mini|Bei bildwechsel mini|Anleitung für ein altes Halb Zoll Videogerät mini|Videokabinett mini|Live Video-Überspielung Bildwechsel – Dachverband für Frauen, Medien, Kultur (Eigenschreibweise: bildwechsel) ist seit 1979 ein selbstverwaltetes, nicht kommerziell ausgerichtetes Künstlerinnenprojekt. Bildwechsel ist ein Aktionsforum zur Vernetzung, mit umfangreichen Archiven zu Leben, Werk und zur Repräsentationsgeschichte von internationalen Künstlerinnen aller Zeiten. Die größte Sammlung ist die Videokollektion von über 10.000 (Stand 7/2018) Titeln, die einen Panoramablick von Künstlerinnen auf die Welt ermöglichen.

Geschichte Das Künstlerinnenprojekt Bildwechsel ist als Teil einer politischen Bewegung 1979 aus dem Hamburger Medienladen in der Tradition selbstorganisierter Medienprojekte hervorgegangen, zunächst als Frauenmedienladen Hamburg (auch: Frauenmedienladen Bildwechsel). Die 1970er Jahre waren, im Rückbezug auf die späten 1920er Jahre, von der Hoffnung auf Autonomie, Emanzipation und Gegenkultur bestimmt. Diese Hoffnungen verbanden sich mit dem damals noch neuen Medium Video. Es entstand ein Netz alternativer Medienzentren. In der aufkommenden feministischen Bewegung fand dann eine Neubestimmung des Videoaktivismus statt. Von der damaligen Videolandschaft blieben das Medienpädagogik Zentrum Hamburg und Bildwechsel.

Mit Druckmaschine, Film- und Videogeräten ausgestattet, stellten die Gründerinnen Videoarbeiten her, zeigten Filme und gaben Zugang zu Austausch, Know-how und Equipment. Sie erstellten einen Videokatalog und weitere Publikationen und erprobten einen nicht kommerziellen Videoverleih. Sybille Bauriedl veröffentlichte am 17ten September 2008 bei The Thing Hamburg das Interview Bildwechsel – Dachverband für frauen / medien / kultur in Hamburg. Dort wurden die technischen Möglichkeiten der Zeit in der Rostocker Straße beschrieben:

Im Zentrum der Aktivitäten standen Videoproduktionen, Veranstaltungen und Projekte, die an einer kritischen, feministischen Medienkultur arbeiteten.

Technik Angefangen mit dem Portapak – dem ersten tragbaren Videogerät mit Kamera und Recorder – haben die Videoformate und Materialien seit der Einführung von Videotechnik bei Bildwechsel ständig gewechselt.

Es gab verschiedene Videokrisen, mit dem Bandmaterial, der Haltbarkeit oder der Mechanik. Die Bänder müssen immer wieder gespult und überspielt werden, um mit der jeweils aktuellen Technik gesehen werden zu können. Alte Geräte werden erhalten, um die Arbeiten in den Formaten ihrer Entstehungszeit zu sehen oder zu bearbeiten. Ab 1996 wuchs die Arbeit für die Bestandserhaltung und seit 2006 gab es dann einen musealen, aber technisch noch funktionsbereiten Videogerätepark aus Maschinen früherer Videoformate – hybrid zusammengeschlossen mit den aktuellen technischen Möglichkeiten.

Das Videomuseum ist das Restaurationslabor der audiovisuellen Medien von Bildwechsel und wurde 2006 – als Konsequenz und aus der Verantwortung für die der Videokollektion übergebenen Videos und Filme – eingerichtet. Im Einzelnen sind das Performancevideos, Infobänder (heute: Tutorial), Agitationsvideos, Dokumentationen, Livemitschnitte, Homevideos, Videoessays, Spielfilme, Videotagebücher und Kunstvideos. Ein Schwerpunkt liegt auf künstlerischen Experimenten mit audiovisuellen Medien und besonders auf engagierten, selbstproduzierten Arbeiten.

Arbeitsweise Freiwillige Arbeit und Beiträge von über 200 Künstlern pro Jahr sind die Basis der Aktivitäten. Der Hintergrund der Archive ermöglicht es, Bildwechsel jeweils als Künstlerinnengruppe, als gemeinsames Studio oder Atelier zu begreifen, wo Materialien, Bücher und Videos als Anregungen und zur Kontextualisierung eigener Produktionen wirken können.

Ausgehend von den seit 1997 bezogenen Räumen in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofes mit wöchentlichen Öffnungszeiten, arbeiten weitere sogenannte „Bildwechsel Bases“ eigenständig in Berlin, Glasgow und Basel. Bildwechsel entwickelt modellhafte Formate, mit denen gesammelte und neu produzierte Materialien öffentlich gezeigt und vorgestellt werden können. Die Frage nach Repräsentationen, nach internationalen Systemen und strukturellen Unklarheiten in Bezug auf die Organisation von Gender und Kunst ist auch die Frage nach dem Spielraum in diesen Modellen. So entstand auch die virtuelle Galerie Helga Broll, die Performancegruppe Evi Nic und C, die für Bildwechsel das Galeriespiel, den Bubenball oder die vegane Oper, entwickelt haben. Kooperationen z. B. mit dem InformationsdienstInformationsdienst der Cyberfeministischen Konferenz, dem Frauenkulturlabor Thealit, dem Kunstraum Kaskadenkondensator, dem Queer Institut oder der Kunsthistorikerinnentagung.

Bildwechsel ist offen für Projekte, Vorhaben, Veranstaltungen und Kooperationen und inspiriert seine Projekte an den Fragen der mitarbeitenden Aktiven. Für bildwechsel ist das Reaktualisieren von Ideen, Formen, Filmen und Zusammenhängen und ein mitreflektieren historischer Bezüge ein künstlerisches Umgehen mit Material und zeitgemäße künstlerische Praxis. Mit jeder Sammlung wird ein Projekt lanciert. mini|Textile Adaption des Bildwechsel-Videoschlosses von Stef. Engel (2022)

Seit 2006 wird der Künstler*innenbasierte Sammlungs- und Aktionsschwerpunkt ständig erweitert. Es gibt eigene Sammlungen und Präsentationen mit Produktionen in trans*, queer und intersexuellen Kontexten, zum Berliner Kulturort Pelze Multimedia, zur Hamburger Off-Kunstorte-Szene oder auch eine Sammlung mit gegebenem Material von Künstlern, die bei bildwechsel archiviert und gefunden werden möchten. Im Internet vernetzt ein Künstlerinnenportal, verschiedene online Aktionen wie Videokalender und ein virtuelles Präsentationsmodell für einen Teil des Bestandes – das Videoschloss. Teile des Bestandes werden mit sogenannten Schwarmsichtungen – einem Format zum Sichten von Videos in kleinen Gruppen oder alleine während einer Veranstaltung – präsentiert.

Literatur Margret Köhler (Hrsg.): Alternative Medienarbeit: Videogruppen in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1980. Hamburger Frauengruppen stellen sich vor. Bildwechsel, Kultur- und Medienzentrum für Frauen e.V. (Hrsg.). ca. 1980. Dorothée von Diepenbroick, Skadi Loist (Hrsg.): Bild-schön: 20 Jahre Lesbisch-Schwule Filmtage Hamburg. Männerschwarmverlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-939542-74-2.

Dagmar Brunow: "Arkivering som konstnärlig handling: videogruppen bildwechsel i Hamburg". Walden. Tidskrift för filmkritik. 19/20, 2020. S. 91–96.

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