hochkant|mini|Siegelmarke des Konsistoriums PosenDie Kirchenprovinz Posen war eine der Kirchenprovinzen der evangelischen Landeskirche in Preußen und ihrer Nachfolgerkirche, der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union (APU). Sie umfasste mit der Provinz Posen die Gebiete, die Preußen durch die Teilungen Polens bis 1815 zugesprochen wurden.
Zuständigkeit und Unterstellung mini|Dienstgebäude des Königlichen Konsistoriums in Posen, erbaut 1894 Wie in den anderen Kirchenprovinzen war die oberste Verwaltungsbehörde ein in der Hauptstadt der Provinz angesiedeltes Konsistorium (also bis 1919 in Posen), das im 19. Jahrhundert zumeist qua Amt vom Oberpräsidenten geleitet wurde. Erst später als in anderen Provinzen wurde ein hauptamtlicher Konsistorialpräsident eingesetzt.
Nachdem der größte Teil der Provinz 1919 unter polnische Herrschaft gekommen war, wurde aus den verbleibenden Teilen der Verwaltungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen (mit Sitz in Schneidemühl) gebildet und 1922 zur gleichnamigen Provinz erhoben. Auch die Kirchenprovinz hieß seit 1923 Kirchenprovinz Grenzmark Posen-Westpreußen, die am 1. April 1941 aufgelöst wurde.Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe – Ämter - Verbände - Personen, bearbeitet von Heinz Boberach, Carsten Nicolaisen und Ruth Pabst, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, (=Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte; Reihe A, Quellen, Bd. 20), Bd. 2 'Landes- und Provinzialkirchen', S. 159.
Das in Schneidemühl neu gebildete Konsistorium unterstand 1921–1923 dem Generalsuperintendenten des pommerschen Ostsprengels.Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe – Ämter - Verbände - Personen, bearbeitet von Heinz Boberach, Carsten Nicolaisen und Ruth Pabst, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, (=Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte; Reihe A, Quellen, Bd. 20), Bd. 2 'Landes- und Provinzialkirchen', S. 413. Die Kirche in den an Polen gefallenen Gebieten bestand bis 1940 unter dem Namen Unierte Evangelische Kirche in Polen, dann bis 1944 als Evangelische Kirche im Wartheland.
Generalsuperintendenten Folgende Generalsuperintendenten gab es:Nach den Amtslisten in Johann Friedrich Gerhard Goeters, Joachim Rogge (Hrsg., im Auftrag der Evangelischen Kirche der Union): Die Geschichte der Evangelischen Kirche der Union. Ein Handbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig; Bd. 1, 1992, S. 419; Bd. 2, 1994, S. 500; Bd. 3, 1999, S. 873. 1828–1854: Carl Andreas Wilhelm Freymark 1855–1878: Friedrich Cranz 1880–1885: Wolfgang Friedrich Geß 1886–1910: Johannes Hesekiel 1910–1919: Paul Blau 1919–1921: Vakanz 1921–1923: vertretungsweise der Generalsuperintendent des pommerschen zweiten Sprengels 1923–1927: Alfred Kiehl 1927–1933: Otto Hegner 1933–1941: Johannes Grell
Johannes Staemmler war ab 1917 stellvertretender Generalsuperintendent der Kirchenprovinz Posen.
Konsistorialpräsidenten Das Konsistorium in Schneidemühl bestand ab Auflösung der Kirchenprovinz 1941 als Außenstelle des Konsistoriums in Stettin weiter.Nach den Amtslisten in Johann Friedrich Gerhard Goeters, Joachim Rogge (Hrsg., im Auftrag der Evangelischen Kirche der Union): Die Geschichte der Evangelischen Kirche der Union. Ein Handbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig; Bd. 1, 1992, S. 421; Bd. 2, 1994, S. 503; Bd. 3, 1999, S. 876.
1815–1824: Joseph von Zerboni di Sposetti (als Oberpräsident) 1825–1830: Theodor von Baumann (als Oberpräsident) 1830–1840: Eduard von Flottwell (als Oberpräsident) 1840–1842: Adolf Heinrich von Arnim-Boitzenburg (als Oberpräsident) 1843–1850: Carl Moritz von Beurmann (als Oberpräsident) 1850–1851: Gustav von Bonin (als Oberpräsident, 1. Amtszeit) 1851–1860: Eugen von Puttkamer (als Oberpräsident) 1860–1862: Gustav von Bonin (als Oberpräsident, 2. Amtszeit) 1862–1869: Karl von Horn (als Oberpräsident) 1869–1873: Otto von Königsmarck (als Oberpräsident) 1873–1877: William Barstow von Guenther (als Oberpräsident) 1877–1900: Conrad von der Groeben 1900–1919: Curt Balan (bis 1920 weiter Präsident beim Konsistorium in Posen) 1919–1921: vertretungsweise der Konsistorialpräsident in BerlinHandbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe – Ämter - Verbände - Personen, bearbeitet von Heinz Boberach, Carsten Nicolaisen und Ruth Pabst, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, (=Arbeiten zur kirchlichen Zeitgeschichte; Reihe A, Quellen, Bd. 20), Bd. 2 'Landes- und Provinzialkirchen', S. 158. ISBN 9783525557945. 1921–1923: vertretungsweise der Konsistorialpräsident in Stettin 1923–1927: Alfred Kiehl (als Generalsuperintendent) 1927–1933: Otto Hegner (als Generalsuperintendent) 1934–1936: Friedrich Koch 1936–1945: Friedrich-Ernst von Renesse
Kirchenkreise Die Kirchenprovinz war in lutherische Kirchenkreise untergliedert. Ein Kirchenkreis war in der Regel mit einem Landkreis räumlich deckungsgleich. Jeder Kirchenkreis war in der Regel mit dem Amtsbezirk eines Superintendenten identisch, der amtlich Diözese genannt wurde. Die meisten Kirchengemeinden und Kirchenkreise fielen 1919 an die Unierte Evangelische Kirche in Polen. Die neue deutsch-polnische Grenze zerschnitt dabei einige Kirchenkreise und auch einzelne Kirchengemeinden. Daher wurden diese auf beiden Seiten teilweise neu zugeschnitten. Von der aufgelösten Kirchenprovinz Westpreußen kamen die Kirchenkreise Deutsch-Krone, Flatow und Schlochau hinzu.
