Die Niederländisch-reformierte Kirche im südlichen Afrika (afrikaans Nederduitse Gereformeerde Kerk (NGK), (DRC)) ist eine vorwiegend Afrikaans-sprachige evangelische Kirche konservativer, calvinistischer Prägung („Afrikaner Calvinism“) im südlichen Afrika.Charles Villa-Vicencio: Eine allgegenwärtige Häresie: Rassismus und die „englischsprachigen Kirchen“. In: Evangelisches Missionswerk im Bereich der Bundesrepublik Deutschland und Berlin West e. V. (EMW): Bekenntnis und Widerstand. Kirchen Südafrikas im Konflikt mit dem Staat. Missionshilfe Verlag, Hamburg 1983, S. 537 ISBN 3-921620-25-2 Sie nahm 1652 unter den niederländischen Siedlern und Missionaren um Jan van Riebeeck am Kap ihren Beginn und entwickelte sich seit 1824 durch die Errichtung einer eigenen Synode zu einer von der niederländischen Mutterinstitution Nederlandse Hervormde Kerk (NHK) schrittweise unabhängigen Kirche. Ihre maßgeblichen theologischen Grundlagen sind der Heidelberger Katechismus (1563), die Confessio Belgica (1561) und die Lehrregeln von Dordrecht (Synode von Dordrecht, 1619). Der Sitz der Generalsynode befindet sich in Hatfield, einem Stadtteil von Pretoria. Den Namensteil Nederduits (wörtlich aus dem heutigen Niederländisch/Afrikaans übersetzt „niederdeutsch“, in damaliger Bedeutung aber „niederländisch“Marlies Philippa, Frans Debrabandere, Arend Quak, Tanneke Schoonheim & Nicoline van der Sijs: Etymologisch Woordenboek van het Nederlands. Instituut voor de Nederlandse Taal. Leiden, 2003–2009.) führte die Kirche in den Niederlanden bis 1816; in Südafrika ist diese Bezeichnung erhalten geblieben.Peter Dirk Spies: De classis van Tiel, 1579–1816. De gereformeerde kerk in de Nederbetuwe in het spanningsveld van politieke machten en maatschappelijke veranderingen. Diss., Theologische Universiteit van de Christelijke Gereformeerde Kerken in Nederland, Apeldoorn 2017, ISBN 978-94-6345201-4.J. Dane, De vrucht van Bijbelsche opvoeding, Hilversum, 1996, S. 16–17. mini|250px|Niederländisch-reformierte Kirche von 1847 in Franschhoek
Gliederung Die Nederduitse Gereformeerde Kerk gliedert sich in zehn Synoden, neun davon in Südafrika und eine in Namibia. Diese Synoden entsprechen den vormaligen Provinzen in Südafrika bzw. Namibia.English. Nederduitse Gereformeerde Kerk. Abgerufen am 21. April 2023.
Zur erweiterten NGK-Familie gehören zudem in Südafrika:Nederduitse Gereformeerde Kerk: Groter NGK Familie. auf www.ngkerk.net (afrikaans, englisch) Nederduitse Gereformeerde Kerk Verenigende Gereformeerde Kerk in Suider-Afrika (VGKSA) Uniting Reformed Church in Southern Africa (URCSA) Nederduitse Gereformeerde Kerk in Afrika (NGKA) Reformed Church in Africa (RCA) bzw. Charisma Reformed Church in Africa
In anderen Staaten des südlichen Afrikas (in Klammern der Verwaltungssitz): Reformed Church in Zimbabwe (Masvingo, Simbabwe) Swaziland Reformed Church (Piet Retief, Südafrika) Church of Central Africa Presbyterian – Nkhoma Synod (Nkhoma, Simbabwe) Church of Central Africa Presbyterian – Harare Synod (Harare, Simbabwe) Reformed Church in Zambia (Lusaka, Sambia) Dutch Reformed Church in Botswana (Mochudi, Botswana) Egreja Reformada em Moçambique (Vila Ulónguè, Angónia-Tete, Mosambik) Egreja Reformada Evangélica Portugal (Potchefstroom-Noordbrug, Südafrika) Reformed Church of East Africa (Eldoret, Kenia)
