mini|140px|„Het boek van Den Haag“ (Pappeinband), Einbandillustration von Han van Meegeren Wat niet im Baedeker staat war eine von 1930 bis 1932 im Amsterdamer Verlag A. J. G. Strengholt herausgegebene Buchreihe, die sich als alternative Beschreibung von niederländischen Provinzen und Städten im feuilletonistischen Stil verstehen sollte. Von den ursprünglich geplanten mindestens ein Dutzend Bänden erschienen aber nur 3 Städtebände.
Ausgabeanlass Wahrscheinlich regte die deutschsprachige Reihe „Was nicht im ‚Baedeker‘ steht“, die mit insgesamt 17 Bänden von 1927 bis 1938 im Piper Verlag München erschienen war, den Amsterdamer Verlag A. J. G. StrengholtVergleiche zum Verlag näher die niederländische Wikipedia Strengholt Holding. im Zusammenwirken mit dem bereits 1885 gegründeten niederländischen Fremdenverkehrsverein (Algemeene Nederlandsche Vereeniging voor Vreemdelingenverkeer) zur Herausgabe der eigenen, gleichnamigen Reihe Wat niet in Baedeker staat an. Letztlich erschienen hier aber nur Bände, die die Hauptstadt des Landes, den Parlaments- und Regierungssitz sowie die damals größte niederländische, heute auch europäische, Hafenstadt in Wort und Bild vorstellten. Im Baedeker-Original waren sie damals in der deutschen Ausgabe „Holland“ (26. Auflage) von 1927 mit enthalten.Die letzten englisch- und französischsprachigen Baedeker-Ausgaben mit einer Beschreibung der Niederlande waren bereits 1910 erschienen (Belgium and Holland, Belgique et Hollande). Aus Gründen des Buchumfangs mussten die dort gelieferten Informationen aber auf das für den Reisenden Wesentliche beschränkt bleiben. So sollte also die Reihe dem interessierten Touristen über die knappen Ausführungen im Baedeker und den sonstigen Reiseführern hinaus weiterführendes Wissen und Hintergrundinformationen in literarisch ansprechender Form bereitstellen.Vergleiche die Ankündigung des ersten Bandes für Amsterdam in der niederländischen Zeitschrift für Bücherfreunde „Den Gulden Winckel“, Jahrgang 1930 [Band 29] (Digitalisat).
Ausgaben mini|140px|„Het boek van Amsterdam“, 1. Auflage (1930), Reihenplanung Geplante Ausgaben Ursprünglich waren wesentlich mehr Bände verlagsseitig geplant. In der Erstauflage von „Het Boek van Amsterdam“ waren noch allein 10 Folgetitel, darunter die beiden tatsächlich erschienenen Bände zu Rotterdam und Den Haag, auf dem vorderen Buchspiegel als in Vorbereitung befindlich angekündigt worden und war sogar ein Fortsetzungsvermerk „etc.“ für die Reihe gesetzt. Unter den geplanten Bänden waren Titel wie „Oude [Alte] Zuiderzee-Plaatsen“, „Nederland’s Waterkant“, „Friesland“ und „Utrecht (provincie)“ aufgeführt. Wenn alle Bände realisiert worden wären, hätte die Reihe fast mit der deutschsprachigen Schwesterreihe Schritt halten können.
Textinhalt der erschienenen Ausgaben Vorbemerkungen Im Gegensatz zur Piper-Reihe, bei der nur ausnahmsweise mehr als ein Autor pro Band zu Wort kam, wurden in den drei niederländischen Reihenbänden kaleidoskopartig Artikel verschiedener Verfasser von den jeweiligen Herausgebern zu einem Ganzen zusammengestellt und illustrieren bei den ersten beiden Bänden neben den überwiegenden Zeichnungen auch Fotos die literarischen Darstellungen. Im Band für Rotterdam sind sogar ausschließlich Fotografien enthalten. Auch ein, soweit ersichtlich, Zeichner der deutschen Reihe findet sich im niederländischen Pendant wieder: Emery Kelen. Den Texten war außer der Erstauflage von Amsterdam jeweils ein Vorwort des damals amtierenden Bürgermeisters der beschriebenen Stadt vorangestellt. Am Ende der Bücher liefert ein als „Wegwijzer“ (Wegweiser) überschriebener Text einen kleinen Querschnitt durch die jeweilige Unternehmenslandschaft der Stadt, der durchaus auch in nichttouristische Gefilde vordringt, wenn diese nur typisch oder bedeutend für den Ort sind.
