im Vorstand und war zeitweise Vorsitzende.https://www.northdata.de/Czarzasty,%20Ma%C5%82gorzata,%20PL/rbd31pp Des Weiteren gehörte Czarzasty dem Aufsichtsrat der Produktionsfirma Euromedia an. In den Jahren von 2006 bis 2011 war Włodzimierz Czarzasty Miteigentümer des Verlags Wilga.

Czarzasty ist Vogelschützer im polnischen Verband und Hobby-Ornithologe sowie Herausgeber von diesbezüglicher Literatur. Politische Gegenspieler vergleicht er mitunter mit verschiedenen Vögeln. Er selbst hat jedoch Flugangst. Czarzastys Privatbibliothek umfasst 15.000 Bände.

Politik In den 80er-Jahren wirkte er als stellvertretender Vorsitzender des regimenahen Studentenverbandes. In den Jahren von 1983 bis 1990 gehörte Czarzasty der kommunistischen Staatspartei Polska Zjednoczona Partia Robotnicza (PZPR) an. Nach dem politischen Umschwung war er im Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) aktiv und kandidierte bei der Parlamentswahl im Jahre 1997 ohne Erfolg.

Er saß im Aufsichtsrat der öffentlich-rechtlichen Hörfunkanstalt Polskie Radio, bis er im Jahre 1998 vom Schatzminister Emil Wąsacz abberufen wurde. Diese Entscheidung wurde 2002 vom Bezirksgericht in Warschau für unrechtmäßig erklärt. Im Mai 1999 entsandte der damalige Präsident Aleksander Kwaśniewski ihn in den nationalen Rundfunkrat und dort führte er vom März 2000 bis zum August 2004 die Position des Sekretärs aus. Im Januar 2005 trat er ein paar Monate vor dem Ende seiner sechsjährigen Amtszeit zurück. Sein Name tauchte 2002 im Zusammenhang mit der sogenannten Rywin-Affäre auf. Eine Untersuchungskommission wies ihm einen wichtigen Einfluss auf öffentliche Medien und Privatisierungskonzepte nach. Ein Jahre später erschienenes Sachbuch belastete Czarzasty, der in der zeitgenössischen Öffentlichkeit eher als Randfigur neben Miller, Michnik und Rywin galt, schwer. Die These des Autors lautete, dass eine Gruppe um Czarzasty in Erwartung der Erlöse aus den widerrechtlichen Medienübernahmegeschäften geplant habe, ein SLD-nahes Medienkonglomerat zu schaffen. 2025 sprach sich der ehemalige Staatspräsident Komorowski (PO) deutlich gegen seine Wahl zum Sejmmarschall aus.

Im Jahr 2012 nahm er an den parteiinternen Wahlen zum Vorsitzenden der SLD für die Woiwodschaft Masowien teil und gewann diese gegen seine Konkurrentin Katarzyna Piekarska mit 111 zu 106 erhaltenen Stimmen. Bei der Parlamentswahl im Jahre 2015 kandidierte Czarzasty als Führer der Wahlliste in Płock für die Zjednoczona Lewica, ein von der SLD angeführtes Wahlbündnis. Da die seit 2005 im Abwärtstrend befindliche Partei mit ihren Bündnispartnern mit 7,6 % der Stimmen knapp an der für Wahlbündnisse geltenden 8-Prozent-Hürde scheiterte, erlangte er auch dieses Mal kein Mandat. Danach trat er in den Wahlen zum Parteivorsitz an und belegte im ersten Wahlgang den ersten Platz. Im zweiten Wahlgang, wo die Delegierten auf einem Parteikongress wählten, erhielt Czarzasty 428 Stimmen und gewann gegen Jerzy Wenderlich, welcher nur 305 Stimmen bekam. Bei den Selbstverwaltungswahlen 2018 kandidierte er vergeblich zum Sejmik der Woiwodschaft Masowien.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 26. August 2025. Bei der Parlamentswahl 2019 wurde er dann im Wahlkreis Katowice in den Sejm gewählt.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 26. August 2025. Nach der Wahl wählte ihn das Parlament zum stellvertretenden Sejmmarschall.Ergebnis auf sejm.gov.pl, abgerufen am 26. August 2025. Bei der Parlamentswahl 2023 verteidigte er sein Mandat.Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 26. August 2025. Anschließend wurde er erneut Vizemarschall des Sejm.Nachricht in Monitor Polski 2023, S. 1263. Im Koalitionsvertrag zur Bildung der neuen Regierung wurde zuvor vereinbart, dass Czarzasty nach der Hälfte der Legislaturperiode den bisherigen Sejmmarschall Szymon Hołownia (Polska 2050) ablösen soll.„Rotacyjność funkcji marszałków Sejmu i Senatu - są wątpliwości konstytucyjne“ auf www.prawo.pl, abgerufen am 26. August 2025.

Im Februar 2026 kam es zu einem verbalen Schlagabtausch mit dem US-Botschafter in Polen Tom Rose, der von Czarzasty eine Erklärung zugunsten der Friedensnobelpreisambitionen von Donald Trump erwirken sollte, was Czarzasty dezidiert ablehnte.

Einzelnachweise

Kategorie:Sejm-Abgeordneter (Dritte Republik) Kategorie:PZPR-Mitglied Kategorie:SLD-Mitglied Kategorie:Absolvent der Universität Warschau Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Mann