Ernst Melan (* 16. November 1890 in Brünn; † 10. Dezember 1963 in Wien) war ein österreichischer Bauingenieur und Hochschullehrer. Er war Rektor der Technischen Hochschule Wien.
Leben Ernst Melan studierte an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag Bauingenieurwesen, 1917 promovierte er dort mit einer Arbeit über die Torsion von Umdrehungskörpern. Von 1916 bis 1918 war er bei der k.k. Statthalterei in Graz als Ingenieur tätig, anschließend bei der Brückenbaugesellschaft von Waagner-Biro. 1920/21 arbeitete er am Festigkeitslaboratorium der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, anschließend war er bis 1923 Abteilungsleiter bei Waagner-Biro. 1922 habilitierte er sich an der Technischen Hochschule Wien auf dem Gebiet der Elastizitätstheorie, 1923 wurde er als außerordentlicher Professor für Baumechanik und Festigkeitslehre an die Deutsche Technische Hochschule in Prag berufen.
1925 wechselte er an die Technische Hochschule Wien, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1962 als ordentlicher Professor für Baustatik und Baukonstruktionen des Stahl- und Holzbaues wirkte. In den Studienjahren 1946/47 und 1947/48 war er dort auch Dekan der Fakultät für Bauingenieurwesen, im Studienjahr 1952/53 wurde er zum Rektor der Technischen Hochschule Wien gewählt. In seiner Amtszeit wurde das Wärmekraftlabor am Getreidemarkt wiederhergestellt und das Dachgeschoß des Hauptgebäudes nach den Vorstellungen der Architektur-Fakultät umgebaut.
In seinen wissenschaftlichen Arbeiten befasste er sich neben der Baustatik und der Elastizitätstheorie auch mit der Plastizitätstheorie und Fragen der Thermoelastizität, jeweils unter Verwendung fachspezifischer mathematischer Methoden. In seiner Arbeit Zur Plastizität des räumlichen Kontinuums formulierte er 1938 sein Anpassungstheorem.
Sein Vater war der Bauingenieur Joseph Melan, sein Bruder Herbert Melan (1893–1960) war ebenfalls Professor an der Technischen Hochschule Wien. An der TU Wien wurde im Hauptgebäude am Karlsplatz ein Hörsaal nach Ernst Melan benannt.. Abgerufen am 20. Februar 2016.
Auszeichnungen 1943: Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Prag 1945: Wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1959: Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1960: Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften 1961: Ehrenmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Forschung und Konstruktion im Stahlbau
Publikationen (Auswahl) 1927: Die gewöhnlichen und partiellen Differenzengleichungen der Baustatik, gemeinsam mit Friedrich Bleich, Julius Springer-Verlag Berlin 1938: Zur Plastizität des räumlichen Kontinuums, Ingenieur-Archiv 9 1942: Die genaue Berechnung von Trägerrosten, gemeinsam mit Robert Schindler, Springer-Verlag Wien 1947/50: Der Brückenbau, Band 2–3, Deuticke-Verlag Wien 1950: Einführung in die Baustatik 1953: Wärmespannungen, gemeinsam mit Heinz Parkus
Literatur
Juliane Mikoletzky, Sabine Plakolm-Forsthuber (Herausgeber): Eine Sammlung von außerordentlicher Geschlossenheit/A Collection of Unusual Completeness: Die Rektorengalerie der Technischen Universität Wien/The Gallery of Rectors of the TU Wien. Festschrift 200 Jahre Technische Universität Wien, Band 13, Wien, Böhlau-Verlag 2015, ISBN 978-3-205-20113-7, Seite 128 Klaus Stiglat: Bauingenieure und ihr Werk, Ernst und Sohn 2003 Karl-Eugen Kurrer: The History of the Theory of Structures. Searching for Equilibrium, Ernst & Sohn 2018, S. 1031 (Biografie), ISBN 978-3-433-03229-9.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bauingenieur Kategorie:Rektor (Technische Universität Wien) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Wien) Kategorie:Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:Person (Waagner-Biro) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1963 Kategorie:Mann