mini|hochkant=1.4|Ausbeutetaler (Konventionsspeciestaler) von Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen von 1768 aus der Dresdner Münze – DER SEGEN DES BERGBAUES / X EINE FEINE MARCK
Die sächsische Münzgeschichte oder auch meißnisch-sächsische Münzgeschichte umfasst drei große Perioden: die hochmittelalterliche regionale Pfennigperiode (Brakteatenzeit), die spätmittelalterliche Groschenperiode und die Talerperiode bis zur Einführung der Markwährung 1871/72.Paul Arnold: Die Genealogie … In: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. (Hrsg.): Dresdner numismatische Hefte. Nr. 1/1996, S. 10. Reiche Silbervorkommen, die bei Freiberg schon nach der Mitte des 12. Jahrhunderts entdeckt wurden, verhalfen Sachsen zu einer führenden Position im deutschen Münzwesen.
Die im östlichen Sachsen geprägten Sachsenpfennige sind, wie auch in Walther Haupts Sächsischer Münzkunde, ebenfalls erwähnt. Sie sind auf der Basis der karolingischen Münzreform geprägt worden, auf der auch die älteste meißnische Münzprägung beruht.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 12. Die verschiedenen Münznamen dieser Pfennigtypen deuten auf eine noch ungeklärte Stellung innerhalb der Mittelalternumismatik hin.
Hochrandpfennig (Sachsenpfennig)
mini|Sachsenpfennige (Holzkirchen-, Balkenkreuz-, Kleeblattkreuz- und Krummstabpfennig)
Der als Sachsenpfennig bekannte Pfennigtyp mit angestauchtem Rand des 10. und 11. Jahrhunderts ist neben dem Otto-Adelheid-Pfennig der häufigste Pfennigtyp dieser Zeit. Sachsenpfennige sind die ältesten in Sachsen geprägten Münzen. Die Pfennige der sächsischen Kaiserzeit mit der Inschrift OTTO oder ODDO im Portal einer Kirche sind vermutlich unter Otto I. (936–973) oder bald danach in Magdeburg geschlagen worden und zählen zu der ältesten Pfenniggruppe der sächsischen Hochrandpfennige.
Die Markgrafen von Meißen münzten noch als Ministerialen im Auftrag des römisch-deutschen Reiches. Markgraf Ekkehard I. von Meißen (985–1002) ließ in der Reichsmünzstätte Meißen Pfennige schlagen. Der Denar mit der Inschrift EKKINHARD und MISSNI ist die älteste bekannte meißnische Münze.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 13.Arthur Suhle: Die Münze. Von den Anfängen …, S. 93.
mini|Sog. Dünnpfennig, 11. Jahrhundert, Reichsmünzstätte Magdeburg
Verfall der Pfennigprägung Die Umwandlung des Gewichtspfundes in ein Zählpfund in der Regierungszeit des fränkischen Kaisers Heinrich IV. (1056–1106) hatte den Verfall der beidseitig geprägten Pfennige zur Folge. Das Gewichtspfund von 367 g wurde in ein Zählpfund von 240 Pfennigen verwandelt, deren Gewicht sich fortlaufend verringerte.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 19. Die leichteren Pfennige wurden im Durchmesser vergrößert. Das zu vermünzende Blech war schließlich so dünn, dass es nicht mehr in einem Arbeitsgang mit dem Unter- und Oberstempel gleichzeitig geprägt werden konnte. Bei der Prägung der sogenannten Dünnpfennige musste deshalb der Rohling gewendet werden um die Gegenseite zu prägen. Dabei beschädigte der Stempeldruck auf die eine Seite das Münzbild der anderen Seite. Um ein gutes Münzbild zu erzielen, war es sinnvoll, auf den zweiten Stempelschlag zu verzichten und dazu auch noch den zweiten Arbeitsgang einzusparen.
Wahrscheinlich führte diese Erscheinung zu der etwa 1140 beginnenden Prägung der Brakteaten unter dem Markgrafen Konrad dem Großen (1123–1156).Oberlausitz, Markgrafschaft unter Meißen. Konrad I., der Große 1127–1156. Brakteat, Bautzen. Berger 2922. (Markgrafschaft Meißen). Fd. Puschwitz 11. In: acsearch.info, abgerufen am 25. August 2019.
Siehe auch: Medaille zur 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin in 5-Mark-Größe. Heinrich I. (1098–1103) war Graf von Eilenburg und Markgraf der Niederlausitz. Er wurde von Kaisers Heinrich IV. im Jahr 1089 mit der Mark Meißen belehnt und war damit der erste Wettiner, der sich Markgraf von Meißen nannte.
