LOOKSfilm ist eine international tätige deutsche Filmproduktionsfirma bestehend aus mehreren Unternehmen. Sie entwickelt, produziert und vertreibt Dokumentarfilme, Spielfilme sowie Serien für Streaming-Plattformen, Kino und Fernsehen. Die Produktionen entstehen von Anfang an überwiegend in internationalen Koproduktionen. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf historischen, gesellschaftspolitischen und kulturellen Themen.
Das Unternehmen 1995 von Gunnar Dedio in Rostock gegründet, produziert und vertreibt LOOKSfilm an den Standorten Leipzig, Berlin, Hamburg und Magdeburg internationale Serien sowie Dokumentar- und Spielfilme für Streaming-Plattformen, Kino und Fernsehen. Der Schwerpunkt der Produktionen liegt auf internationalen Koproduktionen mit historischem Fokus, aber auch andere Genres und Podcasts gehören zum Repertoire. Zu den langjährigen Partnern zählen unter anderem ARTE, ARD, ZDF, ORF und Netflix.
Zudem betreibt das Haus einen Musikverlag und kooperiert regelmäßig mit Museen, Universitäten, Theatern und Verlagen.
Seit 2011 vertreibt die Produktionsfirma über die Tochtergesellschaft LOOKS International GmbH am Standort Hamburg (früher Hannover) Eigenproduktionen sowie ausgewählte Titel internationaler Produzenten. Der Schwerpunkt des Internationalen Rechtehandels liegt auf dem Genre Geschichte.
Um historische Ereignisse authentisch zu bebildern, arbeitet die Unternehmung mit internationalen Archiven wie Progress Film, Getty Images, Associated Press und Reuters zusammen. Bei vielen der Produktionen werden die Erlebnisse von Zeitzeugen durch private Dokumente, wie Briefe und Tagebücher, Foto- und Filmmaterial erzählt. 2008 wurde eine eigene Archivabteilung gegründet, die von 2011 bis 2016 auch den Vertrieb von British Pathé übernahm.
Der hauseigene Musikverlag verlegt seit 2007 Filmmusik. Seit 2019 gehört Progress Film als Filmverleih und Archiv zu LOOKSfilm.
Produktionen und Formate
LOOKSfilm produziert verschiedene Genres und Formate. Charakteristisch ist der internationale Koproduktionsansatz. Viele Produktionen beschäftigen sich mit historischen oder gesellschaftspolitischen Themen.
Dokumentarfilme
Mit dem Dokumentarfilm Henker – Der Tod hat ein Gesicht (2001) von Jens Becker und Gunnar Dedio wurde eine erste Kinoproduktion produziert. Der Film verarbeitete die persönlichen Zeugnisse der letzten Henker aus Deutschland, der DDR, Frankreich, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien. Ein Traum in Erdbeerfolie – Comrade Couture (2009) porträtiert die Modeszene Ost-Berlins in den 1980er Jahren und wurde international auf Festivals gezeigt.
In Koproduktion mit Les Films d’ici in Paris entstanden Die Wilde Farm von Dominique Garing (2010) und Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit (2011) von Michael Radford, der 2011 im offiziellen Programm des Filmfestivals von Cannes lief. Im Jahr 2014 entstand der Dokumentarfilm Von Caligari zu Hitler von Rüdiger Suchsland, der auf dem Filmfestival von Venedig seine Weltpremiere hatte und seither auf mehr als 30 internationalen Filmfestivals lief.
Weitere Dokumentarfilme sind unter anderem Afghanistan. Unser verwundetes Land (2020), das den Krieg und gesellschaftlichen Wandel Afghanistans aus der Perspektive afghanischer Frauen erzählt und den Grimme-Preis 2021 gewann, Merkel - Macht der Freiheit (2022), ein Porträt der politischen Laufbahn und Entscheidungen der ehemaligen Bundeskanzlerin, Luftkrieg – Die Naturgeschichte der Zerstörung (2022), von Sergei Loznitsa, angelehnt an das Essay „Luftkrieg und Literatur“ von W. G. Sebald, sowie Hannah Arendt. Denken ist gefährlich (2025), ein filmisches Porträt über Leben und Wirken der politischen Theoretikerin.
Dokumentarische Serien
Anlässlich des 15. Mauerfalljubiläums produzierte das Unternehmen 2004 in Kooperation mit ARD, MDR und WDR die erste dokumentarische Serie. Damals in der DDR erzählt persönliche Geschichten aus dem Alltag in der DDR. Durch die Verbindung von individuellen Schicksalen und historischer Präzision erhielt die Serie unter anderem den Grimme-Preis 2005.
