Der Burgstätter Gangzug (historisch auch Burgstädter GangzugHartmann: Taschenbuch für reisende Mineralogen, Geologen, Berg- u. Hüttenleute durch die Hauptgebirge Deutschlands und der Schweiz. 1838, S. 99. oder Bergstädter GangzugDuval: Die drei Bergstädte Andreasberg, Clausthal und Zellerfeld. In: Thüringen und der Harz, mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden., Band 3, 1840, S. 82.) war einer von drei bedeutenden Gangzügen bei Clausthal-Zellerfeld. Im Burgstätter Revier befanden sich die drei bedeutendsten Erzmittel des zentralen Oberharzer Gangreviers.Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 159. 400px|miniatur|Grundriss mit der Lage des Burgstätter Gangzuges

Lage Der Burgstätter Gangzug lässt sich selbst in einen nordwestlichen und einen östlichen Abschnitt unterteilen:Dennert, Sperling, Stoppel: Burgstätter Gangzug. In: Monographien der deutschen Blei-Zink-Erzlagerstätten. Reihe D, Heft 34, 1979, S. 135.

Nordwestlicher Abschnitt Der nordwestliche Abschnitt (der Burgstätter Hauptgang) hat eine Länge von 2,5 km und wurde durch intensiven Bergbau gut erschlossen. Er beginnt über Tage etwa 100 m nordöstlich des ehemaligen Bahnhofs Clausthal-Zellerfeld als östliche Verlängerung des Zellerfelder Gangzuges und erstreckt sich in südöstlicher Richtung bis zum Ostteil von Clausthal, wo er etwa 200 m südwestlich des Mittleren Pfauenteichs endet.Dennert, Sperling, Stoppel: Burgstätter Gangzug. In: Monographien der deutschen Blei-Zink-Erzlagerstätten. Reihe D, Heft 34, 1979, S. 136. Im Bereich der ehemaligen Grube Dorothea scharte sich der Rosenhöfer Gangzug in seiner tauben östlichen Verlängerung mit dem Burgstätter Gangzug, wobei sich die Scharungsachse zur Teufe hin Richtung Osten verlagert.

Östlicher Abschnitt Der östliche Abschnitt wird in der Literatur teilweise nicht benannt oder könnte als östliche Fortsetzung des Rosenhöfer Gangzugs verstanden werden.Dennert, Sperling, Stoppel: Burgstätter Gangzug. In: Monographien der deutschen Blei-Zink-Erzlagerstätten. Reihe D, Heft 34, 1979, S. 151 f. Er beginnt östlich der Scharung mit dem Rosenhöfer Gangzug und erstreckt sich auf einer Länge von 6 km in östliche Richtung bis südlich von Altenau. Dieser Abschnitt ist zwischen dem westlichen Scharungspunkt und dem 1,5 km östlich gelegenen Jägersbleeker Teich gut erschlossen worden. Der restliche Verlauf des Gangzugs wurde nur wenig untersucht.Dennert, Sperling, Stoppel: Burgstätter Gangzug. In: Monographien der deutschen Blei-Zink-Erzlagerstätten. Reihe D, Heft 34, 1979, S. 152.

Geschichte Vor allem vergleichsweise große Silbervorkommen sorgten in der Umgebung der damaligen Zentren des Oberharzer Bergbaus Clausthal und Zellerfeld für einen intensiven Abbau von silberhaltigen Bleierzen. So wurde bereits zwischen 1200 und 1350 zunächst über Tage und später in Tiefen von bis zu 40 Metern Erz gewonnen. Aus dieser Zeit stammt auch der Name des Gangzugs, der sich von „Burgstätte“ ableitet – einem Ringwall in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs Clausthal-Ost, der vermutlich den Bergleuten als Fliehburg diente.

Durch den Schwarzen Tod wurde der Harz ab Mitte des 14. Jahrhunderts weitgehend entvölkert und Bergbautätigkeiten kamen nahezu zum Erliegen.

Wiederbelebung des Bergbaus Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begann Herzog Heinrich der Jüngere, den Bergbau in der Region wiederzubeleben. Die Untersuchungen begannen mit dem Auffahren mehrerer Stollen im Bereich der Grube Engel Gabriel. Zur Ableitung des anfallenden Grubenwassers wurden vermutlich zunächst der Johannesstollen und später der tieferliegende Obere-Jesus-Anfangs-Stollen aufgefahren.Dennert, Sperling, Stoppel: Burgstätter Gangzug. In: Monographien der deutschen Blei-Zink-Erzlagerstätten. Reihe D, Heft 34, 1979, S. 137.