Brakteatenzeit mini|150px|Markgrafschaft Meißen, Markgraf Otto der Reiche (1156–1190), Brakteat
Der Münzname Brakteat kam erst am Ende des 17. Jahrhunderts auf und ist vom lateinischen Wort bractea (Blech) abgeleitet. Zunächst kommt er nur in der Zusammensetzung nummus bracteatus vor und bedeutet Blechmünze. Vielleicht geht der Ausdruck blechen statt bezahlen auf das Blechgeld zurück. In den alten Urkunden ist dagegen von Pfennig oder Pfund Pfennigen, lateinisch Denarius oder talentum denariorum die Rede.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 20.
Der größte Teil der meißnischen Brakteaten ist zwischen 1170 und 1300 von der ersten meißnischen Münzstätte, der Freiberger Münze bereitgestellt worden. Sie war seit dem 13. Jahrhundert die Landeshauptmünzstätte der Wettiner. Neben Pfennigen wurden auch Hälblinge und Viertelchen ausgegeben. Großzahlungen erfolgten in Barrensilber.Paul Arnold: Die Genealogie … In: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. (Hrsg.): Dresdner numismatische Hefte. Nr. 1/1996, S. 10: Hälblinge und Viertelchen.
Die Brakteaten aller meißnischen und der Oberlausitzer Münzstätten wurden nach einem einheitlichen Prägestil und Münzfuß geschlagen.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 31. Der Freiberger Münzmeister war angewiesen, aus der (Prager) Mark Silber zu 253 g nicht mehr als 244 oder 246 Pfennige zu schlagen. Das entspricht einem Durchschnittsgewicht des Pfennigs von reichlich 1 g. Das höchste Durchschnittsgewicht im Brakteatenfund von Puschwitz aus den frühen Prägungen um 1140 betrug jedoch nur 0,811 g. Ende des 13. und Anfang des 14. Jahrhunderts lag das Durchschnittsgewicht bei 0,573 g.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 24.
Die Prüfung des Gewichts erfolgte „al marco“. In der mittelalterlichen Münztechnik war das die Prüfung des Gesamtgewichts einer bestimmten Anzahl von Münzen an Stelle der Gewichtskontrolle des Einzelstücks. Bei dem ungleichmäßigen Gewicht der einzelnen Pfennige war es naheliegend, übergewichtige einfach mit der Schere durch Abschneiden am Rand auf das Durchschnittsgewicht zu bringen. Die Beschneidung der Pfennige durch Wechsler oder Privatpersonen zum Zweck der illegalen Edelmetallbeschaffung war ein Kapitalverbrechen. Als Strafmaß galt das Abschlagen der rechten Hand.
Die Pfennige galten nur im Herkunftsbereich. Man bezeichnet deshalb auch die Brakteatenzeit als Periode des regionalen Pfennigs. Wer aus einem anderen Währungsgebiet kam, um zu handeln, musste die mitgebrachte Währung in einheimische umwechseln. Der Wechsel zählte zu den Einkünften des Münzmeisters.
Die Kosten für die Münzprägung mussten durch einen jährlichen gebührenpflichtigen Umtausch der Pfennige, zwölf alte gegen neun oder zehn neue, gedeckt werden. Im Freiberger Stadtrecht wurde bestimmt, dass nur der Münzmeister oder Richter in eigener Person die verfallenen Pfennige entwerten (brechen) durfte. Die leicht zerbrechlichen Pfennige trug man in Blechdosen.
Siehe auch: Ewiger Pfennig Münzstätte Bautzen, Brakteatenzeit Münzstätte Colditz, Brakteatenzeit Münzstätte Freiberg, Brakteatenzeit Münzstätte Gotha, Brakteatenzeit Münzstätte Langensalza, Brakteatenzeit Münzstätte Leipzig, Erste Belege (mit Brakteaten) Münzstätte Weimar, Brakteatenzeit Münzstätte Wittenberg, Brakteatenzeit
Dynastenbrakteaten Zahlreiche selbständige Dynasten in den wettinischen Gebieten waren im Besitz des kaiserlichen Regals, des Münzrechts. Bezeugt sind: (Tabelle nach Haupt)Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 58. Herren von Apolda Herren von Bieberstein Grafen von Brehna Herren von Colditz Burggrafen von Dohna Herren von Eilenburg Burggrafen von Leisnig Herren von Lobdeburg Burggrafen von Meißen Burggrafen von Neuenburg Herren von Pack Vögte von Plauen Herren von Waldenburg auf Wolkenstein Vögte von Weida-Gera Grafen von Wettin
Siehe auch: Münzstätte Colditz, Brakteatenzeit (Dynastenbrakteaten) Brakteaten (Dohna)
Die steigende Macht der meißnischen Markgrafen im 14. Jahrhundert führte mit wenigen Ausnahmen zum Ende der Münzprägung kaiserlicher Ministerialen.
