mini|hochkant=1.5|María Pagés erhält die andalusische Ehrenmedaille vom andalusischen Präsidenten José Antonio Griñán, Februar 2011 María Jesús Pagés Madrigal (* 28. Juli 1963 in Triana) ist eine spanische Flamenco-Tänzerin und Choreografin.

2022 erhielt Pagés den Prinzessin-von-Asturien-Preis für Kunst.

Künstlerische Bedeutung José Luis Navarro García sieht in María Pagés eine der prägenden Persönlichkeiten des Flamenco-Tanzes. Mit La Tirana habe sie eines der Meisterwerke des zeitgenössischen Flamencos geschaffen. Darüber hinaus habe sie dem Flamenco neue Wege geöffnet und gezeigt, dass es für die Danza jonda, den klassischen, ernsthaften Flamenco-Tanz, keine Grenzen gebe. Sie habe dem Taranto ihre eigenen Ideen aufgeprägt, indem sie ihn beispielsweise zu einer Arie von Vincenzo Bellini oder einem Lied von Tom Waits tanzte. Mit ihrer Kreativität habe sie neue Pfade für den Tanz von morgen geöffnet, mit ihrem tänzerischen Können und ihrem kreativen Mut beweise sie international das hohe Niveau des zeitgenössischen Flamencos.

Leben und Werk Anfänge und frühe Karriere Ihren eigenen Worten zufolge hat María Pagés bereits mit vier Jahren zu tanzen begonnen. Den Rhythmus habe sie sich mit Kastagnetten und mit ihren Schuhsohlen eingeprägt. Bei Manolo Valdivia lernte sie die ersten Tanzschritte. Sodann schrieben ihre Eltern sie in der Akademie von Adelita Domingo ein. Bei Matilde Coral, María Magdalena, Antonio Gades, Cristina Hoyos, Manolo Marín, El Güito und Manolete perfektionierte sie ihr Können in Bezug auf Ausdruck, tänzerische Technik und Bühnenpräsenz. Parallel studierte sie am Conservatorio Superior de Música y Escuela de Arte Dramático in Córdoba.

Mit 15 Jahren begann ihre professionelle Laufbahn. Sie trat bei den Jueves Flamencos bei Radio Sevilla auf und im Corral de la Morería in Madrid. 1979 wurde sie Mitglied des Balletts von María Rosa. Mit dieser Kompanie reiste sie nach Japan, Frankreich, Russland, Deutschland und Italien. 1981 tanzte sie beim Theaterfestival von Madrid. Ein Jahr später vertrat sie Spanien bei der Semana Internacional Española (‚Internationale spanische Woche‘), die das Außenministerium und das Tourismus-Ministerium gemeinsam in Paris, London, Kopenhagen, Zagreb, Jerusalem, Tel Aviv und Istanbul inszenierten. 1983 trat sie in dem italienischen Fernsehfilm La Bella Otero unter der Regie ihres späteren Ehemannes José María Sánchez auf.

Ein Jahr später trat sie der Kompanie von Antonio Gades bei. Mit ihr trat sie in Carmen, El amor brujo und Bodas del Sangre in Nebenrollen auf. 1986 wechselte sie zum Ballett von Rafael Aguilar. Dort nahm sie teil an den Aufführungen von dessen Stück Diquela de la Alhambra. Das innovative Stück gewann beim Festival von Venedig den Preis als beste Show-Darbietung. 1987 tanzte sie beim Encuentro Cultural de Otoño (‚Kulturelles Herbst-Treffen‘) in Córdoba. Im selben Jahr trat sie in der italienisch-französisch-spanischen Fernseh-Produktion Hemingway, fiesta y muerte auf. 1988 tanzte sie sich beim Jugendwettbewerb der Flamenco-Biennale von Sevilla ins Finale, gewann jedoch keinen Preis. 1988 bereiste sie mit dem Zyklus Conocer el Flamenco die Orte ihrer Heimatprovinz Andalusien.

Ballet María Pagés 1990 wagte sie den Schritt, ihre eigene Kompanie zu gründen: das Ballet María Pagés. Es bestand anfangs aus vier jungen Tänzern und drei jungen Tänzerinnen, mit wechselnder musikalischer Besetzung. Manolo Marín unterstützte die Gruppe; mit seinen Choreographien brachte sie ihr erstes Stück Sol y Sombra auf die Bühne.

