Die Delivery Hero SE mit Sitz in Berlin ist ein börsennotierter Betreiber von Online-Bestell- und Lieferplattformen für Mahlzeiten, Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs. Er ist in rund 70 Ländern tätig, aus Deutschland hat er sich weitgehend zurückgezogen.
Geschichte
Gründung und schnelles Wachstum Delivery Hero wurde im Mai 2011 in Berlin von Niklas Östberg, Kolja Hebenstreit, Markus Fuhrmann und Lukasz Gadowski unter dem Namen RPG International Holding gegründet und im Laufe des Jahres in Delivery Hero umbenannt.Wertpapierverkaufsprospekt der Delivery Hero AG, 19. Juni 2017. Länder auf Seite S-1, Mitarbeiterzahl in Abschnitt 12.10, Gesellschaftshistorie in Abschnitt 16.1, geänderte Rechnungslegung auf Seite F-31 und F-32. Ziel war, ein globales Online-Netzwerk zum Bestellen von Essen zu schaffen. Zu den ersten Unternehmen, die unter dem Dach der Holding vereint wurden, gehörten OnlinePizza (Schweden, Österreich, Finnland und Polen) sowie die britische Plattform hungryhouse und die bereits zuvor von Mohammadi Akhabach, Claude Ritter und Nikita Fahrenholz in Deutschland gegründete Plattform Lieferheld, die im Laufe des Jahres 2012 vollständig von Delivery Hero übernommen wurden.
Das Wachstum des Unternehmens bis 2014 weckte das Interesse von Investoren, die im Jahr 2014 über 400 Millionen Euro investierten, was u. a. die Übernahme des deutschen Marktführers pizza.de im August 2014 und die Expansion in den südamerikanischen Raum ermöglichte. Im Februar und März 2015 erwarb das Berliner Internetunternehmen Rocket Internet in zwei Schritten für mehr als eine halbe Milliarde Euro einen Anteil von 38,5 % an Delivery Hero, hat allerdings keinen Sitz im Aufsichtsrat und kaum operativen Einfluss. Delivery Hero konnte sowohl den Marktführer im Nahen Osten, Talabat, als auch den türkischen Marktführer Yemeksepeti übernehmen. Nach weiteren Übernahmen im Jahr 2014 vereinbarte Delivery Hero mit dem Wettbewerber Foodpanda einen Verkauf von Geschäftsbereichen in bestimmten Ländern, umgekehrt übernahm das Unternehmen Bereiche von Foodpanda. Die Vereinbarung ermöglichte beiden Unternehmen, ihre jeweiligen nationalen Schwerpunkte zu stärken.
Die 589 Millionen Dollar für den Kauf von Yemeksepeti im Mai 2015 waren die höchste Summe, die bis dahin für eine Übernahme in diesem Segment gezahlt wurde. Nach der letzten Investitionsrunde im Juni 2015 wurde Delivery Hero mit 2,8 Milliarden Euro (3,1 Milliarden Dollar) bewertet und wies damit unter den privat finanzierten Internetunternehmen nach Spotify die zweithöchste Bewertung in Europa auf.
mini|Fahrradwerbung für Foodora in Lyon, 2016 Im September 2015 übernahm Delivery Hero den Restaurant-Lieferdienst Foodora vom bisherigen Besitzer Rocket Internet. Der 2015 ins Leben gerufene Lieferdienst für Restaurants Valk Fleet wurde im März 2016 zugunsten der Konzentration auf Foodora geschlossen. Nach dem Kauf von Foodpanda im Dezember 2016 ordnete Delivery Hero sein Geschäft neu und verkündete daraufhin den Verkauf seiner Tochter Hungryhouse Holdings Limited an den Wettbewerber Just Eat für 240 Millionen Euro in bar und weitere 48 Millionen Euro bei Erreichen bestimmter Ziele. Im Frühjahr 2017 erwarb der südafrikanische Medienkonzern Naspers für 387 Mio. Euro rund 10 % von Delivery Hero, womit die Beteiligung von Rocket Internet auf 33 % sank. Im September erwarb Naspers von Rocket für rund 660 Mio. Euro weitere 13 %.
