Purpurhandschriften (lat. Codex purpureo-argenteus) sind Handschriften auf Pergament, das mit Purpur eingefärbt ist. Die Texte waren in großer Unzialschrift mit Gold- oder Silbertinte geschrieben. Die herausragendsten Exemplare sind der Codex Argenteus, die Wiener Genesis, der Psalter von St. Germain des Prés, der Codex Petropolitanus Purpureus und das Cotton MS Titus C. xv.
Geschichte Purpur war im Altertum und in der Antike ein kostbarer Farbstoff. Er wurde vor allem im Mittelmeerraum produziert (Purpurfärberei im Römischen und Byzantinischen Reich). Purpur wird in der Bibel in Verbindung mit dem Tabernakel (Exodus 35:35) und der Kleidung von Königen erwähnt (Richter 8:26). Die Götter der Babylonier trugen purpurfarbene Kleidung. Laut Homer trugen nur Fürsten purpurrot.
In Plinius’ Naturgeschichte ist das Purpurfärben von Pergament noch nicht erwähnt. Die ersten Bücher auf purpurfarbenem Pergament (vellum) werden für die Zeit des Kaisers Maximus Caesar Anfang des 3. Jhs. erwähnt, waren aber bis Anfang des 4. Jhs. rar und meist nur Evangelien fürstlicher Bibliotheken vorbehalten. Sie enthielten zum Teil farbige Miniaturen. Der Hl. Isidor kannte die Pergamentfärbungen weiß, safrangelb und purpurrot.
Anfang des 9. Jh. ging die Kunst des Pergamentfärbens verloren und man sieht seither nur noch bräunlich verfärbte Handschriften. Silberne Buchstaben waren auf dem dunklen Pergament gut lesbar, haben sich aber oft durch Beschlagen schwarz verfärbt. Das Wissen um die Herstellung metallischer Tinten (vermutlich mit Königswasser) war zu Beginn des Mittelalters in Byzanz und im Orient verbreiteter als im Westen.
Im europäischen Mittelalter wurden Purpurkodizes nur noch zu sehr bedeutenden Anlässen angefertigt (Wiener Krönungsevangeliar). Vom 9. bis ins 12. Jahrhundert sind in Deutschland und Italien auch Purpururkunden erhalten, die sich wohl an byzantinischen Vorbildern orientieren.
Purpurhandschriften Abbildung Bezeichnung Datierung Ort Bemerkungen Bibliothekcenter|120pxCodex Vercellensis4. JahrhundertEvangelien in lateinischer SpracheVercelli, Biblioteca Capitolarecenter|120pxCodex Veronensis4. oder 5. JahrhundertEvangelien in lateinischer Sprache Verona, Biblioteca Capitolare Purpurevangeliar von Trient („Evangelium Palatinum“)4. oder 5. JahrhundertEvangelien in lateinischer Sprache Trient, Castello del Buonconsiglio Ms. 1589 (ehem. Wien, Österreichische Nationalbibliothek Cod. 1185); je ein Blatt in Dublin, Trinity College MS 1709 und London, British Library Add. MS 40107center|120pxCodex Argenteus um 500/510NorditalienBibel in gotischer Sprache (Wulfilabibel)Uppsala, Universitätsbibliothekcenter|120pxCodex purpureus Rossanensis 6. JahrhundertByzantinisches ReichEvangelien in griechischer Sprache mit Miniaturen Rossano, Museo diocesanocenter|120pxCodex Sinopensis 6. JahrhundertByzantinisches ReichEvangelien in griechischer Sprache mit Miniaturen Paris, Bibliothèque nationale Ms. Suppl. Gr. 1283center|120px Codex Petropolitanus Purpureus6. JahrhundertByzantinisches ReichEvangelien in griechischer Sprache mit Miniaturen St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek; Einzelblätter in anderen Bibliothekencenter|120pxCodex Beratinus 16. JahrhundertByzantinisches ReichEvangelien in griechischer Sprache ohne Illustrationen, Weltdokumentenerbe Tirana, NationalarchivUnzial 0806. JahrhundertByzantinisches Reichzwei Blätter einer griechischen Evangelienhandschrift, nur mit goldener TinteSt. Petersburg, Russische Nationalbibliothek Gr. 375,3; Alexandria, Griechisch-Orthodoxes Patriarchat Ms. 496 center|120pxCodex Brixianus6. JahrhundertItalien?Evangelien in lateinischer SpracheBrescia, Biblioteca QuerinianaCodex Neapolitanus Latinus 36. JahrhundertItalien?Evangelien (Fragment) in lateinischer SpracheNeapel, Biblioteca Nazionale Lat. 3center|120pxWiener Genesis6. JahrhundertByzantinisches ReichGenesis in griechischer Sprache mit MiniaturenWien, Österreichische Nationalbibliothek cod. theol. gr. 31Psalterium Turicense purpureum (Zürcher Purpurpsalter)6./7. JahrhundertByzantinisches ReichPsalter und Cantica in griechischer SpracheZürich, Zentralbibliothek RP1center|120pxGodescalc-Evangelistarzwischen 781 und 783AachenEvangelistar in lateinischer Sprache mit MiniaturenParis, Bibliothèque nationale Ms. nouv. acq. lat. 1203Wiener Krönungsevangeliar kurz vor 800AachenEvangeliar, die deutschen Könige leisteten auf ihm den Krönungseid, Teil der Reichsinsignien Wien, Kunsthistorisches Museum, Schatzkammercenter|120pxEvangeliar von Saint-Riquierkurz vor 800AachenEvangeliar Abbeville, Bibliothèque Municipale Ms. 4center|120pxCodex Beratinus 29. JahrhundertByzantinisches ReichEvangeliar in griechischer Sprache mit Miniatur und ornamentalen Verzierungen, Weltdokumentenerbe Tirana, NationalarchivCodex Neapolitanus9. JahrhundertKonstantinopel?Evangelistar in griechischer Sprache mit großen goldenen Unzialen Neapel, Biblioteca Nazionale Cod. Neapol. ex Vindob. 2center|120pxMinuskel 5659. JahrhundertPalästina?Evangeliar in griechischer Sprache mit goldener Tinte St. Petersburg, Russische Nationalbibliothek Gr. 53
Purpurpergamentblätter Einzelne purpurgefärbte Pergamentblätter sind enthalten in
Abbildung Bezeichnung Datierung Ort Bemerkungen BibliothekCodex Aureus von Stockholmum 750Canterbury?Evangeliar, teilweise auf purpurgefärbten PergamentblätternStockholm, Königliche Bibliothek MS A-135center|120pxXantener Evangeliarum 810Aachen?Evangeliar mit einer erhaltenen Miniatur auf einer PurpurpergamentseiteBrüssel, Königliche Bibliothek Ms. 18723center|120pxSchatzkammer-EvangeliarAnfang 9. JahrhundertAachen?Evangeliar mit Miniaturen auf PurpurpergamentblätternAachen, Domschatz
Einzelnachweise
! Kategorie:Literatur des Mittelalters