Die Antonow An-28 (NATO-Codename: „Cash“) ist ein in der Sowjetunion entwickeltes Passagierflugzeug. Es entstand aus der Antonow An-14. Wesentliche Unterschiede sind die Verwendung von Propellerturbinen und die größere Kabine. Die Maschine besitzt Fähigkeiten zu Kurzstart und -landung (STOL-Eigenschaften).
Geschichte Von der An-14 existierte bereits ein Prototyp mit Propellerturbinenantrieb. Dieser wurde weiterentwickelt und so konnten die Flugtests 1972 abgeschlossen werden. Die Fertigungsvorbereitungen für den eigentlichen Prototyp begannen 1973. Im April erhielt der Prototyp die auch für die Serie vorgesehenen 974 PS leistenden Triebwerke Gluschenkow TWD-10. Die Serienproduktion wurde an PZL Mielec vergeben, wo im Sommer 1978 der zweite Prototyp fertiggestellt wurde.
Die Serienfertigung in Polen begann mit einem ersten Auftrag über 15 Maschinen. Bis zum 1. Januar 1991 waren 163 Maschinen bestellt.
Konstruktion mini|An-28 mit Skifahrwerk Das als abgestrebter Schulterdecker ausgelegte Flugzeug wird von zwei Propellerturbinen angetrieben. Das Seitenleitwerk ist zweigeteilt und befindet sich am Ende des Höhenleitwerks. Das Bugradfahrwerk ist nicht einziehbar. Die Hauptfahrwerksräder befinden sich dabei an kleinen Stummelflügeln. Die Maschine ist komplett aus Metall hergestellt. Die Kabine hat keine Druckbelüftung.
Versionen Es gab im Jahr 1991 Versuche, das Pratt & Whitney PT6A65B zu verwenden. Die damit ausgerüstete Variante An-28 PT startete im Frühjahr 1993 zum Erstflug. Als PZL M-28 Skytruck werden die Maschinen in geringen Stückzahlen hergestellt.
Eine verlängerte Variante der An-28 ist als Antonow An-38 entwickelt worden.
Zwischenfälle Vom Erstflug 1969 bis Ende August 2026 kam es mit An-28/PZL M-28 zu 38 Totalschäden von Flugzeugen. Bei 17 davon kamen 116 Menschen ums Leben. Aviation Safety Network Beispiele:
Am 19. Oktober 1992 verunglückte eine An-28 der Aeroflot (CCCP-28785) beim Start auf einem kleinen Flugplatz bei Ust-Nem (Republik Komi, Russland). Von den 13 Passagieren und 2 Besatzungsmitgliedern an Bord der Maschine überlebte nur ein Passagier den Unfall. Aviation Safety Network
Am 23. November 2001 verunglückte eine An-28 der estnischen ELK Airlines (ES-NOV), welche das Flugzeug von der ebenfalls estnischen Enimex gemietet hatte, auf dem Flug vom Flughafen Tallinn-Lennart Meri zum Flughafen Kärdla (Estland). Die Maschine flog beim Landeanflug zu tief und kollidierte circa 1,5 Kilometer vor der Landebahn entfernt mit Bäumen. Von den 17 Personen an Bord kamen 2 bei dem Unfall ums Leben. Aviation Safety Network
Am 29. August 2002 wurde eine Antonow An-28 der russischen Vostok Aviakompania (RA-28932), aus Chabarowsk kommend, beim zweiten Landeanflug auf Ajan, Russland, in dichtem Nebel etwa 5 Kilometer vor dem Flughafen in den Boden geflogen. Bei diesem Controlled flight into terrain (CFIT) wurden alle 16 Menschen an Bord getötet. Aviation Safety Network
Am 10. Februar 2003 verunglückte eine An-28 der estnischen Enimex (ES-NOY) auf einem Frachtflug bei einem Startversuch am Flughafen Tallinn-Lennart Meri nur 4 Sekunden nachdem die Maschine von der Landebahn abgehoben hatte. Vorausgegangen war ein Triebwerksschaden. Von den 3 Besatzungsmitgliedern an Bord kamen 2 bei dem Unfall ums Leben. Aviation Safety Network
Am 3. August 2006 flog eine An-28 der TRACEP Congo Aviation (9Q-COM) 15 Kilometer vom Zielort Bukavu (Demokratische Republik Kongo) entfernt bei tiefer Bewölkung in einen Hügel. Bei diesem Controlled flight into terrain (CFIT) kamen alle 17 Personen an Bord ums Leben. Das Lufttüchtigkeitszeugnis der Maschine war abgelaufen. Aviation Safety Network
Am 3. April 2008 flog eine An-28 der surinamischen Blue Wing Airlines (PZ-TSO) nach einem versuchten Durchstart-Manöver am Lawa-Antino Airport (Suriname) in bewaldetes Gelände. Bei diesem Controlled flight into terrain (CFIT) kamen alle 19 Personen ums Leben. Die Maschine war zuvor am Flugplatz Zorg en Hoop gestartet.
