mini|Heilig-Kreuz von Norden Die römisch-katholische Kirche Heilig Kreuz liegt inmitten des Mönchengladbacher Stadtteils Westend an der Ecke Luisenstraße/Alexianerstraße.

Geschichte Religiöser Mittelpunkt der ganz überwiegend katholischen Bevölkerung im Westend und der 1870 gegründeten Schützenbruderschaft St. JosefVgl. Spies, Britta: Schützen-Glanz und Gloria. Der Silberschatz der Schützenbruderschaften im Gladbacher Land, Mönchengladbach 2009, S. 189. wurde das am 19. Dezember 1859 vom Stadtdechanten Alexander Halm eingeweihte Alexianerkloster St. Josef, zu dem zunächst ein Betsaal, seit 1869 eine neugotische Kirche gehörte (Baubeginn 1866, Architekt: Hugo Schneider,Vgl. Beckers, Hans Georg: Karl Joseph Lelotte. Ein Pfarrer in einer Zeit des politischen und sozialen Umbruchs. Gottesdienst in Gladbach von 1864 bis 1892, Mönchengladbach 1995 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Mönchengladbach. Bd. 34), S. 124. der auch an der Vollendung des Kölner Doms und der neugotischen Umgestaltung des Glockenturms des Aachener Doms beteiligt war).

Am 14. August 1857 hatte das Mutterhaus der Alexianer in Aachen vom erzbischöflichen Generalvikariat Köln die Erlaubnis erhalten, eine ambulante Krankenpflege in Mönchengladbach zu unterhalten. Zu diesem Zweck bezogen die drei Ordensbrüder Aloys Speck, Alexius Adams und Alphons Houben ein ärmliches kleines Haus neben der Münsterkirche. Die Brüder mussten erst das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Armen- und Krankenpflege gewinnen, um mit Spenden ihre kleine Niederlassung unterhalten zu können. Ludwig Liesen überließ den Alexianerbrüdern aus Dankbarkeit für seine Pflege, die Rektor Aloys Speck übernommen hatte, am 31. Dezember 1858 ein Grundstück von 3 ¾ Morgen am Blumenberg gegen eine jährliche Rente von 40 Talern.Vgl. Wiegers, Ignatius: Die Aachener Alexianerbrüder. Ihre Geschichte und ihr Ordensgeist. Ein Beitrag zur Liebestätigkeit der katholischen Kirche, Aachen 1956, S. 76–78.

Neben dem auf diesem Grundstück errichteten Kloster entstand das Alexianerkrankenhaus, eine psychiatrische Heil- und Pflegeanstalt (gegr. 1862/63).Vgl. Klinkenberg, Norbert: Sozialer Katholizismus in Mönchengladbach. Beiträge zum Thema Katholische Kirche und Soziale Frage im 19. Jahrhundert, Mönchengladbach 1981 (Veröffentlichungen des Bischöflichen Diözesanarchivs Aachen. Bd. 38), S. 112f. Bis zum Ersten Weltkrieg konnten der zusammenhängende Grundbesitz an der Luisen- und Alexianerstraße, der sich zwischen Blumenberger und Dahlener Straße (heute Aachener Straße) nach Westen erstreckte, sowie die Kloster- und Krankenhausgebäude, wozu seit 1882 auch ein separates Ökonomiegebäude gehörte,Vgl. Lageplan 1912, in: Wiegers (wie Anm. 3), S. 148. stetig erweitert werden. 1900 lebten in dem Kloster 31 Professbrüder; 233 Kranke wurden stationär gepflegt, während 2–3 Brüder in der ambulanten Pflege tätig waren.Vgl. Wiegers (wie Anm. 3), S. 149. Im Ersten Weltkrieg diente der neue Anbau des Hauses als Lazarett für etwa 85 Verwundete.Vgl. Wiegers (wie Anm. 3), S. 215.

Das Westend bildete zunächst den Seelsorgebezirk St. Josef der Innenstadtgemeinde St. Maria Himmelfahrt und wurde von 1870 bis 1900 von Kaplan Adolf Oehmen (1840–1900) betreut. Zeitweilig war Oehmen Vorsteher des Bezirks IV der städtischen Armenverwaltung. Er wohnte an der Luisenstraße 53 und war zugleich Hausgeistlicher des Alexianerklosters.Vgl. Beckers (wie Anm. 2), S. 307. (Der Orden der Alexianer, der sich im Sinne tätiger Nächstenliebe vor allem der Krankenpflege widmet, ging aus der vorreformatorischen, mittelalterlichen Laienbewegung der Beginen und Begarden hervor und verfügt daher in der Regel über keine eigenen Priester.) Die Popularität des Kaplans spiegelt sich in dem Abendmahlsschrein wider, den Adolf Oehmen der Pfarrei Mönchengladbach aus den zu seinem 25-jährigen Priesterjubiläum 1895 eingegangenen Spenden stiftete. Der vergoldete Schrein im Stil gotischer Reliquiare des Rhein-Maas-Gebietes, ein Werk des örtlichen Goldschmieds Wilhelm Narings, gilt als „herausragendes Werk des Münsterschatzes.“Römer, Lisa / Krämer, Martin: Abendmahlsschrein. In: Damblon, Albert u. a. (Hrsg.): Dem Himmel ein bisschen näher. Die Schatzkammer der Münsterkirche in Mönchengladbach, Mönchengladbach 2013, S. 138. Als Reliquie wird das Tischtuch des Abendmahls verehrt, ein Stofffragment aus dem 2. Jahrhundert. Auf seinen persönlichen Wunsch blieb Oehmen 30 Jahre – bis zu seinem Tode – Kaplan und verzichtete auf eine Beförderung zum Pfarrer, um im Westend tätig bleiben zu können.

