mini|hochkant|Armin Reumann, 1912

Armin Reumann (* 14. Mai 1889 in Sonneberg; † 29. Oktober 1952 in Jena) war ein deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Nachimpressionisten, dessen zeichnerisches und malerisches Werk sich an den Methoden und Prinzipien der Pleinairmalerei und des deutschen Impressionismus orientierte. Seine Modernität bestand ab 1915 im Stilpluralismus.

Leben und Wirken Kindheit und Jugendjahre Armin Reumann wurde am 14. Mai 1889 in Sonneberg am Südhang des Thüringer Waldes geboren. Er war das älteste von drei Kindern des Spielwarenfabrikanten Hermann Reumann und dessen Frau Emma, geb. Römhild. Der Vater der Mutter und zwei ihrer Brüder, Otto und Ewald, waren als Modelleure für verschiedene Spielzeug- und Porzellanhersteller gestalterisch tätig. Von 1895 bis 1903 besuchte Armin Reumann die protestantische Volksschule in Sonneberg. Nachdem die malerische Begabung des heranwachsenden Armin schon früh zu Tage getreten und durch seine Eltern gefördert worden war, setzte ein Schlaganfall des Vaters seinen künstlerischen Ambitionen zunächst ein frühes Ende. Nach der Konfirmation zu Ostern 1903 begann Armin Reumann seine Ausbildung bei Reinhard Möller in der zu jener Zeit überregional bekannten „Industrieschule Sonneberg“, die u. a. mit der Schaugruppe "Thüringer Kirmes" auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel einen "Grand Prix" gewann. An der Industrieschule blieb er 3 Jahre, um gemäß der Familientradition den kunsthandwerklichen Beruf des Modelleurs zu erlernen. Bei den dort jährlich stattfindenden Konkurrenzen errang Reumann mehrere Preise und der Landesherr Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen wurde offensichtlich durch seinen Sohn Ernst von Sachsen-Meiningen auf das malerisch und zeichnerisch hervorragende Talent des jungen Sonnebergers aufmerksam gemacht. Ein von seiner Hoheit Herzog Georg II. reich bemessenes Stipendium ermöglichte Armin Reumann die Fortsetzung seiner Ausbildung und – dem Rat seiner Lehrer folgend – ein Studium in München aufzunehmen. Im November 1906 verließ Reumann die Industrieschule in Sonneberg als einer ihrer besten Schüler mit einem vortrefflichen Abgangszeugnis, in dem er "seinen ferneren Lehrern und Gönnern"Abgangszeugnis Armin Reumann, Industrieschule Sonneberg, 13. November 1906, Sonneberg (Privatbesitz) auf das Wärmste empfohlen wurde.

Studium in München und frühes Schaffen Im folgenden Jahr übersiedelte Armin Reumann nach München. Nach dreiwöchiger Aufnahmeprüfung im April 1907 wurde Reumann in die Malklasse von Hugo Freiherr von Habermann (Gründungsmitglied der Münchner Secession und seit 1904 deren Präsident) aufgenommen. Es begann eine eifrige Zeit des Studierens, die mit sichtbaren Erfolgen gekrönt war. Binnen kurzer Zeit avancierte Reumann zum Meisterschüler Hugo von Habermanns und bezog ein Meisteratelier an der Kunstakademie. Der umfangreiche Briefwechsel mit seinem Lehrer und Mentor Hugo von Habermann ist erhalten geblieben und dokumentiert die hohe Wertschätzung, die Reumann bei diesem uneingeschränkt genossArmin Reumann, 18 Briefe an Hugo von Habermann in seiner Funktion als 1. Präsident der Münchner Secession, 1908–1925, Nachlass Hugo von Habermann, Würzburg, Städtische Galerie (Archiv). In der Habermann-Klasse bevorzugte Reumann die Portraitmalerei. Von seinen Anleihen an die Malschule Habermanns zeugt ein Frauenbildnis des damals 19-jährigen, dessen künstlerische Ambition sich auf die großen Leistungen berühmter Vorgänger wie Adolph von Menzel, Gustave Courbet oder Eduard Manet beruft und bereits im Vergleich mit deren Portraitmalerei bestehen konnte.

