mini|Außenansicht der Pfarrkirche St. Jakob mit modernem Anbau von Nordwesten, im Vordergrund die Seelenkapelle mini|Innenansicht mini|Blick über den Marktplatz von Langquaid zur Pfarrkirche St. Jakob Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Jakob in Langquaid im Landkreis Kelheim in Niederbayern ist ein im Kern spätromanischer Kirchenbau aus dem 13. Jahrhundert, der im Laufe der Jahrhunderte einige Veränderungen erfuhr. Das Gotteshaus am historischen Marktplatz von Langquaid ist dem heiligen Jakobus dem Älteren (Gedenktag: 25. Juli) geweiht.

Geschichte

Pfarrgeschichte

Langquaid als Filiale der Pfarrei Sandsbach Die Pfarrei Langquaid ist noch vergleichsweise jung; sie wurde erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtet. Zuvor gehörte der Markt im Tal der Großen Laber kirchlich zur Pfarrei Sandsbach, einer seit dem 9. Jahrhundert bestehenden Urpfarrei. Erstmals erwähnt wurde diese Zugehörigkeit in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1037. Damals vermachte Graf Eberhard II. von Ebersberg die Pfarrei Sandsbach einschließlich der Filiale „Langwaida“ (das heutige Langquaid) dem neu gegründeten Benediktinerinnenkloster Geisenfeld. Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 waren sowohl die Pfarrei Sandsbach als auch die Filiale Langquaid dem Kloster Geisenfeld inkorporiert. Die meisten Bewohner waren im Hochmittelalter freie Bauern, die dem Landgericht Abbach und später dem Landgericht Kelheim unterstellt waren.Karl Burgmayer: Die Geschichte der Pfarrei Langquaid. In: 150 Jahre Pfarrei St. Jakob – Eine Festschrift der kath. Pfarrei St. Jakob in Langquaid, S. 13–22.Kath. Pfarrei St. Jakob Langquaid: Historie der Pfarrgemeinde. Online auf www.st-jakob-langquaid.de; abgerufen am 26. Januar 2017.

Nachdem Langquaid um 1280 zum Markt erhoben worden war, stieg die Einwohnerzahl deutlich, aber es fanden dort weiterhin keine regelmäßigen Gottesdienste statt. Diesen Zustand beschrieb Pfarrer Heinrich Stadler in seiner Chronik von Langquaid und Umgebung im Jahr 1908 folgendermaßen: „Von der Pfarr aus wurde an jedem dritten Sonntag Gottesdienst vom Cooperator abgehalten, der aber wegen Verrichtungen in der Pfarrkirche oder auf den Filialen Adlhausen und Laaber manchmal erst nach 6 oder 7 Wochen stattfand.“ Obwohl Langquaid mehr als den dritten Teil der Seelen der ganzen Pfarrei gehabt habe, sei es von den Pfarrherren in Sandsbach stets „stiefmütterlich in Abhaltung der Gottesdienste und Besorgung des Seelenheils bedacht“ worden.

Das Huber’sche Benefizium (1412) Dies änderte sich erst mit der Stiftung eines Benefiziums durch Konrad Hueber, Propsteirichter zu Sandsbach, im Jahr 1412. Ab diesem Zeitpunkt war mit dem Benefiziaten erstmals ein Seelsorger in Langquaid ansässig, für den Ecke Kelheimer und Leierndorfer Straße ein Benefiziatenhaus errichtet wurde. Bemerkenswert ist, dass der Stifter völlige Eigenständigkeit für sein Benefizium wünschte und somit keine Einmischung des Sandsbacher Pfarrers vorgesehen war. Der Benefiziat durfte nun an Sonntagen, an denen von der Pfarrei aus kein Gottesdienst in Langquaid gehalten wurde, die Frühmesse feiern. Die Langquaider Filialkirche konnte aber bei nur einem Gottesdienst gar nicht alle Gläubigen fassen, da es laut einer Diözesanmatrikel im Jahr 1666 in Langquaid bereits 1050 Katholiken gab, die zum Empfang der heiligen Kommunion berechtigt waren. Viele Gläubige mussten deshalb trotz des Frühmessbenefiziums zur Erfüllung des Sonntagsgebots den Gottesdienst in Sandsbach besuchen. Dies führte zur Unzufriedenheit bei der Bevölkerung und zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Benefiziat und Pfarrer.

