Die Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt war ein Unternehmen der Berliner Stadtmission. Sie ging aus der Buchhandlung der Berliner Stadtmission hervor, die am 1. August 1883 als christlichesMax Dietrich: Fünfundsiebzig Jahre Berliner Stadtmission 1877. 9. März 1952. Herausgegeben von der Berliner Stadtmission, Berlin 1952, S. 58 Schriftenbüro unter dem Vereinsvorsitzenden Adolf Stoecker gegründet wurde. Zum Unternehmen gehörte eine Buchdruckerei. Inhaber der Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt war der Verein für Berliner Stadtmission, deren 1. Vorsitzender von 1933 bis Herbst 1939 Walter Thieme war. Das Unternehmen ging am 19. März 1938 in Konkurs.Adressbuch des Deutschen Buchhandels und der ihm verkehrenden ausländischen buchhändlerische Firmen. 1940. Hundertzweiter Jahrgang. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, S. 582 unter „Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt G.m.b.H., Berlin“

Die verwaltungsmäßige und juristische Leitung der Berliner Stadtmission übernahm mit Wirkung vom 20. Oktober 1939 im Auftrag des Evangelischen Oberkirchenrats der Geheime Finanzrat und Regierungspräsident a. D. Max von Bahrfeldt, dem zur Zeit der Löschung der Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt aus dem Handelsregister im Jahre 1941 die „Aufgaben des Vorstandes und der Geschäftsführung“ oblagen.Max Dietrich: Fünfundsiebzig Jahre Berliner Stadtmission 1877. 9. März 1952. Herausgegeben von der Berliner Stadtmission, Berlin, 1952 S. 62 Als die Firma im „Dritten Reich“ in Konkurs trat, wurde das Druckereigebäude verpachtet und mit den verkauften Druckmaschinen von der Scholz-Druck GmbH im selben Fabrikgebäude in Berlin-Kreuzberg weitergeführt. Das Druckereigebäude der 1941 aufgelösten Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt gehörte zu den TotalverlustenMax Dietrich: Fünfundsiebzig Jahre Berliner Stadtmission 1877. 9. März 1952. Herausgegeben von der Berliner Stadtmission, Berlin 1952 S. 72 an Immobilien der Berliner Stadtmission im Luftkrieg über Berlin 1944.

Geschichte Die Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt wurde in Berlin vom Verein für Berliner Stadtmission am 20. Juli 1903 gegründet.Walter Thieme: 50 Arbeitsjahre im Dienste des Glaubens und der Liebe. Jubiläumsschrift der Berliner Stadtmission. Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt, Berlin 1927, S. 222 Sie vereinigte mit ihrer Gründung mehrere, bereits bestehende, Betriebe des gemeinnützigen Vereins Berliner Stadtmission.

Die Verlags- und Kunstanstalt war geschäftsansässig in einem Verlags- und Fabrikgebäude, das bereits am 1. Oktober 1899 vom Stadtmissions-Vorstandsmitglied Ernst Evers auf dem damaligen Zentrumgelände der Berliner Stadtmission in Berlin-Kreuzberg für die Herstellung von Publikationen in Betrieb genommen wurde.

Anfangsjahre des Unternehmens Zu den vom Firmenrahmen Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt erfassten Betrieben zählten eine Verlagsbuchhandlung zur Verbreitung „guter Schriften und christlicher Literatur“, eine Anstalt für Kirchenausstattung und christliche Kunst sowie eine Druckerei für Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftendruck, die ursprünglich zur „Vaterländischen Verlagsanstalt“ in Berlin gehörte. Die patriotische Bezeichnung „Vaterländisch“ wurde im neuen Firmennamen beibehalten. Im Berliner Adressbuch von 1904 ist das vereinigte Unternehmen der Berliner Stadtmission unter dem Firmennamen Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt erstmals aufgeführt.

