Sophia Margarethe Antoinette Roentgen (geb. Tischbein; * 1761 in Hamburg; † 24. Mai 1826 in Aurich) war eine deutsche Malerin und Lehrerin aus der Künstlerfamilie Tischbein.

Leben und Werk Sophia Tischbein war die zweite (nach anderen Quellen: älteste) Tochter der Hamburger Malerin Magdalene Gertrud Tischbein (geborene Lilly) und des Malers Johann Jacob Tischbein, des so genannten „Lübecker Tischbein“. Ihre jüngeren Geschwister waren die Malerin Magdalena Margaretha Tischbein (1763–1846) ⚭ Ludwig Philipp Strack und der Maler August Tischbein (1768–1848). Sie wurde in Hamburg geboren, am 21. Januar 1761 getauft und wuchs in Lübeck auf. Seit frühester Jugend erhielt sie in der Werkstatt ihrer Eltern Mal- und Zeichenunterricht, statt einer Ausbildung an der Akademie wurde sie von ihrem Vater „zu gleicher Kunst gebildet“, wie es in einem zeitgenössischen Bericht heißt.

Am 9. September 1783 heiratete sie in Petkum den Pastor und Freimaurer Ludwig Roentgen (* 29. November 1755 in Neuwied; † 7. Dezember 1814 in Esens), Sohn von Abraham Roentgen (1711–1793) und Susanne Maria Bausch (1717–1776). Sie hatten acht Kinder.

Ihr Ehemann wurde 1793 von Petkum nach Esens versetzt, wo er die Stelle eines Konsistorialrates antrat. Da die Pfarrstelle nicht ausreichend dotiert war, malte Sophie Röntgen während der zehnjährigen Amtszeit ihres Mannes und verkaufte einige Gemälde, um das äußerst geringe Familieneinkommen aufzubessern. Hamburger Auktionskatalogen der 1790er Jahre zufolge schuf sie Landschafts-, Tier- und Blumengemälde sowie Historienbilder, deren Verbleib unbekannt ist. Ihre Werke blieben möglicherweise unsigniert.Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, Auf der Spur der Malerin Tischbein (Petkumer Gemälde in Wien) Das einzige erhaltene Werk ist ihr Altarbild der Werdumer St. Nicolai-Kirche von 1795, nahe Neuharlingersiel, das einerseits „durch die Originalität der Darstellung der Abendmahlsszene und den gekonnten Einsatz einer eigenwilligen Licht-Schatten-Wirkung“ besticht, jedoch andererseits in einem Zustand ist, der auf eine unprofessionell durchgeführte Restaurierung Anfang des 20. Jahrhunderts schließen lässt, wie die Kunsthistorikerin Martina Sitt 2016 urteilte.

1814 starb Ludwig Roentgen und ließ Ehefrau und zwei erwachsene Töchter mittellos zurück. Vermutlich durch Vermittlung der Emdener Freimaurerloge, in der ihr Ehemann Mitglied war, erhielt sie ein Jahr später in Aurich eine Anstellung als Leiterin einer neuzugründenden privaten Mädchenschule. Sie übernahm 1815, mit 53 Jahren, ihre neue Aufgabe als Lehrerin und Leiterin dieser Töchterschule, ein Amt, das sie noch zehn Jahre lang ausüben sollte. Unterricht gab es außer in nützlichen Handarbeiten wie Nähen und Stopfen besonders im Sticken, im Malen und Zeichnen, Verfertigen von Schattenrissen, wie auch in Literatur und Sprachen. Neben der Mutter unterrichteten auch ihre Töchter Jeannette und Johanna. Die Schule bestand unter dem Namen ihrer Leiterin, Antoinette Roentgen, 42 Jahre lang. Sie selbst malte nicht mehr, vor allem da sie in den letzten neun Jahren mehr und mehr an Rheumatismus in Händen und Füßen litt, der ihr zuletzt auch das Laufen unmöglich machte. Dennoch verzichtete sie nicht darauf, ihren zweiten Beruf auszuüben. Sie unterrichtete im Liegen, vom Sofa aus.

Nicht erhaltene Werke Sophia Röntgens sind ein Selbstporträt, ein Porträt Ludwig Roentgens, diverse Tier- und Blumenstillleben sowie Kopien von Gemälden ihres Onkels Johann Heinrich Tischbeins des Älteren. In einer Publikation von 2016 anlässlich einer Ausstellung im Kloster Haina wurden weitere Mutmaßungen zu einem Porträt Moses Wesselys angestellt, das ihr möglicherweise zugeschrieben werden könnte, da es nachträglich mit „Anton“ signiert worden sei.

Verwandtschaft und Nachkommen Sophia ist Nachfahrin des Hainaer Hospitalbäckers Johann Heinrich Tischbein (1682–1764) und seiner Frau Susanne Margarethe, geborene Hinsing.

Aus ihrer Ehe mit Ludwig Roentgen entstammen acht Kinder: Johann Carl Heinrich (* 7. Januar 1785 in Petkum; † 1842 in Berlin), Porzellan Maler und Zeichenlehrer, später Kommissionsrat ⚭ Johanna Peters († 1840) Magdalena Wilhelmina Christiana (* 21. Dezember 1786 in Petkum; † 18. März 1787) Johann Georg Julius (* 28. April 1788 in Petkum; † um 1870 in Paris), Kaufmann Reinhard Friedrich August (* 9. Juni 1790 in Petkum; † 26. August 1832 in Hamburg), Kaufmannsdiener Christiane Jeanette Louise (* 9. Februar 1793 in Esens; † 1. Juni 1863 in Witzenhausen) Gerhard Moritz (Mauritz) (* 7. Mai 1795 in Esens; † 28. Oktober 1852 in Santpoort bei Velsen/Nordholland), niederländischer Seeoffizier, ⚭ Georgina Louise Bennet Johanna Cornelia Elisabeth Christine (* 1797; † 1778), Lehrerin an der Töchterschule in Aurich, schrieb ein Buch über ihren Vater Wilhelm Christian Ludwig (* 1798; † 1822), Kaufmann

Literatur Beilage Friesische Heimat Nr. 2/2016 im Anzeiger für Harlingerland vom 4. Februar 2016

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