Der Mitropapokal, auch Mitropacup (offizieller Name: La Coupe de l’Europe Centrale), war im Fußball der erste große internationale Wettbewerb der Welt für Vereinsmannschaften und in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg die wichtigste Trophäe im kontinentaleuropäischen Vereinsfußball. Er wird als Vorgänger des Europapokals beziehungsweise der Champions League gesehen. Der Name Mitropa leitet sich aus dem Wort MitteleuropaGuy Oliver: „The Guinness Record Of World Soccer“, S. 164, London 1992, ISBN 0-85112-954-4 ab. Der Name steht – entgegen entsprechender Legenden – in keinem Zusammenhang mit dem Eisenbahn-Unternehmen MITROPA.

Geschichte des Mitropapokals 1927 bis 1940 Vorgeschichte und Gründung Als erster „grenzübergreifender“ Wettbewerb für Fußballvereine wurde im Jahre 1897 der Challenge-Cup von John Gramlick senior, einem Mitbegründer des Vienna Cricket and Football-Club, geschaffen. An diesem Pokalwettbewerb konnten alle Vereine Österreich-Ungarns teilnehmen, die ansonsten nicht in Meisterschaftswettbewerben aufeinander trafen. Der Challenge-Cup wurde bis zum Jahre 1911 ausgetragen und wird heute als Vorläufer des Mitropacups angesehen.

Die Idee eines europaweiten Cupwettbewerbes kam nach dem Ersten Weltkrieg auf. Zentrum dieser Idee waren die mitteleuropäischen Länder, die damals im Fußballsport führend waren. Zu Beginn der 1920er-Jahre führten sie als erste Nationen Kontinentaleuropas professionelle Ligen ein. Den Beginn machte Österreich 1924, gefolgt von Ungarn 1925 und der Tschechoslowakei 1926. Um die Vormachtstellung dieser Länder im europäischen Fußball zu stärken und den professionellen Vereinen in wirtschaftlicher Hinsicht unter die Arme zu greifen, wurde am 17. Juli 1927 im italienischen Venedig die Einführung des Mitropacups beschlossen. Die Initiative ging hierbei vom österreichischen Verbandskapitän Hugo Meisl aus. Zudem einigte man sich auch auf die Austragung eines Europapokals für Nationalmannschaften (Europameisterschaft), wobei in einem Meisterschaftssystem über mehrere Jahre hinweg gespielt werden sollte.

Anfang und Blütezeit mini|Nationen, aus denen Vereine am Mitropacup teilnahmen (1927–1940)

Bereits in der ersten Saison des Mitropapokals gab es sowohl bei den Vereinen sowie den Fans einen großen Zuspruch. Die erste Austragung startete am 14. August 1927 mit den besten Teams (zumeist Meister und Vizemeister oder Pokalsieger) Österreichs, Ungarns, Jugoslawiens und der Tschechoslowakei. Seitdem wurde die Anzahl der teilnehmenden Länder und Vereine stetig vergrößert. 1929 nahmen erstmals die besten Mannschaften Italiens teil, die ab der darauf folgenden Saison in einer professionellen Liga spielten. 1936 nahmen bereits 20 verschiedene Vereine, darunter erstmals vier Schweizer Teams, teil. Ein Jahr darauf kamen auch die rumänischen Mannschaften hinzu.

Der Mitropacup wurde vor allem durch die österreichischen, ungarischen, tschechoslowakischen und italienischen Teams dominiert, die alle Finals für sich entscheiden konnten. Die Zuschauerzahlen lagen teilweise bei 100.000 Fans, die Duelle waren vor allem durch ihre Härte geprägt. Der Schriftsteller Friedrich Torberg schrieb dazu „Was ein richtiges Mitropacup-Match ist, muss auf der Botschaft zu Ende gespielt werden“.Hugo Meisl erfand den Mitropacup in Josef Huber: „75 Jahre WFV“ Die Matches waren neben den Länderspielen ein Höhepunkt in der Fußballsaison und wurden oftmals als Länderkampf gesehen. Sie lebten vom Aufeinandertreffen von damaligen Fußballstars wie Matthias Sindelar und Giuseppe Meazza (Finale 1933).