Börsengang Im Januar 2017 kündigte Östberg an, ab dem zweiten Quartal des laufenden Jahres bereit für die Börse sein zu wollen. Er strebte dabei laut manager magazin eine Bewertung von rund 3,5 Milliarden Euro an. Im Sommer 2017 wechselte Delivery Hero die Rechtsform von der GmbH zur AG. finanzen.net vom 2. Juni 2017 Im Juni 2017 wurde ein Börsengang im Frankfurter Prime Standard für die „kommenden Monate“ in Aussicht gestellt,Delivery Hero plant Börsengang in 2017, Pressemeldung des Unternehmens auf dgap.de, 6. Juni 2017. und kurz darauf der 30. Juni als Termin und die Preisspanne von 22 bis 25,50 Euro festgelegt.Delivery Hero legt Preisspanne für geplanten IPO auf EUR 22,00 bis EUR 25,50 fest, Pressemeldung des Unternehmens auf dgap, 19. Juni 2017. Die angebotenen Aktien konnten an der Frankfurter Wertpapierbörse zu 25,50 € platziert werden.Delivery Hero legt finalen Angebotspreis auf EUR 25,50 fest, Pressemeldung auf DGAP.de, 29. Juni 2017. Bei rund 153 Millionen Altaktien und 19 Millionen zum Börsengang neu emittierten Aktien entsprach dies einem Unternehmenswert von 4,4 Milliarden Euro. Es handelte sich um den bis dato größten Börsengang des Jahres. Mit Gesamterlösen von 789 Millionen Euro war es der bis dato drittgrößte Börsengang eines Internetunternehmens in Deutschland.
Im September des gleichen Jahres übernahm Delivery Hero den südkoreanischen Lieferdienst Foodfly. Im November 2017 wurde das Unternehmen mit 6,5 Milliarden Euro bewertet. Delivery Hero steigerte 2017 seinen Umsatz um 60 Prozent auf 544 Millionen Euro.
Übernahme, Verkäufe und DAX Im Dezember 2017 verkaufte Delivery Hero das Tochterunternehmen Foodpanda India an den indischen Fahrdienstvermittler Ola. Delivery Hero erhielt im Gegenzug Firmenanteile an Ola. Seit März 2018 gehörte Foodarena.ch komplett zu Delivery Hero.Delivery Hero will alles – oder nichts In: fuw.ch, 12. März 2018, abgerufen am 12. März 2018. Im Juni 2018 wurde dessen Verkauf an Takeaway.com bekannt gegeben. Im Juli 2018 wechselte das Unternehmen die Rechtsform von der AG in eine europäische Aktiengesellschaft (SE).
Anfang August 2018 kündigte Foodora den Rückzug aus Australien an, da man sich auf andere, chancenreichere Märkte konzentrieren wolle. Zuvor war das Unternehmen wegen der Arbeitsbedingungen seiner dortigen Fahrer kritisiert und sogar verklagt worden; wenig später meldete Foodora in Australien freiwillig Insolvenz an. Ebenfalls im Sommer 2018 tätigte Delivery Hero ein erstes Investment in den spanischen Konkurrenten Glovo. Im Dezember 2018 verkaufte das Unternehmen sein Deutschlandgeschäft an das niederländische Konkurrenzunternehmen Takeaway.com für Aktien und Barvermögen im Wert von 930 Millionen Euro.
Im August 2020 nahm Delivery Hero den Platz von Wirecard im DAX ein. Im September 2020 wurden die Aktivitäten von Glovo in Südamerika für bis zu 230 Millionen Euro übernommen. Im Dezember genehmigten die südkoreanischen Kartellbehörden die Übernahme des dortigen Marktführers Woowa Brothers; als Bedingung für die Übernahme stellten sie, dass Delivery Hero seine eigene Tochter Yogiyo verkauft, um eine Monopolbildung zu vermeiden, da die beiden Unternehmen zusammen sonst einen Marktanteil von 99,2 % hätten. Aber auch ohne Yogiyo kommt Woowa auf einen Marktanteil von 82 %. Die Übernahme kostete insgesamt 3,6 Milliarden Euro, davon 1,7 Milliarden in Bar und die übrigen Teile in Form von Aktien. Zur Finanzierung des Deals hatte Delivery Hero bereits im Januar zwei Wandelanleihen ausgegeben und eine Kapitalerhöhung über 2,3 Milliarden Euro in die Wege geleitet.
Im Sommer 2021 kehrte Delivery Hero über seine Tochter Foodpanda in einigen Städten auf den deutschen Markt zurück.
