Unter Briefmarkenfälschung versteht man das Nachahmen von Briefmarken mit betrügerischer Absicht, beispielsweise um diese als echte zu verwenden oder zu verkaufen. Das Fälschen von Postwertzeichen ist gesetzlich verboten.
Man unterscheidet drei Arten von Briefmarkenfälschungen:
Fälschungen zum Schaden der Post Spionage- und Propagandafälschungen Fälschungen zum Schaden der Sammler
Fälschungen zum Schaden der Post Unter Fälschungen zum Schaden der Post versteht man die Nachahmung und Herstellung von postgültigen Briefmarken durch Privatpersonen. Die Fälschungen dienen dazu, das Porto für Postsendungen zu umgehen. mini|Postfälschung der Michel Nr. 920 im Vergleich zur echten Marke Bereits kurz nach der Einführung der ersten Briefmarke am 1. Mai 1840 in Großbritannien tauchten die ersten Ganzfälschungen von Briefmarken auf. Da das Briefporto damals vergleichsweise hoch und die Bedeutung von Briefen ebenfalls größer als heutzutage war, erwies sich das Fälschen von postgültigen Briefmarken durchaus als lukrativ. mini|links|Komplettfälschung einer „Lenin-Marke“ mit fehlerhaftem Geburtsdatum mini|links|Echt gelaufener Brief mit einer gefälschten „Lenin-Marke“ frankiert
Neben Ganzfälschungen postgültiger Briefmarken gibt es auch Teilfälschungen, beispielsweise die Farbänderung durch chemische Mittel sowie die Manipulation der Wertziffern, um Briefmarken höheren Nominalwertes zu imitieren. Weiterhin sehr beliebt war das Verwenden gebrauchter Briefmarken. Dazu setzte man aus zwei (oder mehreren) gebrauchten Stücken in mühevoller Handarbeit eine (dem Anschein nach) ungebrauchte Briefmarke zusammen. Den Federzug oder den Poststempel versuchte man gelegentlich auch durch chemische Mittel zu entfernen. Außerdem konnte man Briefmarken, bei denen nur ein kleiner Teil mit einem Poststempel versehen war, durch eine Originalmarke teilweise verdecken und somit beide gemeinsam verwenden.
Im Jahr 1970 kam es zu einem skurrilen Fall einer Fälschung zum Schaden der Post. Zu dieser Zeit gab die Deutsche Bundespost eine Briefmarke (Mi.Nr. 657) heraus, die den 150. Geburtstag von Friedrich Engels thematisierte. Ein der DKP nahestehender Personenkreis hatte daraufhin die Idee, auch zum 100. Geburtstag Lenins (22. April 1970) eine „Sondermarke“ zu gestalten und diese in Eigenregie drucken zu lassen. Für diese Idee wurde der Banknotenfälscher Horst Baerenz gewonnen, der die Reinzeichnung herstellte. Die Marke wurde anschließend von der DKP-Druckerei in Frankfurt am Main gedruckt. Es wurden einige Briefe mit dieser Komplettfälschung frankiert, die auch anstandslos befördert wurden. Die Fälscher wurden jedoch rasch ermittelt und in einem Gerichtsverfahren zu einer Geldstrafe von 12.000 DM verurteilt.
In den späten 1970er-Jahren traten Fälschungen der 2-DM-Marke der Dauerserie Burgen und Schlösser (Michel Nr. 920) auf, die relativ leicht am unsauberen Druck sowie an der groben Linienzähnung erkennbar waren.
Heute ist das Fälschen von aktuellen, gültigen Briefmarken nicht mehr besonders lohnend: Da die Post ein Vertriebsmonopol hat, kann ein Fälscher kaum eine größere Menge Fälschungen verkaufen ohne aufzufallen. Für den eigenen Bedarf dagegen lohnt sich das Fälschen kaum; zudem ist es durch Sicherungsmerkmale bei Papier und Druckfarbe auch kaum noch möglich.
Trotzdem werden auch aktuell teilweise große Mengen an neueren selbstklebenden Briefmarken gefälscht, die in der Regel aus dem asiatischen Raum stammen. Um einen unauffälligen Absatz der Fälschungen zu gewährleisten, werden teilweise auch die Verpackungen, in denen sich die Rollenmarken befinden, gleich mitgefälscht. Nicht immer gelingt es den automatischen Sicherheitssystemen der Deutschen Post, diese Fälschungen zu erkennen und auszusortieren, so dass Briefe mit Falschfrankaturen durchaus befördert werden können.Fälschung „Vogelwarte Helgoland“, auf jolschimke.de Eine besonders große Menge gefälschter Briefmarken zum Schaden der Royal Mail, deren Quelle in China vermutet wird, kam im Jahr 2024 in Großbritannien in Umlauf.
