Der Pizza Connection Trial, auch bekannt als der sogenannte „Monsterprozess“, gilt als der längste Geschworenenprozess in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Prozess gegen insgesamt 22 Angeklagte, die zum Drogenring der sogenannten Pizza Connection gehören sollten, begann am 30. September 1985 und endete am 2. März 1987 mit der Verurteilung aller Angeklagten, ausgenommen einer Person.

Umfang des Prozesses Der Gerichtsprozess konzentrierte sich auf ein von der Mafia geführtes Unternehmen, das große Mengen Heroin und Kokain in den Vereinigten Staaten vertrieb und das daraus gewonnene Geld „gewaschen“ hatte, bevor es zurück zu den Lieferanten nach Sizilien gebracht wurde. Die Angeklagten verwendeten eine Reihe von unabhängigen Pizzerien als Fassade für den Vertrieb von Betäubungsmitteln – daher der Name „Pizza Connection“.

Allein Giovanni „John“ Gambino, Angehöriger der Gambino-Familie und der Vetter des sizilianischen Bosses Salvatore Inzerillo, war Eigentümer von 240 Pizzerien, die über die gesamten USA verteilt waren. Im Nordosten der USA kontrollierte die Mafia über die Pizza Connection allein mehr als 80 Prozent des Drogenhandels.

Nachweislich stellte sich heraus, dass die Pizza Connection mindestens 1,6 Milliarden US-Dollar zwischen 1975 und April 1984 verschiffte.

Die Festnahmen der Angeklagten wurden am 9. April 1984 koordiniert in den USA, Italien, der Schweiz und Spanien durchgeführt, nachdem am Vortag Gaetano Badalamenti und mehrere Mitglieder seiner Familie verhaftet worden waren. Badalamenti war einst der mächtigste Mann der sizilianischen Cosa Nostra und der Hauptlieferant von Heroin und Kokain für die Amerikanische Cosa Nostra.

Die Verhaftungen wurden in Zusammenarbeit mit dem FBI, der DEA, der U.S. Zollbehörde und dem NYPD durchgeführt und es wurde in starker Zusammenarbeit mit der italienischen Polizei und Staatsanwälten, sowie den Schweizer Behörden operiert. Schätzungsweise waren 27 der verhafteten Person in den USA wohnhaft.

Giovanni Falcone war ein auf Sizilien geborener italienischer Staatsanwalt, der die italienische Seite der Pizza Connection untersuchte – dessen unermüdliche Bemühungen auch in Italien zur Kooperation von bedeutenden Mafiosi und letztendlich zu dem historischen Maxi-Prozess mit der Verurteilung von mehr als 350 Mafia-Mitgliedern führte, wofür ihn die Mafia am 23. Mai 1992 zusammen mit seiner Ehefrau und drei Leibwächtern durch einen Sprengstoffanschlag ermordet.

Die Zeugen Der sizilianische Mafioso Tommaso Buscetta, der zum Pentito (Verräter) wurde, sagte im Prozess gegen seine ehemaligen kriminellen Verbündeten aus. Die Behörden garantierten Buscetta für seine Zeugenaussage gegen die Pizza Connection, Schutz und Immunität und er würde in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen.

Ein weiterer wichtiger Zeuge war Salvatore Contorno, ein sizilianischer Mafioso, der ebenso ein Zeuge nach dem Vorbild Buscettas wurde und einer Zeugenaussage im Gegenzug für Schutz zustimmte, nachdem er während eines Krieges um die Kontrolle der sizilianischen Mafia das Ziel eines Mordanschlags der Corleonesi war.

Der in der Bonanno-Familie verdeckt ermittelnden FBI Special Agent Joseph Pistone alias „Donnie Brasco“, war durch Gespräche mit den Bonanno-Mitgliedern „Lefty“ Ruggiero und Anthony „Tony“ Mirra die erste Quelle für Informationen über die „Pizza Connection“. Außerdem berichtete Pistone über das ambivalente Verhältnis der US-Amerikaner zu den Sizilianern und beschrieb die Eindrücke, die die Sizilianer bei den einfachen „Soldaten“ hinterließen:

Der Prozess beinhaltete auch eine Menge an Beweisen durch abgehörte Gespräche in Verbindung mit Observationen, verdeckten Heroin-Bestellungen und Tonbandmitschnitten über Geldwäsche und den Transfer von mehreren Millionen US-Dollar in die Schweiz. Schweizer Bankunterlagen und Zeugenaussagen belegten, dass das Unternehmen zwei Tonnen Morphin-Basis von türkischen Lieferanten für 6.000 US-Dollar/Kilogramm erhielt, welches in sizilianischen Drogenlabors zu reinem Heroin verarbeitet wurde und in den USA zu Großhandelpreisen für zwischen 165.000 und 185.000 US-Dollar verkauft wurde und auf der Straße bis zu 1.000.000 US-Dollar generierte.

