mini|Zauberschale, datiert zwischen 400 und 800, mit jüdisch-babylonisch aramäischer Inschrift, verfasst in hebräischer Quadratschrift(Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz) Jüdisch-babylonisches Aramäisch ist die Form des Aramäischen, die von Schreibern in Babylonien zwischen dem 2. und 12. nachchristlichen Jahrhundert verwendet wurde. Es ist insbesondere als die Sprache des Babylonischen Talmuds (Mischna und Gemara, die im siebten Jahrhundert abgeschlossen wurden) und der geonischen Literatur bekannt, die als die bedeutendsten Kulturgüter der babylonischen Juden betrachtet werden. Die wichtigsten epigraphischen Quellen für den Dialekt sind hunderte von aramäischen Zauberschalen.
Klassifikation Die Sprache ist eng verwandt mit anderen ostaramäischen Dialekten wie z. B. Mandäisch und Syrisch (Edessenisch-Syrisch).Michel Schlesinger: Satzlehre der aramäischen Sprache des Babylonischen Talmuds (= Veröffentlichungen der Alexander Kohut-Stiftung. Band 1). Verlag der Asia Major, Veröffentlichungen der Alexander Kohut-Stiftung, Leipzig 1928, , S. 1 f. Jüdisch-babylonisches Aramäisch ist die Sprachform, die etwa im ersten Jahrtausend n. Chr. von der jüdischen Bevölkerungsgruppe in der historischen Region Babylonien gesprochen wurde (heute südlicher und mittlerer Irak). Wie viele jüdische Sprachen ist sie durchsetzt mit hebräischen Lehnwörtern. Im Babylonischen Talmud ist in dieser Sprache die Gemara verfasst, die älteste Kommentarspalte, die aus den aufgezeichneten Dialogen der Rabbiner in Sura und Pumbedita besteht. Durch die Gemara des Babylonischen Talmuds ist Jüdisch-babylonisches Aramäisch besonders gut überliefert. Andere Teile im Aufbau des Talmud, die ursprünglich zu kommentierende Mischna, die jüngeren Kommentarspalten von Raschi und die übrigen Kommentare (Tosafot) sind dagegen auf Hebräisch verfasst.
Die ursprüngliche Aussprache ist unsicher und wurde mit der Hilfe von verwandten Dialekten, der Lesetradition der jemenitischen Juden und, soweit vorhanden, der irakischen, syrischen und ägyptischen Juden rekonstruiert. Die Bedeutung der jemenitischen Lesetradition wurde von einigen Wissenschaftlern infrage gestellt. Die von heutigen Juden gewöhnlich verwendete Aussprache aramäischer Texte aus der Bibel und dem jüdischen Gebetbuch stellt einen anderen Dialekt dar und ist wenig hilfreich für diesen Zweck.Elitzur A. Bar-Asher Siegal: Introduction to the Grammar of Jewish Babylonian Aramaic (= Lehrbücher orientalischer Sprachen. Sektion 3: Aramaic. Band 3). Ugarit-Verlag, Münster 2013, ISBN 978-3-86835-084-5.
Talmudisches Aramäisch besitzt eher die Merkmale einer Fachsprache zum Studium und für rechtliche Argumentationen, wie z. B. Law French in England oder Jersey Legal French auf Jersey, als dass es als eine umgangssprachliche Muttersprache betrachtet werden kann, und wurde für diese Zwecke noch lange, nachdem Arabisch zur Alltagssprache geworden war, genutzt. Es enthält eine Fülle rechtsphilosophischer Termini, wie beispielsweise tijuvta (aramäisch: תְּיוּבְתָּא ‚Einwand‘) und tequm (aramäisch: תֵּיקוּם ‚Lasst es stehen‘),Yitzhak Frank: The Practical Talmud Dictionary. 2. Auflage, 10. Druck. Ariel United Israel Institutes, Jerusalem 2001, ISBN 0-87306-588-3, S. 254 f. die auch heute noch in juristischen jüdischen Schriften verwendet werden und die auch das moderne Ivrit beeinflusst haben.
Wie andere Formen des Jüdisch-Aramäischen wird auch das Jüdisch-babylonische mit der Quadratschrift geschrieben.
Heute Die Sprache wurde wissenschaftlich erforscht. Kenntnisse der jüdisch-aramäischen Sprache kann man sich an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg aneignen.Hebräische Sprachwissenschaft. In: hfjs.eu, Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, abgerufen am 9. Juni 2017 (Lehrstuhlseite zu Methoden und Inhalten).