Berühmte Postfälschungen mini|Vergleich der sogenannten Höchster Postfälschung (links) von 1890 mit einer echten Marke. Im Detail sind die zahlreichen grafischen sowie Zähnungsmängel der Fälschung zu erkennen. mini|Echt abgestempeltes Exemplar der Chemnitzer Postfälschung, 1902 Postfälschungen, besonders aus dem 19. Jahrhundert, sind bei Briefmarkensammlern sehr beliebt. Sie sind in der Regel viel wertvoller als die Originalmarke. Zu den berühmtesten Postfälschungen zählen:
In Deutschland: Chemnitzer Postfälschung Diestel Postfälschung Schweidnitzer Postfälschung Rott’sche Postfälschung Kölner Postfälschung In Österreich: Veroneser Postfälschung Mailänder Postfälschung Andritzer Postfälschung (Portomarken) Rovereto-Postfälschung (Zeitungsstempelmarken) Szigethvar-Provisorium (Ganzsachenauszähnung) Zu den bekannteren Falsifikaten zählt auch die einige Zeit als älteste der Welt angesehene Briefmarke, die sich auf einem Brief des Kärntner Postmeisters Ferdinand Egarter an seine Tochter befand. Während der Brief vom 20. Februar 1839 aus Spittal an der Drau als echt eingestuft ist, erwies sich die verwendete 1-Kreuzer-Hebemarke als gefälscht. Zu ihrer Herstellung wurden organische Farben verwendet; doch zu jener Zeit kamen nur anorganische Pigmente zum Färben zum Einsatz., abgefragt am 13. März 2009
Maßnahmen gegen Postfälschungen Schon früh trafen die Postverwaltungen Schutzvorkehrungen gegen Briefmarkenfälschungen. Diese ähneln den Schutzmaßnahmen gegen Falschgeld. Die Schutzmaßnahmen der Postverwaltungen wurden kontinuierlich fortentwickelt. Zu den wichtigsten Maßnahmen gegen Postfälschungen gehören:
Wasserzeichen Farbiges Papier Faserpapier Lackstreifen Seidenfäden Unsichtbare Geheimzeichen: Unterdrucke Geheimzeichen im Motiv
Kriegspost- und Propagandafälschungen mini|Die Verwendung der Karikatur außen auf dem Brief war nicht vorgesehen. Poststempel "Konstanz 26.4.1945 Kriegspost- und Propagandafälschungen sind Briefmarkenfälschungen kriegsführender Staaten zur Schädigung des Feindes.
Kriegspostfälschungen sind möglichst genaue Imitationen der gegnerischen Freimarken, die unter anderem dazu verwendet werden, Propagandamaterial über Mittelsmänner durch die feindliche Post zustellen zu lassen. Ein Kauf von Briefmarken in großen Mengen durch die Mittelsmänner wäre, vor allem während eines Krieges, dem Feind sofort aufgefallen.
Propagandafälschungen sind dagegen Fälschungen gegnerischer Briefmarken, deren Bild- oder Schriftinhalt propagandistisch verändert oder verfremdet wird, so wurde zum Beispiel der Schriftzug Deutsches Reich in Futsches Reich geändert.
Erster Weltkrieg mini|Kriegspostfälschung Ludwig III. (links). Rechts das Original mini|hochkant|Propagandafälschung Deutsch-Ostafrika Britische Fälschungen für Deutschland mini|links|Probedrucke der Britischen „Germania-Fälschung“, zusammenhängend zu 10 und 15 Pfennig. mini|links|hochkant|„Germania-Fälschung“, 15 Pf. in korrekter Farbe Während des Ersten Weltkrieges wurden von Großbritannien deutsche Freimarken gefälscht. Bei praktisch allen Briefmarkenfälschungen handelt es sich um Spionagefälschungen.
Die Werte zu 5, 10 und 15 Pfennig der damaligen Freimarkenausgabe im Königreich Bayern mit dem Bildnis Ludwigs III. fielen Kriegspostfälschungen zum Opfer. Es sind allerdings nur ungebrauchte Stücke bekannt. Ungezähnte Probedrucke wurden ebenfalls von diesen Fälschungen aufgefunden. Die Kriegsfälschungen weichen in der Zeichnung und im Papier von den Originalmarken ab.