Die Angeklagten 38 Mafia-Mitglieder und Assoziierte (en: Associates = Partner) sollten ursprünglich in diesem Fall angeklagt werden. 35 Mitglieder wurden der Jury präsentiert, von denen vier in Italien und vier in der Schweiz verurteilt wurden; vier der Angeklagten waren zunächst weiter auf der Flucht.

Vor dem Beginn des Prozesses wurde einer der Angeklagten ermordet und ein weiterer starb eines natürlichen Todes. Auch während des Prozesses wurde ein Angeklagter ermordet. Jeder der Angeklagten war gebürtiger Sizilianer und einige waren daher der englischen Sprache nicht mächtig. Der Gerichtssaal in diesem historischen Prozess war stets überfüllt, da auch jeder Angeklagte seinen eigenen Anwalt hatte.

Name Urteil Anmerkung Pietro „Pete“ Alfano zu 15 Jahren verurteilt nach 7 entlassen ; Gaetano Badalamentis Neffe Baldassare „Baldo“ Amato zu 5 Jahren verurteilt Bonanno-Capo Gaetano Badalamenti zu 45 Jahren verurteilt ehem. Mafia-Boss Vito Badalamenti der einzige Angeklagte mit Freispruch Gaetano Badalamentis Sohn Cesare „The Tall Guy“ Bonventre wurde vor der Anklage ermordet Bonanno-Capo Giovanni „Johnny“ Cangialosi zu 12 Jahren verurteilt Frank „Ciccio l'Americano“ Castronovo zu 25 Jahren verurteilt Schwager von Tommy Mazzara Onofrio „Oliviero“ Catalano auf der Flucht Cousin von Salvatore Catalano Salvatore „Toto“ Catalano zu 45 Jahren verurteilt Bonanno-Capo Samuel „Sam“ Evola zu 15 Jahren verurteilt Zerilli-Mitglied; weiterer Neffe von Gaetano Badalamenti Giuseppe „Pino“ Ganci aus gesundheitl. Gründen vom Prozess gelöst starb am 11. Februar 1986 an Krebs Salvatore „Ciaschiteddu“ Greco zu 20 Jahren verurteilt Bruder von Bagheria-Boss Leonardo Greco Giuseppe „The Brother-in-Law“ Lamberti zu 30 Jahren verurteilt Schwager von Salvatore Mazzurco Salvatore „Toto“ Lamberti zu 20 Jahren verurteilt Cousin von Giuseppe Lamberti Giovanni „Johnny“ Ligammari zu 15 Jahren verurteilt Gaetano „Tommy“ Mazzara wurde am 1. Dezember 1985 ermordet Salvatore „The Little One“ Mazzurco zu 35 Jahren verurteilt Emmanuele „Manny“ Palazzolo zu 12 Jahren verurteilt Schwager von Peter Alfano Francesco „Frank“ Polizzi zu 20 Jahren verurteilt DeCavalcante-Capo Vincenzo „Enzo“ Randazzo Neffe von Gaetano Badalamenti Salvatore „Sal“ Salamone zu 5 Jahren verurteilt Giuseppe „Joe“ Trupiano zu 1 Jahr verurteilt weiterer Neffe von Gaetano Badalamenti Giuseppe „Joe“ Vitale zu 5 Jahren verurteilt

Gesuchte Angeklagte während des Prozesses Name Urteil Anmerkung Franco Della Torre in der Schweiz überführt Leonardo Greco in Italien überführt Bagheria-Capo ; Bruder von Salvatore Greco Faro Lupo in der Schweiz verhaftet Neffe von Vincenzo Randazzo Salvatore Miniati in Italien überführt Vito Roberto Palazzolo in Italien überführt Filippo Salamone in Italien überführt Giuseppe Soresi in Italien überführt Borgetto-Mitglied Oliviero Tognoli auf der Flucht Sizilianischer Geldwäscher Benny Zito auf der Flucht Philadelphia Pizzeria Besitzer

Filme und Dokumentationen 2005: Die Mafia - die vierteilige Dokumentation ; 4-teilige Dokumentation über die Mafia in Amerika und Italien (Episode 2/4) 1985: Pizza Connection ; Film über die Pizza Connection

Literatur Alexander Stille: Excellent Cadavers: Mafia and the Death of the First Italian Republic ; 1995 ; ISBN 978-0-09-959491-8 Shana Alexander: #Pizza-Connection. Der Prozess gegen die Drogenmafia, 1992 Bastei-Lübbe, ISBN 3-404-60318-4, (OT: Pizza Connection: Lawyers, Money, Drugs, Mafia ; 1989 ; ISBN 1-55584-027-2) # Pizza connection. der Kampf gegen die Drogenmafia. ; 1989 ; ISBN 3-471-77018-6 Ralph Blumenthal: Last Days of the Sicilians ; 1988 ; ISBN 0-8129-1594-1

Einzelnachweise

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