In der Klosterkirche der Alexianer las auch Carl Sonnenschein (1878–1929), der von 1906 bis 1919 an der Dahlener Straße 159 (heute Aachener Straße) direkt neben dem Klostergelände wohnte, regelmäßig die Frühmesse. In dem privaten Wohnhaus richtete Sonnenschein eine studentische Burse ein.Vgl. Doért, Friedel: Carl Sonnenschein. Seelsorger, theologischer Publizist und sozialpolitischer Aktivist in einer kirchlichen und gesellschaftlichen Umbruchsituation, Münster 2012, S. 301. Während seiner Tätigkeit an der Zentrale des Volksvereins für das Katholische Deutschland leitete er das Sekretariat sozialer Studentenarbeit. Carl Sonnenschein hielt die Studenten seiner Zeit für zu dünkelhaft, um ihre späteren Berufe als Mediziner oder Anwälte angemessen ausüben zu können, und forderte sie auf, sich in Pfarrgemeinden von Arbeitervierteln zu engagieren, Industriebetriebe zu besuchen und an Industrieseminaren teilzunehmen.

Die alte Schule an der Luisenstraße (eröffnet 1868)Vgl. Norrenberg, Peter: Geschichte der Pfarreien des Dekanates M. Gladbach, Köln 1889 (Geschichte der Pfarreien der Erzdiöcese Köln. Bd. 21), S. 241. wurde im November 1952 in Carl-Sonnenschein-Schule umbenannt. (Der Erweiterungsbau der Schule – heute Grundschule – wurde am 23. März 1964 eingeweiht.)

Die dunkelste Zeit erlebten die Alexianer im Nationalsozialismus. Im Zuge der von Hitler angeordneten Aktion T4 mussten die Leiter der Alexianer-Krankenhäuser Fragebögen über Aufenthaltsdauer und Arbeitsfähigkeit der ihnen anvertrauten Menschen mit Behinderung ausfüllen. Wenige Wochen später erhielten die Anstaltsleiter Listen mit den Namen der Personen, die unter fadenscheinigen Begründungen in andere Einrichtungen ‚verlegt’ werden sollten. Tatsächlich wurden sie in roten, später grau angestrichenen Bussen der Reichspost zur Tötung in andere Heilanstalten gefahren. Die Hinterbliebenen erhielten eine telegrafische Kurznachricht über die fingierte Todesursache und den falschen Sterbeort. Auch nach der aufsehenerregenden Predigt des Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen am 5. August 1941 gegen das „Euthanasie“-Programm ging das Morden weiter. Noch 1943 wurden 254 Patienten aus den Alexianer-Krankenhäusern Mönchengladbach, Krefeld und Neuss in Mordanstalten abtransportiert.Vgl. Feuerstein-Praßer, Karin: 800 Jahre Leidenschaft. Die Geschichte der Alexianer von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1. Aufl., Münster 2015, S. 128. Die Alexianerbrüder, denen von den Nazis mehrfach Homosexualität unterstellt wurde und die deswegen unter Beobachtung der Gestapo standen, mussten dies hilflos ansehen.Vgl. Feuerstein-Praßer (wie Anm. 12), S. 120f.

Das Kloster wurde durch die Luftangriffe vom 10. und 19. September 1944, bei denen Bruder Vinzenz Rütz und 13 Kranke den Tod fanden, weitgehend unbewohnbar.Vgl. Wiegers (wie Anm. 3), S. 298. Der Chorraum der Kirche wurde völlig zerstört, so dass ein Wiederaufbau der Kirche nicht mehr in Frage kam. Die nach dem Krieg aus der Evakuierung zurückgekehrten Katholiken des Westends fanden im Sonntagsgottesdienst in dem zur Notkirche umfunktionierten Speisesaal des Klosters wieder ihre religiöse Heimat. Am 28. April 1946 wurde dort die erste Erstkommunionfeier nach dem Krieg ausgerichtet.

