mini|hochkant=2.7| Der Speerwurf der Männer bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul wurde am 24. und 25. September 1988 in zwei Runden im Olympiastadion Seoul ausgetragen. 38 Athleten nahmen teil.
Erstmals wurde bei diesen Olympischen Spielen ein 1986 modifizierter Speer mit einem nach vorne verlagerten Schwerpunkt eingesetzt. Die beiden Hauptgründe dafür lagen in den immer größeren erzielten Weiten und in der Messproblematik, die durch den flachen Auftreffwinkel der alten Speermodelle entstand. Oft gab es keine oder eine nur schwer erkennbare Marke, die der Speer beim Auftreffen hinterließ, was die Weitenmessung häufig sehr schwierig oder den Wurf manchmal sogar ungültig machte. Durch den beim neuen Speer nach vorne verlagerten Schwerpunkt wurden beide Probleme behoben.Schiffer, Jürgen. Javelin Throw: Selected and Annotated Bibliography No. 66. IAAF New Studies in Athletics 19, no. 2 (2004): S. 69–126 (als englische Übersetzung), abgerufen am 3. Dezember 2021
Olympiasieger wurde der Finne Tapio Korjus. Er gewann vor dem Tschechoslowaken Jan Železný und Seppo Räty, wie Korjus aus Finnland.
Klaus Tafelmeier ging für die Bundesrepublik Deutschland an den Start. Er erreichte das Finale und belegte Rang vier. Für die DDR nahmen Detlef Michel, Silvio Warsönke und Gerald Weiß teil. Michel und Warsönke scheiterten in der Qualifikation. Weiß erreichte das Finale und wurde Sechster. Der Schweizer Rudolf Steiner konnte sich nicht für das Finale qualifizieren. Athleten aus Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.
Aktuelle Titelträger Olympiasieger 1984Arto Härkönen ()86,76 m (mit altem Speermodell)Los Angeles 1984Weltmeister 1987Seppo Räty ()83,54 mRom 1987Europameister 1986Klaus Tafelmeier ()84,76 mStuttgart 1986Panamerikanischer Meister 1987Duncan Atwood ()78,68 mIndianapolis 1987Zentralamerika und Karibik-Meister 1987Luis Lucumí ()72,46 mCaracas 1987Südamerika-Meister 1987Nivalde Beje Filho ()64,46 mSão Paulo 1987Asienmeister 1987Takahiro Yamada ()72,62 mSingapur 1987Afrikameister 1988Justin Arop ()74,52 mAnnaba 1988
Rekorde Bestehende Rekorde Weltrekord87,66 mJan Železný ()Nitra, Tschechoslowakei (heute Slowakei)31. Mai 1987, sport-record.de (englisch)Olympischer RekordBei diesen Spielen wurde erstmals ein neuer Speer eingesetzt, deshalb war der bisherige Rekord nicht mehr gültig, Anmerkung zu den Rekorden und dem neuen Speer: 1986 wurde ein neues Wurfgerät eingeführt, dessen Schwerpunkt weiter vorne lag. Die damit erzielten Weiten waren geringer, deshalb wurden alle früheren Rekorde ungültig. Der letzte Weltrekord mit dem alten Speer lag bei 104,80 m und wurde am 20. Juli 1984 von Uwe Hohn (DDR) in Ost-Berlin aufgestellt. Mit 94,58 m erzielte der Ungar Miklós Németh am 26. Juli 1976 in Montreal den letzten Olympiarekord mit dem alten Speer.
Erste olympische Rekorde mit dem neuen Speer Mit dem neuen Wurfgerät wurde ein erster olympischer Rekord aufgestellt, der anschließend dreimal verbessert wurde: 76,76 m – Seppo Räty (Finnland), Qualifikation, Gruppe A, erster Versuch 77,44 m – Kazuhiro Mizoguchi (Japan), Qualifikation, Gruppe A, erster Versuch 78,66 m – Peter Borglund (Schweden), Qualifikation, Gruppe A, erster Versuch 85,90 m – Jan Železný (Tschechoslowakei), Qualifikation, Gruppe A, erster Versuch
Legende Kurze Übersicht zur Bedeutung der Symbolik – so üblicherweise auch in sonstigen Veröffentlichungen verwendet: – verzichtet x ungültig
Qualifikation Datum: 24. September 1988Official Report : Games of the XXIVth Olympiad, Seoul 1988, Volume 2, Resultate Leichtathletik, S. 245, englisch/französisch (PDF, 49.580 KB), abgerufen am 3. Dezember 2021
Für die Qualifikation wurden die Athleten in zwei Gruppen gelost. Die Qualifikationsweite für den direkten Finaleinzug betrug 79,00 m. Da genau zwölf Werfer diese Weite übertrafen (hellblau unterlegt), wurde das Finalfeld nicht weiter aufgefüllt.