In den folgenden Jahren wechselten sich Soloauftritte mit Auftritten in ihrem Ballettensemble ab. Bei der Biennale von 1990 in Sevilla beeindruckte sie mit einem Taranto. Mit ihrer Kompanie bereiste sie Italien. In der Fernsehreihe Arte y Artistas Flamencas beim Sender TVE trat sie in der Sendung La puerta del cante auf. Als eingeladene Künstlerin trat sie 1992 beim Kunst- und Kulturfestival im chinesischen Macau auf. In der Kompanie von Mario Maya tanzte sie in El Amor Brujo und in Tres movimientos flamencos. Mit Manolo Marín arbeitete sie an der Choreografie von Azabache von Gerardo Vera. Die größte Außenwirkung und die größte Bedeutung für ihre künftige Laufbahn hatten jedoch ihre Choreografie Tango und ihr Auftritt in der Suite Sevilla.

Tango war die erste eigene große Choreografie von María Pagés. Das Stück umfasst die Gesamtheit der Palos des Flamencos mit geradem Rhythmus. Es bezieht in anregender Weise Musikstile Lateinamerikas ein. Zum ersten Mal wurden in ihm Flamenco-Schritte zu Tangos von Astor Piazzolla getanzt. Unter der Regie von José Luis Ortiz Nuevo wurde Tango 1992 auf der Biennale von Sevilla uraufgeführt.

Die Suite Sevilla des irischen Komponisten Bill Whelan war der irische Beitrag zur Expo 1992 in Sevilla. Die Uraufführung fand im März 1992 in der National Concert Hall in Dublin statt. Am 4. Oktober wurde die Suite im Teatro de la Maestranza zur Feier des Irland-Tages bei der Expo aufgeführt. María Pagés tanzte Flamenco zu Musik keltischen Ursprungs und trat gemeinsam mit Michael Murphy auf. Diese Darbietung sollte ihr drei Jahre später den Zugang zu Riverdance ebnen, dem Engagement, das sie weltweit bekannt machen sollte.

Als Beitrag zur Biennale von Sevilla 1994 brachte sie mit ihrer Kompanie De la luna al viento auf die Bühne. Das Stück bot ein musikalisches und tänzerisches Porträt Andalusiens, eines Andalusien, das über das Mittelmeer offen ist für Einflüsse von außen. So verwendete sie Verse des andalusischen Dichters Federico García Lorca und Musik von Rafael Riqueni (auch Rafael Riqueni del Canto; * 1967 in Sevilla) und José María Gallardo Del Rey, bezog aber auch Melodien und Rhythmen des Florentiners Mario Castelnuovo-Tedesco ein. Bei der Choreografie half ihr Manola Marín; José María Sánchez führte erneut Regie. Dazu spielten José María Gallardo und Rafael Riqueni Gitarre, Manuel Soler gab den Rhythmus, Adrián Rodríguez spielte Cello und Carmen Linares und der Chor der Cámara Santa Cecilia sangen. María Pagés tanzte alle Nummern mit – vom beispielhaften Taranto zu Beginn bis zu den Sevillanas am Ende der Aufführung.

José Luis Navarro García sieht in dem Stück eine prachtvolle Synthese von Kreativität und Sinnlichkeit auf der einen Seite und Form und Stil auf der anderen Seite. Auch generell waren Kritiker und Publikum begeistert. Zur allgemeinen Enttäuschung wurde das Stück nur wenige Male aufgeführt.

Riverdance 1995 folgte sie der Einladung, als erste Solotänzerin der Gruppe Riverdance beizutreten. Im Gegensatz zu den Gruppentänzerinnen, die „mit der Präzision einer Schweizer Uhr“ synchron springen und ihre Füße aufs Parkett trommeln, trug sie mit ihren eigenen Solotänzen zum Programm der Kompanie bei – einem Programm, das beispielhaft für die Globalisierung in der Kunst steht. Zu den traditionellen irischen Grundlagen fügt Riverdance unbekümmert andere Folklorestile und Fußtechniken mit ganz anderer ästhetischer Tradition, beispielsweise das russische Ballett von Igor Moissejew, den afroamerikanischen Tap und den Flamenco von María Pagés. Im Fire Dance tanzte sie im Gegenlicht in engem rotem Kleid – sinnlich und provozierend körperbetont, in scharfem Kontrast zu den strengen Reihentänzen der übrigen Kompanie.

Mit Riverdance hatte María Pagés hunderte von Auftritten, darunter in Dublin, London, New York, Chicago, Los Angeles, Boston, Toronto und Osaka. Wie sie selbst zugibt, verdankt sie Riverdance ihre weltweite Berühmtheit. Ihren eigenen Worten zufolge schmerzt es sie ein wenig, dass sie dadurch im Ausland bekannter ist als in ihrem eigenen Heimatland.

In Galway und in Deutschland trat sie 1995 mit der Show María Pagés en Concierto auf. In Berlin und beim Flamenco-Festival von Madrid tanzte sie Por Tarantos, und im Film Flamenco von Carlos Saura ist sie im Gegenlicht hinter einer durchscheinenden weißen Fläche in kunstvoll stilisierten Bewegungen einer Patenera zu sehen.