zentriert|mini|Armin Reumann: Frauenbildnis, 1908. Seit dem Besuch der X. Internationalen Kunstausstellung im Jahr 1909 galt sein uneingeschränktes Interesse jedoch der ersten Phalanx des deutschen Impressionismus: Max Liebermann (1847–1935), den er verehrte, sowie Lovis Corinth (1858–1925) und Max Slevogt (1868–1932), die ihn herausforderten. Daraufhin löste sich Reumann von seiner fulminanten Auftaktmalerei, um nun, mit dem pastosen Farbauftrag eines Lovis Corinth und einer neuen Orientierung zum Licht, eine ganz eigene freie und selbstständige künstlerische Handschrift zu entwickeln.

zentriert|mini|349x349px|Armin Reumann: Kahler Hang mit Holzfuhrwerk, 1914. Als Reumanns Stipendium auslief, ergriff er Anfang des Jahres 1910 die Gelegenheit, sich mit einer Ausstellungsbeteiligung im Münchner Kunstverein im etablierten Umfeld zu präsentieren. Angeregt durch den Ausstellungserfolg, stellte er wenige Wochen später innerhalb der Münchner Secession im königlichen Glaspalast sein Gemälde „Tauwetter“ ausGlaspalast Kataloge (unter Mitwirkung der Secession München), 1910, 1911, 1912., das einen Ausblick auf die Welt der Münchner Hinterhöfe mit dem abtauenden Schnee kurzlebiger Wintertage zeigte. Darüber hinaus folgte im Spätherbst Reumanns erste Einzelausstellung in Brakls Moderner Kunsthandlung – München mit einem Teil seiner im Sommer entstandenen Bilder und Studien.

Ernst von Sachsen-Meiningen besuchte die Ausstellung in München und erwarb ein „Gemüsestillleben auf dunklem Grund“ für seine KunstsammlungErnst von Sachsen-Meiningen, Briefe an Armin Reumann, 1906–1910, Sonneberg (Privatbesitz).

Reumann, nunmehr ein bereits geachteter Maler, stellte im Frühjahr 1911 zwei Gemälde in der Münchner Secession aus. Die Leipziger „Illustrierte Zeitung“ hob vor allem das „Soldatenporträt“ hervor, das, in natürlicher Lebendigkeit des Vortrags, den Unteroffizier eines Eisenbahnbataillons zeigte. Ein wichtiger Auftrag des kunstsinnigen Ernst von Sachsen-Meiningen umfasste Porträts von Mitgliedern des Herzoghauses, die zuerst in Meiningen mit großem Interesse besichtigt und anschließend in Gotha im Schloss ausgestellt wurden. Maßgeblich auf das Betreiben des Prinzen erhielt Reumann weitere Aufträge, die der Maler im August und September 1911 für das Schloss Altenstein ausführte. Auf der Frühjahrsausstellung der Münchner Secession im März und April 1912 präsentierte Reumann zwei stimmungstiefe Gemälde mit Motiven aus Münchens StraßenGlaspalast Kataloge (unter Mitwirkung der Secession München), 1910, 1911, 1912..

Eine weitere, vielbeachtete Ausstellung in „Brakls Moderner Kunsthandlung“ in München hob erneut die Bedeutung des jungen Malers hervor und die bekannten Kunstkritiker Hermann Esswein und Fritz von Ostini sahen in Reumanns rasanter Entwicklung eine erfolgreiche Malerkarriere voraus. Die von Anfang an wohlwollende Kritik tendierte mehr und mehr dahin, in Reumann einen der führenden Avantgardisten Münchens zu erkennen. Zu dieser Zeit wurde auch der renommierte Galerist und Sammler Heinrich Thannhauser auf Armin Reumann aufmerksam. Für den jugendlichen Maler Reumann war dessen „Moderne Galerie“ im Arco-Palais in der Theatinerstraße eine der ersten Adressen; kurz vor der Zusammenarbeit mit Reumann hatte dort die erste Ausstellung der expressionistischen Gruppe „Der Blaue Reiter“ stattgefunden. Als Reumann im Mai 1912 seine erste Einzelausstellung in der Thannhauser-Galerie zeigte, hatte er diesen Wegbereiter – auch der französisch-impressionistischen Avantgarde – für sich gewonnen. Fortan waren Reumanns Gemälde regelmäßig in Thannhausers Arco-Galerie zu sehen, wo er sich die Räume mit Malern wie Max Liebermann oder Auguste Renoir teilte. In dem, von Wilhelm Hausenstein 1916 verfassten, großen Katalogwerk der Galerie Thannhauser in München steht der Name Reumanns neben denen von Beckmann, Munch, Pechstein, Kubin, Klee, Marc, Macke, Kandinsky und PicassoModerne Galerie, Heinrich Thannhauser, München 1916 (Taf. 79–85; Nachtrag I, 1916, Nachtrag II, 1917).. Eine wichtige Portraitserie im August 1912 betraf den Komponisten Max Reger, der zu dieser Zeit als Hofkapellmeister in Meiningen wirkte.