Grammatik Die Verb-Konjugationsstämme bestehen aus den Verb-Grundstämmen „Pe'al“ (Aktiv) und „Itpe'el“ (Passiv), den Verb-Kausativ-Stämmen „Af'el“ (Aktiv) und „Ittaf'al“ (Passiv) sowie den Verb-Doppelungs-Stämmen „Pa'el“ (Aktiv) und „Itpa'al“ (Passiv).Max Leopold Margolis: Lehrbuch der Aramäischen Sprache des Babylonischen Talmuds: Grammatik, Chrestomathie und Wörterbuch. Beck, München 1910, S. 52–55.Yitzhak Frank: Grammar for Gemara and targum onkelos: An Introduction to Aramaic [Grammatik der Gemara und des Targums Onkelos. Eine Einführung in das Aramäische]. Ariel Institute, Jerusalem 2011, ISBN 978-1-59826-466-1, S. 18 f: A survey of the aramaic binyanim. Verb-KonjugationsstammBabylon. aramäisch Verb-Konjugationsstammhebräisch Beispiel auf aramäisch deutsche Übersetzung Pe'al Kal/Pa'al er schrieb Itpe'el Niffal es wurde schriftlich festgehalten Af'el Hifil er ließ es verwahren Itaff'al Hofal es wurde verwahrt Pa'el Pi'el Yitzhak Frank: Grammar for Gemara and targum onkelos: An Introduction to Aramaic. Ariel Institute, Jerusalem 2011, ISBN 978-1-59826-466-1, S. 23: Talmud Bavli Aramaic. er heiligte Itpa'al Nitpa'al geheiligt werde sein großer Name (Kaddisch)
Literatur Elitzur A. Bar-Asher Siegal: Introduction to the Grammar of Jewish Babylonian Aramaic (= Lehrbücher orientalischer Sprachen. Sektion 3: Aramaic. Band 3). Ugarit-Verlag, Münster 2013, ISBN 978-3-86835-084-5. Jacob Nahum Epstein: Diqduq Aramit Bavlit (Grammar of Babylonian Aramaic). Devir, Tel Aviv; Magnes, Jerusalem 1960, (hebräisch). Yitzhak Frank: Grammar for Gemara: An Introduction to Babylonian Aramaic. Ariel Institute, Jerusalem 2000, ISBN 0-87306-612-X (englisch). Marcus Jastrow: A Dictionary of the Targumim, the Talmud Babli and Yerushalmi, and the Midrashic Literature. Luzac & Co., London; G. P. Putnam’s sons, New York 1903, (Mehrfache Reprints), als Taschenbuch von Scholar’s Choice, 2015, ISBN 978-1-298-49074-2 (englisch; tyndalearchive.com). Yehiel oder Yechiel Kara (): Kitve-ha-yad ha-Temaniyim shel ha-Talmud ha-Bavli, meḥḳarim bi-leshonam ha-Aramit (= ʻEdā wě-lašōn (). Band 10). The Magnes Press, Hebräische Universität Jerusalem, Jerusalem 1983, (hebräisch; Originaltitel: ; Babylonian Aramaic in the Yemenite Manuscripts of the Talmud: Orthography, Phonology and Morphology of the Verb). Hyman Klein: An Introduction to the Aramaic of the Babylonian Talmud. Burns and Bailey, London 1943; [Aria College], [Winchester] [1972?], . Eduard Yechezkel Kutscher: Meḥqarîm beʻibrît ûbeʼaramît. Hrsg. von Z. Ben-Hayyim, A. Dotan, G. Sarfatti. The Magnes Press, Hebräische Universität Jerusalem, Jerusalem 1977, (hebräisch; Hebrew and Aramaic Studies). Caspar Levias: A grammar of the Aramaic idiom contained in the Babylonian Talmud with constant reference to gaonic literature. Bloch, Cincinnati 1900, ; Nabu Press, o. O. 2010, ISBN 978-1-176-64946-0 (englisch, Digitalisat der Ausg. von 1896). David Marcus: A Manual of Babylonian Jewish Aramaic. University Press of America, Lanham [u. a.] 1981, ISBN 0-8191-1363-8. Max Leopold Margolis: Lehrbuch der aramäischen Sprache des babylonischen Talmuds. Grammatik, Chrestomathie und Wörterbuch (= Hermann L. Strack [Hrsg.]: Clavis linguarum semiticarum. Band 3). Beck, München 1910 (; Rezension). Ezra Zion Melamed: Aramaic-Hebrew-English dictionary of the Babylonian Talmud. Samuel and Odette Levy Foundation, Jerusalem 2005, ISBN 1-58330-776-1 (englisch).
Michel Schlesinger: Satzlehre der aramäischen Sprache des Babylonischen Talmuds (= Veröffentlichungen der Alexander Kohut-Stiftung. Band 1). Verlag der Asia Major, Leipzig 1928, .
Einzelnachweise
Kategorie:Jüdische Sprache Kategorie:Korpussprache Kategorie:Aramäische Sprachen