Die Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer Aktiengesellschaft, kurz Deutsche Steinzeug, gelegentlich auch DSCB, ist ein deutsches Industrieunternehmen mit Hauptsitz in Alfter-Witterschlick bei Bonn, das keramische Belagsmaterialien und Fliesen herstellt. Im Markt für keramische Fliesen und Platten und Fassadensysteme tritt es mit der Marke Agrob Buchtal (Eigenschreibweise: AGROB BUCHTAL) auf, im Markt für Mosaiken mit der Marke Jasba.
Geschichte Ursprünge und Entwicklung im Deutschen Kaiserreich Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Deutsche Kaiserreich zurück.Die Informationen zur Geschichte bis 1990 stammen – sofern nicht anders angegeben – von der der Unternehmenswebsite (Abruf am 26. November 2015). Zur Vorgeschichte des Unternehmens bis 1895 siehe M. L. Cohen: Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer Aktiengesellschaft, in: International Directory of Company Histories, S. 144 f. 1890 wurde in Mannheim-Friedrichsfeld die Badische Thonröhren- und Steinzeugwarenfabrik AG, (vormals J[ulius].F[riedrich]. Espenschied) gegründet. 1895 erfolgte die Umfirmierung in Deutsche Steinzeugwarenfabrik für Canalisation und Chemische Industrie, kurz Deutsche Steinzeug. (Jubiläumsbroschüre der Friatec AG), S. 5 f (Abruf am 15. Januar 2016); M. L. Cohen: Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer Aktiengesellschaft, in: International Directory of Company Histories, S. 144 f. Das Unternehmen Cremer & Breuer GmbH entstand 1906 in Frechen. Beide Unternehmen stellten zunächst Steinzeug-Produkte für den Kanalbau her, um im Laufe der Jahre ebenfalls säurefeste Apparate und Artikel für Abnehmer aus der Chemieindustrie anzubieten. Bei großen Ausstellungen und Messen, unter anderem bei Weltausstellungen, erhielt das Unternehmen mehrfach Auszeichnungen. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschäftigte es ca. 800 Mitarbeiter und hatte sich einen internationalen Kundenkreis erschlossen.M. L. Cohen: Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer Aktiengesellschaft, in: International Directory of Company Histories, S. 145.
Expansion im Dritten Reich 1926 übernahm Cremer & Breuer die Mehrheit der Deutschen Steinzeugwarenfabrik Aktiengesellschaft. Anfang der 1930er Jahre erfolgte der Erwerb der Mehrheitsbeteiligung der Deutschen Steinzeugwarenfabrik Aktiengesellschaft an der Annawerk Schamotte- und Tonwarenfabrik AG in Oeslau. Zugleich geriet das Unternehmen durch die Weltwirtschaftskrise in Absatznöte und reduzierte sein Personal, das Ende der 1920er Jahre bei mehr als 900 Mitarbeitern gelegen hatte, auf weniger als 250 Personen.
Im Juni 1937 erwarb das Annawerk die Vereinigte Gewerkschaft Schmidgaden-Schwarzenfeld in der Oberpfalz. Teil des Erwerbs war ein in der Nähe Schwarzenfelds gelegenes, an Tonvorkommen reiches Gelände namens Buchtal. Gottfried Cremer begann mit der Planung einer Fabrik, in der hochwertiger Tonabraum weiterverarbeitet werden und die als Zulieferer des Annawerks fungieren sollte. Sie war bereits in Bau, als Vertreter der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“ ein anderes Interesse anmeldeten: Mit den neuen Anlagen sollen feuerfeste Schamottsteine hergestellt werden, um diese in Hüttenbetrieben zum Einsatz zu bringen, die damals fast ausschließlich der Rüstungsproduktion dienten. Zugleich schlugen die Reichswerke vor, sich mit 52 Prozent an Bergwerkseigentum und Produktionsanlagen zu beteiligen. Obgleich die Unternehmer des Annawerkes nicht sofort von der Notwendigkeit der Schamottstein-Produktion überzeugt waren und obwohl sie stark autoritäre innerbetriebliche Verhältnisse fürchteten, kam eine Einigung schließlich zustande, die Buchtal A.G. in Schwarzenfeld entstand.Julia Weigl: Von der „Vereinigten Gewerkschaft“ zum Marktriesen „Buchtal“, in: dies.: IndustrieKulturGeschichte im Landkreis Schwandorf, Mittelbayerische Druck- und Verlags-Gesellschaft, Regensburg 1994, ISBN 3-927529-85-0, S. 61–70, hier S. 65.