zentriert|mini|240x240px|Armin Reumann: Der Komponist Max Reger, 1912. Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen erwarb die Porträts, darunter mehrere Kohlezeichnungen und Radierungen, die sich heute im Max-Reger-Institut in Karlsruhe und im Max-Reger-Archiv in Meiningen befinden und zu den besten Bildnissen Max Regers zählen.

Der unerwartete Tod des Vaters im August 1912 ließ bei Reumann bittere Zweifel an der Fortführungsmöglichkeit seiner Künstlerlaufbahn aufkommen. Im September und Oktober 1912 richtete der Leipziger Kunstverein die erste Reumann-Ausstellung in Leipzig aus; einen Teil der dort ausgestellten Gemälde schickte Thannhauser aus MünchenHeinrich Thannhauser, München, Brief an Armin Reumann vom 19.08.1912, Sonneberg (Privatbesitz). Aus Reumanns Begegnung mit Heinrich Thannhauser entwickelte sich zunehmend eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit, der Anfang des Jahres 1913 eine weitere Einzelausstellung des Sonneberger Malers folgte. Unter den Besuchern waren Max Liebermann und Max Slevogt, die seine Bilder bei einem Rundgang durch die Ausstellung würdigten und Reumann in seinem Vorhaben – vom kulturell stagnierenden München nach Berlin zu wechseln – bestärkten. Max Liebermann riet dem jungen Maler sich dort der Berliner Secession anzuschließen. In den Sommermonaten 1913 reiste Reumann zu einem längeren Studienaufenthalt nach Italien, wo er u. a. Straßenbilder von Tobole, Riva, Simione am Gardasee, sowie Ansichten der italienisch geprägten Stadt Ragusa (heute Dubrovnik) malte und vor allem seine avantgardistische Aquarellmalerei entfaltete.

zentriert|mini|276x276px|Armin Reumann: Im Café, 1913. Noch im gleichen Jahr besuchte Armin Reumann an der Akademie als Studierender (Wintersemester 1913/14 und Sommersemester 1914) die Kompositionsklasse von Angelo Jank, der für seine in impressionistischer Manier gemalten Jagdbilder bekannt war. Nachdem sich Reumann als Akademiker einen geachteten Namen in der Münchner Kunstwelt erworben hatte, plante er seinen Umzug nach Berlin, dem damaligen Neuen Zentrum der deutschen Kunst. Aufgrund dessen nahm er Anfang 1914 Kontakt zu Ulrich Hübner auf, der für die Vergabe der Meisterateliers an der Königlichen Akademie der Künste zuständig war.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 machte die Umzugspläne zunichte und das Leben des 25-jährigen Malers sollte sich von nun an grundlegend ändern. Wenige Wochen nach Kriegsausbruch kehrte Armin Reumann von München nach Sonneberg zurück, um in heimischer Umgebung den Einberufungsbefehl zum Kriegsdienst abzuwarten.

Soldat und Maler ohne Pathos und Propaganda im Ersten Weltkrieg Im Frühjahr 1915 wurde Reumann eingezogen und nach der Grundausbildung in Hildburghausen an die Front geschickt. Er gehörte dem 2. Thüringischen Infanterie-Regiment an, das im Herzogtum Sachsen-Meiningen ausgehoben wurde. Nach einer Verwundung (Streifschuss) und längerem Lazarettaufenthalt wurde Armin Reumann als „Maler mit Sonderstatus“ auf dem Balkan (Istip, Uesküb) eingesetzt. Dabei entstanden zahlreiche Zeichnungen und Bilder, die das Leben der Soldaten und das Kriegsgeschehen in allen Facetten schilderten. Auffallend ist Reumanns Fähigkeit, seinen Themen in verschiedenen, immer modernen Ausdrucksweisen zu begegnen. Verschiedene Zeitschriften, u. a. auch die „Jugend“, veröffentlichten diese lebendigen, farbigen BlätterDie Jugend, Nr. 44 (1916)..