Anschluss an die Wasserlösungsstollen des Zellerfelder Gangzuges Zur Wasserlösung der immer tieferen Gruben auf dem Burgstätter Gangzug waren nach kurzer Zeit tiefer gelegene Wasserlösungsstollen erforderlich. Gleiches war bereits auf dem Zellerfelder Gangzug erkannt worden.Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 167 f. Dazu wurde zunächst der ab 1548 für die östlichen Gruben des Zellerfelder Gangzuges aufgefahrene Frankenscharrn-Stollen bis zu den Gruben des Burgstätter Gangzugs verlängert.

Für den wolfenbüttelschen Oberharz hatte man bereits 1524 begonnen, den Tiefen Wildemann-Stollen in Wildemann fortzusetzen, um so einen tiefliegenden Wasserlösungsstollen für den Zellerfelder Gangzug zu schaffen. Hartes Gestein und mangelnde Bewetterung hatten zur Folge, dass die Arbeiten gestundet werden mussten. Man versuchte ab 1551 durch den Oberen Wildemann-Stollen und anschließend mithilfe des Glückswardstollens die Probleme des Tiefen Wildemann-Stollens zu lösen, scheiterte aber auch dort aufgrund zu harten Gesteins.

Zwanzig Jahre später erfolgte die Wiederaufnahme der Arbeiten am Glückswardstollen, der bis 1606 zur Grube Rheinischer Wein bei Zellerfeld mit Schlägel und Eisen durchgetrieben wurde. Er erhielt dann seinen heutigen Namen 16-Lachter-Stollen, da er 16 Lachter unter dem Frankenscharrn-Stollen lag. Zu seiner Entlastung wurden der 19-Lachter-Stollen, welcher sich 19 Lachter unter dem 16-Lachter-Stollen befindet, und der 13-Lachter-Stollen, der wiederum 13 Lachter unter dem 19-Lachter-Stollen liegt, bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nach Zellerfeld durchgetrieben.

Nach einer Einigung zwischen dem wolfenbüttelschen Oberharz und dem grubenhagenschen Oberharz wurden der 13- und 19-Lachter-Stollen gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Richtung des Burgstätter Gangzuges fortgetrieben und waren Anfang des 18. Jahrhunderts mit den dortigen, wichtigsten Gruben durchschlägig.Jugler: Der oberharzische Silberbergbau am Schluss des J. 1849 und der Ernst-August-Stollen. In: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde., Band 26, Heft 1, 1854, S. 210. Durch das intensive Nutzen von Wasserkünsten und einem gemeinsamen Vorgehen beider Regierungen konnte man bis in Teufen von 200 Metern unter dem 13-Lachter-Stollen fortschreiten.

Über die gesamte Zeit erfolgte ein schrittweiser Zusammenschluss von einzelnen Gruben zu immer größeren Einheiten.

Krisenzeiten 1657 reichte erstmals das Volumen der Eschenbacher Teiche und drei Pfauenteiche nicht mehr zur vollständigen Versorgung der Gruben des Burgstätter Gangzuges mit Aufschlagwasser aus. Die später angelegten Johann-Friedricher und Prinz-Walliser Wasserläufe änderten die Situation kaum.Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 198.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, der den Oberharzer Bergbau fast vollständig zum Erliegen gebracht hatte, war der 13-Lachter-Stollen der tiefste Wasserlösungsstollen für die Gruben im Oberharz. 1709 kam die Grube Dorothea in Ausbeute, die über besonders reiche Erzmittel mit einem Silbergehalt von 0,2 bis 0,3 % (meistens lag dieser Wert zwischen 0,01 und 0,42 %) verfügte. Die benachbarte Grube Caroline folgte 1715 und beide Gruben bauten zirka 150 Jahre lang äußerst erfolgreich auf dem Burgstätter Gangzug, bevor sie Mitte bzw. Ende des 19. Jahrhunderts in Zubuße kamen und geschlossen wurden.Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 12.Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 32. Diese Gruben schienen den Oberharzer Bergbau wiederzubeleben. Der immer größere Wassermangel erforderte den zeitweisen, unwirtschaftlichen Betrieb mit Pferdegaipeln.

