Matilde [di] Shabran, o sia Bellezza e cuor di ferro (dt.: Mathilde [von] Shabran, oder Schönheit und Herz von Eisen; auch: Corradino) ist eine Oper (Originalbezeichnung: „melodramma giocoso“) in zwei Akten von Gioachino Rossini (Musik) mit einem Libretto von Jacopo Ferretti. Die Uraufführung fand am 24. Februar 1821 im Teatro Apollo in Rom statt.

Handlung

Die Handlung der Oper ist komplex und teilweise unsinnig. Die männliche Hauptfigur Corradino ist ein gefürchteter Frauenhasser, der seine Burg mit drastischen Mitteln gegen alle Eindringlinge verteidigt. Zu seinen Leuten gehören der Turmwächter Ginardo und der Arzt Aliprando. Dem Dichter Isidoro gelingt mit Unterstützung der beiden dennoch die Aufnahme. Corradino hat Edoardo, den Sohn seines Feindes Raimondo Lopez, gefangen genommen. Nach dem Tod ihres Vaters, eines alten Waffengenossen Corradinos, findet auch Matilde di Shabran in seiner Burg Zuflucht. Sie versucht sofort, Corradino zu bezirzen – sehr zum Missfallen der Contessa d’Arco, die ebenfalls ein Auge auf ihn geworfen hat. Corradino ist verärgert über die beiden unerwünschten Frauen und befiehlt, Matilde zu bewachen. Es gelingt ihr aber schnell, sein Herz zu rühren und sein Vertrauen zu gewinnen. Um seinen Sohn zu befreien, unternimmt Raimondo einen bewaffneten Angriff auf die Burg. Er wird zurückgeschlagen. Unterdessen gelingt Edoardo die Flucht – durch einen Verrat Matildes, wie alle glauben. Corradino verurteilt sie zum Tode. Ausgerechnet Isidoro soll sie einen Felshang hinabstürzen. Er täuscht die Hinrichtung jedoch nur vor und lässt sie frei. Matilde trifft auf Edoardo, und gemeinsam entdecken sie den wahren Grund für seine Freilassung: eine Intrige der Contessa, die sich auf diese Weise ihrer Rivalin entledigen wollte. Nun von Matildes Unschuld überzeugt, bittet Corradino sie um Vergebung und ihre Liebe. Matilde akzeptiert unter der Bedingung, dass er sein Verhalten ändert und sich mit Raimondo versöhnt.

Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Libretto der römischen Urfassung von 1821.

Erster Akt

Gotischer Vorhof eines alten Schlosses

Im Hintergrund ein offenes Gittertor, das zum Wald führt; auf der rechten Seite ein Turm mit einer Tür; links in der Mitte eine Treppe zu Corradinos Wohngebäude. Der Vorhof ist mit marmornen Kriegstrophäen geschmückt, von denen zwei Aufschriften tragen: „Ungerufen hier zu nah’n bringt den Tod für Jedermann“ und „Durst und Hungers der erbleichet wer die Ruhe hier verscheuchet.“Übersetzung der Textstellen anhand der Wiener Fassung von 1822.

Szene 1. Die Landbewohner unter der Führung Egoldos treten auf, um dem Schlossherrn Corradino ihre Abgaben zu leisten (Introduktion „Zitti; nessun qui v’è“). Der hat einen üblen Ruf als gefürchteter und stets bewaffneter Sonderling. Sein Schloss allerdings gefällt den Landleuten. Der Arzt Aliprando weist sie auf die Warntafeln hin. Die Wahrheit sei allerdings noch viel schlimmer, denn Corradino hasse alle Frauen. Er sei ein Teufel mit einem Herz aus Eisen. Als kurz darauf eine Glocke das Nahen des Gefürchteten ankündigt, fliehen alle. Aliprando bleibt mit dem Torwächter Ginardo zurück, der sich um einen neuen Gefangenen kümmern muss: Edoardo, den einzigen Sohn von Corradinos Feind Raimondo Lopez.

Szene 2. Der verarmte Poet Isidoro singt ein Lied zur Gitarre (Cavatine: „Intanto Erminia fra le ombrose piante“), das er aber schnell beendet, da er von Hunger geplagt wird. Er verliert seine Hoffnung auf gute Aufnahme im Schloss, als er die Warntafeln liest.

Szene 3. Ginardo warnt Isidoro vor dem Schlossherrn. Nur eine schnelle Flucht könne ihn noch retten. Aber schon erscheint Corradino und stellt Isidoro zur Rede (Quartett: „Alma rea! Perché t’involi?“). Da er nicht an poetischen Schmeicheleien interessiert ist, soll Isidoro auf der Stelle sterben.