1949 übernahm Wilhelm Ruland (1911–1989) die Rektoratsstelle des Seelsorgebezirks St. Josef (später Hl. Kreuz). Er bekam vom Bischof den Auftrag eine neue Kirche zu bauen.

1950 konstituierte sich der Kirchbauverein. Er sammelte für Kirchengebäude, Turm, Orgelempore, Orgel und Innenausstattung von 1952 bis 1977 insgesamt 255.000 DM. Die Summe kam durch die Spenden- und Sammelbereitschaft vieler Bewohner des Westends, aber auch durch die Unterstützung durch die Industriebetriebe in diesem Viertel zusammen.

Ebenfalls 1950 wurde auf Anregung von Rektor Ruland der Kirchenchor des Rektorats St. Josef ins Leben gerufen. Am Dreifaltigkeitstag 1952 erfolgte der erste Spatenstich für die Hl.-Kreuz-Kirche durch Wilhelm Ruland, am 24. August dann die Grundsteinlegung durch den Aachener Weihbischof Friedrich Hünermann, der auch am 3. Mai 1953 (Fest der Kreuzauffindung) im Rahmen der ersten Pontifikalmesse die Konsekration der neuen Kirche und des Altares (mit Reliquien der Kölner Heiligen Gereon und Ursula) vornahm.

Anlässlich des 25-jährigen Priesterjubiläums von Wilhelm Ruland wurde Heilig Kreuz am 12. März 1961 durch Josef Kauff, Propst der Hauptpfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, zur Pfarrkirche erhoben und Wilhelm Ruland zum Pfarrer ernannt. Das eigentliche Klostergebäude, das bereits 1956 von den Alexianerbrüdern verlassen worden war, wurde 1967 abgerissen. In dem notdürftig in Stand gesetzten Patiententrakt wohnten um 1970 noch 90 obdachlose Familien, davon 51 kinderreiche Familien. Die insgesamt 426 Personen waren in 161 Räumen behelfsmäßig untergebracht. Dieser Gebäudeteil wurde schließlich im November 1974 abgerissen, nachdem für die Bewohner Ersatzwohnraum geschaffen worden war. An das Kloster erinnert heute noch die neugotische Steinplastik des hl. Josef, die ursprünglich über dem Hauptportal des Klosters stand und 1980 am Altbau der Carl-Sonnenschein-Schule angebracht wurde.Vgl. 50 Jahre Interessengemeinschaft Westend. Aufbau, Entwicklung und Gestaltung eines Ortsteils. Ein Rückblick im Spiegel der Presse, Mönchengladbach 2003, S. 40. Pfarrpatron der Kirche Hl. Kreuz wurde der Hl. Hermann Joseph. Eine Reliquie des Heiligen wurde 1960 aus dessen Grab in Steinfeld entnommen und der Pfarre Hl. Kreuz übergeben.

In den Jahren 1963 bis 1967 entstanden neben der Kirche Reihenhäuser zur Unterbringung von Pfarrbüro, Pfarrhaus, Kaplanei und Organistenwohnung. Eine Erdgeschosswohnung in einem Wohnhaus des Historismus gegenüber der Kirche wurde als Katholische Öffentliche Bücherei, später als Treffpunkt genutzt. Die Räumlichkeiten dienten dem vielfältigen Vereinsleben in Hl. Kreuz. Der Pfarrkindergarten lag an der Blumenberger Straße.

Architektur Der schlichte Backsteinbau wurde durch den Mönchengladbacher Architekten Konrad Bayer entworfen, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu den Architekten der ersten Stunde in Mönchengladbach gehörte und der maßgeblich am Wiederaufbau der im Krieg zerstörten ehemaligen Benediktiner-Abteikirche St. Vitus (Mönchengladbacher Münster) beteiligt gewesen war.Vgl. Bange, Hans: Das Münster zu M.Gladbach. In: Neuss, Wilhelm (Hrsg.): Rheinische Kirchen im Wiederaufbau, M.Gladbach 1951, S. 38. Der Leitgedanke des Kirchenbaus ist dem Gleichnis vom Guten Hirten im Johannes-Evangelium entnommen: „Ich bin die Tür! Wenn jemand hineingeht durch mich, wird er das Heil erfahren. Er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ (Joh 10,9) Der Kirchenbau symbolisiert als ,Wegkirche‘ den Lebensweg des Christen – vom Taufstein neben dem Portal über den Altar bis zum „Lichthof des Himmels.“ Vom Portal an der Ostseite der Kirche (Luisenstraße) schaut man auf den großen Torbogen hinter dem Hauptaltar im Westen. Dieser Torbogen, in dessen Kämpferzone ein Kreuz hängt, wird durch die Stirnwand des Chorraums hinterfangen. Mit der hellen Stirnwand, die von oben über ein Glasband gleichmäßig Tageslicht erhält, kontrastiert die leicht im Schatten liegende Wand des Torbogens.