mini|Béla Barényi (1939) Béla Barényi (* 1. März 1907 in Hirtenberg, Niederösterreich; † 30. Mai 1997 in Böblingen) war ein Konstrukteur, der als einer der Begründer der passiven Sicherheit im Automobilbau gilt. Barényi hatte ungarische Vorfahren. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte seine Staatsangehörigkeit von österreichisch über die tschechoslowakische zur deutschen.
Leben mini|Geburtshaus Barényis1887 von Karl Hinträger (1859–1913) erbaut für den Hirtenberger Stadtbaumeister Josef Tischler. 1919 schenkte Karoline_Keller (1853–1934), Ehefrau von Fridolin Keller, die Villa der Gemeinde, deren Bürgermeister Felix_Stika (1887–1971) sie zu einem Rathaus (Gemeindeamt) adaptieren ließ. 1945 wurde das Gebäude von zurückweichenden Wehrmachtsangehörigen in Brand gesteckt und brannte bis zum Keller aus. Dem widmungsgemäßen Wiederaufbau 1950 folgte die festliche Eröffnung am 3. Dezember selben Jahres. Anlieferung und Zufahrt wurden dem Bauvorhaben erleichtert durch die am 9. Februar 1949 dem Verkehr übergebene nächstgelegene Triesting-Brücke, die, 1944 durch Frühjahrshochwasser zerstört, das Erreichen der Nachbargemeinde Enzesfeld sowie der Bahnhaltestelle Hirtenberg empfindlich erschwert hatte. 2003/04 wurde der Verwaltungsbau geschleift und auf der Liegenschaft ein neues Gemeindeamt errichtet. — Hanauska: Hirtenberg, S. 272 f.; Allgemeine Bauzeitung, 1887 (LII. Jahrgang); (Abbruchjahr:) NÖ-Atlas, Luftbilder 2003 und 2007. Béla Barényi wurde in der Keller’schen Villa am Bach in Hirtenberg geboren. Da sein Vater Eugen Barényi (1866–1917) aus Preßburg stammte, wurde er bei Gründung der ČSR (1918) tschechoslowakischer Staatsbürger. Barényis Vater war (bei Dienstende) Major in der k.u.k. Armee, (ab 1895) Lehrer an der Infanteriekadettenschule Kamenitz sowie Professor für Naturwissenschaften an der Militär-Realschule in Fischau; seine Mutter, Maria, stammte aus der wohlhabenden Familie Keller. Barényis Urgroßvater war Seraphin Keller (1823–1882), Gründer der Hirtenberger Patronenfabrik, sein Großvater, Fridolin Keller (1849–1923), ab 1890 mit einem eigenen Unternehmen GuldenmillionärHanauska: Hirtenberg, S. 204. geworden, besaß einen luxury Austro-Daimler und begründete bzw. vertiefte somit Bélas Interesse am Automobilbau. Bélas Bruder, Friedrich Barényi (1901–1984),Niemann: Barenyi, Bela. war als Mathematiker bei Junkers an der Entwicklung des ersten Düsentriebwerks beteiligt.
Nach der Volksschule in Preßburg, Bürger- und Realschule (Wien und Waidhofen an der Ybbs)Hanauska: Hirtenberg, S. 368. sowie einem ausgezeichneten AbschlussMit seiner Abschlussarbeit zu den Grundlagen des späteren Volkswagenkonzepts (Zentralrohrrahmen mit Boxermotor im Heck und Stromlinienkarosserie in Pontonbauweise) nahm er bereits (1925/26) entscheidende Konstruktionsmerkmale des VW vorweg. – Aus: Niemann: Barenyi, Bela. an der öffentlich-rechtlichen Privatfachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in der Siebenbrunnengasse 35 in Wien-Margareten, sammelte er ab 1928 Berufserfahrung bei den Steyr-Werken in Wien, den Adlerwerken in Frankfurt, GETEFO in Berlin sowie der Société Pendelastic bzw. Soprotec in Paris.
Er trat bereits zum 1. Oktober 1932 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.300.761).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/731495
Ab 1939 arbeitete Barényi auf Vermittlung seines Studienfreunds Karl Wilfert für die Daimler-Benz AG und machte die passive Sicherheit von Autos zu seinem Berufs- und Lebensziel. Ein Jahr später wurde er deutscher Staatsbürger und heiratete im selben Jahr Maria Killian – die Ehe blieb kinderlos. Gemeinsam mit Daimler-Benz-Entwicklungsvorstand Hans Scherenberg formulierte Barényi 1966 die bis heute gültige Aufteilung von aktiver und passiver Sicherheit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er mit den Projekten Terracruiser und Concadoro. 1946 wurde er als politisch belastet entlassen, aber bereits 1948 wurde er wieder als Entwicklungsingenieur mit dem Aufgabengebiet Spezialuntersuchungen und Ausarbeitung von Konstruktionsvorschlägen eingestellt.
