Die Hüttentalstraße (B 54, B 62, auch als Hüttentalentlastungsstraße bezeichnet, kurz: HTS) ist eine Stadtautobahn im Verdichtungsraum Siegen und Kreuztal in Nordrhein-Westfalen. Sie wurde nach der ehemaligen Stadt Hüttental beziehungsweise nach dem Hüttental, welches mit zahlreichen Hüttenwerken zwischen dem Siegener Süden und dem heutigen nördlichen Stadtgebiet bis Geisweid und Kreuztal-Buschhütten verlief, benannt.
Verlauf Der Streckenverlauf der HTS beginnt an der Anschlussstelle Kreuztal-Krombach, auf der „Krombacher Höhe“. Hier endet die Bundesautobahn 4 und geht lückenlos in die HTS (Bundesstraße 54) über. Der Übergang ist nur anhand der andersfarbigen Beschilderung wahrnehmbar, aber begründet durch die für eine Autobahn zu engen Kurven und das zu große Gefälle hinab nach Kreuztal. Von dieser Anschlussstelle an wird die Hüttentalstraße in Form einer Hochstraße als Bundesstraße 54 bis zur Anschlussstelle Hammerhütte (City-Galerie) geführt, danach (zunächst gemeinsam bereits ab Siegen-Weidenau) weiter Richtung Siegen-Niederschelden als Bundesstraße 62. Sie ist im Bereich der Siegener Innenstadt als stadtbildprägendes Hochbrückenbauwerk aufgeständert und dabei größtenteils vierspurig. Auf kurzen Streckenabschnitten zwischen den Anschlüssen Geisweid und Weidenau, sowie zwischen Stadtmitte und Hammerhütte existieren je Richtung drei Fahrstreifen, wovon die äußeren beiden jedoch als überlange Beschleunigungs- und Verzögerungsspuren für die Anschlussstellen ausgelegt sind. Zwischen den Anschlussstellen Eintracht und Rinsenau existieren in Richtung Niederschelden ebenfalls drei Fahrstreifen, wovon auch hier der äußere als überlange Beschleunigungs- und Verzögerungsspur für die Anschlussstellen ausgelegt ist. Das letzte Teilstück der HTS im Bereich Niederschelden wurde am 2. Dezember 2016 für den Verkehr freigegeben, die Abfahrt Siegen-Eiserfeld als letztes Einzelbauwerk am 11. Mai 2017. Wenn man den Abschnitt von Olpe-Süd bis Krombach mit zur HTS zählt, dann hat sie bis Niederschelderhütte (ohne Anschlussstellen und Abzweige) eine Gesamtlänge von ziemlich genau 30 Kilometer.
Baugeschichte Planung und erste Abschnitte Die ersten Planungen zum Bau einer autobahnähnlichen Straße durch Siegen gab es bereits in den 1960er Jahren, beispielsweise unter Federführung des damaligen Oberbaurats Hans Gemünd. Die ersten Häuser zum Bau der HTS wurden im Juli 1970 in Buschgotthardshütten abgerissen, diesen folgten im November 1971 Häuser in der Austraße in Siegen.Siegerländer Heimatkalender 1973, S. 18/28, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur.
Die Eintrachtrampe an der Siegerlandhalle inklusive der Strecke zur ausgebauten Siegener Autobahnanschlussstelle in der Rinsenau sowie in Weidenau die Brücke über die Ruhr-Sieg-Bahnstrecke in Richtung der alten B 62 (sogenannte Ostrampe) waren die ersten Teilstücke, mit denen 1974 begonnen wurde. Die Verkehrsfreigabe der ersten Teilstrecke von der Siegerlandhalle bis zur Rinsenau erfolgte am 6. Juli 1977.Siegerländer Heimatkalender 1988, S. 18, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur.