Zu den späteren dokumentarischen Serien zählen unter anderem die sechsteilige Serie Colonia Dignidad: Eine deutsche Sekte in Chile (2021, Netflix), die die Geschichte der deutschen Sekte Colonia Dignidad in Chile und ihrer Aufarbeitung behandelt, sowie Afghanistan. Das verwundete Land (2020), das die Geschichte des Landes von den 1970er-Jahren bis zur Gegenwart anhand persönlicher Erlebnisse und umfangreichen Archivmaterials nachzeichnet.
In Dig Deeper – Das Verschwinden von Birgit Meier (2021, Netflix) beleuchtet die Serie die Hintergründe eines realen Kriminalfalls in Niedersachsen.
Warum verbrannte Oury Jalloh? (2024) rekonstruiert den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh im Polizeigewahrsam von Dessau und die bis heute anhaltende öffentliche Debatte um die Ermittlungen und wurde für den Grimme-Preis 2025 nominiert. Mit Vietnam – Geburt einer Nation (2024) widmet sich LOOKSfilm der Geschichte Vietnams im 20. Jahrhundert, von der Kolonialzeit bis zum Wiederaufbau nach dem Vietnamkrieg.
Dokumentarische Dramaserien
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dokumentarischen Dramaserien, die klassische dokumentarische Erzählformen mit szenischen Elementen verbinden. Die historischen Ereignisse werden dabei anhand persönlicher Dokumente, Zeitzeugenberichte und Archivmaterial erzählt und in Spielszenen verdichtet, die exemplarisch individuelle Schicksale nachzeichnen. Diese Form kombiniert dokumentarische Authentizität mit filmischer Erzählweise und prägt viele internationale Produktionen von LOOKSfilm.
14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs (2014) war die erste deutsche Serie, an der Netflix US Lizenzrechte erwarb. Die Serie erzählt die Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Sicht von vierzehn Menschen. Für die Serienproduktion wurde Film- und Fotomaterial aus 71 Archiven und 21 Ländern sowie privates Archivmaterial genutzt und dieses mit Dramaszenen verbunden. Die Serie gehörte bis dahin zu den aufwändigsten jemals in Deutschland koproduzierten Doku-Drama-Formaten und wurde bereits vor der Ausstrahlung weltweit in mehr als 25 Länder verkauft. Die stilistische Erzählweise der dokumentarischen Dramaserie wurde in dieser Produktion begründet und prägt seither die Erzählweise.
Krieg der Träume (2018) ist die Fortsetzung von 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs und eine weitere Serienproduktion über den Weg Europas im 20. Jahrhundert. Krieg der Träume erzählt die Zeit zwischen den Weltkriegen anhand von 13 Schicksalen. Die Serie wurde in der Zeitschrift Rolling Stone unter die Top Ten der beliebtesten deutschen Serien aller Zeiten gewählt. Mit einem Gesamtbudget von über 10 Millionen Euro handelt es sich bis dato um die aufwändigste Produktion. Die Nachfolgeserie Die Spaltung der Welt (2024) erzählt die Zeit von 1939 bis 1961 aus einer internationalen Perspektive mit den Protagonisten Joan Hinton, Wernher von Braun, Golda Meir, Hedwig Höß, Nikita Chruschtschow und Frantz Fanon und wurde für den Grimme-Preis 2025 nominiert. EPD Medien schrieb: „Geschichtsfernsehen vom Feinsten … Der Clou dieser fünf Filmstunden ist die globale Spannweite“.
Kleine Hände im Großen Krieg (2014) von 2014 ist eine dokumentarische Dramaserie für Kinder. Die Folgeproduktion Der Krieg und ich (2018), die acht Kinderschicksale im Zweiten Weltkrieg erzählt, wurde mit dem Goldenen Spatzen 2018 ausgezeichnet. Die Kinderserie Mein Traum. Meine Geschichte (2023) setzt diesen Ansatz fort und wurde 2024 mit dem Prix Jeunesse ausgezeichnet sowie für den Grimme-Preis 2025 nominiert.
Spielfilme
mini|Filmplakat Michael Kohlhaas LOOKSfilm produziert neben dokumentarischen Formaten auch internationale Spielfilme, häufig in Koproduktion mit europäischen Partnern. Der erste Spielfilm war die Verfilmung der Kleist-Novelle Michael Kohlhaas (2013), eine Koproduktion mit Les Films d’Ici unter der Regie von Arnaud des Pallières, mit Mads Mikkelsen und Bruno Ganz in den Hauptrollen. Beim Brüssel Film Festival 2013 erhielt Michael Kohlhaas die Goldene Iris. Der Film lief 2013 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes (Kategorie „Bester Film“) und gewann 2014 den französischen Filmpreis César für den besten Ton und die beste Musik. Von der Deutschen Film und Medienbewertung erhielt Michael Kohlhaas das Prädikat besonders wertvoll.