El Perro andaluz. Burlerías 1996 gab Juan Antonio Maesso bei ihr eine Choreografie für die Compañía Andaluza de Danza in Auftrag. Er gab ihr freie Hand, sie nach eigenen Vorstellungen zu gestalten und im Tanz ihre eigene Persönlichkeit auszudrücken. So entstand El perro andaluz. Burlerías (sic) in Anlehnung an den gleichnamigen Film von Luis Buñuel und Salvador Dalí. Das Stück wurde im Mai 1996 in Córdoba uraufgeführt. Wie zuvor Luis Buñuel mit seinem Film, so brach auch María Pagés mit ihrer Choreografie mit den Schemen und Bindungen der Vergangenheit:

Mit dieser Inszenierung brachte María Pagés auch einen Schuss Humor in den sonst so ernsten Flamenco, was sich schon in dem absichtlich falsch geschriebenen Untertitel Burlerías (statt Bulerías) zeigt. Zur Musik von Tom Waits schafft das Stück mitunter die Stimmung einer fröhlichen Fiesta.

Mit Musik von Sonia Wieder-Atherton, Daria Honora, Peter Gabriel, Astor Piazzolla und Tom Waits entstand unter der Regie von José María Sánchez eine rhythmische und tänzerische Collage, heterogen und strahlend. In den Flamenco-Tanz flossen Skizzen und technische Elemente aus Jazz und modernem Ballett ein. Noch im Jahr der Erstaufführung erhielt es den spanischen Premio Nacional de Coreografía. Die Compañia Andaluza de Danza und María Pagés’ eigene Kompanie führten das Stück in den folgenden Jahren viele Male auf der ganzen Welt auf.

La Tirana. El fantasma del museo Bemerkenswerte persönliche Auftritte von María Pagés waren 1996 ihr Tanz in Noche de seis temblores unter der Regie von José Luis Ortiz Nuevo sowie ihr Taranto in Estrellas de la Bienal II. 1997 schuf María Pagés die Choreografie für Yerma unter der Regie von Miguel Narros. Zur Musik von José Antonio Rodriguez choreografierte sie eine Farruca, einen Garrotín und eine Serie von Jaleos, die beispielhaft die historische Entwicklung des Jaleo vom Jaleo de Jerez bis zu den heutigen Jaleos der Extremadura zeigt.

Ferner wurde sie als Direktorin der Compañia Andaluza de Danza berufen. Sie gab diesen Posten jedoch wenige Monate später wieder auf, da sie den Eindruck hatte, dass der Kompanie nicht die Mittel zur Verfügung gestellt wurden, die sie brauchte, um ihr hohes künstlerisches Niveau zu halten.

Vor 2.000 Zuschauern inszenierte sie im September 1998, bei der Flamenco-Biennale von Sevilla, einen Höhepunkt in der jüngeren Geschichte des Flamencos: La Tirana. El fantasma del museo (deutsch: Die Tyrannin. Das Phantom des Museums). Als sich der Vorhang hob, begann die Vorstellung mit den Rhythmen von Bill Whelan mit einem Tanz im Anklang an Riverdance. Es folgten tänzerische Interpretationen von Gemälden von Francisco de Goya. In Szene gesetzt wurden Die Erschießung der Aufständischen, Zwei Majas auf einem Balkon, Der KolossVermutlich nicht von Goya selbst gemalt, siehe Elizabeth Nash: In: The Independent, 27. Juni 2008., Die Familie Karls IV., Das Begräbnis der Sardine, Der Sonnenschirm und Das blinde Huhn.

Die Interpretation fragt nach den Geschichten hinter den Bildern. Was passiert, wenn sich die Museumsportale schließen, wenn die Besucher verschwunden sind? Was tun die Königsfamilien, die Herrscher, die Schönheiten, die Dorfbewohner, ihre Esel und Pferde, die Geistlichen, die Verrückten, die bleichen Dorfkinder inmitten von Trunkenbolden? Sind sie des Nachts ebenso zur Unbeweglichkeit verdammt wie tagsüber? Die Musik umfasste ein immenses zeitliches und kulturelles Spektrum, vom Barock bis zur Moderne, von Amerika über Europa bis zu Fernost. Gespielt wurden Stücke von Johann Pachelbel, Vincenzo Bellini, Franz Schubert, Joseph Kosma, Johnny Mercer, Astor Piazzolla, Gene Kelly, Bill Whelan, Kiko Veneno, Juan Manuel Cañizares und Eileen Ivers.

Wenn sie irgendeine Musik höre, die sie zu Tränen rühre, dann habe sie das Bedürfnis, dazu zu tanzen, und sie könne nun mal nichts anderes tanzen als Flamenco, beschrieb María Pagés ihre Motivation. Daraus folgt ihr Drang, die Grenzen des Flamencos auszuweiten: