Im Hotel zur grünen Wiese lautet der Kehrreim des deutschen Textes, den Fritz Löhner unter seinem Künstlernamen Beda 1923 zu einem Foxtrott des dänischen Komponisten Edvard BrinkBrink wurde 1883 in Kopenhagen geboren, war Kapellmeister und Komponist von Tanz- und Revuemusik, und starb erst 1970. Er liegt auf dem Friedhof in Frederiksberg, einem Stadtteil von Kopenhagen, begraben, vgl. sv.wiki und gravsted.dk. dichtete. Bekannt wurde die Komposition unter dem schwedischen Titel JazzgossenAuf Deutsch etwa “Jazz-Jungs”.; sie erschien 1922 im Nordiska Musikförlaget, vormals Wilhelm Hansen, Kopenhagen.Der Musikverlag unterhielt Filialen in Leipzig, Stockholm und Helsinki, vgl. . In Deutschland kam sie noch im gleichen Jahr beim Wiener Bohème-Verlag Berlin-Leipzig-Wien heraus.
Hintergrund Laut Hinweis auf dem Notentitel der deutschen Ausgabeabgeb. bei Schlick.ch (aufgerufen am 13. November 2015) hatte der Wiener Klavierhumorist Hermann Leopoldi das Lied in seinem Repertoire. Und noch ein Jahrzehnt später zitierte es der Münchner Volkssänger Weiß Ferdl in seinem humoristischen Vortrag über „Schlager aus alter und neuer Zeit“.auf Telefunken A 1259, Matr. 18772 + 18773 : Schlager alter und neuer Zeit (Weiß-Ferdl) - Weiß-Ferdl mit Orchesterbegleitung
Das Lied gehörte ursprünglich zu der Programmnummer Kamaeleonen (Chamäleon) in der FønixrevyenRevue des Fønix Teatret, eines Kabaretts in Kopenhagen, bestand von 1918 bis 1938, vgl. danskfilmogteater.dk von 1922 und hieß dort „En lille rystedans“ (ein kleiner Schütteltanzdas Schütteln bezieht sich auf die Exekution des damals aus Amerika gekommenen Modetanzes Shimmy, vgl. engl. Texte wie You Cannot Shake That Shimmie Here von Wells, Van & Schenck. Notentitel abgeb. bei duke.edu; vgl. dazu Brooks S. 407, Cresswell S. 131, Kusser S. 33, 52, 82, 91, 153, 190, 321, 399, 401, 406, 414 sowie Schaal 2011: Der Tanz der Saison 1921/22 war der Shimmy, bei dem sich der Tänzer schüttelt, „als wolle er ein nasses Hemd abstreifen“.); den dänischen Originaltext verfasste Alfred Kjærulf.vgl. , 1922 im Fønix Teatret vorgetragen von Soffy Damaris.
Der schwedische ‘Revuekönig’ Karl Gerhard schrieb auf die Melodie Jazzgossen einen eigenen Text, mit welchem er das Lied im Hotel Continental zu Stockholm am 4. September 1922 für die Skandinaviska Grammophon aufnahm.Concert Record Gramophone X 1581 (Matrisnummer BE 627-1), vgl. Svensk Mediedatabas : Jazzgossen / sjunget af Karl-Gerhard. Hörprobe (0.51') bei youtube Er verwendete es auch in der Sommer-Revue Ställ er i kön (In der Warteschlange stehen) von 1922 im Stockholmer Folkteatern. Es wurde so etwas wie seine Kennmelodie.
Noch 1958 entstand um die Melodie ein Tonfilm mit dem Titel Jazzgossen, in dem Gerhard mitwirkte und das Lied vortrug.svensk-filmdatabas : Jazzgossen (1958), Regi: Hasse Ekman. Längd i meter: 2855, Längd i minuter: 104, Akter: 6. Liedvortrag anzuhören bei youtube, dort auch Gerhards schwedischer Text.