Vertrag von 1673 Dieser unbefriedigende Zustand hielt an, bis am 31. Mai 1673 in einem Vertrag die Beziehung zwischen dem Benefiziaten von Langquaid und dem Pfarrherrn von Sandsbach genauer geregelt wurde. In 24 Punkten wurde darin die Abhaltung von Messen im Laufe eines Jahres in der Filialkirche Langquaid, die Sakramentenspende sowie die Bezahlung des Langquaider Benefiziaten, des Sandsbacher Pfarrers, des Mesners und des Schullehrers geregelt. Allerdings war in dem Vertrag an Sonn- und Feiertagen weiterhin nur eine Frühmesse in Langquaid vorgesehen. Die Abhaltung von Taufen und Hochzeiten war ausschließlich der Pfarrgeistlichkeit von Sandsbach vorbehalten. Außerdem mussten von den Pfarrangehörigen von nun an höhere Abgaben für die Vergütung der Geistlichen entrichten. Der Unzufriedenheit und dem Streit zwischen der Filiale Langquaid und der Pfarrei Sandsbach konnte auf diese Weise kein Ende gesetzt werden.

Das Wimmer’sche Benefizium (1719) So stiftete im Jahr 1719 Rosina Wimmer, Witwe des Brauereibesitzers Carl Sigmund Wimmer, ein zweites Benefizium. Für den zweiten Benefiziaten wurde ein Haus an der Stelle des heutigen Pfarrhofs erworben. Die Stiftung umfasste zusätzliche Messen an Werktagen sowie einen zweiten Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen, außerdem die Begleitung der alljährlichen Wallfahrten nach Bettbrunn und Mallersdorf. Außerdem war wiederum eine völlige Unabhängigkeit des Benefiziaten von der Pfarrei Sandsbach vorgesehen. Trotzdem sollten die pfarrlichen Rechte unangetastet bleiben. Somit durften Seelsorgehandlungen wie Taufen, Hochzeiten oder Versehgänge (Provisur) auch weiterhin nur von der Pfarrgeistlichkeit aus Sandsbach vorgenommen werden. Das Wimmer’sche Benefizium ist seit 1965 nicht mehr besetzt; die Provisur ist dem jeweiligen Pfarrer von Langquaid übertragen.

Erhebung zur Pfarrei im 19. Jahrhundert Mit der Säkularisation 1803 endete die Verbindung der Pfarrei Sandsbach und deren Filiale Langquaid zu dem nunmehr aufgelösten Kloster Geisenfeld. Als dann im Jahr 1808 der Pfarrer von Sandsbach, Dechant Michael Haimerl, starb, versuchten die Bürger von Langquaid und ebenso die Bewohner von Adlhausen, die Errichtung einer jeweils eigenen Pfarrei durchzusetzen. Am 15. Mai 1808 wurde dieses Bestreben mit der Begründung abgelehnt, „dass für den Markt Langquaid bey einer Bevölkerung von 508 Seelen und bey seiner Lage gegen Sandsbach die Errichtung einer eigenen Pfarrey kein dringendes Bedürfnis ist“.

Der Nachfolger Haimerls für die kommenden 31 Jahre war Pfarrer Lorenz Sick, der allerdings auf Langquaid nie gut zu sprechen war. Als dieser im Jahr 1849 verstarb, fassten die Bewohner Langquaids neue Hoffnung in Bezug auf die Errichtung einer selbstständigen Pfarrei. In der Ausschreibung der frei gewordenen Pfarrstelle war nämlich bereits vermerkt, dass der Bewerber damit zu rechnen habe, dass Langquaid demnächst aus der Pfarrei herausgelöst werde. In den Jahren 1850 bis 1852 verhandelten sich also die Langquaider unter Führung ihres Bürgermeisters Jakob Mallia mit der königlichen Regierung in München und dem bischöflichen Ordinariat in Regensburg über die Erhebung zur Pfarrei. Im Jahr 1852 schienen die Plänen bereits so gut wie aufgegeben, als die Langquaider den Pfarrkuraten Georg Michael Schmid von Paring, der von 1839 bis 1844 selbst Benefiziat in Langquaid war, und den Landrichter Max Schütz von Rottenburg für sich gewinnen konnten. Mit dieser neuen Fürsprache zeigte sich endlich auch der Regensburger Bischof Valentin Riedel aufgeschlossen und nahm sich persönlich der Sache an.

