Zelmira ist eine Oper (Originalbezeichnung: „dramma per musica“) in zwei Akten von Gioachino Rossini (Musik) mit einem Libretto von Andrea Leone Tottola nach Pierre-Laurent Buirette de Belloys Tragödie Zelmire von 1762. Die Uraufführung erfolgte am 16. Februar 1822 im Teatro San Carlo in Neapel.

Handlung

König Polidoro hat viele Jahre erfolgreich über die Insel Lesbos geherrscht und das Vertrauen seines Volks gewonnen. Seine Tochter Zelmira ist mit dem trojanischen Prinzen Ilo verheiratet. Die beiden haben einen kleinen Sohn, den designierten Thronerben von Lesbos. Ilo muss zur Verteidigung seiner Heimat Troja Lesbos verlassen. Während seiner Abwesenheit wird Lesbos von Azor, dem König von Mytilini, überfallen. Dieser hatte einst um Zelmiras Hand angehalten, wurde aber von ihrem Vater abgewiesen. Azor hegt daher besonderen Hass gegen Polidoro. Zelmira bringt ihren greisen Vater im Mausoleum ihrer Vorfahren in Sicherheit. Um Azor in die Irre zu führen, täuscht sie einen Verrat vor und teilt ihm mit, dass Polidoro in den Ceres-Tempel geflohen sei. Azor lässt den Tempel verwüsten, wird aber kurz darauf von den Anhängern seines Rivalen Antenore ermordet. Alle glauben, dass Polidoro im Tempel umgekommen ist.

An dieser Stelle setzt die Handlung der Oper ein. Der von seinem Freund Leucippo unterstützte Antenore wird Azors Nachfolger als König von Mytilini und übernimmt auch die Herrschaft über Lesbos. Ilo kehrt nach dem Sieg über seine Feinde nach Lesbos zurück. Zelmira wird zum Opfer zweier Verleumdungen. Zunächst wird sie beschuldigt, durch Verrat den Tod ihres Vaters verursacht zu haben. Gegen Ende des ersten Akts verhindert sie einen Mordanschlag Leucippos gegen Ilo, wird selbst der Täterschaft bezichtigt und festgenommen. Im zweiten Akt lassen Antenore und Leucippo Zelmira wieder frei, um sie zu beobachten und so den Aufenthaltsort Polidoros herauszufinden. Dies geschieht wie erwartet. Zelmira und Polidoro werden in den Kerker geworfen, wo Antenore und Leucippo sie zu töten versuchen. Ilo und seine Leute retten sie in letzter Sekunde.

Die folgende Inhaltsangabe folgt im Wesentlichen dem Libretto der neapolitanischen Erstfassung von 1822. Abweichungen sind gekennzeichnet.

Erster Akt

Weite Ebene am Meer außerhalb der Stadtmauern von Lesbos

An der rechten Seite der Eingang zu den Grabmälern der Könige von Lesbos, zum Teil von alten Zypressen beschattet. Morgenröte.

Szene 1 (M1).In Klammern werden hier mit dem Buchstaben M die Szenennummern der Münchener Fassung gekennzeichnet. Nach der Ermordung ihres Königs Azor laufen die mytilinischen Krieger verstört umher und rätseln über den Urheber der Tat (Introduktion: „Oh sciagura!“). Leucippo ruft zur Rache auf. (M2) Auch Antenore zeigt sich entsetzt und schwört dem Mörder Rache (Cavatine Antenore „Che vidi! amici!“). Leucippo überzeugt die Krieger davon, Antenore zum Nachfolger Azors zu ernennen. Anschließend schickt er sie auf die Suche nach dem Täter. Im folgenden Gespräch zwischen Antenore und Leucippo kommen ihre wahre Absichten ans Licht. Antenores Herrschaft über Lesbos ist allerdings noch nicht gesichert, da Polidoros Erbe und dessen Mutter Zelmira noch leben. Um Zelmira zu diskreditieren, verkünden sie, dass sie als Verräterin für den Tod ihres Vaters verantwortlich sei.

Szene 2 (M3). Auch Zelmiras Vertraute Emma ist von ihrer Schuld überzeugt. Um sie vom Gegenteil zu überzeugen, führt Zelmira sie zum Grabgewölbe, in dem sie Polidoro zu seiner Sicherheit untergebracht hat.

mini|Bühnenbild des Mausoleums (Lithografie von Pasquale Canna)

Großer unterirdischer Saal mit massiven Säulen

Man sieht kostbare Urnen und die majestätischen Grabmäler der verstorbenen Könige von Lesbos. Der Abstieg erfolgt über eine große weiße Marmortreppe. Einige brennende Lampen und ein paar Strahlen Tageslicht, die durch eine höhergelegene Öffnung eindringen, geben diesem erhabenen Begräbnisort ein dämmriges Licht. Schon beginnt der neue Tag.