Gliederung des Unternehmens Das Unternehmen wurde im Laufe seiner Geschichte in unterschiedliche Betriebsteile untergliedert, die als Abteilungen mit römischen Zahlen gekennzeichnet wurden: Abteilung I: Buchhandlung der Berliner Stadtmission; Sortiment- und Versand-Buchhandlung; Verlagsbuchhandlung, Kalenderverlag; Zeitschriftenverlag (u. a. Herausgabe von Frohe Botschaft, die bis 1914 von Pastor Walter Michaels im Verlag von Ernst Röttger in Kassel herausgegeben wurdeWalter Thieme: 50 Arbeitsjahre im Dienste des Glaubens und der Liebe. Jubiläumsschrift der Berliner Stadtmission, Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt, Berlin 1927, S. 224); Anzeigenabteilung; Buchverlag der Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt Abteilung II: Kunstanstalt für Kirchenausstattungen; ursprünglich mit eigenen Werkstätten für Metallwaren, Stickerei, Schneiderei, Tischlerei und Schnitzerei;Führer durch das Kirchliche Berlin, Hrsg.: Geschäftsstelle des Berliner Stadtausschusses für Innere Mission, Verlag von H. J. Müller, Evangelische Buch- und Kunsthandlung (Inhaber: C. Lützkendorf), Berlin, 1904, S. 142. Abteilung III: Buchdruckerei, Stereotypie, Buchbinderei; Spezialität: Werk- und Zeitschriftendruck, Massenauflagen für Kataloge und Prospekte, Illustrations-Rotationsdruck Abteilung IV: Ernst Röttger’s Verlag, der dem gleichnamigen Verleger aus Kassel abgekauft wurde;Walter Thieme: 50 Arbeitsjahre im Dienste des Glaubens und der Liebe, Jubiläumsschrift der Berliner Stadtmission, Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt, Berlin 1927, S. 224 Verlagsort wurde ab 1. Mai 1914 Berlin (Kreuzberg)Adressbuch für den Berliner Buchhandel, Ausgabe 1931, Angaben zu E. Röttgers Verlag, S. 123 Abteilung V: Hochweg-VerlagHochweg-Verlag Verlagsangaben, Stand 1931 (u. a. Herstellung der Zeitschrift Der Hochweg. Ein Monatsblatt für Leben und Wirken von Paul Le SeurWalter Thieme: 50 Arbeitsjahre im Dienste des Glaubens und der Liebe, Jubiläumsschrift der Berliner Stadtmission. Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt, Berlin 1927, S. 224: Die Zeitschrift Der Hochweg erschien erstmals im Oktober 1913.) und wurde im 25. Jahrgang 1938 mit dem bisherigen Verlagsnamen"Der Hochweg-Verlag ist in den Besitz des Westd. Jungmännerbundes GmbH übergegangen"; Mitteilung des Herausgebers, Paul Le Seur, Potsdam, Augustastraße 35, an die Leser, abgedruckt im Septemberheft 1938 eine Verlagsabteilung der Westdeutschen Jungmännerbund GmbH in Wuppertal-Barmen.Adressbuch des Deutschen Buchhandels, 1940, Hundertzweiter Jahrgang, Verlag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zu Leipzig, 1. Abt., S. 632, Stichwort: „Westdeutscher Jungmännerbund G.m.b.H., Wuppertal-Barmen“. Die Abteilung VI entstand 1930 für den im selben Jahr am 1. März gegründeten Verlag Die Brücke.Reinhard Würffel: Lexikon deutscher Verlage vom Anfang der Buchdruckerkunst bis 1945, Adressen – Daten – Fakten – Namen. Berlin 2000, ISBN 3-9803147-1-5, S. 369 f. Verlagsleiter wurde Artur GiesemannAdressbuch für den Berliner Buchhandel 1931, S. 55 zusätzlich zu seinem Wirken als Verlagsleiter der Firmen Hochweg-Verlag, Ernst Röttgers Verlag, Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt. Als Abteilung VII wurde als „Hochweg-Buchvertrieb“ geführt und besorgte den Vertrieb der noch von der Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt gedruckten Werke.

Schließlich wurde der Verlag „Die Reformation“ der Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt zugeordnet.Reinhard Würffel: Lexikon deutscher Verlage vom Anfang der Buchdruckerkunst bis 1945, Adressen – Daten – Fakten – Namen. Berlin 2000, ISBN 3-9803147-1-5, S. 370 Dort erschien „Die Reformation“ mit dem Zusatz: „Deutsche Evangelische Kirchenzeitung für die Gemeinde“,Evangelisches Zentralarchiv Berlin Bibliothek; die von Stadtmissions-Pfarrer Ernst Bunke (* 1866; † 1944) herausgegeben wurde. Der zeitweilige Mitherausgeber, der Theologe Wilhelm Philipps (* 1859; † 1933), hatte 1932 im Verlag „Die Reformation“ seine „Erinnerungen an Stoecker“ veröffentlichtEvangelisches Zentralarchiv Berlin Bibliothek; und der Verlag nahm im Anhang den Beitrag „Die Familie Stoecker“ von Reinhard Mumm (* 1873; † 1932) auf.