Weitere Spielfilme sind Licht (2017) von Barbara Albert, das auf dem Leben der blinden Pianistin Maria Theresia Paradis im Wien des 18. Jahrhunderts basiert, sowie Die Sanfte (2017) und Zwei Staatsanwälte (Deux procureurs) (2025) von Sergei Loznitsa, die beide im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes gezeigt wurden.
Biografien und Porträts
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf biografischen Dokumentationen und Porträtreihen über Persönlichkeiten aus Politik, Geschichte und Kultur. Dazu gehören Produktionen der Reihe „Schicksalsjahre“, etwa Angela Merkel – Schicksalsjahre einer Kanzlerin (2021), Donald Trump – Schicksalsjahre eines Präsidenten (2021), Charles – Schicksalsjahre eines Königs (2023) und Dalai Lama – Schicksalsjahre eines Auserwählten (2024).
Darüber hinaus entstanden biografische Filme über historische Figuren wie Lenin – Drama eines Diktators (2012), Selenskyj – Ein Präsident im Krieg (2022) und Mao – Chinas roter Kaiser (2024).
Zu den künstlerischen und intellektuellen Porträts zählen Kollwitz – Ein Leben in Leidenschaft (2017), Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit (2011) und Hannah Arendt: Denken ist gefährlich (2025).
Filmografie (Auswahl) 2001: Henker – Der Tod hat ein Gesicht (Dokumentarfilm, Regie: Jens Becker) 2004: Damals in der DDR (Dokumentarserie, ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis 2005) 2009: Ein Traum in Erdbeerfolie – Comrade Couture (Dokumentarfilm) 2011: Churchills Verrat an Polen (Dokumentation) 2013: Michael Kohlhaas (Kinospielfilm, Regie: Arnaud des Pallières), ausgezeichnet mit dem César 2014 für Beste Musik und Bester Ton 2014: 14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs (dokumentarische Dramaserie, Regie: Jan Peter) 2014: Kleine Hände im Großen Krieg (Dramaserie für Kinder, Regie: Matthias Zirzow) 2014: Die Wahrheit über den Holocaust (dokumentarische Serie, Regie: William Karel) 2015: Erich Mielke – Meister der Angst (Dokumentarfilm, Regie: Jens Becker, Maarten van der Duin) 2016: Geheimes Kuba (Dokumentarische Serie, Regie/Autoren: Emmanuel Amara, Kai Christiansen, Florian Dedio) 2017: Die Sanfte (Kinospielfilm, Regie: Sergei Loznitsa), im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2017 2017: Der Traum von der Neuen Welt (vierteilige dokumentarische Dramaserie, Regie: Kai Christiansen) 2017: Kollwitz – Ein Leben in Leidenschaft (Dokumentation, Regie: Henrike Sandner, Yury Winterberg) 2017: Licht (Kinospielfilm, Regie: Barbara Albert) 2018: Bobby Kennedy for President (Dokumentarfilm, Regie: Dawn Porter) 2018: Krieg der Träume (Dokumentarische Dramaserie, Regie: Jan Peter) 2019: Der Krieg und ich (Geschichtsmehrteiler für Kinder und Jugendliche, Regie: Matthias Zirzow) 2020: Colonia Dignidad. Aus dem Innern einer deutschen Sekte (Dokumentarserie, Regie: Annette Baumeister, Wilfried Huismann) 2020: Afghanistan. Das verwundete Land (Dokumentarische Serie, Regie: Marcel Mettelsiefen, Mayte Carrasco) 2021: Dig Deeper – Das Verschwinden von Birgit Meier (Dokumentarische Serie, Regie/Autor: Nicolas Steiner) 2022: Luftkrieg – Die Naturgeschichte der Zerstörung (Kino-Dokumentarfilm, Regie: Sergei Loznitsa, Special Screening der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2022) 2023: Mein Traum. Meine Geschichte (Dramaserie für Kinder, Regie: Marco Gadge) 2023: Tschernobyl - Die Katastrophe (dokumentarische Serie, Regie: Dirk Schneider, Ariane Riecker) 2024: Die Spaltung der Welt (dokumentarische Drama-Serie, Regie: Olga Chajdas, Frank Devos mit Max Wagner, Lara Mandoki, Meriel Hinsching, Delia Mayer) 2024: Warum verbrannte Oury Jalloh? (Dokumentarische Serie, Regie/Autoren: Bence Máté, Anna Herbst)