Die Nederduitsch Hervormde Kerk van Afrika, ebenfalls eine niederländisch-reformierte Kirche, ist unabhängig davon zu betrachten. Geschichte Bildung Niederländisch-reformierter Gemeinden in der Kapregion Das Wirken der Niederländisch-reformierten Kirche (NHK) in der Kapregion kann seit der Einwanderung niederländischer Siedler im Jahr 1652 verfolgt werden. Diese frühe Entwicklung ging mit dem Ansinnen an in Amsterdam wirkende Geistliche einher, ob aus ihrem Kreis eine Arbeit am Kap möglich sei.Cawood, 1964, S. 16–17 Zwischen 1652 und 1665 waren zu diesem Zweck zuerst Laien tätig. Die Konfirmation und die Abendmahlsgottesdienste erfolgten während dieser Zeit durch Pastoren, die auf ihrer Seereise hier vorübergehend an Land gingen. Seit dem Jahr 1665 wurde ein ständiger Pfarrer in die Kapregion entsandt; so gilt dieser Zeitpunkt als das formelle Gründungsdatum der Kirche auf südafrikanischem Territorium. Während der niederländischen Herrschaft am Kap waren die hier entstandenen Gemeinden den dafür zuständigen Geistlichen in Amsterdam unterstellt. Zusätzlich unterlagen die kirchlichen Strukturen am Kap der kompletten Kontrolle durch die präsente politische Macht der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC). Deren Direktoren entschieden über die Besetzung der Pastorenstellen bzw. die Prediger. Es war nur die reformierte Kirche zugelassen und die hier wirkenden Gemeindepastoren waren Angestellte der VOC.Cawood, S. 17Christoph Marx: Südafrika. Geschichte und Gegenwart. Stuttgart 2012, S. 32.
Im November 1745 berieten die Gemeinden bei einem Treffen (Gekombineerde Kerkvergadering) die Frage einer eigenen Kirchenleitung (Presbyterium). Im Ergebnis dessen verblieb man jedoch im Verbund mit der NHK.
Als die Kapkolonie um 1795 unter britische Herrschaft (siehe auch Kapitulation in der Saldanhabucht) gestellt wurde, geriet das Verhältnis der kapländischen NHK-Gemeinden zur Mutterkirche in den Niederlanden in eine zunehmend komplizierte Situation.
Beginn getrennter Institutionen im 19. Jahrhundert Als Resultat der sich gebildeten Distanz zur niederländischen Mutterkirche beschloss 1824 eine Synode, sich von der Hauptkirche in den Niederlanden abzutrennen.
In dieser Zeit war es im Kapland noch üblich, dass europäische und nichteuropäische Kirchenmitglieder im selben Gebäude gemeinsam Gottesdienste besuchten und zusammen das Abendmahl feierten. Auf einer Synode im Jahr 1829 wurde diese Praxis explizit unterstrichen und mit dem „unfehlbaren Wort Gottes“ begründet.Cawood, S. 26 Es war jedoch üblich, dass die Gruppen getrennte Sitzbereiche in den Kirchen hatten. Zur verbreiteten Praxis gehörte auch die Beteiligung nichteuropäischer Gemeindemitglieder an den Wahlen zur Ausübung von Funktionen in den Gemeindevorständen, die Teilnahme an den Jahresversammlungen regionaler Synoden (Presbyterien) oder die gleichgestellte Mitgliedschaft in obersten Synodalversammlungen. Mit der Zersplitterung der NGK in provinzielle Strukturen veränderte sich die Stellung der nichteuropäischen Gemeindemitglieder schrittweise zu deren Nachteil. Während sie ihre vollen Rechte in der Kapregion noch behielten, führten andere NGK-Gliederungen in den nördlich von ihr befindlichen Gebieten bei den Kirchenfunktionen eine „Rassenschranke“ (color bar) ein, die zu einem Verbot der Ausübung von Kirchenfunktionen führte. Später kam es auch in der Kapkolonie zu solchen separaten Entwicklungen. Ältere Nichteuropäer konnten in den Gemeinden der Weißen verbleiben, sofern sie es wünschten; neue nichteuropäische Mitglieder waren gezwungen, ihr religiöses Leben in den neuen Missionskirchen zu organisieren.Quintin Whyte: Inter-racial Co-operation. In: Ellen Hellmann, Leah Abrahams (Hrsg.): Handbook on Race Relations in South Africa. Oxford University Press, Cape Town / London / New York 1949, S. 651–668, speziell S. 665.