Szene 4. Aliprando bittet Corradino um Gnade für den Dichter, da sie sich nicht auf dem Schlachtfeld befinden und Isidoro wehrlos sei. Corradino meint, man könne schon an seinem Gesicht erkennen, dass es sich um einen Verbrecher handle. Er lässt ihn in den Kerker werfen. Aliprando kann Isidoro noch zuraunen, dass er versuchen werde, ihn zu retten. Nachdem Isidoro abgeführt wurde, berichtet er Corradino, dass dessen kürzlich im Krieg gefallener Gefolgsmann Shabran sich mit seinen letzten Worten gewünscht habe, dass seine Tochter Matilde in der Burg aufgenommen werde. Corradino kann diesen Wunsch nicht abschlagen, bestimmt aber, dass Matilde sich ihm nie ohne seinen ausdrücklichen Wunsch zeigen dürfe. Er befiehlt Ginardo, Edoardo vorzuführen.

Szene 5. Ginardo bringt den gefesselten Edoardo aus dem Turm und zieht sich in das Schloss zurück. Edoardo weigert sich entschlossen, sich Corradino zu unterwerfen. Seine Tränen gelten allein seinem verstorbenen Vater (Cavatine Edoardo: „Piange il mio ciglio è vero“). Er sei lediglich gefangen worden, weil er zu diesem Zeitpunkt unbewaffnet war. Dieser Sieg sei kein Zeichen von Tapferkeit. Corradino ist beeindruckt von Edoardos Haltung. Auf sein Ehrenwort, nicht zu fliehen, lässt er ihm die Ketten abnehmen.

Prächtige antike Galerie im Palast Corradinos mit Statuen alter Helden und einer Mitteltür

Szene 6. Matilde tritt mit Aliprando ein. Sie will alle denkbaren Liebeskniffe aufbieten, um Corradinos Herz zu erobern. Aliprando glaubt nicht, dass sie damit Erfolg haben kann (Duett: „Di capricci, di smorfiette“). Dessen einzige Schwäche sei seine Hypochondrie. Nur wenn er von Furcht vor einer Krankheit geplagt werde, könne man ihn beeinflussen.

Szene 7. Ginardo meldet die Ankunft der Contessa d’Arco, die in Matilde eine Rivalin sieht, weil sie selbst einst Corradino als Grundlage für einen Friedensschluss versprochen war. Corradino hatte sich der Hochzeit jedoch mit der Begründung verweigert, nur eine völlig geistlose Frau heiraten zu wollen. Dass sie sein Schloss dennoch betreten darf, ist als Zeichen von Corradinos Verachtung zu werten, nicht seiner Gunst.

Szene 8. Die Contessa wirft Matilde einen verächtlichen Blick zu und fängt an, sie zu schmähen. Matilde kontert in gleicher Weise. Ginardo und Aliprando gelingt es nicht, die beiden zu besänftigen. Von dem Lärm belästigt, erscheint Corradino. Er ist empört, gegen sein Gebot gleich zwei Frauen vorzufinden. Die beiden lassen sich jedoch nicht abschrecken, und Matilde fordert unbeeindruckt einen Handkuss als Zeichen seines Respekts gegenüber einer Dame. Corradino ist verwirrt über diese Reaktion und fühlt sein Herz „verändert“. Das entgeht auch den anderen nicht. Die Contessa allerdings kann ihre Eifersucht kaum bändigen (Quintett: „Questa è la dea? Che aria!“). Kaum dass er sich einigermaßen wieder gefangen hat, befiehlt Corradino Ginardo, Matilde zu beaufsichtigen. Sie bleibt dennoch zuversichtlich, dass er ihr verfallen werde. Corradino zieht mit den Wachen ab.

Szene 9. Der Streit zwischen Matilde und der Contessa entflammt erneut. Beide entfernen sich trotzig.

Szene 10. Immer noch durch seinen Gefühlsausbruch verwirrt, verlangt Corradino von Aliprando ein Gegenmittel. Aliprando erklärt ihm, dass gegen die Liebe keine Medizin hilft (Cavatine: „Giove un dì fremendo in collera“).

Szene 11. Nachdem sich Aliprando entfernt hat, grübelt Corradino über dessen Anspielung nach. Er kann sich nicht vorstellen, der Liebe verfallen zu sein – eher handele es sich um Zauberei. Er lässt den mutmaßlich schuldigen Isidoro von den Wachen holen, um ihn deswegen zur Rede zu stellen.

Szene 12. Das Gespräch wird durch die Ankunft Ginardos und Matildes unterbrochen. Matilde zeigt nun Reue für ihr voriges Verhalten. Ihre Verliebtheit, in die sie beim Anblick von Corradinos kriegerischem Anblick gefallen war, sei nur ein Traum gewesen. Corradino bemerkt, dass Isidoro immer noch anwesend ist und schickt ihn mit Ginardo zurück zum Kerker. Die beiden gehen jedoch nur zum Schein. Sie verstecken sich, um das weitere Geschehen zu beobachten.