Um die Schächte weiter abteufen zu können, kam aber kein neuer Stollen infrage. Stattdessen legte man ab 1732 den Dammgraben an, der zusätzliches Aufschlagwasser aus dem regenreichen Gebiet um den Brocken lieferte.von Groddeck: Uebersicht über die technischen Verhältnisse des Blei- und Silberbergbaues auf dem nordwestlichen Oberharz. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preussischen Staate., Band 14, 1866, S. 277. Der nachfolgende Siebenjährige Krieg und neue technische Probleme sorgten für eine weitere Krise des Oberharzer Bergbaus ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Erst die dreifache Erhöhung des Damms des Hirschler Teichs und der Bau der Huttaler Widerwaage sorgten nach und nach für eine zufriedenstellende Lösung bei der Versorgung mit Aufschlagwasser. Auf diese Weise wurde es möglich, die Schächte tief unter die Sohle des 13-Lachter-Stollens abzuteufen.

100-Lachter-Strecke Etwa 50 m unterhalb des 13-Lachter-Stollens befand sich die 1,5 km lange 100-Lachter-Strecke (oder Hundertlachterstrecke), die von der Grube Englische Treue bis zur Grube Caroline führte und mit allen dazwischenliegenden Gruben verbunden war. Sie wurde teilweise gemauert, was sonst zu der Zeit im Harz eher unüblich war. Zweck dieser Strecke war die gleichmäßige Verteilung von Grubenwasser auf Wasserkünste mehrerer Gruben.Freiesleben: Bemerkungen über den Harz. 1795, S. 48. So hoben die Wasserkünste der Grube Dorothea mit 18 Sätzen von 6 bis 11,5 Zoll Durchmesser und die der Grube Caroline mit 21 Sätzen von 7 bis 12 Zoll Durchmesser ab den 1760er Jahren sämtliches Grubenwasser ihrer Schächte auf die 100-Lachter-Strecke, von wo die Grubenwasser über den Schacht der Grube St. Elisabeth auf den 13-Lachter-Stollen gehoben wurden. Die Wasserkunst der Dorothea konnte in Flutzeiten mit weiteren sechs Helfssätzen ausgestattet werden.Freiesleben: Bemerkungen über den Harz. 1795, S. 128 ff.

Tiefer Georg-Stollen

Gleichzeitig konnte der 13-Lachter-Stollen aber das Volumen von Grubenwassern aufgrund seines zu geringen Querschnittes nicht mehr aufnehmen.Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 170. Dieses Problem wurde durch zwei Hauptquellen im Burgstätter und Rosenhöfer Revier verstärkt.Jugler: Der oberharzische Silberbergbau am Schluss des J. 1849 und der Ernst-August-Stollen. In: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde., Band 26, Heft 1, 1854, S. 220. Um diese Problematik zu lösen, wurde ein neuer und tieferer Erbstollen geplant. Ein Gedanke war für den Burgstätter Gangzug die bereits aufgefahrene 100-Lachter-Strecke bis Altenau an die Oker durchzutreiben. Auf Basis eines Vorschlags des Berghauptmanns Claus Friedrich von Reden und nachfolgenden Unstimmigkeiten über den genauen Verlauf und Streit zwischen dem Einseitigen Harz und dem Kommunionharz wurde am 26. Juli 1777 mit dem Auffahren des Tiefen Georg-Stollen begonnen, wobei Oberbergmeister Georg Andreas Steltzner maßgeblich am finalen Plan und Bau beteiligt war.

Bereits 1799 war der neue Stollen mit allen Clausthaler und Zellerfelder Gruben verbunden. Im Schacht der Grube Caroline befand sich der Tiefe Georg-Stollen zirka 150 Meter unter dem nun enterbten 13-Lachter-Stollen auf einer Teufe von 286 Metern.

Tiefe Wasserstrecke

1803 begann man 115 Meter unter der Sohle des Tiefen Georg-Stollen eine gemeinsame Tiefe Wasserstrecke für den Zellerfelder, Burgstätter und Rosenhöfer Gangzug aufzufahren. Ab 1833 befuhr man eine Strecke von 6570 Metern zwischen dem Caroliner und Schreibfeder Schacht mit Erzkähnen. Dieses Stück hatte kein Gefälle (es war totsöhlig) und das notwendige Wasser wurde durch Dämme auf zirka 1,3 m Höhe gestaut. In der Grube Herzog Georg Wilhelm und Grube Anna Eleonore erfolgte nun der Abtransport der Erze nur noch „blind“. So wurde das abgebaute Erz oberhalb der Tiefen Wasserstrecke in blinde Stürze geschüttet und am anderen Ende in die Schiffskästen verladen. Das Erz wurde schließlich im Silbersegener Schacht zu Tage gefördert.Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2010, S. 176 f.