Am 10. Mai 2010 verunglückte eine An-28 der Blue Wing Airlines (PZ-TSV) auf dem Weg vom Godo Holo Airstrip zum Flugplatz Zorg en Hoop im östlichen Teil von Suriname in bewaldetem Gebiet. Alle 8 Personen an Bord kamen bei dem Unfall ums Leben. Aviation Safety Network
Am 30. Januar 2012 verunglückte eine An-28 der TRACEP Congo Aviation (9Q-CUN) bei einem Frachtflug auf dem Weg von Bukavu nach Namoya (Demokratische Republik Kongo). Die Maschine verunglückte im Anflug, 10 Kilometer vom Zielort entfernt. Dabei kamen 3 der 5 Insassen an Bord ums Leben. Das Wrack konnte erst am nächsten Tag lokalisiert werden. Aviation Safety Network
Am 12. September 2012 wurde eine Antonow An-28 der Petropavlovsk-Kamchatsky Air (Luftfahrzeugkennzeichen RA-28715) beim Anflug auf Palana auf der Kamtschatka-Halbinsel gegen einen Berghang, 10 Kilometer vom Flugplatz entfernt, geflogen. Dabei kamen 10 Personen ums Leben, 4 Personen überlebten. Die Besatzung war offensichtlich über ihre Position im Unklaren gewesen, außerdem waren beide Piloten alkoholisiert (siehe auch Petropawlowsk-Kamtschatski-Air-Flug 251).Unfallbericht An-28 RA-28715, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. September 2020.
Am 3. Oktober 2017 verunglückte eine als Ambulanzflugzeug betriebene Antonow An-28 (UP-A2807) der kasachischen East Wing mit fünf Personen an Bord auf dem Weg vom Flughafen Almaty zum Flughafen Schymkent (Kasachstan). Die An-28 zerschellte am Boden und fing kurz darauf Feuer. Alle fünf Personen an Bord starben bei dem Unfall. Aviation Safety Network
Am 10. September 2022 verunglückte eine An-28 der TRACEP CONGO Aviation (9S-GAX) circa 13 Kilometer nach dem Start auf einem Frachtflug vom Startflughafen Bukavu entfernt (Demokratische Republik Kongo). Alle 3 Besatzungsmitglieder an Bord kamen bei dem Unfall ums Leben. Das Wrack der Maschine konnte erst am 19. September 2022 lokalisiert werden. Aviation Safety Network
Technische Daten Kenngröße Daten Besatzung 1–2 Passagiere 18 Länge 13,10 m Spannweite 22,06 m Höhe 4,90 m Flügelfläche 39,72 m² Flügelstreckung 12,25 Kabinenabmessungen(Breite × Höhe × Länge) 1,74 × 1,60 × 5,26 m Nutzlast 2000 kg Leermasse 3900 kg max. Startmasse 6500 kg zulässiges Lastvielfaches +3g Höchstgeschwindigkeit 390 km/h Reisegeschwindigkeit 350 km/h in 3000 m Höhe Abhebegeschwindigkeit 135 km/h Anfängliche Steigrate 500 m/min Startrollstrecke 260 m Landerollstrecke 170 m Dienstgipfelhöhe 6000 m Reichweite 560 bis 1365 km Antrieb zwei Turboproptriebwerke Gluschenkow TWD-10B mit je Propellerdurchmesser 2,80 m
Siehe auch Liste von Flugzeugtypen
Weblinks
Einzelnachweise
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