Die Landhausstraße – bis 1859 Innere Pirnaische Gasse – führt vom Neumarkt zum Pirnaischen Platz. Sie ist eine Innenstadtstraße im Zentrum von Dresden und gehört zum Stadtbezirk Innere Altstadt.
Lage Die Landhausstraße liegt im Stadtbezirk Altstadt und gehört zur Gemarkung Altstadt I. Sie verbindet den Neumarkt mit dem Pirnaischen Platz und bekam mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche und den Bauarbeiten am Neumarkt um 2010 ihre innerstädtische Bedeutung zurück. Querstraßen sind vom Neumarkt her die Friesengasse rechts ab und die Schießgasse links nach Norden. Bei der Bebauung des Neumarkts wurde an der Südseite zur Moritzgassesiehe dazu Moritzstraße 6. Für 1840 ist die Moritzstraße vom Neumarkt zur Großen Schießgasse und zum Gewandhausplatz mit den Häusern 1–23 notiert. Haus 1 gehört zu Neumarkt 8. Das Adressbuch 1900 nennt die Moritzstraße vom Neumarkt zur Johann-Georgen-Allee. An der linken Seite liege die Häuser 1–21 (ungerade) mit der Friesengasse (5 zu 7), König-Johann-Straße (11 zu 13), Schießgasse (15 zu 17), Maximilians-Allee (19 zu 21). An der rechten Seite liegen 2–20 (gerade) mit den Seitenstraßen König-Johann-Straße (8 zu 8b), Gewandhausstraße (18 zu 20). Die Bauten der Moritzstraße wurden 1945 total, das Eckhaus Neumarkt schwer zerstört. Beim Bau der Ernst-Thälmann-Straße wird sie zu einer Resttrasse hinter dem „Szegedhaus“ (Wilsdruffer Straße 4). und bis an die Rückseite der Bebauung der Wilsdruffer Straße das Quartier IV gebildet, gegenüberliegend das Quartier III zur Rampischen Straße hin. Die Gebäude in Verlängerung der Nordseite in den Neumarkt hinein sind zu diesem adressiert.
Geschichte mini|links|gesüdeter Grundriss der Stadt Dresden 1529 (von Anton Weck – Blick von der Dresdner Elbbrücke zur Stadt)
Die Straßentrasse auf der historischen Führung von Dresden nach Pirna lag bis zur Erweiterung des Stadtgebiets im östlichen Vorortbereich an der Kirche zu Unser lieben Frauen. Diese Führung am frühen Kirchbau bestand wohl bereits im 13. Jahrhundert. Erwähnt wird 1388 die platea Pirnensis, 1391 die Pyrnissche gasse und 1410 die Pirnergasse. Auf der Karte von 1529 liegt die Pirnische Gasse (24) vor dem Frauenthor (G) und trennt sich am Gottesacker (Q) von der Rampschen Gasse (23) nach Südost. 1547 erhielt Moritz die Kurwürde und baute Dresden als Residenzstadt aus. Er erweiterte das Residenzschloss, mit der Verschiebung der Stadtbefestigung wurde der Neumarkt angelegt, 1550 gemeindete er Altendresden ein. Die Wegführung nach Pirna kam innerhalb des Stadtgebiets und 1591 war das Pirnaische Thor der Zielpunkt am Stadtrand. 1760 bei der Beschießung Dresdens im Siebenjährigen Krieg wurde die Bebauung der Pirnaischen Gasse schwer betroffen, worauf (wie in der Umgebung) wieder aufgebaut und neu ausgebaut wurde. Die Bebauung der Pirnaischen Gasse gehörte seither zum barocken Dresden.