Die zweite deutsche Freimarkenausgabe wurde im Auftrag des niederländischen Propagandaamtes von Großbritannien gefälscht. Sie diente zur Freimachung von Flugblättern und Broschüren in deutscher Sprache. Betroffen sind die Freimarkenwerte zu 10 und 15 Pfennig der Germania-Ausgabe des Deutschen Reiches. Die Zeichnung weicht, wie auch das zu dünne Wasserzeichen und das kalkweiße Papier, von den Originalen ab. Anders als von den vorhergehenden Kriegspostfälschungen existieren hier auch Stücke mit echten Poststempeln von beiden gefälschten Briefmarken.
Bekannt ist auch eine Art von Propagandafälschung, die in der Zeit zwischen 1914 und 1918 hergestellt wurde. Dabei produzierte man Fälschungen von Deutsch-Ostafrika-Marken, die den Aufdruck «G. E. A. BRITISH OCCUPATION» und eine neue Wertangabe in Cent zeigten. Die fünf gefälschten Ausgaben hatten etwa die doppelte Größe der Originalmarken, vermutlich um den Aufdruck in größerer Schrift zeigen zu können. Die Marken sollten offenbar den massiven deutschen Widerstand in der Kolonie Deutsch-Ostafrika relativieren und eine baldige Besetzung des ganzen Gebiets propagieren.
Am 12. Dezember 1914 wurden in der französischen Zeitung «Le Matin» zwei Germania-Marken abgebildet. Eine rote 10-Pfennig-Marke trug den Aufdruck «Schweiz 10 Centimes», eine blaue 20-Pfennig-Marke den Aufdruck «Schweiz 25 Centimes». Im Artikel hieß es, dass noch weitere Germania-Marken mit anderen Wertangaben existieren. Dies sollte offenbar den Eindruck erwecken, die neutrale Schweiz stände kurz davor, von Deutschland besetzt zu werden. Die deutsche Botschaft in Bern sah sich veranlasst, den Artikel zu dementieren und der Zeitung vorzuwerfen, auf eine Fälschung hereingefallen zu sein, was nachträglichen Erkenntnissen zufolge ohne Zweifel der Fall war.
Britische Fälschungen für Österreich-Ungarn mini|hochkant|Kriegsfälschung Kaiser Karl, oben ein Ausschnitt der Originalmarke Kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges wurden in England Kriegspostfälschungen der Werte zu 5, 10 und 25 Heller der damals aktuellen Freimarkenausgabe von Österreich (Ungarn hatte seit dem Ausgleich 1867 eigene Briefmarkenausgaben) hergestellt. Die Briefmarken zeigen die österreichische Kaiserkrone sowie Kaiser Karl. Die gefälschten Freimarken wurden auf etwas gelblicherem Papier gedruckt als die Originale. Außerdem sind die Markenbilder der Fälschungen minimal höher (¼ – ½ mm). Gebrauchte Kriegspostfälschungen sind bis jetzt noch nicht bekannt geworden; es existieren jedoch postfrische Stücke von allen drei Werten sowie Andruck-Proben des 10-Heller-Wertes im Kleinbogenformat in drei verschiedenen Farben mit dem Datumsvermerk 25. September 1918.
Deutsche Fälschungen für Russland mini|links|Vergleich einer echten russischen Wertbriefmarke (oben) mit den deutschen Fälschungen (Mitte und unten) Von 1915 bis 1917 gab die Russische Regierung elf verschiedene sogenannte Wertbriefmarken heraus. Diese wurden auf dünnem Kartonpapier anstelle normalen Briefmarkenpapiers aufgedruckt. Die Absicht der Russischen Regierung war es, diese Wertbriefmarken anstelle von Münzen zu verwenden, um damit Metall zu sparen. Die Rückseite dieser Marken war ungummiert und stattdessen mit einem Text versehen, der übersetzt etwa lautete: „Hat den Gegenwert von Silbermünzen“. Deutschland fälschte die 15- und 20-Kopeken-Marken mit einem originalen Druckstempel, veränderte jedoch den Text der Rückseite in propagandistischer Weise. So druckte man auf die Rückseiten die Texte (übersetzt etwa) „Hat den Gegenwert von wertlosen Silbermünzen“ bzw. „Hat den Gegenwert eines bankrotten, betrügerischen Machthabers“.
Russische Fälschungen während des Russischen Bürgerkriegs mini|Rostow-Marke (Original oben, Fälschung unten)