Die bayerischen Post Bay 75 (nach DRG-Gattungskonventionen) waren zweiachsige Postwagen, welche nach Blatt-Nr. 118 des Wagenverzeichnisses von 1897 (Blatt-Nr. 187 des Verzeichnisses von 1913) als zweiter Typ der ersten Generation von Postwagen gebaut wurden.
Geschichte Der Transport von Postsachen war auch in Bayern ein Staatsmonopol, welches mit Pferdekutschen bewältigt wurde. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn erwuchs dem Staat eine Konkurrenz. Mit dem Datum vom 30. April 1849 Mühl, die bayerischen und württembergischen Bahnpostwagen, Lok Magazin Heft 102, Seite 222 verpflichtete das Ministerium für Handel und öffentliche Arbeiten als oberste Aufsichtsbehörde über Post und Eisenbahnen die Generalverwaltung der Königlichen Posten und Eisenbahnen mit der Einführung von "bureaux ambulants" für den Postdienst. Mit entsprechenden Verträgen wurden daher alle Gesellschaften – auch staatliche – dazu verpflichtet, den Postdienst mitzutragen. Dies bedeutete, dass die Bahngesellschaft das geeignete Rollmaterial auf ihre Kosten beschaffen und zur Verfügung stellen musste, während das Personal von der Postverwaltung gestellt wurde. Bis zur Eingliederung der Bayerischen Postverwaltung in die Reichspost am 1. April 1920 waren daher alle Wagen im Eigentum der Bayerischen Staatsbahn.
Beschaffung Die Wagen der ersten Generation werden in den Jahren zwischen 1861 und 1874 durch insgesamt 116 neue Wagen mit Wagenkästen zwischen 7.000 und 7.200 mm, eisernen Längsträgern sowie Heberlein-Schnellbremsen beschafft. Dieser folgte zwischen 1875 und 1882 eine zweite Bauart nach Blatt 187 der WSV von 1913 mit insgesamt 84 Wagen.
Konstruktive Merkmale Untergestell Der Rahmen der Wagen hatte noch eine Mischbauform aus Holz und Eisen. Bis auf die hölzernen Kopfschwellen (Pufferträger) waren alle Längs- und Querverbindungen aus Eisen. Die äußeren Längsträger hatten eine Doppel-T-Form. Als Zugeinrichtung hatten die Wagen Schraubenkupplungen mit Sicherheitshaken nach VDEV, die Zugstange war durchgehend und mittig gefedert. Als Stoßeinrichtung besaßen die Wagen Stangenpuffer mit einer Einbaulänge von 650 mm, die Pufferteller hatten einen Durchmesser von 370 mm.
Laufwerk Die Wagen hatten genietete Fachwerkachshalter aus Flacheisen der kurzen, geraden Bauform. Gelagert waren die Achsen in geteilten Gleitachslagern. Die Räder hatten Speichenradkörper und einen Raddurchmesser von 1.014 mm. Die Federung bestand aus einer 9-lagigen Feder von 90 mm Breite und 1.750 mm Länge, die mit Federlaschen in den Federböcken befestigt waren.
Neben der Spindelhandbremsen im hochgesetzten Bremserhaus besaßen alle Wagen in der Grundausstattung Heberlein-Schnellbremsen (siehe WV von 1879, Skizze 75). Schon im WV von 1897 wurden für alle Wagen Westinghousebremsen nachgewiesen. Die Bremsen wirkten auf alle Räder beidseitig. Dabei hatten die Wagen die alte Bauform der bayerischen Bremsgestänge mit mittigem Umlenkhebel.
Wagenkasten Das Wagenkastengerippe bestand aus einem hölzernen Ständerwerk. Es war außen mit Blech und innen mit Holz verkleidet. Die Seitenwände waren an den Unterseiten leicht eingezogen, die Stirnwände gerade. Die Wagen besaßen ein flach gewölbtes Dach. Sie hatten alle ein hochgesetztes, geschlossenes Bremserhaus, welches beidseitig und nur von außen zugänglich war. Die Wagen hatten alle durchgehende, seitliche Laufbretter und Anhaltestangen.
Der Innenraum war durch eine Zwischenwand in zwei etwa gleich große Hälften unterteilt. Auf der Seite des Bremserhauses befand sich der Packraum, auf der gegenüberliegenden Seite der Briefsortierraum. In der Wagenmitte befand sich auch der nach beiden Wagenhälften wirkende Ofen. Je Wagenhälfte gab es einen gepolsterten Sitz.
Gemäß dem WV von 1913 wurden bei den Wagen 15 117 und 15 189 Aborte eingebaut. Bei den Wagen 15 124 und 15 137 wurde sowohl die Zwischenwand als auch alle sonstigen Einbauten bis auf Ofen, Wasch- und Schreibtisch sowie dem darüber angebrachten Regal entfernt.