Das Adressbuch des deutschen Buchhandels für 1932 wies für die Verlage jeweils eigene Abteilungen aus: Abt. IV Ernst Röttgers Verlag; Abt. V Hochweg-Verlag und -Buchvertrieb; Abt. VI Verlag Die Brücke und nannte als Inhaber des Unternehmens Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt den Verein für Berliner Stadtmission sowie als Geschäftsleiter für alle Abteilungen Wilhem Neumann und als Prokuristen Max Bartos sowie als Bevollmächtigten Ernst Zabel.Adressbuch des Deutschen Buchhandels 1932. Vierundneunzigster Jahrgang, Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, 1. Abteilung, S. 636 unter „Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt., Berlin SW 61“ Nach der Überführung in die Rechtsform GmbH und einer Umstrukturierung gliederte sich die Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt G.m.b.H. in folgende Abteilungen: Abt. I Sortiment; Abt. II, Kunstanstalt für Kirchenausstattungen, Abt. III Buchdruckerei, Abt. IV Verlagsabteilung: Ernst Röttgers Verlag, Hochweg-Verlag und -Buchvertrieb sowie Verlag Die Brücke, für die Wilhem Neumann als Geschäftsführer verantwortlich war.Adressbuch des Deutschen Buchhandels 1938. Hundertster Jahrgang, Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, 1. Abteilung, S. 598 unter Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt G.m.b.H. Berlin SW 61 Ab 1938 übernahm der Hochweg-Buchvertrieb den Absatz von Büchern auch in Kommission, z. B. Arthur Bachs Große Soldaten und Christen von der Zeit des Großen Kurfürsten bis in unsere Tage.Hinweis auf dem Titelblatt von Große Soldaten und Christen. Die Voranzeige auf dem Buchrücken für Band II dieser Reihe, dessen Erscheinen für Herbst 1938 angekündigt wurde, benannte Kraft und Licht in Berlin-Treptow als den herausgebenden Stadtmissions-Verlag.

Postkarten Die Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt stellte bald nach ihrer Gründung neben Büchern auch Ansichtskarten her mit der Anschrift ihres Firmensitzes in Berlin und dem urheberrechtlichen Hinweis „Nachdruck verboten“.z. B.: Postkarten vom brandenburgischen Albrechtsberg; abgestempelt in Oderberg (Mark) am 9. April 1914 zwischen 5 und 6 Uhr vormittags. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges druckte die Vaterländische Verlags- und Kunstanstalt erstmals Postkarten mit 20 verschiedenen Aussprüchen des Kaisers Wilhelm II.„Kaiserworte“ auf der „Bildseite“ gedruckt und herausgegeben von der Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt mit ihrem Herstellervermerk auf Anschriftenseite; Ansichtskarten-Lexikon Einer der abgedruckten Aussprüche lautete: "Diejenige Nation, die das geringste Quantum von Alkohol zu sich nimmt, die gewinnt."Bildpostkartensammlung der Universität Osnabrück; Sammlung Professor S. Giesbrecht In der Weimarer Republik gehörte zur Vaterländischen Verlags- und Kunstanstalt eine besondere „Abteilung Lichtbilder- und Postkartenverlag“Beschreibung zu der Postkarte: Oderberg, Malerwinkel in Oderberg i. M.; im Besitz vom Binnenschifffahrtsmuseum Oderberg; Stand der Information 29. Dezember 2015 Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Berliner Stadtmission 1927 wurden Jubiläumskarten von Matthäus Schiestl mit einem Schmuckrahmen und dem Logo der gemeinnützigen Gesellschaft Für Christliche Kunst München/GFCHKM gedruckt, deren Reinerlös den Wohlfahrtseinrichtungen der Berliner Stadtmission zugutekamen.Gedruckter Hinweis auf den Jubiläumskarten mit Motiven von Matthäus Schiestl – Sammlung Schudi 45 Der Schriftführer des Stadtmissionsvorstandes Pfarrer Richard Kindler (* 1874; † 1964) nutzte noch Anfang der 1930er Jahre solche Jubiläumskarten für Danksagungen, deren Text in Kursivschrift auf der Anschriftenfeldseite nachträglich in den Schmuckrahmen farbig eingedruckt und als Post-Drucksache an die Unterstützer versandt wurde.

Leitende Mitarbeiter Ein geistlicher Inspektor wurde Bevollmächtigter des Vorstandes gegenüber dem Unternehmen, er wurde jedoch nicht mehr selbst – wie zuvor noch Ernst Evers – mit der Geschäftsführung betraut.