Er erwirkte bei König Maximilian II. von Bayern am 16. Juli 1854 einen Erlass, in dem die Gründung einer Pfarrei in Langquaid angeordnet wurde. Am 17. August 1854 wurde die offizielle Auspfarrung Langquaids vorgenommen. Das Huber’sche Benefizium ging mit sämtlichen Besitzungen in die neue Pfarrei über. Die beiden Benefiziatenhäuser wurden getauscht, sodass sich der Pfarrhof nunmehr unmittelbar neben der Kirche befindet. Die Amtseinführung des ersten Pfarrers von Langquaid erfolgte erst am 21. Oktober 1855, nachdem alle benötigten Gebäude fertiggestellt waren. Erster Pfarrer wurde Joseph Fritz, der bereits seit 1844 Benefiziat auf dem Huber’schen Benefizium war und sich dabei sehr für die Erhebung Langquaids zur Pfarrei eingesetzt hatte. Eine Gedenktafel zu seinen Ehren befindet sich rechts neben der Sakristeitüre.

Geschichte der Pfarrei Langquaid (seit 1854) Dass die Langquaider die Vorzüge einer eigenen Pfarrei sehr zu schätzen wussten, berichtete Pfarrer Joseph Fritz 1860 in seiner Pfarrbeschreibung: „An den Sonn- und Feiertagen wird bei großer Teilnahme das Wort Gottes verkündet. Bei der Frühmesse ist der Besuch überaus groß, weil auch viele aus Nachbarpfarreien kommen, beim sonntäglichen Hauptgottesdienst ist die Teilnahme sehr groß; auch die Nachmittagsgottesdienste (Litanei) sind überaus gut besucht.“ Damals gehörten der neu gegründeten Pfarrei 700 Seelen an.

Zunächst war diese sehr eng auf das Gebiet des Marktes Langquaid begrenzt. Doch mussten aufgrund des Bevölkerungswachstums und der damit verbundenen Ausdehnung des Ortes zweckmäßigerweise auch Veränderungen am Pfarrsprengel vorgenommen werden. So wurde 1936 und 1994 die Grenze der Pfarrei jeweils um ein Stück nach Nordosten verschoben werden. Die Nachbarpfarrei Paring trat dazu jeweils einen kleinen Teil ihres Sprengels an Langquaid ab. Allerdings gehört heute immer noch nicht der ganze Markt Langquaid auch zur Pfarrei. Die Siedlung südlich der Abensberger Straße ist weiterhin der Pfarrei Sandsbach zugeordnet. Möglicherweise erfolgt hier in nächster Zeit eine neuerlich Anpassung des Pfarrsprengels.

Baugeschichte mini|250px|Romanischer Turmunterbau aus Hausteinquadern mini|250px|Frühgotisches Eselsrelief

Errichtung einer romanischen Kirche im 13. Jahrhundert An der Stelle der Kirche St. Jakob stand zunächst wohl eine kleine Holzkapelle, über die aber nichts Genaueres bekannt ist. Um die Zeit der Markterhebung Langquaids im 13. Jahrhundert dürfte ein spätromanischer Steinbau entstanden sein, von dem noch Teile im Chor sowie im Turm erhalten sind. Einige Darstellungen aus dieser Zeit, die an dem Kirchenbau zu finden sind, geben bis heute Rätsel auf. So ist unklar, was das Eselsrelief an der südlichen Außenmauer des Chores und die menschliche Figur in einer Nische über der Sakristei zu bedeuten haben. Beide Werke sind dem frühgotischen Stil zuzuordnen und dürften etwa aus der Entstehung des ersten Kirchenbaus stammen. Auch die Bedeutung des eingemauerten Fratzenkopfes am Turm ist bis heute nicht geklärt.Brigitte Becher: Die Pfarrkirche St. Jakobus. In: 150 Jahre Pfarrei St. Jakob – Eine Festschrift der kath. Pfarrei St. Jakob in Langquaid, S. 33–37.

Veränderungen im 15. Jahrhundert Im 15. Jahrhundert, also in der Spätgotik, wurden größere Veränderungen an dem Kirchenbau vorgenommen. Das romanische Kirchenschiff wurde erhöht, im zeittypischen Stil eingewölbt und zum Chorraum umgestaltet. Daran ist in westlicher Richtung ein neues, deutlich größeres Langhaus angebaut.Pfarrgemeinde St. Jakob Langquaid: Interessantes zum Kirchenbau. Online auf www.st-jakob-langquaid.de; abgerufen am 4. März 2016.

Barockisierung um 1740 Um 1740 wurde die Anlage barockisiert und erhielt in weiten Teilen ihre heutige Gestalt. Vor allem der Innenraum wurde dem damaligen Zeitgeschmack am Übergang vom Spätbarock zum Rokokostil angepasst. Außerdem wurden die Chorbogen, die Fenster und das Südportal barock verändert, die heutige Sakristei angebaut und der Turm auf nunmehr 33 Meter erhöht. Der Säulenvorbau am Südportal dürfte dagegen bereits aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Veränderungen im 20. und 21. Jahrhundert