Der auf diese Weise entstandene Konzern betätigte sich vor allem in der Produktion von Grobkeramik; seine Produktpalette umfasste Steinzeugrohre, Fliesen und Platten sowie weitere Artikel, wie beispielsweise Feuerfestmaterialien oder Dachziegel. Das Unternehmen profitierte von Betriebs-ArisierungenDiese betrafen das Bankhaus Gebrüder Arnhold und die Vereinigte Wildstein-Neudorfer Tonwerke A.G., Eger. Siehe hierzu Gottfried Cremer: Buchtal-Chronik Band I. Vorgeschichte und die Zeit der Gründung bis Ende 1955, ohne Ort, 1982, S. 12 und S. 272. Ferner die 2008 noch offene Restitutionsforderung der Erben von Hugo Sachs, dem seinerzeitigen Hauptanteilseigner der Vereinigte Wildstein-Neudorfer Tonwerke A.G., Eger (Abruf am 18. Januar 2016). Zum Erwerb dieses Unternehmens in Eger siehe Gottfried Cremer: Buchtal-Chronik Band I. Vorgeschichte und die Zeit der Gründung bis Ende 1955, ohne Ort, 1982, S. 148. und beschäftigte während des Zweiten Weltkrieges Fremd- und Zwangsarbeiter.Hinweis zur Zwangsarbeit bei der Buchtal A.G. unter anderem in: Schwarzenfeld. Informationsbroschüre, S. 7 (Abruf am 18. Januar 2016). Hinweise auf Zwangs- und Fremdarbeiter ebenfalls bei Gottfried Cremer: Buchtal-Chronik Band I. Vorgeschichte und die Zeit der Gründung bis Ende 1955, ohne Ort, 1982, S. 150, S. 189, S. 190 u. ö. Insbesondere die Mannheimer Produktionsstätten wurden durch alliierte Bombenangriffe schwer beschädigt. In der unmittelbaren Nachkriegszeit kam die Produktion des Unternehmens durch alliierte Einschränkungen fast vollständig zum Erliegen.M. L. Cohen: Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer Aktiengesellschaft, in: International Directory of Company Histories, S. 146.
Wiederaufbaujahre Weil sich in den Wiederaufbaujahren der Bundesrepublik ein großer Bedarf an Steinzeugrohren zeigte, setzte der Konzern in diesem Produktbereich seinen ersten Investitionsschwerpunkt. Die Buchtal AG konzentrierte sich in diesem Zeitraum auf keramische Fliesen und Platten.
Unter der Führung von Gottfried Cremer erweiterte das Unternehmen ab Mitte der 1950er Jahre seine Tätigkeit auf die Herstellung von Kunststoffen, insbesondere in der Verbindung von Kunststoffen und Keramik. 1961 änderte es daraufhin seinen Namen in Deutsche Steinzeug- und Kunststoffwarenfabrik für Kanalisation und Chemische Industrie.
Von den 1960er Jahren bis zur Deutschen Wiedervereinigung In den 1960er Jahren trat die Deutsche Steinzeug in den Markt für Kläranlagen ein und gründete zu diesem Zweck 1962 die Friedrichsfelder Abwasser- und Verfahrenstechnik GmbH. Seit 1964 entwickelte das Unternehmen neue Technologien für Oxidkeramik, um daraus in den Folgejahren eine eigene Marke zu entwickeln (Frialit). 1969 erfolgte die Eingliederung der Wesselinger Gußwerk-Rheinguß GmbH.
1974 gliederte die Cremer-Gruppe ihre Geschäfte neu und etablierte für ihre Steinzeug- und andere Industrieaktivitäten die Friedrichsfeld GmbH Steinzeug und Kunststoffwerke. In den 1970er und 1980er Jahren wurden neue Produktlinien entwickelt, zu denen keramische Zahnimplantate zählten. Die Deutsche Steinzeug wuchs auch durch Zukäufe. Dazu gehörten 1977 der Erwerb von Degussit (Verkäufer: Degussa), 1979 der Kauf der Rhein-Plastik-Rohr-GmbH (Neckarau), 1988 die Eingliederung der Rheinhütte Wiesbaden und 1989 schließlich die Integration der Th. Jansen GmbH (St. Ingbert).