Szene 13. Corradino fühlt seinen Widerstand schwinden. Seine einzige Hoffnung scheint darin zu bestehen, Matilde schnellstmöglich aus dem Schloss zu entfernen. Matilde dagegen bleibt siegesgewiss bei ihrer Entschuldigungs-Taktik (Finale I: „Ah! Capisco: non parlate“). Corradino gerät vollends in Verwirrung und erklärt ihr schließlich selbst seine Liebe. Dabei gelingt es Matilde, ihn zum Ablegen seiner Rüstung und seiner Waffen zu bewegen – was Isidoro und Ginardo amüsiert von der Seite kommentieren.

Szene 14. Eine Glocke erklingt, gefolgt von Trommelklängen. Aliprando erscheint und erblickt überrascht die abgelegten Waffen seines Herrn auf dem Boden. Der eigentliche Grund seines Kommens ist jedoch die Nachricht, dass Raimondo Lopez mit seinem Heer naht, um seinen Sohn Edoardo zu befreien. Matilde selbst überreicht Corradino seine Waffen, damit er seine Leute in den bevorstehenden Kampf führen kann.

Vorhof im Schloss

Szene 15. Nach einem kriegerischen Marsch eilt Edoardo beunruhigt über die Szene. Gleichzeitig ziehen die von Rodrigo geführten Truppen seines Vaters an, um sich zum Kampf vorzubereiten. Corradino, Matilde, Aliprando und die Contessa kommen aus dem Schloss. In ihrer Mitte befindet sich Isidoro mit einer Fahne in der Hand, der Gitarre auf dem Rücken und Schreibzeug, um das Geschehen als frisch ernannter Hofdichter für die Nachwelt zu dokumentieren. Corradino ruft Edoardo zu, dass er sein Vater töten werde. Edoardo will erschüttert zu diesem eilen. Als Matilde Mitgefühl mit ihm zeigt, erweckt sie die Eifersucht Corradinos – was wiederum die Contessa Hoffnung schöpfen lässt. Matilde wünscht Corradino den Sieg. Er möge aber anschließend Gnade walten lassen und in ihre Arme zurückkehren. Corradino überträgt ihr den Schutz seines Hauses, warnt sie jedoch davor, ihn zu verraten. Corradino und seine Männer ziehen in den Kampf. Das Schlusswort des ersten Akts obliegt Isidoro. Er feuert die Kämpfer an, hält sich aber zugleich zur Flucht bereit.

Zweiter Akt

Weite mit Bäumen besetzte Ebene

Szene 1. Isidoro schreibt unter einem großen Baum an der Kriegshistorie, in der er selbst die Rolle eines großen Kämpfers spielt (Introduktion: „Settecento ottanta mila“). Als die Landleute den Sieg Corradinos rühmen, liest er ihnen vor, wie er selbst praktisch im Alleingang die Feinde geschlagen habe. Die Zuhörer glauben ihm kein Wort. Der nachträglich eingetroffene Ginardo erklärt, dass die Gegner sofort den Rückzug angetreten hätten, als sie die Truppen Corradinos bemerkt hatten. Isidoro lässt sich dadurch nicht beirren.

Szene 2. Aliprando trifft mit den Kämpfern ein und erzählt Isidoro, dass Corradino sich allein auf die Suche nach Raimondo begeben habe, um ihn zum Zweikampf herauszufordern. Sie beschließen, zum Schloss zurückzukehren, um Matilde zu beruhigen.

Szene 3. Edoardo wurde freigelassen – scheinbar auf Veranlassung Matildes. Er verabschiedet sich dankbar vom Gefängniswärter Udolfo und macht sich auf die Suche nach seinem Vater.

Szene 4. Der geschlagene und von seinen Leuten im Stich gelassene Raimondo klagt über den Verlust seines Sohnes (Cavatine: „Sarai contenta alfine, revolubil fortuna!“). Beide sind erleichtert, als sie im Wald aufeinandertreffen.

Szene 5. Corradino entdeckt die beiden und fordert Raimondo zum Zweikampf. Als er erfährt, dass Edoardo seine Freilassung Matilde verdankt und dieser in den höchsten Tönen von ihr schwärmt, stürmt er zornig davon (Terzett: „Deh! serena il mesto ciglio“).

Galerie im Schloss Corradinos

Szene 6. Die Contessa frohlockt über Edoardos Flucht, die sie selbst durch Bestechung in die Wege geleitet hatte. Der Verdacht muss nun zwangsläufig auf Matilde fallen. Als sich diese nähert, schwelgt sie in Vorfreude auf ihren baldigen Fall.

Szene 7. Isidoro prahlt vor Matilde und der Contessa mit seinen Heldentaten in der Schlacht, in der er 60.000 Gegner getötet haben will. Aliprando und Ginardo berichten den tatsächlichen Ablauf. Sie sorgen sich um Corradino, der im Wald nach Raimondo suchen wollte, um diesen zum Duell zu fordern. Aber schon verkünden Trommeln seine Rückkehr.