Zweiter Weltkrieg und Ende Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus kam das Ende des Mitropacups. Nach dem Anschluss Österreichs durch das Deutsche Reich 1938 verlor der Wettbewerb sein erstes Gründungsland. 1939 spielten nur noch acht Teams um den Pokal; 1940 musste der Wettbewerb nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges abgebrochen werden, wobei die ausstehenden Finalpartien nicht mehr ausgetragen werden konnten. Es wurden zwar weiterhin Spiele zwischen „ostmärkischen“ Teams, Vereinen aus dem Protektorat Böhmen und Mähren sowie aus dem deutschlandfreundlichen Ungarn ausgetragen, jedoch ohne vergleichbare Resonanz.

Endspiele (1927–1940) Jahr Finalpaarung (Sieger fettgedruckt) Ergebnisse 1927 Sparta Prag 6:2 / 1:2 SK Rapid Wien 1928 Ferencváros Budapest 7:1 / 3:5 SK Rapid Wien 1929 Újpesti FC 5:1 / 2:2 Slavia Prag 1930 Sparta Prag 0:2 / 3:2 SK Rapid Wien 1931 Wiener AC 2:3 / 1:2 First Vienna FC 1932 AGC Bologna 2:0 / 0:1 First Vienna FC 1933 AS Ambrosiana-Inter Mailand 2:1 / 1:3 FK Austria Wien 1934 SK Admira Wien 3:2 / 1:5 AGC Bologna 1935 Ferencváros Budapest 2:1 / 0:3 Sparta Prag 1936 FK Austria Wien 0:0 / 1:0 Sparta Prag 1937 Ferencváros Budapest 4:2 / 5:4 Lazio Rom 1938 Slavia Prag 2:2 / 2:0 Ferencváros Budapest 1939 Ferencváros Budapest 1:4 / 2:2 Újpesti FC 1940 Ferencváros Budapest nicht ausgetragen FC Rapid Bukarest

Ranglisten / Rekorde (1927–1940) + nach Klubs Rang Klub Siege Jahr(e) 1 20px Ferencváros Budapest 2 1928, 1937 20px Sparta Prag 2 1927, 1935 20px Újpesti FC 2 1929, 1939 20px FK Austria Wien 2 1933, 1936 20px AGC Bologna 2 1932, 1934 6 20px SK Rapid Wien 1 1930 20px Slavia Prag 1 1938 20px First Vienna FC 1 1931+ nach Ländern Rang Land Siege 1 4 4 3 3 4 2

+ Rekordspieler Rang Spieler Klub Spiele 1 Jaroslav Burgr Sparta Prag 50 2 Josef Čtyřoký Sparta Prag 45 3 Josef Košťálek Sparta Prag 44 Gyula Lázár Ferencváros Budapest 44 5 György Sárosi Ferencváros Budapest 43 6 Oldřich Nejedlý Sparta Prag 42 József Háda Ferencváros Budapest 42 Géza Toldi Ferencváros Budapest 42 9 Raymond Braine Sparta Prag 40 Gyula Polgár Ferencváros Budapest 40 11 Lajos Korányi Ferencváros Budapest 36 12 Erich Srbek Sparta Prag 35 Jaroslav Bouček Sparta Prag 35 14 Giovanni Ferrari Juventus Turin (24) AS Ambrosiana-Inter Mailand (10) 34 Mihai Tänzer Ferencváros Budapest 34 16 František Plánička Slavia Prag 33 Gyula Kiss Ferencváros Budapest 33 18 Josef Smistik SK Rapid Wien 32 Mario Varglien Juventus Turin 32 20 Matthias Sindelar FK Austria Wien 31 21 Leopold Hofmann First Vienna FC 30+ Rekordtorschützen Rang Spieler Klub Tore 1 György Sárosi Ferencváros Budapest 49 2 Giuseppe Meazza AS Ambrosiana-Inter Mailand 29 Géza Toldi Ferencváros Budapest 29 4 Gyula Zsengellér Újpesti FC 24 Matthias Sindelar FK Austria Wien 24 6 Oldřich Nejedlý Sparta Prag 21 7 Raymond Braine Sparta Prag 19 / Stefan Auer Újpesti FC Rapid Bukarest 19 9 Franz Weselik SK Rapid Wien 16 10 Josef Bican SK Rapid Wien WSC Admira Wien Slavia Prag 15 Ferdinand Wesely SK Rapid Wien 15