1953 setzte Barényi seine Ansprüche auf die von Ferdinand Porsche angemeldeten Patente vor Gericht durch. Barényi konnte nachweisen, dass er bereits in den 1920er Jahren das Konzept des Käfers detailliert dargelegt, aber nicht ausreichend durch Patente abgesichert hatte. 1955 verklagte Barényi die Volkswagenwerk G.m.b.H. auf Urheberrechtsverletzung, woraufhin seine Urheberschaft am VW Typ 1 gerichtlich anerkannt wurde.
Seine Visionen, Konstruktionen und Erfindungen machten Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz zu den sichersten ihrer Zeit. Erstes Projekt war ein neuartiger Plattformrahmen für das Mercedes-Benz-170V-Cabriolet (Baureihe W 136), der Insassen bei einem Seitenaufprall besser schützte als bei früheren Konstruktionen. Seine am 30. Oktober 1952 ausgegebene Patentschrift mit der Nummer (DE-)854157Kraftfahrzeug, insbesondere zur Beförderung von Personen. In: dpma.de, gilt heute als die Basis der passiven Sicherheit im Fahrzeugbau.Thomas Karny: . In: wienerzeitung.at, Wiener Zeitung, 23. Februar 2007. Die Serieneinführung dieses Konzepts erfolgte 1953 bei der „Ponton“-Baureihe W 120. 1948 erfand er ein Prinzip für versenkte Scheibenwischer, die in abgeschaltetem Zustand von der Karosserie verdeckt sind und dadurch ein geringeres Verletzungsrisiko für Fußgänger bedeuten. Verwirklicht wurde diese Idee in der von 1979 bis 1991 gebauten S-Klasse W 126. Die Sicherheitslenksäule geht auf eine Barényi-Idee aus dem Jahr 1947 zurück.
1951 gelang Barényi ein Durchbruch in der Sicherheitsentwicklung, als er die Grundlage der Sicherheitsfahrgastzelle zum Patent anmeldete. Die definierte Knautschzone in Verbindung mit einer hochfesten Fahrgastzelle ist ein Meilenstein der passiven Sicherheit. In der im August 1959 präsentierten Oberklasse-Baureihe W 111, der „Heckflosse“, ging diese Innovation erstmals in Serie. 1963 erfand Barényi die „Sicherheitslenkwelle für Kraftfahrzeuge“ und ließ diese Technik patentieren. Als vollständiges System hatte diese Sicherheitslenkung 1976 in der Baureihe W 123 Premiere. Neben seinem Engagement für die passive Sicherheit entwickelte Barényi auch wegweisende Automobilkonzepte wie das Wohnmobil Mercedes-Benz Großer Reisewagen und das Kompaktfahrzeug K-5.
Ab 1955 bis zu seiner Pensionierung 1974 leitete er die Vorentwicklung bei Daimler-Benz. Sein Haus in Maichingen und das darin eingerichtete Archiv verkaufte Barényi Mitte der 1990er Jahre an die Mercedes-Benz AG.. In: motor-klassik.de, 15. Januar 2009.
Béla Barényi, der Vater der passiven Sicherheit, Urheber von 2500 angemeldeten Patenten, starb am 30. Mai 1997 im Alter von 90 Jahren in Böblingen. Teile seines Nachlasses erhielt das Technische Museum Wien.
Ehrungen mini|hochkant=0.6|Barényi-Sitz in Baden bei Wien 1967: Rudolf-Diesel-Medaille des Deutschen Erfinder-Verbandes 1981: Aachener und Münchener Preis für Technik und angewandte NaturwissenschaftenBéla Barényi und sein Team im Hause Daimler-Benz. Beiträge zur Entwicklung eines verkehrsgerechten, sicheren und wirtschaftlichen Alltagsautos ; zusammengestellt aus Anlaß der Verleihung des Aachener und Münchener Preises für Technik und angewandte Naturwissenschaften 1981. Kraftfahrzeugtechnisches Archiv Barenyi, Maichingen 1981, OBV. Ehrenplakette der Stadt Sindelfingen (1987) Ehrenbürger von Terracina (1987) (Österreich) Berufstitel Professor (1989) Kulturpreis 1989 der Stadt Baden bei Wien (1990)Wallner: Von der Kommandantur zum Kongresscasino, S. 63. für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft Aufnahme in die Automotive Hall of Fame (1994) Großes Bundesverdienstkreuz (5. Oktober 1995)Auskunft des Bundespräsidialamtes Aufnahme in die European Automotive Hall of Fame in Genf (2007) Das Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen steht in der Béla-Barényi-Straße. Die Stadt Baden bei Wien benannte 1990 in ihrem Kurpark einen Béla-Barényi-Sitz; am 1. März 1994 wurde an der Villa Welzergasse 33 (ehemalige Villa Georgsberg bzw., ab 12. Juni 1920, Schloß-Hotel „Bellevue“)Einer der Wohnsitze von Barényis Großvater, Fridolin Keller. – kaiser-franz-josef-museum-baden.at: eine Gedenktafel enthüllt.Wallner: Von der Kommandantur zum Kongresscasino, S. 72.