Bei Auflösung der Kirchenprovinz 1941 kamen die Kirchenkreise Deutsch-Krone, Flatow, Schlochau und Schneidemühl an die Kirchenprovinz Pommern, die Kirchenkreise Karge (ohne die Kirchengemeinde Schwenten) und Meseritz an die Kirchenprovinz Brandenburg und der Kirchenkreis Fraustadt und die Kirchengemeinde in Schwenten an die Kirchenprovinz Schlesien.
Die Kirchenprovinz bestand im Jahr 1898 aus insgesamt 209 Gemeinden:
Kirchenkreis Zugehörige Kirchengemeinden Birnbaum Lindenwald, Lindenwerder, Lobsens, Neustadt bei Pinne, Prittisch, Radusch, Schweinert, Waitze, Zirke Bojanowo Bojanowo, Görchen, Jutroschin, Kröben, Punitz (Petrigemeinde), Rawitsch, Sandberg, Sarne Bromberg Bromberg, Ciele, Crone an der Brahe, Fordon, Gogolin-Lutschmin-Schanzendorf, Lochowo, Osielsk, Otteraue-Langenau, Schleusenau, Schulitz, Sienno, Wilhelmsort Czarnikau Behle, Czarnikau, Gembitz, Romanshof, Runau, Schönlanke, Staykowo, Stieglitz Eximierte Diakonissenhaus (Posen), St. Paulikirche (Posen) Filehne Altsorge, Eichberg, Filehne, Groß-Drensen, Groß-Kotten, Grünfier, Kreuz Fraustadt Driebitz (Alt), Altstadt (Fraustadt), Neustadt (Fraustadt), Heyersdorf, Luschwitz, Oberpritschen, Schlichtingsheim, Ulbersdorf Gnesen Gnesen, Groß-Golle, Kletzko, Libau, Revier, Rogowo, Schidlowitz, Schocken, Schwarzenau, Stralkowo, Tremessen, Welnau, Witkowow Inowrazlaw Elsendorf (ab 29. Juli 1862) (vorher zu Grünkirch), Groß-Neudorf, Großsee, Grünkirch, Inowrazlaw, Kaisersfelde, Klein Morin, Kruschwitz, Kwiecischewo, Louisenfelde, Mogilno, Montwy, Pakosch, Strelno Karge Bentschen, Bomst, Chlastawe, Friedenhorst, Karge, Kopnitz, Kranz, Neutomischel, Tirschtiegel Kolmar Brodden, Budsin, Gollantsch, Jankendorf, Kolmar, Margonin, Schneidemühl, Usch, Zachasberg Krotoschin Dobrzyca, Kobylin, Koschmin, Krotoschin, Pogorzela, Zduny Lissa Feuerstein, Kosten, Kotusch, Kreuzkirche (Lissa), Lubin, Razot, Reisen Schmiegel, Storchnest Lobsens Brostowo-Friedheim, Grabau, Klein-Dreidorf, Lindenwald, Lindenwerder, Lobsens, Mrotschen, Nakel, Runowo, Sadke, Samotschin, Weißenhöhe, Wirsitz, Wissek Meseritz Bauchwitz, Betsche, Brätz, Meseritz, Pieske, Politzig, Schwerin an der Warthe, Weißensee Obornik Gramsdorf, Murowana Goslin, Obornik, Polajewo, Rogasen Posen I Bnin, Czempin, Jersitz, Kostschin, Krosno, Nekla-Hauland, Kreuzkirche (Posen), Pudewitz, Schroda, Schwersenz, Stenschewo, Wreschen Posen II Laßwitz, Johanniskirche (Lissa), Orzeszkowo, Petrikirche (Posen), Jacobigemeinde (Waschke) Samter Duschnik, Neubrück, Obersitzko, Peterawe, Pinne, Rokietnica, Samter, Wronke Schildberg Adelnau, Bralin (bis 1920 zu Schlesien gehörend), Grabow, Kempen (Kępno), Kobylagora, Laski-Opatow, Latowitz Schrimm Borek, Breitenfeld, Jarotschin, Neustadt an der Warthe, Pleschen, Santomischel, Schrimm, Sobotka, Xions Schubin Bartschin, Exin, Groß-Mirkowitz, Kowalewko, Labischin, Neukirchen, Rynarschewo, Schubin, Wongrowitz, Zerniki, Znin Wollstein Buk, Grätz, Hammer-Boruy, Jablone, Konkolewo-Hauland, Kuschlin, Opalenitza, Rakwitz, Rostarschewo, Schwenten, Wollstein
Einzelnachweise
Kategorie:Organisation (Provinz Posen) Posen