Gruppe A
9:40 Uhr Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite Anmerkung 1 Jan Železný 85,90 m OR4 – – 85,90 m OR mit dem neuen Speer 2 Seppo Räty 76,76 m OR1 77,70 m 81,62 m 81,62 m 3 Wladimir Owtschinnikow x 77,68 m 80,26 m 80,26 m 4 Kimmo Kinnunen 77,22 m 80,24 m – 80,24 m 5 Gerald Weiß 78,20 m 74,80 m 80,22 m 80,22 m 6 Peter Borglund 78,66 m OR3 73,76 m 80,16 m 80,16 m 7 Sejad Krdžalić 72,40 m 78,06 m 79,90 m 79,90 m 8 Einar Vilhjálmsson 78,46 m 75,64 m 78,92 m 78,92 m 9 Tom Petranoff 71,42 m 75,04 m 77,48 m 77,48 m 10 Kazuhiro Mizoguchi 77,44 m OR2 x 77,46 m 77,46 m 11 Rudolf Steiner 76,02 m 67,56 m x 76,02 m 12 Roald Bradstock 75,96 m 73,66 m 72,60 m 75,96 m 13 Brian Crouser 72,66 m 72,64 m 72,72 m 72,72 m 14 Charlus Bertimon 70,84 m 70,58 m 70,48 m 70,84 m 15 Michael Mahovlich x 69,44 m 67,32 m 69,44 m 16 Stéphane Laporte 63,66 m x 69,40 m 69,40 m 17 Zakayo Malekwa x 67,14 m 67,56 m 67,56 m 18 Ghanem Mabrouk Zaid Johar 62,88 m 63,50 m 65,84 m 65,84 m 19 Paul Hurlston x 62,34 m 61,78 m 62,34 m
Gruppe B
11:25 Uhr Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch Weite 1 Tapio Korjus 76,42 m 78,26 m 81,42 m 81,42 m 2 David Ottley 80,98 m – – 80,98 m 3 Klaus Tafelmeier 77,98 m 75,08 m 80,52 m 80,52 m 4 Dag Wennlund x 79,66 m – 79,66 m 5 Wiktor Jewsjukow 71,18 m 79,26 m – 79,26 m 6 David Stephens 78,42 m 76,80 m 70,86 m 78,42 m 7 Silvio Warsönke 75,88 m 75,78 m 78,22 m 78,22 m 8 Lee Wook-jong x 67,96 m 78,10 m 78,10 m 9 Detlef Michel 73,54 m 77,68 m 77,70 m 77,70 m 10 Mick Hill 77,20 m 74,98 m 72,98 m 77,20 m 11 Masami Yoshida 74,76 m 71,38 m 76,90 m 76,90 m 12 Terry McHugh 76,46 m 73,34 m 69,18 m 76,46 m 13 Pascal Lefèvre 76,42 m 74,56 m 72,90 m 76,42 m 14 Zdeněk Nenadál 75,56 m 69,78 m 75,34 m 75,56 m 15 Sigurður Einarsson 69,18 m 72,90 m 75,52 m 75,52 m 16 Stephen Feraday 68,78 m 66,22 m 73,32 m 73,32 m 17 Justin Arop 67,54 m 69,10 m 67,68 m 69,10 m 18 Hafez El-Hussein 63,34 m 63,34 m 63,30 m 63,34 m 19 Abdul Azim Al-Aliwat 56,32 m 53,32 m 49,48 m 56,32 m
Finale mini|hochkant=1.4| Datum: 25. September 1988, 12:00 Uhr Platz Name Nation 1. Versuch 2. Versuch 3. Versuch 4. Versuch 5. Versuch 6. Versuch Endresultat 1 Tapio Korjus 82,74 m 76,26 m – – x 84,28 m 84,28 m 2 Jan Železný x 82,32 m 81,60 m 83,46 m 77,88 m 84,12 m 84,12 m 3 Seppo Räty 80,00 m 76,26 m 83,26 m 78,74 m 80,66 m 80,44 m 83,26 m 4 Klaus Tafelmeier 80,14 m 78,72 m 78,28 m x 77,76 m 82,72 m 82,72 m 5 Wiktor Jewsjukow 81,42 m 82,32 m x 80,38 m 81,42 m 79,52 m 82,32 m 6 Gerald Weiß 80,66 m 81,30 m 79,94 m 77,26 m 77,80 m 78,28 m 81,30 m 7 Wladimir Owtschinnikow 76,48 m 76,58 m 79,12 m x 77,32 m x 79,12 m 8 Dag Wennlund 76,88 m 75,62 m 78,30 m x 76,60 m x 78,30 m 9 Peter Borglund 78,16 m 78,22 m 74,76 m nicht im Finale derbesten acht Werfer 78,22 m 10 Kimmo Kinnunen 75,62 m 77,78 m 78,04 m 78,04 m 11 David Ottley 74,52 m 75,70 m 76,96 m 76,96 m 12 Sejad Krdžalić 72,12 m 73,28 m x 73,28 m Für das Finale hatten sich zwölf Athleten qualifiziert. Jeder von ihnen hatte die geforderte Qualifikationsweite übertroffen. Alle drei Teilnehmer aus Finnland waren im Finale dabei. Hinzu kamen jeweils zwei Werfer aus Schweden und der Sowjetunion. Komplettiert wurde das Teilnehmerfeld durch jeweils einen Starter aus der Bundesrepublik Deutschland, der DDR, Jugoslawien, der Tschechoslowakei und Großbritannien. Erstmals wurde bei Olympischen Spielen das neue Speermodell mit einem nach vorne verlagerten Schwerpunkt eingesetzt.
