mini|hochkant=2.7| Der Diskuswurf der Frauen bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul wurde am 28. und 29. September 1988 in zwei Runden im Olympiastadion Seoul ausgetragen. 22 Athletinnen nahmen teil.
Olympiasiegerin wurde Martina Hellmann, frühere Martina Opitz, aus der DDR. Sie gewann vor ihrer Landsfrau Diana Gansky, frühere Diana Sachse, und der Bulgarin Zwetanka Christowa.
Neben den Medaillengewinnerinnen nahm für die DDR Gabriele Reinsch teil. Auch sie erreichte das Finale und wurde Siebte. Athletinnen aus der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.
Aktuelle Titelträgerinnen Olympiasiegerin 1984Ria Stalman ()65,36 mLos Angeles 1984Weltmeisterin 1987Martina Hellmann ()71,62 mRom 1987Europameisterin 1986Diana Gansky, damals Diana Sachse ()71,36 mStuttgart 1986Panamerikanische Meisterin 1987Maritza Martén ()65,58 mIndianapolis 1987Zentralamerika und Karibik-Meisterin 1987Bárbara Hechevarría ()54,94 mCaracas 1987Südamerika-Meisterin 1987Luz María Quiñonez ()48,00 mSão Paulo 1987Asienmeisterin 1987Xing Ailan ()58,08 mSingapur 1987Afrikameisterin 1988Grace Apiafi ()50,60 mAnnaba 1988
Rekorde Bestehende Rekorde Weltrekord76,80 mGabriele Reinsch ()Neubrandenburg, DDR (heute Deutschland)9. Juli 1988Athletics - Progression of outdoor world records (Women), Discus throw - Women, sport-record.de (englisch), abgerufen am 12. Dezember 2021Olympischer Rekord69,96 mEvelin Jahl ()Finale OS Moskau, Sowjetunion (heute Russland)1. August 1980 Rekordverbesserungen Olympiasiegerin Martina Hellmann, frühere Martina Opitz, aus der DDR verbesserte den bestehenden olympischen Rekord zweimal: 71,84 m – Finale am 29. September, erster Versuch 72,30 m – Finale am 29. September, vierter Versuch
Interne Qualifikation in der DDR In der DDR gab es 1988 ein ausgesprochen hohes Niveau in dieser Disziplin mit mehr als drei Diskuswerferinnen, die Chancen auf eine Olympiamedaille gehabt hätten. Zur Ermittlung der dritten Starterin neben Europameisterin Diana Gansky, frühere Diana Sachse, und Weltrekordlerin Gaby Reinsch setzte die DDR-Sportführung eine interne Qualifikation am 6. September in Ost-Berlin unter Ausschluss der Öffentlichkeit an. Diese wurde nicht als offizieller Wettkampf an die IAAF gemeldet, so dass auch eventuelle Rekorde keine Anerkennung finden konnten.
In diesem Wettkampf übertraf die spätere Olympiasiegerin und amtierende Weltmeisterin Martina Hellmann, frühere Martina Opitz, zweimal den offiziellen Weltrekord. Ihr weitester Wurf ging auf bis heute unerreichte 78,14 m. Die WM-Vierte von 1987 und Juniorenweltmeisterin Ilke Wyludda kam als Zweite auf 75,36 m. Diese Weite wäre damals Juniorenweltrekord gewesen. Dennoch verpasste Wyludda damit die Olympiaqualifikation. Ob an diesem internen Wettkampf weitere Werferinnen teilnahmen, ist nicht bekannt.
Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: – verzichtet x ungültig
Qualifikation Datum: 28. September 1988Official Report: Games of the XXIVth Olympiad, Seoul 1988, Volume 2, Resultate Leichtathletik, S. 266f, englisch/französisch (PDF, 49.580 KB), abgerufen am 12. Dezember 2021
Für die Qualifikation wurden die Athletinnen in zwei Gruppen gelost. Die Qualifikationsweite für den direkten Finaleinzug betrug 62,50 m. Da genau zwölf Werferinnen diese Weite übertrafen (hellblau unterlegt), war die Mindestanzahl für die Finalteilnehmerinnen exakt erreicht, sodass das Finalfeld nicht weiter aufgefüllt werden musste.