Szene 3 (M4). Polidoro beklagt seine Einsamkeit im Mausoleum (Cavatine: „Ah! già trascorse il dì“).

Szene 4 (M5). Zelmira und Emma besuchen Polidoro an seinem Zufluchtsort. Alle freuen sich über das Wiedersehen (Terzett: „Soave conforto“). Emma bittet ihre Freundin um Verzeihung für ihren falschen Verdacht. Als von draußen Lärm und kriegerische Musik zu hören sind, erzählt Zelmira ihrem Vater vom Mord an Azor. Zelmira und Emma eilen fort, um den Grund für die Unruhen zu erfahren.

Platz. Auf einer Seite der Tempel Jupiters

Szene 5 (M6). Nach der erfolgreichen Verteidigung seiner Heimat ist Prinz Ilo nach Lesbos zurückgekehrt. Er zieht mit seinen Kriegern zu den Klängen eines festlichen Marsches ein (Chor der Krieger: „S’intessano agli allori“). Ilo freut sich auf das Wiedersehen mit seiner Gattin Zelmira und seinem kleinen Sohn (Cavatine: „Terra amica“). Von den Ereignissen auf Lesbos hat er noch nichts erfahren. Er schickt seinen Vertrauten Eacide mit einigen Männern zum Palast, um Polidoro von seiner Rückkehr zu informieren.

Szene 6 (M7). Zelmira begrüßt ihren Gatten nicht so freudig, wie er erwartet hatte. Er wird misstrauisch und sorgt sich um seinen Sohn (Duett: „A che quei tronchi accenti?“). Zelmira versichert ihm, dass alles in Ordnung sei. Sie bringt es nicht fertig, ihm von den Geschehnissen zu berichten und antwortet auf seine Fragen nur ausweichend. Emma und andere junge Frauen kommen hinzu und warnen Zelmira vor der Rachsucht Antenores. Sie solle schnellstens die Flucht ergreifen. Ilo erfährt immer noch nicht den Grund für ihr Verhalten. Alle ziehen sich in unterschiedliche Richtungen zurück.

Szene 7 (M8). Siegessicher tritt Antenore mit Leucippo auf. Sie planen, Ilo mit freundlichen Worten in Sicherheit zu wiegen, um ihn dann zu ermorden. Zelmira soll ihm dann in den Tod folgen. Ilo hat inzwischen vom vermeintlichen Tod Polidoros erfahren und kehrt auf den Platz zurück. Leucippo und Antenore erzählen ihm, dass Zelmira ein Liebesverhältnis mit Azor eingegangen sei und Verrat an ihm, ihrem Vater und ihrem Vaterland begangen habe (Cavatine Antenore: „Mentre qual fiera ingorda“). Eine Gruppe von Priestern bietet Antenore die Krone von Lesbos an. Ilo zieht sich erschüttert zurück. Antenore dagegen triumphiert. Er entfernt sich mit Leucippo und den Priestern.

Szene 8 (M9). Zelmira bittet Emma, sich um ihren Sohn zu kümmern. Sie soll ihn verborgen halten, bis die Gefahr vorbei ist (Duettino: „Perché mi guardi e piangi“).

mini|Prächtiger Thronsaal im Palast (Paris 1826)

Prächtiger Thronsaal im Palast

Szene 9.Die Szene 9 des ersten Akts fehlt in der Münchener Fassung. Zu einem feierlichen Marsch treten die königlichen Wachen von Lesbos und Mytilini, die Edelleute der beiden Reiche und mit Blumengirlanden geschmückte Jungfrauen auf. Antenore erscheint in königlicher Robe mit Leucippo und den Priestern Jupiters. Pagen am Ende des Zugs tragen goldene Schalen mit der Krone und dem Zepter. Der Marsch wird von Chorgesang begleitet (Finale: „Sì fausto momento“).Die ersten beiden Zeilen des ersten Finales fehlen im neapolitanischen Original-Libretto. Die Szene beginnt dort mit den Worten „Di sparga di fiori“. Am Thron angekommen krönt der Hohepriester Antenore. Leucippo überreicht ihm das Zepter. Antenore zieht an der Spitze seines Gefolges ab.

Szene 10 (M10). Auf der Suche nach seinem Sohn betritt der verzweifelte Ilo den Saal. Er lässt sich erschöpft auf einen Stuhl fallen. Leucippo ist ihm heimlich gefolgt. Er sieht die perfekte Gelegenheit für einen Mord und zieht seinen Dolch. Zelmira tritt von der entgegengesetzten Seite in den Saal, erkennt die Lage und entreißt ihm den Dolch. Leucippo lässt sich jedoch nicht aus der Fassung bringen. Er rüttelt Ilo wach und behauptet, er habe Zelmira soeben davon abgehalten, ihn zu töten. Ilo schenkt ihm Glauben.