Als Ausstattungsmankos sind das Fehlen von Seitenangaben bei den Inhaltsverzeichnissen, was eine etwas umständliche Artikelsuche mit sich bringt, und der Verzicht auf ein Orts- und Sachregister anzumerken – diese lieferten wiederum trotz ihres naturgemäß beschränkten Umfangs die im Reihentitel zitierten „Baedeker“. Sogar das deutsche Reihenpendant „Was nicht im ‚Baedeker‘ steht“ wartete zumeist mit dieser Buchausstattung auf und hätte deshalb eigentlich als Vorbild dienen können.
mini|140px|„Het boek van Amsterdam“, 1. Auflage, Titelblatt Amsterdam Bei der Mitherausgeberin Molly Keizer-Prins handelt es sich um die 1944 im KZ Auschwitz ermordete Journalistin Alice PrinsVergleiche zu Henri van Wermeskerken, Molly Keizer-Prins, Willem de Vlugt, Hans Meerum Terwogt und A. J. G. Strengholt die niederländische Wikipedia., die das traurige Schicksal ihres Berufskollegen Ludwig Hirschfeld aus der Piper-Reihe teilte. Neben dem Vorwort des Bürgermeisters de Vlugt, der Liebeserklärung an die Stadt von van Wermeskerken und dem obligatorischen Wegweiser am Ende des Buchs werden dem Leser in 18 Beiträgen die aus Sicht der Herausgeber wichtigsten Fakten und Informationen zu Amsterdam, seinem hauptstädtischen Leben und seinen prägenden Persönlichkeiten präsentiert. So wird Amsterdam als Stadt der Künste (C. F. van Dam), des Sports (H. A. Meerum Terwogt) und des modernen Städtebaus (Hessel Jongsma) vorgestellt. Weiter wird von Lizzy Ansingh zu einem Besuch des Rijksmuseums mit seinen Schätzen an niederländischer Kunst (Rembrandt, Jan Vermeer, Frans Hals u. a.) eingeladen, Amsterdams damals mitunter bestrittener Ruf als Musikstadt von dem Komponisten Max Tak kenntnisreich belegt oder Amsterdam von der Wasserseite auf den berühmten Grachten erkundet und dabei auch Amsterdams Hafen nicht ausgelassen (Willy Leviticus). Auch dem leiblichen Wohl des touristischen Besuchers und seinem Wunsch nach Zerstreuung in Restaurants, Bars und Clubs wird mit einer Einführung in die Amsterdamer Küche von J. H. Speenhoff bzw. kurzen Skizzierungen der interessantesten Etablissements zum abendlichen Ausgehen von Piet Kloppers der angesichts des Buchtitels zu erwartende Tribut gezollt.
mini|140px|„Het boek van Den Haag“ (Leineneinband) Den Haag ('s-Gravenhage) Nach dem Vorwort von Bürgermeister Bosch und einem Auftaktfoto des berühmten Rittersaals, in dem der niederländische König noch heute seine jährliche Thronreden verliest, lädt Melis Stoke mit einem launigen Text zum Ausgehen in der Stadt ein, die offiziell aber gar keine solche ist, weil ihr dieser Status nie verliehen wurde. Diesem folgt u. a. ein Psychogramm seiner Bewohner, dessen Erstellung der Den Haager Journalist Jan Campert wagte, und eine Beschreibung Den Haags als Ort des Wohnens von Jan FeithVergleiche zu Jan Feith, Jan Walch, D'Artillac Brill, Hans Martin, Sierk Schröder, Eduard Veterman und Hofvijver die niederländische Wikipedia., der seinen Text überwiegend mit silhouettenartigen Abbildungen selbst schmückte. Sodann werden dem Leser der „Staatsdiener“ (Jan Walch), die Möwen vom Hofvijver (D'Artillac Brill), die „jungen Damen“ (Hans Martin) und auf fast 30 Seiten die ortsansässigen Literaten und Künstler aller Genres, wie Willem Kloos (Dichter), Hendrik Petrus Berlage (Architekt), Peter van Anrooy (Komponist/Dirigent) oder Vilmos Huszár (Maler/Grafiker), vorgestellt. Das traditionelle Seebad Den Haags, Scheveningen, mit Illustrationen von Pim Mulier und Sierk Schröder, beschreibt Pim Mulier unter seinem Pseudonym Pim Pernel. Joh. W. Broedelet präsentiert unter dem Titel „Die jüngste Perle an Den Haags Bademütze“ und mit 4 lustigen Karikaturen illustriert den Stadtteil Kijkduin vor allem als angesagten, neuen Badeort. Sogar ein englischsprachiges Kapitel „Flood Lights on the Hague“ (van Deventer) ist zu finden. Es wartet mit spezifischen Tipps für den Touristen von der Insel auf. Bevor auch dieser Band mit einem Wegweiser durch Den Haag schließlich ausklingt, fügte der Verlag in eigener Sache ein Kapitel mit Briefwechsel der Autoren unter dem Titel „Aus Baedeker's Papierkorb“ bei, der die Schwierigkeiten bei der Zusammenstellung der Texte zu solch einem Buch anschaulich machen soll.