Weiterbau der Strecke von Weidenau Richtung Siegen-Innenstadt und Kreuztal Nachdem Ende der 1970er Jahre die ersten Bauwerke fertiggestellt waren, erfolgte bis 1982 der Weiterbau von Weidenau in Richtung der Anschlussstelle Sieghütte und in der Gegenrichtung über den Anschluss Geisweid hinaus bis zu einer provisorischen Abfahrt vor Dillnhütten, wo sich heute eine ATU-Filiale befindet. Mitte der 1980er wurde die Strecke dann von der Sieghütte bis hinter den Siegener Hauptbahnhof verlängert. Sie endete dort auf der vielbefahrenen Freudenberger Straße, welche zur damaligen Zeit noch über die Hufeisenbrücke und den Bahnhofsvorplatz zur Berliner Straße und Kreuzung „Kochs Ecke“ geführt wurde. In Richtung Kreuztal erfolgte der Weiterbau in zwei Abschnitten ab Dezember 1985Siegerländer Heimatkalender 1987, S. 174, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur. mit Freigabe am 31. Oktober 1989 bis BuschhüttenSiegerländer Heimatkalender 1991, S. 174, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur. und Freigabe am 13. Dezember 1991 bis zur Anschlussstelle in Kreuztal.Siegerländer Heimatkalender 1993, S. 176, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur.
Lückenschluss in der Innenstadt von Siegen Am 27. November 1998 konnte die Lücke im Stadtkern von Siegen zwischen den Anschlussstellen Siegen-Stadtmitte und Siegen-Eintracht für den Verkehr freigegeben werden. Mit diesem Lückenschluss wurde gleichzeitig der Teilanschluss aus Richtung Kreuztal an das Parkhaus City-Galerie realisiert (AS Siegen-Hammerhütte). Die Baumaßnahme umfasste auch den Bau des Ziegenbergtunnels hinter dem Siegener Hauptbahnhof und die Verlegung der Freudenberger Straße. Ein erster Versuch, die Lücke in der Innenstadt zu schließen, scheiterte Mitte der 1980er durch großen Widerstand in der Bevölkerung. Es gab unter anderem Hausbesetzungen im Bereich der geplanten Trasse.
Lückenschluss Kreuztal-Mitte/Autobahnkreuz Olpe-Süd Die Fertigstellung des Lückenschlusses A 4/B 54 (HTS) zwischen dem Autobahnkreuz Olpe-Süd und Kreuztal-Mitte erfolgte nach über vier Jahren Bauzeit mit der Verkehrsfreigabe am 1. Dezember 2006.strassen.nrw.de: . 27. November 2006, abgerufen: 29. Januar 2008. Zuvor konnte bereits der „B 54-Abschnitt“ von Kreuztal-Mitte bis zur Anschlussstelle Kreuztal-Krombach inklusive des Abzweigs zur alten B 54 am 23. Juni 2006 inoffiziell freigegeben werden. Der „A 4-Abschnitt“ von Kreuztal-Krombach bis zum Autobahnkreuz Olpe-Süd war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig fertiggestellt. Errichtet wurden sechs Autobahn-Kilometer von Gerlingen in Richtung Osten bis zur Krombacher Höhe sowie im weiteren Verlauf neun Kilometer Bundesstraße bis Kreuztal. Die Trasse führt über acht Talbrücken. Die Baustelle mit einem Gesamtfinanzvolumen von rund 135 Millionen Euro galt als die größte zusammenhängende Straßenbaustelle in Nordrhein-Westfalen im Jahre 2006.
Autobahnkreuz Olpe-Süd Mit der Verkehrsfreigabe des Lückenschlusses Kreuztal-Olpe wurde auch die Beschilderung im Kreuz angepasst. Aus Richtung Dortmund können Verkehrsteilnehmer nun zwischen der A 45 nach Siegen und der A 4-Neubaustrecke nach Siegen-Nord wählen. Aus Richtung Köln wurde die Wegweisung komplett umgestellt. Siegen wird nun als Ziel auf der A 4-Verlängerung ausgewiesen. Ein Abbiegen auf die A 45 ist nicht mehr nötig. Straßen. NRW versucht mit dieser Maßnahme, Verkehr von dem stark belasteten A 45-Teilstück Olpe-Siegen auf die A 4/HTS umzulenken. Anfang 2005 gab es Bestrebungen, das Autobahnkreuz „Olpe-Süd“ (A 45 / A 4) in „Siegen-Nord“ umzubenennen. Als Grund führte die Stadt Siegen an, dass mit der Hüttentalstraße das Oberzentrum Siegen nach Norden hin direkt an das Autobahnkreuz angeschlossen sei.