Gruppe A mini|hochkant=1.1| 9:10 Uhr Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite 1 Zdeňka Šilhavá 66,52 m – – 66,52 m 2 Diana Gansky 65,40 m – – 65,40 m 3 Svetla Mitkova 64,68 m – – 64,68 m 4 Laryssa Mychaltschenko x x 64,32 m 64,32 m 5 Yu Hourun 61,22 m 62,86 m – 62,86 m 6 Galina Murašova 57,28 m 61,46 m 62,54 m 62,54 m 7 Ramona Pagel 57,50 m 55,86 m 53,12 m 57,50 m 8 Connie Price 51,78 m 53,36 m 57,04 m 57,04 m 9 Jacqueline McKernan 50,92 m x x 50,92 m 10 Kim Chun-hee 45,00 m x 45,88 m 45,88 m Jeanne-Nicole Ngo Minyemeck x x x ogV
Gruppe B 10:25 Uhr Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite 1 Martina Hellmann 67,12 m – – 67,12 m 2 Gabriele Reinsch x 59,18 m 66,88 m 66,88 m 3 Zwetanka Christowa 65,92 m – – 65,92 m 4 Elina Swerawa 63,26 m – – 63,26 m 5 Carol Cady 60,08 m 56,38 m 62,72 m 62,72 m 6 Hou Xuemei 62,64 m – – 62,64 m 7 Renata Katewicz 58,60 m 57,20 m 60,34 m 60,34 m 8 Xing Ailan 57,74 m 59,26 m 59,20 m 59,26 m 9 María Isabel Urrutia 53,82 m 48,90 m 52,06 m 53,82 m 10 Grace Apiafi 49,84 m 49,52 m 48,40 m 49,84 m 11 Siololovau Ikavuka 44,94 m 43,28 m 43,78 m 44,94 m
Finale mini|hochkant=1.7| Datum: 29. September 1988, 13:15 UhrOfficial Report: Games of the XXIVth Olympiad, Seoul 1988, Volume 2, Resultate Leichtathletik, S. 267, englisch/französisch (PDF, 49.580 KB), abgerufen am 12. Dezember 2021
Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch 4. Versuch 5. Versuch 6. Versuch Endresultat Anmerkung 1 Martina Hellmann 71,84 m OR 64,80 m 68,70 m 72,30 m OR 69,66 m 67,50 m 72,30 m OR 2 Diana Gansky 65,58 m 66,14 m x 65,82 m 71,88 m 68,08 m 71,88 m 3 Zwetanka Christowa 66,48 m 66,44 m 64,06 m 66,84 m 69,74 m 69,00 m 69,74 m 4 Svetla Mitkova 63,62 m 65,74 m 65,56 m 67,24 m x 69,14 m 69,14 m 5 Elina Swerawa x 65,74 m 66,86 m x x 68,94 m 68,94 m 6 Zdeňka Šilhavá 67,40 m x 65,70 m 66,30 m 67,84 m 66,50 m 67,84 m 7 Gabriele Reinsch 67,26 m 66,50 m 63,30 m 65,88 m 66,40 m x 67,26 m 8 Hou Xuemei 63,44 m 63,88 m 65,18 m 65,94 m 65,50 m 65,06 m 65,94 m 9 Yu Hourun 62,94 m x 64,08 m nicht im Finale derbesten acht Werferinnen 64,08 m 10 Laryssa Mychaltschenko x 64,08 m x 64,08 m 11 Carol Cady 60,82 m 61,06 m 63,42 m 63,42 m Galina Murašova x x x ogV Für das Finale hatten sich zwölf Athletinnen über die geforderte Qualifikationsweite qualifiziert. Gelungen war dies allen drei Teilnehmerinnen der DDR und der UdSSR. Hinzu kamen jeweils zwei Athletinnen aus Bulgarien und China. sowie jeweils eine Teilnehmerin aus der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten.