Die Pirnaische Gasse zog sich von der Altstadt in die Vorstadt weiter zur Pirnaischen Landstraße. Nachdem das Pirnaische Thor 1820 niedergelegtDresdner Adress-Kalender 1837: Pirnaische GasseKönigl. sächs. concessionirter Dresdner Adress-Kalender 1839 wurde, war ab 1840 die Unterscheidung als „innere“ Pirnaische Gasse üblich. Im Adress-Handbuch 1841 wird zwischen „Pirnaische Gasse (Vst.)“ mit den Wohnhäusern 1–56 auf den Katasterflächen 1221–1332 und „Pirnaische Gasse (Altst.)“ mit den Häusern 1–24 auf den Katasterflächen 151–165 und 184–200 unterschieden. Neben den fünf- und sechsgeschossigen Wohnhäusern ist Nr. 4 und 5 als Commungebäude, das Haus 6 für die Harmoniegesellschaft aufgeführt, für Haus 9 und 11 ist Justizamt eingetragen, auf Grundstück 16 steht das Landhaus der sächsischen Stände. Zudem ist die Adresse Pirnaischer Platz 1 (Vorstadt) mit einem Wohnhaus aufgenommen.Der Eintrag im Dresdner Adress-Handbuch 1840: Pirnaische Gasse, Vor dem Pirnaischen Schlag, Pirnaischer Platz. Im Dresdner Adress-Handbuch 1841 ist auf Seite 318 die Pirnaische Gasse (Altstadt) und Pirnaische Gasse (Vorstadt) aufgenommen, sowie auch Pirnaischen Platz (Altst.). Auf dem Grundriss aus dem Jahre 1855 liegt die Pirnaische Gasse vom Neumarkt zum Pirnaischen Platz, weiterführend als „äußere Pirnaische Gasse“ wird die Neue Gasse gekreuzt zum Pirnaischen Schlag aufgenommen.Stadtplan von Dresden, 1:20 000, Lithographie, um 1855 bei der Deutschen Fotothek 1859 wurde die innere (Altstadt-)Straße nach dem 1774–1775 errichteten Landhaus im Namen geändert. Landhausstraße ist der gegenwärtig noch bestehende Name. Der Name außerhalb der Altstadt wurde „Äußere Pirnaische Straße“.Adreß-Handbuch für die Residenz-Stadt Dresden 1848. Vierte Abtheilung. Verzeichniß sämmtlicher Straßen und Plätze, der Häuser nebst deren Besitzern und (selbständigen) Bewohnern, der Straßen und Cataster-Nummern, der Angabe der Gerichtsbarkeit und der auf den Grundstücken haftenden Steuer-Einheiten: Äußere Pirnaische Gasse in der Pirnaischen Vorstadt (S. 299–302): 1–5: Wohnhäuser, 6: Commungebäude „Der Böhmischen Gemeinde Pfarrhaus“, 7–33: Wohnhäuser, 34: Staatsgebäude: Ehemaliges Accishaus im Parterre mit dem Thor-Contr. Hänisch, 35–46: Wohnhäuser, 47: Commungebäude: Catechetenwohnung, 48–56: Wohnhäuser // Innere Pirnaische Gasse in der Altstadt (S. 302): außer den Wohnhäusern sind besondere Gebäude: 4 und 5: Commungebäude (auch Bureau des Communalgardenausschusses), 6: Harmoniegesellschaft, Staatsgebäude – 9: Justizamt II. Abtheilung, 11: Justizamt I. Abtheilung, 16: Landhaus. Zudem bestehen im Parterre von Haus 1: Weinhandlung, 2: Uhrmacher und Lotterie-Collect., Haus 3: Bäcker, Haus 6: Porzellanhandlung, Haus 7: Juwelier und Weinhandlung Haus 10: ein Wechsel-Comptoir des Banquier Bondi, von Haus 12: ein Hut- und ein Handschuhmacher, in 13: italienische Waarenhandlung, Haus 14: Band- und Zwirnhändler, in 15: Antiquarischen Buch- und Kunsthandlung, in 21: Agentur der Hagelschädenversicherungs-Anstalt in Leipzig, in 22 der „Englische Hof“Im Adressbuch 1860 vom Pirnaischen Platz zum Pirnaischen Schlag Im Adressbuch 1860 (S. 314) ist die Straße erstmals als Landhausstraße „vom Neumarkt bis zum Pirnaischen Platz“ mit den Gebäuden 1–24 aufgenommen.Adreß- und Geschäftshandbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden 1860. II. Abschnitt. Nachweis der Bewohnerschaft der Häuser in alphabetischer Reihenfolge der Straßen, S. 314/315. Die Zählung der Grundstücke ist damals in Hufeisennummerierung mit 1–15 (Nordseite) und zurück von 16–24 an der Landhausseite. Das fünfgeschossige Wohnhaus 15 mit einem Barbier, einem Posamentenhandel und dem Gold-und-Silber-Verkaufslokal ist das Eckhaus mit der Schießgasse 1.Haus 1: viergeschossig am Neumarkt mit Friseur, Hutmacher und Kaufmann im