Zum Favoritenkreis gehörten vor allem der finnische Weltmeister Seppo Räty, der tschechoslowakische Weltrekordhalter Jan Železný, der amtierende Europameister Klaus Tafelmeier aus der Bundesrepublik Deutschland und der sowjetische Vizeweltmeister Wiktor Jewsjukow, gleichzeitig EM-Dritter.
Die Führung in der ersten Runde übernahm der Finne Tapio Korjus mit 82,74 m. Auf Platz zwei lag Jewsjukow vor dem DDR-Werfer Gerald Weiß. Im zweiten Durchgang schloss Železný, der sich auf 82,32 m verbesserte, zu Jewsjukow auf. Dieser hatte exakt die gleiche Weite erzielt. Auch Weiß verbesserte sich auf nun 81,30 m, blieb aber auf Platz vier vor Tafelmeier. Mit 83,26 m übernahm Räty dann in Runde drei die Führung, die ihm Železný im darauf folgenden Durchgang mit 83,46 m wieder abnahm. Im fünften Versuch änderte sich nichts. Železný lag vor Räty, Korjus, Jewsjukow, Weiß und Tafelmeier. Im letzten Durchgang wurde das Klassement noch einmal durcheinandergewürfelt. Zunächst schob sich Tafelmeier mit 82,72 m an Weiß und Jewsjukow vorbei auf Platz vier. Räty konnte seine Weite nicht verbessern. Železný baute dann seine Führung auf 84,12 m aus, ehe Tapio Korjus mit seinem letzten Wurf 84,28 m erzielte und damit Olympiasieger wurde. Jan Železný gewann die Silbermedaille, Seppo Räty Bronze. Klaus Tafelmeier belegte Platz vier vor Wiktor Jewsjukow und Gerald Weiß. Jan Železnýs olympische Rekordweite von 85,90 m aus der Qualifikation wurde in diesem Finale nicht übertroffen und hatte Bestand bis zu den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona.
Tapio Korjus errang die insgesamt siebte Goldmedaille für Finnland im Speerwurf. Jan Železný gewann die erste tschechoslowakische Medaille in dieser Disziplin.
Videolinks Men's Javelin Throw Final Olympics 1988. youtube.com, abgerufen am 3. Dezember 2021 Jan Zelezny vs. Tapio Korjus – 1988 Olympics javelin throw final. youtube.com, abgerufen am 3. Dezember 2021
Weblinks Official Report : Games of the XXIVth Olympiad, Seoul 1988, Volume 2, Resultate Leichtathletik, S. 245, englisch/französisch (PDF, 49.580 KB), abgerufen am 3. Dezember 2021 Olympedia, Athletics at the 1988 Summer Olympics, Javelin Throw, Men, olympedia.org (englisch), abgerufen am 3. Dezember 2021 Seoul 1988, Athletics, javelin throw men Results, Seite des IOC (englisch), olympics.com, abgerufen am 3. Dezember 2021 Athletics at the 1988 Seoul Summer Games: Men's javelin throw, archiviert bei wayback (Internet Archive), sports-reference.com (englisch), abgerufen am 3. Dezember 2021
Einzelnachweise
Kategorie:Leichtathletikwettbewerb bei den Olympischen Sommerspielen 1988