Das Bundesverkehrsministerium hat jedoch am 1. Februar 2005 einen entsprechenden Antrag der Stadt Siegen abgelehnt, die Sache ist mittlerweile im Sande verlaufen.
Weiterbau Siegen-Süd mini|links|Bauschild auf der ehemaligen HTS-Baustelle in Niederschelden Der Weiterbau als B 62 in südlicher Richtung unter der Siegtalbrücke hindurch mit anschließender Verzweigung nach Siegen-Eiserfeld einerseits und per Bühltunnel nach Siegen-Niederschelden andererseits zur Entlastung der Ortsdurchfahrten und weiter über die Landesgrenze nach Niederschelderhütte in Rheinland-Pfalz zur dortigen B 62 war offiziell seit 29. April 2010 in Bau (Erster Spatenstich). Die Hauptstrecke nach Niederschelderhütte konnte am 2. Dezember 2016 Siegener Zeitung mit Einzelheiten zur Fertigstellung am 28. September 2016 für den Verkehr provisorisch freigegeben werden. Der Abzweig Eiserfeld wurde erst im Frühjahr 2017 als letztes Bauwerk mit fast zwei Jahren Verspätung komplett fertiggestellt. Im Rahmen einer Feierstunde zur Vollendung der gesamten HTS erfolgte die Verkehrsfreigabe durch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und seinen NRW-Landeskollegen Michael Groschek am 11. Mai 2017.
Für den Bau des Bühltunnels wurden im Frühjahr/Sommer 2010 die vorhandenen Hohlräume im Bühlrücken verfüllt. Anschließend begannen im Oktober 2010 im Bereich der Siegtalstraße in Niederschelden die ersten größeren Baumaßnahmen. Der abschließende Kreisverkehr, der die HTS an ihrem neuen Ende mit der bestehenden alten B 62 in Niederschelderhütte verbindet, wurde im Mai 2016 fertiggestellt. Die Arbeiten für die Überbauung des Bahnhaltepunktes Niederschelden Nord erwiesen sich als besonders komplex. Hier waren im Vorfeld noch umfangreiche Absprachen mit der DB Netz AG zu treffen (Streckensperrungen und Abschaltung/Umbau der Oberleitung). Die Problematik der Terminsuche für die Streckensperrungen war neben der verspäteten Fertigstellung des Abzweiges Eiserfeld der Grund des gut einjährigen Bauverzugs, welcher die Fertigstellung der Straße bis Niederschelderhütte und Eiserfeld bis Herbst 2016 verzögerte. Im März 2016 wurde mit der Abschlussbaumaßnahme in der Alten Dreisbach begonnen. Dazu gehörte der Rückbau der bisherigen provisorischen Anbindung der Dreisbachsiedlung sowie die Herstellung der Fahrbahnen vom damaligen Ende bis nach Eiserfeld und die Sanierung der in den 1980er Jahren gebauten Hangbrücke unterhalb der Siegtalbrücke. Die relativ lange Gesamtbauzeit für das etwa drei Kilometer lange Teilstück war, wie schon bei früheren Lückenschlüssen der HTS, auch diesmal wieder durch eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Ingenieurbauwerken begründet. Die Neubaustrecke wird zu rund 50 Prozent auf Brücken oder im Tunnel geführt. Es wurden sieben Straßenbrücken (zusammen 987 m), ein Tunnel (525 m), zehn Stützmauern und eine Fußgängerüberführung gebaut. Die längste Neubaubrücke ist die Brücke Hubenfeld des Abzweigs Eiserfeld mit 553 m Länge.
Verzögerungen beim Weiterbau Siegen-Süd Eine dem Flussverlauf der Sieg folgende Variante ohne Tunnel war am 2. März 1983 gerichtlich gestoppt worden. Da der Bau teilweise schon begonnen hatte, waren noch bis ins Jahr 2015 hinein teilweise stark zugewachsene Bauvorleistungen, insbesondere angefangene Brückenpfeiler, für dortige Spaziergänger zu erkennen.
Nach der Linienneubestimmung im Jahre 1988 und einer Umweltverträglichkeitsstudie Anfang der 1990er Jahre erfolgte 1995 eine Planüberarbeitung hinsichtlich des Bühltunnels, was nochmals eine jahrelange Verzögerung verursachte.