Die Nacht der Erkenntnis war der Titel des “ersten deutschen TonplattenTonplatte: Diese heute merkwürdig anmutende Bezeichnung für Grammophonplatten findet sich, ebenso wie die Bezeichnung “Spielplatten”, auch in Ankündigungen zu sogenannten »Singfilmen«, allerdings zu gegenteiliger Argumentation: diese wollen sich mit ihren 'lebenden’ Künstlern vom unvollkommenen Nadelton abgrenzen, vgl. Text auf Plakaten für “Herz am Rhein” und “Mädel vom Rhein” -Vortragsfilms”,Vgl. Hans Jürgen Wulff im [hhttps://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/v:vortragsfilm-4513 Lexikon der Filmbegriffe]: "Der Vortragsfilm ist in einer Vorform schon aus der Stummfilmzeit bekannt; so wurde James Hurleys Dokumentation über die Shackleton-Antarktis-Expedition (1914–1916) mit dem Titel South (1919) als Kinofilm vorgestellt, lag aber gleichzeitig als „Vortragsfilm“ vor, der durch einen live-Vortrag ergänzt wurde. Derartige Kombinationen von Vortrag und Film wurden zu Bildungs-, aber auch zu Werbe- und Propagandazwecken hergestellt und verwendet." in welchem Ruth Weyher und Fritz Kortner die “Offenbarung einer Ehe” vorführten. Der Film, der dabei “die geheimsten Regungen der Seele bloslegte” [sic],Kinoplakat der »Rössle-Lichtspiele« Eppingen vom Mittwoch, den 16. März [1929 ?], auf static1.heilbronnerstimme.de hatte laut Plakat sechs Akte, die “mit neuartiger künstlerischer Musik-Illustration von ungeahnter Wirkung” versehen waren.
Dass der Mediziner Kurt Thomalla dazu einen einführenden Vortrag hielt, erinnert an Vorgehensweisen, wie sie zu “Aufklärungsfilmen” ab Beginn der 1920er Jahre im Schwange waren, auch Textzeilen wie „Ein Film für reifere Menschen“, „Nur für Erwachsene“Kinoplakat des Kinos »Capitol« : “Die große Sensation! Der große Musik-Ton-Film”, auf filmportal.de und schwülstige teaser wie „Ein packendes aufwühlendes Drama menschlicher Leidenschaften“ oder „Gefahrvolles Erwachen der in der menschlichen Seele schlummernden Gelüste & Begierden“, die ‘virtuos mit der Erotik, aber auch der Psychoanalyse’ spielen, weisen in diese Richtung. Dass im Text des Plakats der Nadeltonfilm gegen den Lichttonfilm ausgespielt wird,vgl. »Die Presse schreibt: „Die weihevolle Begleitmusik dieses Nadeltonfilms wird in der Weichheit von einem Lichttonfilm nie erreicht werden. Die Wirkung muß man selber erleben.“ und „Deutlicher und klarer als bisher im Tonfilm spricht die menschliche Stimme bei diesem 1. Tonplattenvortragsfilm.“« verweist dagegen eher ans Ende der Weimarer Republik, als beide Verfahren in den Lichtspielhäusern noch konkurrierten.
Mit Musikillustrationen auf Lichtton (movietone) waren stumme Filme in den USA ja bereits ab 1927 herausgebracht worden, darunter neben William A. Wellmans Fliegerfilm Wings auch Murnaus Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen (Originaltitel Sunrise).“Movietone” (musical score and sound effects), vgl. Sonnenaufgang Technische Spezifikationen, auf IMDB
Laut Filmportal.de war der Film eine Produktion der Eiko-Film GmbH des Produzenten Franz Vogel, die im Oktober 1918 [sic] der Zensur zur Prüfung vorgelegen habe. Leider fehlen darüber hinaus gehende Angaben, vor allem zu den Mitwirkenden.. Auch hier ist nicht mehr zu erfahren als daß der Film 4 Akte maß und Jugendverbot erhielt. Das kann nicht der Film sein, um den es hier geht.
Der einzige Stummfilm, in dem Weyher und Kortner zusammen auftraten, war Arthur Robisons „Schatten – Eine nächtliche Halluzination“ von 1923.„Ihren ersten großen Leinwanderfolg konnte Ruth Weyher in Arthur Robisons expressionistischem Klassiker ‚Schatten. Eine nächtliche Halluzination‘ (1923) als attraktive Ehefrau eines eifersüchtigen Ehemannes (Fritz Kortner) verbuchen, sie zeigte sich ‚darstellerisch besser als sonst, sie ist reifer, persönlicher, nicht nur schön, sondern auch typisch. Das fehlte ihr bisher. Sie muß erst in eine Form oder in eine Aufgabe hineingepreßt werden, muß modellieren an sich, um das oft Ausdruckslose zu überwinden‘“, schrieb damals der „Film-Kurier“ (Nr. 177, 26. Juli 1928) (so bei Ruth Weyher auf steffi-line.de) Das war eine Produktion der Pan-Film GmbH Berlin, die auch unter dem Titel „Schatten – Die Nacht der Erkenntnis“ verliehen wurde. Das Plakat zu „Die Nacht der Erkenntnis“ bei filmportal.de zeigt Ruth Weyher in einer Pose, die sie auch in „Schatten“ einnimmt.vgl. Standphoto ; auch der Titel „Der Schatten“, zu dem „Die Nacht der Erkenntnis“ wie ein hinzugefügter Untertitel wirkt, deutet auf eine mögliche Verwechslung mit dem Film von Robison, dessen Alternativtitel lauteten: Schatten – Die Nacht der Erkenntnis (ohne Artikel!) und Schatten – Eine nächtliche Halluzination, vgl. Schatten (1923); nur das Datum Oktober 1918 ist dafür zu früh.
War »Der erste Tonplatten-Vortragsfilm« also eine mit Schallplatten ‘nachgetonte’ Wiederaufführung von Robisons „Schatten“ von 1923? Das Beispiel von Waldemar Rogers „Die zwölfte Stunde“,vgl. , auf murnau-stiftung.de der „nach dem Verfahren der Organon GmbH im Polyphon-Grammophon-Konzern“ mit Schallplatten musikalisch illustrierten Neuauflagevgl. und Lotte H. Eisner, Murnau. Verlag: Kommunales Kino Frankfurt am Main 1979, S. 161–180. von Murnaus “Nosferatu”, lehrt, dass es möglicherweise mehr Versuche gegeben hat, ältere erfolgreiche Stummfilme mittels Nadelton preisgünstiges entfielen ja die Lizenzgebühren für die großen Elektrokonzerne, die die Lichttonfilmpatente hielten, vgl. u. a. Harro Segeberg: Medien und ihre Technik: Theorien, Modelle, Geschichte. (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Medienwissenschaft, Gesellschaft für Medienwissenschaft, . Band 11). Verlag Schüren, 2004, ISBN 3-89472-359-9, S. 264–265 u. 270. wieder in die Kinos zu bringen. „Die Nacht der Erkenntnis“ wäre ein weiterer davon gewesen.
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Schallplatte Kategorie:Filmtechnik