Béla-Barényi-Preis mini|hochkant=0.6|Béla-Barényi-Preis Ihm zu Ehren wird seit 2005 von der Arbeitsgemeinschaft für Motorveteranen (AMV) und von Bosch für Leistungen an Personen, die sich in der Vergangenheit um den Kraftfahrzeugverkehr verdient gemacht haben, der Béla-Barényi-Preis in der Wiener Zentrale des ÖAMTC verliehen.ÖAMTC Fahrtechnik GmbH: . In: oeamtc.at, abgerufen am 16. September 2011. 2005: Patricia H. FischerHöchste Auszeichnung der österreichischen Veteranenszene. Ehrenvoll – der Bela Barenyi-Preis. In: Klub der Fahrzeugfreunde und Technikhistoriker Österreichs, 6. September 2008, abgerufen am 13. September 2011. – . 2006: Ernst Fiala 2007: Martin Pfundner, Motorsportjournalist und Manager 2008: Gustav Trubatsch, Generaldirektor von Castrol Austria 2009: Fritz Indra, 1985–1998 Direktor Vorausentwicklung der Adam Opel AG 2010: Heinz Prüller, Sportreporter 2011: Jürgen Stockmar (Ehemaliger Vorstand von Audi, Opel und Magna) 2012: Hans Peter LenzÖAMTC: Hans Peter Lenz mit Bela Barenyi Preis 2012 ausgezeichnet bei ÖAMTC vom 19. November 2012. 2013: Hans Herrmann RennfahrerÖAMTC: Hans Herrmann mit Bela Barenyi Preis 2013 ausgezeichnet beim ÖAMTC am 13. November 2013. 2014: Hans Alfred Staffen Sportarzt, FA ChirurgieBOSCH: Hans Alfred Staffen mit Bela Barenyi Preis 2014 ausgezeichnet bei Robert Bosch GmbH am 24. November 2014. 2015: Elisabeth Mesicek Vizepräsidentin im Vorstand der ÖGHKÖGHK: Elisabeth Mesicek mit Bela Barenyi Preis 2015 ausgezeichnet beim ÖAMTC am 9. November 2015. 2016: Helmut Zwickl, MotorsportjournalistBOSCH: Bela Barenyi Preis 2016 geht an Helmut Zwickl bei Robert Bosch GmbH am 7. November 2016. 2017: Wolfgang Brandstetter, Bundesminister für Justiz und Vizekanzler der Republik ÖsterreichÖAMTC: Dr. Wolfgang Brandstetter mit Bela Barenyi Preis 2017 ausgezeichnet beim ÖAMTC am 10. November 2017. 2018: Georg Hönig, 2019: Kurt „Masta“ Bergmann, Rennstallbetreiber in der Formel V 2020: keine Verleihung, verschoben auf 2021https://www.voz.co.at/2021A/20211022.pdf 2021: Wolfgang Ullrich (für sein Engagement im Motorsport) 2022: Arturo Merzario 2023: Dieter Quester 2024: Franz Wurz 2025: Siegfried Wolf
Literatur Joachim Fischer: Béla Barényi. Es geht um das vernünftige Auto. Motor-Revue, Stuttgart 1974. Béla Barényi: Viele hupen nimmer. Kraftfahrzeugtechnisches Archiv Barenyi, Maichingen 1984. Béla Barényi: Porsche hatte einen Vordermann. Selbstverlag Barényi, Maichingen 1987. Harry Niemann: Béla Barényi, Nestor der passiven Sicherheit. Mercedes-Benz-AG, Stuttgart-Untertürkheim 1994. Harry Niemann: Béla Barényi – Sicherheitstechnik made by Mercedes-Benz. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02274-5. Harry Niemann: Pioniere und Meilensteine. Geschichte des Insassen- und Partnerschutzes bei Mercedes-Benz. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-613-04136-3. , Fritz Hanauska: Heimatbuch der Marktgemeinde Hirtenberg. Marktgemeinde Hirtenberg, Hirtenberg 1980, OBV. Viktor Wallner: Von der Kommandantur zum Kongresscasino. 50 Jahre Baden in Daten und Bildern. 1945–1995. Neue Badener Blätter, Band 6,1, . Verlag der Gesellschaft der Freunde Badens und der Städtischen Sammlungen, Baden 1993(?), OBV.
Weblinks
Thomas Karny: Deutsches Patent- und Markenamt: Prof. h.c. Béla Barényi. In: dpma.de, Die Erfindergalerie des Deutschen Patent- und Markenamts, 2008, abgerufen am 16. September 2011. Eintrag in der Automotive Hall of Fame
Einzelnachweise und Anmerkungen
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