Als bedeutende Innovation erwies sich die seit den 1960er Jahren vorangetriebene Entwicklung des Horizontalspülbohrverfahrens, das ab 1982 unter dem Markennamen CreaDig Mikrotunnelbauprojekte ohne umfassende Erdarbeiten ermöglichte.M. L. Cohen: Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer Aktiengesellschaft, in: International Directory of Company Histories, S. 146 f.
1985 verlegte das Unternehmen seinen Sitz von Mannheim-Friedrichsfeld nach Frechen.Kurzmeldung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. Juni 1985; Eintrag Deutsche Steinzeug- und Kunststoffwarenfabrik Verwaltungs-Aktiengesellschaft im Hoppenstedt – Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, Lieferung 8, Jahrgang 1990/91, S. 1047–1049, hier S. 1047.
Entwicklung in den 1990er Jahren Im Jahr 1992 erwarb die Deutsche Steinzeug 1992 die fliesenproduzierenden Unternehmen der Agrob-Gruppe und erschloss damit ein weiteres Feld der Keramikindustrie.Zu dieser Gruppe knapp: Medium companies of Europe 1991–1992. Volume 1. Medium Companies of the Continental European Community. Managing editor: R.M. Whiteside. Editors: A. Wilson [et al.]. Graham & Trotman, London 1993, S. 295, ISBN 1-85333-599-1. Im Jahr vor diesem Zusammenschluss hatte die Cremer-Gruppe einen Umsatz von 1,1 Milliarden DM ausgewiesen, der Umsatz der Agrob AG hatte 1991 bei über 210 Millionen DM gelegen.Agrob AG. Zukunft als Holding und Grundstücksfirma. Cremer-Gruppe übernimmt den keramischen Bereich, Handelsblatt vom 14. April 1992. 1993 erwarb der Konzern die Mehrheit bei Rako, dem größten tschechischen Hersteller von Steingut und Steinfliesen.Agrob. Keramikverbund präsentiert Neugruppierung. Neues Standbein in der Tschechischen Republik, Handelsblatt vom 21. Januar 1993. Dieser Anteil wurde 1998 von 50,4 auf 92,5 Prozent aufgestockt.Karlheinz Voss: Übernahme der Wienerberger-Rohraktivitäten, Handelsblatt vom 25./26. April 1998.
1994 änderte der Konzern seine Organisationsstruktur: Das Management beschloss die Umfirmierung der Cremer-Gruppe in Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer Aktiengesellschaft, die als Obergesellschaft fungierte., Pressemeldung der Agrob Buchtal vom 21. Juni 2011 (Abruf am 4. Dezember 2015). Die operativen Geschäfte übernahmen acht Gesellschaften: Vereinigte Steinzeugwerke GmbH, Hürner GmbH,Heute Hürner-Funken Group. Annawerk GmbH, Buchtal GmbH, Agrob Buchtal Keramik GmbH, Agrob Wessel Servais AG, Agrob Fliesen GmbH und Friatec AG.Deutsche Steinzeug. Voraussetzungen für Neuordnung der Cremer-Gruppe geschaffen. Ausgabe von Berichtigungsaktien sowie Kapitalerhöhung nicht ausgeschlossen, Handelsblatt vom 6. Mai 1994; Deutsche Steinzeug. Umwandlung. Wirtz übernimmt die Führung, Handelsblatt vom 30. August 1994. Das Unternehmen betätigte sich damals in vier Branchen: Bauprodukte, Maschinen- und Anlagenbau sowie Medizintechnik.Deutsche Steinzeug. Umstrukturierung abgeschlossen, Handelsblatt vom 16. August 1995. Mit über 7000 Beschäftigten erwirtschaftete die Deutsche Steinzeug 1996 einen Umsatz von 1,4 Milliarden DM.Handelsblatt vom 1. Oktober 1996, Kurzmeldung in der Rubrik Namen.