Geistliche Brakteaten mini|150px|Bistum Naumburg, Berthold II. von Meißen
Die Bischöfe von Naumburg hatten das Münzrecht in Strehla an der Elbe in Gemeinschaft mit dem Markgrafen von Meißen ausgeübt.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 56.
Auch die Bischöfe von Meißen traten als Bergherr und Münzherr auf und ließen Brakteaten prägen. Mit dem Ende des 12. Jahrhunderts sind Bergwerke in Scharfenberg an der Elbe entstanden. Später kommen als mögliche Prägeorte die beiden bischöflichen Burgen Wurzen und Stolpen in Frage.Walther Haupt: Sächsische Münzkunde …, S. 57. Letzte meißnischen Bischofsbrakteaten wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts geprägt.
Als münzberechtigte Abtei hat das Kloster Pegau in Pegau ebenfalls Brakteaten geprägt, die als unverwechselbares Kennzeichen ein großes Krückenkreuz und meist eine Namensumschrift haben.Pegau, Abtei. Siegfried von Rekkin, 1185–1224. Brakteat. Slg. Löbb. 376. Slg. Hohenst. 814. Slg. Bonh. 961. Berger 2070. In: acsearch.info, abgerufen am 25. August 2019. Wegen ihres gleichbleibenden und guten Silbers waren sie beliebt und wurden sogar nachgeprägt. Bekannt sind Nachprägungen der Burggrafen von Meißen, der Vögte der Abtei Pegau, des Markgrafen Dietrich, der Grafen von Brehna und der Erzbischöfe von Magdeburg.
Alterseinteilung der Meißner Brakteaten (Markgrafschaft Meißen)
Die Chronologie der Meißner Brakteaten ist schwierig. Außer in der Anfangszeit stehen nur ausnahmsweise die Namen der Münzherren auf den Pfennigen. Die grobe Einteilung wurde nach Walther Haupt, S. 34/38 vorgenommen. Zeitraum Abmessung/Merkmal Bemerkungum 1140/1150 Durchmesser bis 37 mm, flache Prägung Die ältesten Brakteaten wurden mit geschmiedetem Stahlstempeln geprägt. Die Stempelschnitte sind Zeugnisse romanischer Kleinkunst. Das Münzbild reicht bis an den Rand.nach 1150 bis Ende des 12. Jahrhunderts schrittweise Verkleinerung des Durchmessers bis auf 20 mm Das Münzgewicht verringerte sich kaum. Die Brakteaten waren dicker und damit bruch- und druckfester geworden. Ein breiter und hoher Wulstring, der das Münzbild einfasst, erhöhte die Biegefestigkeit.um 1200 bis etwa 1250 Durchmesser bis 42 mm, größere Profilierung Der Prägestempel aus Bronzeguss ersparte den Stempelschnitt. Die Gießtechnik erforderte größere Profilierung und größere Durchmesser. Die Brakteaten haben wie vorher einen Versteifungsring, „thronender Fürst“ wurde typisches Münzbild.etwa ab 1250 bis 1300 „grießliche“ Oberfläche, große Durchmesser Brakteaten wurden durch den hohen Silberertrag der Gruben zur Massenware. Die leicht raue Oberfläche des aus Bronzeguss hergestellten Stempels wurde nicht mehr geglättet.etwa ab 1300 fast bis zur Hutform ausgebeult Gleich mehrere übereinandergelegte Schrötlinge wurden in einem Prägevorgang umgeformt. Das Münzbild geht in den Rand über.
Für den Exporthandel war der regionale Pfennig mit seinem eingeschränkten Geltungsbereich und seinem jährlichen Umtauschzwang ein großes Hindernis. Ein einheitliches Geld, das für größere Gebiete galt, war erforderlich. Größere Münzen wurden gebraucht, nicht nur Pfennige.
Unter Markgraf Friedrich II. (1323–1349) endete die regionale Pfennigperiode.
Groschenzeit
Nach der Ablösung der Pfennigwährung durch die von Markgraf Friedrich II. 1338/39 eingeführten Groschen begann die spätmittelalterliche Groschenperiode. In Walther Haupts Sächsischer Münzkunde ist das Wort „Groschen“ eine volkstümliche Bezeichnung, die für das lateinische Wort grossus, das etwa dick bedeutet, verwendet wurde. Größere Geldbeträge sind nach Schock Groschen zu 60 Stück und nach Mark Groschen zu 48 Stück zusammengefasst worden. Der Name Meißner Groschen oder Freiberger Groschen trat erst in den fünfziger bis sechziger Jahren des 14. Jahrhunderts auf. Die neuen Groschen liefen als Breite Groschen (grossi lati) um.Krug S. 23, Anmerkung 72. J. Hasche