Szene 11 (M11). Antenore kommt mit seinen Kriegern hinzu. Nachdem ihm Leucippo die Lage erklärt hat, befiehlt er, Zelmira festzunehmen. Der Chor fordert ihren Tod.

Zweiter Akt

Prächtiger Saal wie im ersten Akt

Szene 1 (N1, M1).In Klammern werden hier mit dem Buchstaben N die Szenennummern des neapolitanischen Original-Librettos gekennzeichnet, die aufgrund der später eingefügten zweiten Szene und zweier übersprungener Nummern nicht konsistent sind. Leucippo bringt Antenore einen Brief Zelmiras an ihren Gatten, der von seinen Leuten abgefangen worden war. Darin versichert Zelmira ihm ihre Unschuld und fleht ihn an, sie und ihren Vater zu retten. Leucippo und Antenore erkennen, dass Polidoro noch lebt. Um seinen Aufenthaltsort zu erfahren, wollen sie Zelmira freilassen und ihre Schritte beobachten.

Weite Ebene wie im ersten Akt

Szene 2 (M2).Die zweite Szene des zweiten Akts mit der Musiknummer „8bis“ ergänzte Rossini für die Folgeaufführung in Wien. Sie gilt laut Anmerkung in der kritischen Werkausgabe seither als regulärer Bestandteil der Oper. Emma erscheint mit den Jungfrauen aus Zelmiras Gefolge, um Zelmiras Sohn zu holen und in Sicherheit zu bringen. Sie sehen sich vorsichtig um und rufen nach dem Jungen (Chor: „Pian piano inoltrisi“). Nachdem sie ihn gefunden haben, bittet Emma zwei ihrer Begleiterinnen, ihn in eine Höhle zu bringen und dort zu bewachen. Sie fleht den Himmel um Schutz an (Cavatine: „Ciel pietoso, ciel clemente“). Ein Geräusch erschreckt sie – aber es war nur der Wind. Alle gehen.

Szene 3 (N2, M3). Gedankenverloren steht Ilo vor dem Eingang zum Mausoleum. Trotz ihres Verrats liebt er sie noch immer. Außerdem sorgt er sich um seinen Sohn. Da tritt Polidoro besorgt um seine Tochter aus dem Grabmal. Ilo ist erleichtert, ihn lebendig zu finden. Polidoro erzählt ihm die Wahrheit über Zelmira: Sie ist unschuldig an den ihr vorgeworfenen Taten (Duett: „In estasi di gioia“). Ilo bietet ihm an, auf seinen Schiffen Schutz zu suchen, aber Polidoro zieht die Gruft vor, in die er nun zurückkehrt. Ilo eilt unterdessen zum Ufer, um die Rettung Zelmiras in die Wege zu leiten.

Szene 4 (N3, M4a). Zelmira wurde freigelassen und steht nun unter der heimlichen Beobachtung Antenores und Leucippos. Emma berichtet ihr von einer Begegnung mit Ilo, der ihr ausrichten lässt, dass er sie in Kürze mit ihrem Vater vereinen werde. Zelmira nimmt an, dass er sich bei den Schiffen befindet. Antenore und Leucippo, die alles gehört haben, treten aus ihrem Versteck und beschuldigen sie der Lüge. Sie wissen nun, das Polidoro sich nicht im Tempel befand, sondern vor ihr in Sicherheit gebracht worden war. Als sie den Priester Forba wegen seiner vermeintlichen Mitwisserschaft töten wollen, versichert Zelmira, alleine Polidoro in der Gruft untergebracht zu haben. Sie erkennt mit Entsetzen, dass sie unwillentlich dessen Versteck preisgegeben hat. Leucippo entfernt sich mit einigen Kriegern, um ihn zu holen.

Szene 5 (N4, M4b). Polidoro wird von den Soldaten aus der Gruft geführt. Er befindet sich nun in der Gewalt Antenores und Leucippos. Vergeblich fleht Zelmira die beiden an, ihr eigenes Leben für das des Vaters zu nehmen (Quintett: „Ne’ lacci miei cadesti“).

Szene 6 (N6, M5).Eine Szene 5 des zweiten Akts fehlt im Original-Libretto. Priester bringen die Urne mit der Asche Azors. Ihnen folgen die Krieger von Mytilini und die Frauen. Als Antenore Zelmira die Schuld an seinem Tod gibt, fordern die Soldaten ihren Tod. Emma und die Frauen flehen vergeblich um Gnade. Die Krieger führen Polidoro und Zelmira in den Kerker. (M6) Nachdem ihnen Antenore und Leucippo gefolgt sind, schickt Emma die Frauen zum Ufer, um Ilo zu Hilfe zu rufen. Der ist aber bereits auf dem Weg.

Szene 7 (N7, M7). Emma unterrichtet Ilo vom Geschehenen.

Schauerliches unterirdisches Verlies