Favoritinnen waren die drei Werferinnen aus der DDR Weltrekordlerin Gabriele Reinsch, Weltmeisterin Martina Hellmann, frühere Martina Opitz, und Europameisterin Diana Gansky, frühere Diana Sachse, sowie die WM-Dritte und Vizeeuropameisterin Zwetanka Christowa aus Bulgarien.
Im ersten Durchgang setzte sich Hellmann mit der neuen Olympiarekordweite von 71,84 m an die Spitze. Ihr am nächsten kam mit 67,40 m zunächst die Tschechoslowakin Zdeňka Šilhavá, Dritte war Reinsch mit 67,26 m. Diese Reihenfolge blieb bis einschließlich Runde vier unverändert. Nur die führende Hellman konnte sich auf 72,30 m verbessern. Doch die Durchgänge fünf und sechs brachten noch einmal alles durcheinander. Im fünften Versuch gelangen Gansky 71,88 m, womit sie auf Platz zwei vorstieß. Christowa warf den Diskus auf 69,74 m, das war Rang drei. Šilhavá verbesserte ihre Weite auf 67,84 m, blieb jedoch zunächst auf Rang vier. Im letzten Durchgang erzielte die Bulgarin Svetla Mitkova 69,14 m, was ihr in der Endabrechnung den vierten Platz brachte. Elina Swerawa aus der UdSSR blieb mit 68,94 m nicht weit dahinter und belegte Rang fünf. Auf den Medaillenrängen veränderte sich nichts mehr, Martina Hellmann wurde Olympiasiegerin mit neuem olympischen Rekord. Diana Gansky gewann die Silbermedaille und Bronze ging an Zwetanka Christowa. Damit war das Medaillenpodest in exakt der gleichen Folge belegt wie bei den Weltmeisterschaften 1987. Zdeňka Šilhavá war im letzten Durchgang auf Platz sechs zurückgefallen, für Gaby Reinsch reichte es mit ihrer Bestweite aus Durchgang eins nur zu Platz sieben.
Die hier erzielten hochkarätigen Weiten lagen auf dem in diesen Jahren gewohnten Spitzenniveau. Wie auch in anderen Disziplinen gab es in den folgenden Jahren einen stetigen Qualitätsrückgang – von zahlreichen Fachleuten gesehen als Folge eines veränderten Umgangs mit dem Thema Doping. Allerdings gelöst ist diese Problematik bis heute bei Weitem nicht. Immer wieder gibt es erschreckende Belege für Dopingmissbrauch großen Umfangs. Folge sind unter anderem Forderungen nach Rücknahme aller bestehenden Leichtathletik-Rekorde.Michael Reinsch, Tabula rasa bei Leichtathletik-Rekorden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, aktualisiert am 3. Mai 2017, abgerufen am 12. Dezember 2021
Videolinks Martina Hellmann (DDR) Discus 71.84 meters (OR) at the 1988 Olympics Seoul, youtube.com, abgerufen am 12. Dezember 2021 Martina Hellmann / 71.84m / Seoul / 1988, youtube.com, abgerufen am 2. Februar 2018
Weblinks Official Report: Games of the XXIVth Olympiad, Seoul 1988, Volume 2, Resultate Leichtathletik, S. 266f, englisch/französisch (PDF, 49.580 KB), abgerufen am 12. Dezember 2021 Olympedia, Athletics at the 1988 Summer Olympics, Discus Throw, Women, olympedia.org (englisch), abgerufen am 12. Dezember 2021 Seoul 1988, Athletics, discus-throw women Results, Seite des IOC (englisch), olympics.com, abgerufen am 12. Dezember 2021 Athletics at the 1988 Seoul Summer Games: Women's discus throw, archiviert bei wayback (Internet Archive), sports-reference.com (englisch), abgerufen am 12. Dezember 2021
Einzelnachweise
Kategorie:Leichtathletikwettbewerb bei den Olympischen Sommerspielen 1988 Kategorie:Frauenleichtathletikwettbewerb