Der Große Treck der Buren ab 1835 förderte die Verbreitung der Nederduitse Gereformeerde Kerk (NGK) im Inland der Kapkolonie und in die bald entstehenden Burenrepubliken. Infolge dieser burischen Migration vollzogen sich auch Veränderungen innerhalb der Kirche.
1852 kam Reverend Dirk Van der Hoff aus den Niederlanden in das Gebiet von Transvaal und gründete 1853 die Nederduitsch Hervormde Kerk van Afrika. In der ersten Verfassung der Südafrikanischen Republik von 1858 bestimmte man diese zur offiziellen Staatskirche. Nicht alle Gemeinden der Nederduitse Gereformeerde Kerk in Transvaal schlossen sich dieser neuen Kirche an. Die Regierung der Burenrepublik betrachtete jedoch den religiösen Einfluss aus der Kapregion skeptisch, da die NHK dort unter starkem Einfluss schottischer Geistlicher stand, diese liberal orientiert und das gespannte Verhältnis zwischen Buren und Nichteuropäern in Transvaal bekannt war.
Als Reaktion auf die Schaffung einer Staatskirche gründete sich auf Initiative eines seit 1858 in Transvaal weilenden niederländischen Geistlichen der Christelijke Afgescheiden Gemeenten, Dirk Postma, eine neue Kirche. Deren Ansinnen richtete sich an Christen, die mit der erheblichen Nähe der Nederduitsch Hervormde Kerk van Afrika zum Staat nicht konform gingen. Postma und weitere Mitglieder der NHK riefen 1859 zur Gründung der Vrije Gereformeerde Kerk (Free Reformed Church) auf und orientierten sich dabei an der religiösen Bewegung Wee Frees in Schottland. Offiziell begründete die Kirche ihre Entstehung aus dem Umstand, dass die anderen niederländisch-reformierten Kirchen (NHK und NGK) sich vom reinen Calvinismus entfernt hätten. Nach ihrem Kirchengründer wurde die südafrikanische Stadt Postmasburg benannt.
Ein 1862 ergangener Richterspruch des Cape Supreme Court bestimmte, dass Repräsentanten von Gemeinden der NGK außerhalb der Kapkolonie nicht an der Cape Synod dieser Kirche teilnehmen dürften. Das führte zur Gründung eigenständiger NGK-Gliederungen im Oranje-Freistaat, in Transvaal und in der Kolonie Natal. In Transvaal gab es mehrfach Versuche, eine Vereinigung zwischen NHK und NGK zu erzielen. Erst als die Hindernisse dafür ausgeräumt waren, fand 1885 eine erste gemeinsame Synode in Pretoria statt. Der neue Name dieses Zusammenschlusses war Nederduitse Hervormde of Gereformeerde Kerk (kurz: Verenigde Kerk, NHGK) und blieb bis 1957 bestehen, danach kehrte man zur Bezeichnung Nederduitse Gereformeerde Kerk zurück. Nicht alle Mitglieder folgten der Vereinigung und fanden sich unter dem Namen Nederduitsch Hervormde Kerk in einer deutlich verkleinerten und nichtunierten Kirche zusammen. Die heutige Kirche dieser Orientierung ist nicht Mitglied der NGK-Gruppe.Webpräsenz der Nederduitsch Hervormde Kerk van Afrika. Auf www.njka.org (afrikaans)
Nachdem 1857 die Cape Synod der NGK mit Kritik an der bisher demographischen Einheitlichkeit des Gemeindelebens konfrontiert wurde, fasste sie widerwillig den Beschluss, unter besonderen Umständen eine separate Priesterweihe und Glaubensverkündigung für nichteuropäische Kirchenmitglieder zuzulassen. Infolge anhaltender Spaltungstendenzen entstand 1881 die Nederduitse Gereformeerde Sendingkerk (Dutch Reformed Mission Church, abgekürzt DRMC), deren Ziel die Verbreitung des christlichen Glaubens innerhalb der Coloured-Bevölkerungsgruppe war.
Ausbildung der Rassentrennungsstrukturen im 20. Jahrhundert Die NGK in der Kapkolonie, in Natal und im Oranje-Freistaat sowie die NHGK von Transvaal pflegten enge Beziehungen untereinander. Schließlich verständigten sie sich 1907 zur Bildung eines Federal Council of Churches (deutsch etwa: Föderalversammlung der Kirchen).