Das Lied wurde nicht nur in Dänemark und Schweden populär, sondern auch in Belgien, Großbritannien und in der Sowjetunion. In Amerika sang der Tenor Harry Steier bei der Victor Talking Machine Company in Camden N.J. am 4. Oktober 1923 eine deutsche Fassung des Liedes Jazzgossen auf Grammophonplatte. Der Jazzpianist Bengt Hallberg coverte den Song mehrmals.Tom Lord: Jazz Discography (online)
Deutscher Text (1) Sie ist die Tochter des Hauses, und er ein junger Narceur. Er läuft herum im Dining Room „Bitte schön!“ „Bitte, gleich!“ „Bitte sehr!“… Doch wenn die letzten der Gäste verlassen haben den Saal, nimmt Theodor die Geige vor, und verweist das Personal:
(Kehrreim) Im Hotel zur grünen Wiese, da spielt der Theodor seiner kleinen süßen Liese die schönsten Lieder vor. Wenn er streicht die Violine am hohen C … summt sie so wie eine Biene im grünen Klee! Im Hotel zur grünen Wiese…
(2) Wenn Lieschen mal ganz allein war, rief sie den Theodor her. Er kam gerannt und rief galant „Bitte schön!“ „Bitte, gleich!“ „Bitte sehr!“… Sie spielten gerad' so zum Tango in einem lauschigen Eck' - da kam Papa nach Haus und sah zu seinem größten Schreck:
Im Hotel zur grünen Wiese…
Notenausgaben Im Hotel zur grünen Wiese. Foxtrot. Brink, Edvard. Wien u. a. : Wiener Boheme-Verlag, 1922. - 3, S. 26x34 mit farblithographierter Titelillustration von Otto Dely. Edvard Brink: Im Hotel zur grünen Wiese - Noten für Gesang und Klavier. UFA Musikverlage Best-Nr.: UFA14465 Edvard Brink: Jazz-gossen (En lille Rystedans) - Nordiska Musikförlaget Pub. No.: 18032, Stockholm 1922. Titelillustration von Eric NordinNotentitel abgeb. bei imagesmusicales.be (abgerufen am 28. Februar 2016)
Tondokumente worldcat.org Polyphon 31 109 (2-27 746 L / mx. 2115 ar) Im Hotel zur grünen Wiese. Fox-trot von Edvard Brink. Tanz-Orchester Metropol YouTube Star-Record 5860 (mx. 5860) Im Hotel zur grünen Wiese. Foxtrot (Bring) [sic]. Jazz-Band-Kapelle, Kapellmeister Bernard Etté vom Alten Boston-Club, Berlin. Berlin, ca. Ende 1922 oder Anfang 1923vgl. dazu 'Grammophonteam' bei grammophon-platten.de; dort auch Abbildung des labels YouTube Beka 32 050, auch B.3634 (Matr. 32050)(566) Walter Herrling, Tenor mit Bohème-Orchester, aufgenommen in Berlin, 15. März 1923vgl. Zwarg, PARLOPHON Matrix Numbers — 30173 to 34999: German, S. 241. YouTube CRG X 1486 (Matr. Bb 1285-2) Orkester Moderne: En lille Rystedans (Jazzgossen) [Edvard Brink], rec. Hayes, Middlesex, England, May 5 1922.vgl. Svensk Mediedatabas : Björn Jakobsson's Record Collection ucsb.edu Victor 77 362 (matrix B-28 632) Harry Steier, male vocal solo, with orchestra. Ted Levy, conductor. Recorded 4. Oktober 1923 in Camden, New Jersey. YouTube En lille Rystedans (Jazzgossen) [Edvard Brink] Erik Tuxen og hans Orkester. (Swing-Bearbeitung von Leo Mathiesen, aufgenommen 1934) Aufnahme im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek:
Literatur Tim Brooks: Lost Sounds: Blacks and the Birth of the Recording Industry, 1890–1919. University of Illinois Press, 2004. Timothy Cresswell: On the Move: Mobility in the Modern Western World. Verlag Routledge, 2012, ISBN 978-1-136-08322-8, S. 123 f. Friedrich Wolfgang Koebner: Jazz und Shimmy. Brevier der neuesten Tänze. Eysler, Berlin 1921. Astrid Kusser: Körper in Schieflage: Tanzen im Strudel des Black Atlantic um 1900. transcript Verlag, 2014. Hans-Jürgen Schaal: Spiel den Shimmy! online auf: Hjs-jazz.de, 2011, 2014. Carolin Stahrenberg: Hot Spots von Cafe bis Kabarett: musikalische Handlungsräume im Berlin Mischa Spolianskys 1918–1933. Waxmann Verlag, 2012, ISBN 978-3-8309-7520-5, S. 145, Anm. 87. Christian Zwarg: PARLOPHON Matrix Numbers — 30173 to 34999: German. PDF
Einzelnachweise
Kategorie:Schlager (Lied) Kategorie:Lied 1923 Kategorie:Jazz-Titel Kategorie:Lied von Fritz Löhner-Beda