Im Oktober 2021 beteiligte sich Delivery Hero mit 200 Mio. Euro an dem deutschen Konkurrenten Gorillas und erhielt dabei acht Prozent der Anteile. Dieses Investment erfolgt im Kontext einer Finanzierungsrunde von Gorillas. Im Dezember 2021 erklärte Delivery Hero den Rückzug seiner Eigenmarke Foodpanda vom deutschen Markt; seine Fahrradkuriere wurden von Gorillas übernommen. Im Dezember gab das Unternehmen bekannt, sich mit Ausnahme des „Innovationszentrums“ Berlin wieder aus Deutschland zurückzuziehen. Auch aus Japan, in dessen Markt Delivery Hero im September 2020 eingetreten war, zog sich das Unternehmen wieder zurück. Zum Jahresende 2021 wurde die Übernahme einer Mehrheit am spanischen Konkurrenten Glovo angekündigt, nachdem es sich bereits im März des Jahres an einer weiteren Finanzierungsrunde von Glovo beteiligt hatte (und im Gegenzug auch Aktivitäten in Osteuropa an Glovo veräußert hatte) und seither 44 % des Kapitals hielt; Glovo solle weiterhin über seine eigene Plattform in seinen Märkten tätig sein.Delivery Hero: Tech champions join forces: Delivery Hero signs agreement to become the majority shareholder of Glovo, Pressemitteilung vom 31. Dezember 2021 (englisch)
Ausschluss aus dem DAX Durch die Fast Entry-Regel der Deutschen Börse bei der Zusammenstellung des DAX stieg der Chemiekonzern Beiersdorf AG im Juni 2022 zum vierten Mal innerhalb von 15 Monaten in den Index der deutschen Hauptwerte auf. In der Konsequenz musste nach den Regeln der schwächste Konzern des DAX aus dem Index fallen, was zum Zeitpunkt der Entscheidung Anfang Juni 2022 Delivery Hero war.
Das Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche stellte in einem Dossier auf die häufig gestellte Frage nach Gewinn und Geschäftsperspektive dem Unternehmen ein negatives Zeugnis aus, unter anderem weil Delivery Hero auch bei hoher Nachfrage in der Pandemie keinen Gewinn erwirtschaftet hatte, 2022 hohe Verbindlichkeiten auswies und auf Fragen der Journalisten bei der Zusammenstellung des Dossiers ausweichend reagiert hatte.
Kartellstrafe der Europäischen Union Wegen illegaler Kartellbildung in Gestalt von wettbewerbswidrigen Absprachen über Preise und Strategien mit der spanischen Firma Glovo verhängte die EU-Kommission im Mai 2025 eine Strafe in Höhe von 223 Millionen EUROAutor ungenannt: Strafe von 223 Millionen für Delivery Hero und Glovo In: Neue Zürcher Zeitung vom 03.06.2025, Seite 22; Glovo muss 106 Millionen EURO entrichten.
Übernahme durch Uber Im Juli 2026 gab Delivery Hero bekannt, sich mit dem US-amerikanischen Fahrdienste- und Essensliefervermittler Uber auf eine Übernahme geeinigt zu haben. Uber besaß zuvor bereits rund 25 Prozent der Aktien von Delivery Hero direkt und kontrollierte weitere knapp zwölf Prozent über Finanzinstrumente. Zudem hat Großaktionär Prosus, der einen Anteil von knapp 17 Prozent an Delivery Hero hält, zugesagt, diesen an Uber zu veräußern. Das Volumen der Transaktion beläuft sich auf 12,7 Milliarden Euro. Nicht Bestandteil der Vereinbarung sind Tochtergesellschaften in 14 Märkten, in denen beide Unternehmen konkurrieren. Diese Ländergesellschaften werden an das New Yorker Investmentunternehmen SSW Partners verkauft. In der Übernahmevereinbarung verpflichtet sich Uber dazu, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin beizubehalten und bis mindestens 2029 keine Änderungen an der dortigen Belegschaft vorzunehmen, sowie sich zu bemühen, bis 2031 zwei Milliarden US-Dollar in Deutschland zu investieren. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet.https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/uebernahme-delivery-hero-uber-100.htmlhttps://www.deliveryhero.com/newsroom/delivery-hero-and-uber-to-join-forces-to-deliver-more-for-customers-vendors-and-riders/
+ Aufteilung nach Ländergesellschaften Uber SSW Partnersübernimmt Unternehmen aus 50 Märkten,die im Jahr 2025 einen Bruttowarenwert von 42 Milliarden US-Dollar generiertenübernimmt Unternehmen aus 14 Märktendie im Jahr 2025 einen Bruttowarenwert von 11 Milliarden US-Dollar generiertenBaedal Minjok (Südkorea);foodpanda (Bangladesch, Kambodscha, Hongkong, Laos, Malaysia, Myanmar, Pakistan,Philippinen, Singapur);foodora (Ungarn);Glovo (Armenien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Elfenbeinküste, Kroatien, Georgien,Italien, Kasachstan, Kenia, Kirgisistan, Montenegro, Marokko, Nigeria, Serbien, Tunesien,Uganda, Ukraine);HungerStation (Saudi-Arabien);PedidosYa (Argentinien, Bolivien, Costa Rica, Dominikanische Republik, El Salvador,Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Uruguay, Venezuela);Talabat (Bahrain, Ägypten, Irak, Jordanien, Kuwait, Oman, Katar, Vereinigte Arabische Emirate)foodora (Österreich, Tschechien, Norwegen, Schweden);efood (Griechenland);foody (Zypern);Glovo (Polen, Portugal, Rumänien, Moldawien, Spanien);PedidosYa (Chile, Ecuador);Yemeksepeti (Türkei)
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