Rotterdam Dem Textteil dieses Buchs geht eine Zusammenstellung kleiner Liebeserklärungen an die Stadt in Briefform („Warum liebe ich Rotterdam?“) von mehr oder weniger bekannten Rotterdamern, wie der Feministin Elizabeth Baelde, der Politikerin Suze Groeneweg oder dem Rechtsanwalt und Gemeinderatsmitglied Jacques DutilhVergleiche zu Jacques Dutilh und Johanna Maria IJssel de Schepper-Becker die niederländische Wikipedia. voraus. Weil Rotterdam schon in den 1930er Jahren einen internationalen Ruf als – nach Hamburg – damals zweitgrößte kontinentaleuropäische Hafenstadt hatte, steht die Beschreibung dieses Umschlagplatzes für Seegüter von M. J. Brusse am Beginn der Artikelfolge. Ihr folgen Aufsätze von weiteren 11 Autoren, die dem Leser ein breites Angebot an touristischen Attraktionen aufzeigen. Wie Amsterdam bot damals auch Rotterdam ein vielfältiges Musikleben, auf das P. J. Blok eingeht. Als Stadt der Cineasten mit den meisten Kinos in den Niederlanden beschreibt der Filmjournalist C. J. Graadt van Roggen Rotterdam und weist eingangs seines Artikels darauf hin, dass dieser Hinweis im Baedeker fehle. In der Tat streifte der schon erwähnte Holland-Baedeker von 1927 nur das Theater- und Konzertleben der Stadt (S. 49), das in diesem Reihenband von J. M. Ijssel de Schepper-Becker beleuchtet wird. Neben der Einbandillustration steuert Charles Albert Cocheret zum Rotterdam-Band auch einen kleinen Artikel zum Musikleben des Rotterdamer Zoos bei, in dem in den Sommermonaten ein reichhaltiges Konzertangebot zu finden war. Bei der anschließenden Beschreibung des sportlichen Lebens kommt schließlich wieder H. A. Meerum Terwogt zu Wort.Vergleiche zu diesem Band die zeitgenössische Rezension in der Tageszeitung Haagsche Courant von 1931 Nr. 14955 (Wikisource-Digitalisat).
Werbung Am Ende der Bände sind stets etwa ein Dutzend und mehr Seiten mit Inseraten von zumeist ortsansässigen Unternehmen zu finden. Diese teilweise mit aufwendigen Grafiken und Fotos gestalteten Firmeneinträge spiegeln Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Orte wider. Während ein Großteil der Auftraggeber aus der Hotellerie und Gastronomie sowie dem Kunsthandel stammte, der nur zeit- und ortsbezogene Bedeutung hatte, sind auch Werbeeinträge zu finden, die darüber hinausragen und von noch heute oder bis in die jüngste Zeit arbeitenden Betrieben mit z. T. überörtlicher Bedeutung stammten. Eine Auswahl davon ist nachfolgend aufgeführt. In den Fußnoten sind zu den meisten besprochenen Unternehmen und Einrichtungen in den Städten AmsterdamVergleiche zu den Amsterdamer Werbeeinträgen I.J. Asscher, Rika Hopper, Rika Hopper Theater und Jacques van Hoven, Noord-Hollandsche Tramweg-Maatschappij, Madame Tussauds Amsterdam sowie die Dam 5 die niederländische Wikipedia., Den HaagVergleiche zu den Werbeeinträgen von Den Haag GEB, Maison Krul, Innemee & Zonen und Koninklijke Kunstzaal Kleykamp die niederländische Wikipedia. und RotterdamVergleiche zu den Werbeeinträgen von Rotterdam Fritz Thyssen, Fop Smit, Volks-Universiteit te Rotterdam, GEB und Hoogstraat die niederländische Wikipedia. entsprechende Verweise auf deren Einträge in der niederländischen Wikipedia enthalten.
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