Ausstattung Zur Beheizung verfügten die Wagen über eine Ofenheizung. Die Wagen waren alle mit einer Leitung für eine Dampfheizung ausgestattet. Die Beleuchtung erfolgte durch Öl-Lampen, bei einem Teil der Wagen durch Gas. Der Vorratsbehälter für das Leuchtgas hing in Wagenlängsrichtung am Rahmen.
Gemäß dem WV von 1913 wurden bei den Wagen 15 117 und 15 189 Aborte eingebaut. Bei den Wagen 15 124 und 15 137 wurde sowohl die Zwischenwand als auch alle sonstigen Einbauten bis auf Ofen, Wasch- und Schreibtisch sowie dem darüber angebrachten Regal entfernt.
Die Wagen erhielten die für die Außenseiten vorgeschriebene Lackierung in Grün und als Eigentumskennzeichnung die Aufschrift Königliche Bahn-PostReiß, Gustav; Zum 75-jährigen Bestehen der Bahnposten in Bayern; Archiv für Postgeschichte in Bayern.
Bemerkung Schon im Verzeichnis von 1913 waren nicht mehr alle Wagen aufgeführt. Von den ursprünglich 84 Stück waren nur noch 46 Wagen im Bestand. Ein Teil der Wagen (insgesamt 10 Stück) wurden zu Gepäckpostwagen umgebaut (siehe Blatt 211).
Skizzen, Musterblätter, Fotos
Wagennummern Die Daten sind im Wesentlichen nach den Wagenpark-Verzeichnissen der Kgl.Bayer.Staatseisenbahnen aufgestellt und nach dem Stande vom 1876, 1897 und 1913 sowie Daten aus dem Artikel von A. Mühl im Lok-Magazin 102 entnommen.
Herstelldaten Wagennummern je EpocheGattungszeichen Fahrwerk Ausstattung ZusatzinfosBau- jahrHer- stellerbis 1876ab 1876ab 1909(1907)DR(ab 1923)DRG(ab 1930)Aus-gem.Anz.Achs.Rad-stand(mm)LüP-(mm)Brem-senUnter-Gest.Lenk-achs.Bl.Hz.Anz.AbortArt u. Anzahl der Abteile(siehe Legende) Bemerkung Blatt-Nr. 187 P. Post Post Post Bay 75 Post b/07(siehe jeweilige Legende)BDGPZ187512 97415 11515 11524.3708.950BrH, WbrE,HGO, L1112 97515 11615 11612 97615 11715 117mit Abort12 97715 118<191312 97815 11912 97915 12012 98015 121>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)12 98115 122>190012 98215 12312 98315 12415 124Umbau für Einschreibdienst12 98415 125>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)12 98515 12615 12612 98615 12715 12712 98715 128>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)12 98815 129<191312 98915 130<191312 99015 131>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)12 99115 13215 13212 99215 134<191324.3708.950BrH,WbrE,HPO,L1112 99315 13512 99415 136>190024.3708.950BrH,WbrE,HGO,L11wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)12 99515 13715 137Umbau für Einschreibdienst12 99615 138>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)12 99715 139<1913187719 15515 157>190024.3708.950BrH,WbrE,HGO, L11wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)19 15615 15815 15819 15715 159>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)19 15815 160<191319 15915 161>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)19 16015 162>1900wird zu Gepäckpostwagen (Blatt 210)19 16115 16315 16319 16215 16415 16419 16315 165< 191319 16415 166<191319 16515 167<191319 16615 168<191319 16715 169<191319 16815 170< 1913187820 17315 171<191324.3708.950BrH,WbrE,HGO,L1120 17415 172<191320 17515 17315 17320 17615 17415 17420 17715 175<191320 17815 17615 17620 17915 17715 17720 18015 17815 17820 18115 17915 17920 18215 18015 18020 18315 181<191320 18415 182<191320 18515 18315 18320 18615 18415 18420 18715 185<191320 18815 18615 18620 18915 18715 18720 19015 188<191320 19115 18915 189mit Abort20 19215 19015 19020 19315 19115 19120 194<189720 19515 19215 19220 19615 19315 19320 19715 19415 19420 19815 19515 19520 19915 19615 19620 20015 19715 19720 20115 19815 19820 20215 19915 199187920 05115 20015 20024.3708.950BrH,WbrE,HGO,L1120 05215 20115 20120 05315 202<191320 05415 20315 20320 05515 20415 20420 05615 20515 20520 05715 20615 20620 05815 20715 20720 05915 20815 20820 06015 20915 209188120 76315 21015 21024.3708.950BrH, WbrE,HGO,L1120 76415 21115 21120 76515 21215 212188220 77315 21315 21324.3708.950BrH, WbrE,HGO, L11
Einzelnachweise
Literatur
Kategorie:Reisezugwagen (Bayerische Staatseisenbahnen)