Parterre / 2: fünfgeschossiges Wohnhaus / 3: fünfgeschossiges Wohnhaus mit dreigeschossigen Hintergebäude / 4 und 5 sind fünfgeschossige Commungebäude / 6: im Eigentum der Harmonie-Gesellschaft ist ein viergeschossiges Gebäude mit Hintergebäude / 7: viergeschossig mit Hintergebäude / 8: sechsgeschossiges Haus mit einer Gastwirtschaft im Parterre und der Expedition der K. Staatsanwaltschaft / 9: Staatsgebäude mit dem Kgl. Bezirksgericht der 1. Abth., mit dem Arresthaus-Inspector und seinem Assistenten, einem Hausmann und fünf Gefangenenwärtern, im IV. Stock der Wachtmeister / 10: fünfgeschossiges Haus des Banquiers Bondi und seinem Comptoir im Parterre, Wohnungen im III. und IV. Stock / 11: Staatsgebäude mit dem Kgl. Bezirksgericht der 2. und 3. Abth. mit der Amtsbau-Verwalterei im Eg. / 12–14: fünfgeschossige Wohnhäuser / 15: fünfgeschossig, Ecke Schießgasse / 16: Staatsgebäude: Landhaus, mit Staatsschulden-Casse und -Buchhalterei, K. Brandversicherungs-Commission, K. Landrentenbank- und Alters-Rentenbank-Verwaltung, im III. Stock wohnen Archivar und Aufwärter / 17: fünfgeschossiges Haus der Oberrechnungskammer im II. Stock und Wohnungen / 18: fünfgeschossiges Wohnhaus mit Gewerbe im Parterre / 19: fünfgeschossiges Wohnhaus mit Geschäftslokal im Parterre und Zigarrenhandlung / 20: fünfgeschossig, Geschäftslokal des Schänk- und Speisewirths der im I. Stock wohnt / 21: sechsgeschossig, im Eigentum der Concursmasse des Hoteliers Adolph, Schuhmacher-Verkaufs-Local / 22: British Hotel – Zum engl. Hof, Eigentum wie 21 / 23: fünfgeschossig, im Parterre das Geschäftslokal des Dreschslers aus dem III. Stock / 24: gehört zusammen mit dem angrenzenden Neumarkt 8 dem Apotheker Richter, im Parterre das Verkaufslocal des Schuhmachers Pöthe aus dem IV. Stock. Gleichfalls wird im Adressbuch 1860 die Pirna’sche Straße in Altstadt – Pirnaische Vorstadt „vom Pirnaischen Platz zum Pirnaischen Schlag“ übernommen.
Von den Zerstörungen der Innenstadt beim Luftangriff am 13. Februar 1945 waren die Bauten der Landhausstraße betroffen. Das Landhaus an der Südwestseite war schwer und das Polizeipräsidium an der Nordostseite Ecke Schießgasse wurde als mittelschwer getroffen eingetragen.Schadensplan der Stadt Dresden. Bearbeitet 1945/1946 vom Stadtbauamt Dresden anhand der Grundlagenkarte: Plan von Dresden. Blatt 1 [Altstadt, Neustadt, mit Legende zum Zerstörungsgrad] Nach Behebung der Schäden wurde das Präsidium wieder genutzt, während das Landhaus geraume Zeit als Ruine stehenblieb. Die anderen Ruinen wurden mit dem Ausbau der Ost-West-Magistrale und deren Bebauung zu Beginn der 1950er Jahre beräumt. Mit der fehlenden historischen Bebauung und den umgebenden innerstädtischen Leerflächen verlor die Landhausstraße ihre Bedeutung. Die Aufmerksamkeit zur Bebauung war vom Neumarkt und der Landhausstraße nach Südwesten verschoben. Mit Planungen der 1950er und 1960er Jahre wurde die auf 61 Meter verbreiterte Zentralachse der Ernst-Thälmann-Straße und der Altmarkt mit Wohn- und Geschäftsbebauung zum Stadtzentrum. Das am Ostende dieser Magistrale zum Pirnaischen Platz hin wiederaufgebaute Landhaus wurde zu Beginn der 1960er Jahre als StadtmuseumHomepage des Dresdener Stadtmuseums nutzbar gemacht. Die breitere Straße führte zum Verlust des östlichen Gebäudeteils und des Seitenflügels und so der Symmetrie des Landhauses. Das Grundstück zwischen Schießgasse, Landhausstraße und Pirnaischem Platz wurde dabei zur Seitenstraße aus der Landhausstraße in die Wilsdruffer Straße.Landhausstraße zur Wilsdruffer Straße auf openstreetmap
Mit dem in den 2000er Jahren erfolgten (Wieder-)Aufbau der Frauenkirche und des Neumarktes wurde die restaurierende Gestaltung der Landhausstraße nach historischen Vorbildern begonnen und zum Pirnaischen Platz hin fortgesetzt.
Äußere Pirnaische Straße