+ Torschützenkönige Saison Spieler Klub Tore 1927 Sparta Prag 5 1928 Ferencváros Budapest 10 1929 Újpest Budapest 10 1930 AS Ambrosiana-Inter Mailand 7 1931 Wiener AC 7 1932 Juventus Turin 5 1933 Juventus Turin 5 Sparta Prag AS Ambrosiana-Inter Mailand FK Austria Wien 1934 AGC Bologna 10 1935 Ferencváros Budapest 9 1936 AS Ambrosiana-Inter Mailand 10 1937 Ferencváros Budapest 12 1938 / Slavia Prag 10 1939 Újpest Budapest 9 1940 Ferencváros Budapest 5

Zentropapokal 1951 Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es insbesondere von italienischer und österreichischer Seite Bestrebungen, den Mitropacup wiederaufleben zu lassen. Seine erste Neuauflage erlebte der Wettbewerb im Jahre 1951 unter dem Titel „Zentropacup“. Anders als der Europapokal der Fußball-Nationalmannschaften, der bereits 1948 wieder eingeführt wurde, wurde der Mitropacup allerdings erst wieder ab 1955 regelmäßig ausgetragen.

Saison Austragungsort Sieger Finalist Endergebnis 1951 Wien SK Rapid Wien – SC Wacker Wien 3:2

Der neue Mitropacup und sein Ende (1955 bis 1992) Im Jahre 1954 kam es zur Gründung der UEFA. Im Rahmen ihres ersten Kongresses in Wien vom 2. bis 3. März 1955 wurde auch die Wiedereinführung des Mitropacups beschlossen. Man einigte sich, dass an diesem Wettbewerb die Meister und Pokalsieger Österreichs, Italiens, Ungarns, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens teilnehmen würden, obgleich mehrere Länder, insbesondere Rumänien, darum baten, ebenfalls teilnehmen zu dürfen. Am 7. Mai 1955 wurde diese Neuauflage des Wettbewerbes von der FIFA anerkannt und die UEFA gebeten, die Austragung zu übernehmen. Im selben Jahr kam es jedoch zur Einführung des Europapokals der Landesmeister, was den Wettbewerb schlagartig abwertete. Dennoch war der Zuspruch zum Mitropacup in den Teilnehmerländern anfangs noch groß; das Finale von 1956 verzeichnete 110.000 Zuschauer im Entscheidungsspiel in Budapest.

Die Begeisterung währte allerdings nur kurz und die Veranstalter führten immer wieder Neuerungen ein. So wurden teilweise die Ergebnisse der Mannschaften zu einer Länderwertung addiert oder die Wettbewerbe wurden in einem Tabellenmodus ausgetragen. Am Mitropacup nahmen jedoch bald nur noch mittelklassige Teams teil, die keine Chance auf einen Europapokalstartplatz hatten. Insbesondere italienische Teams, die selbst noch keinen Titel gewinnen konnten, luden in der Endzeit des Turniers zum Mitropacupturnier ein, um so leicht ihre nicht vorhandene Titelsammlung aufzuwerten. 1989 nahmen gerade einmal drei Mannschaften teil. Bei der letzten Austragung 1992 waren vier Mannschaften am Start. Nachdem der Gastgeber US Foggia bereits in seinem ersten Spiel ausgeschieden war, fand das Finale vor nur knapp 900 Zusehern statt.

Liste der Sieger

Siehe auch Challenge-Cup Challenge international du Nord Coupe Van der Straeten Ponthoz Coupe Jean Dupuich Coupe des Nations 1930 Coupe Latine Europapokal der Landesmeister

Weblinks

Infos zum Mitropapokal und Biographie Hugo Meisl auf iffhs.de

Einzelnachweise

! Kategorie:Internationaler Fußballwettbewerb für Vereinsmannschaften Kategorie:Erstveranstaltung 1927 Kategorie:Letzte Veranstaltung 1992