Die Weizklamm ist eine wasserführende Klamm und ein Durchbruchstal im östlichen Grazer Bergland im österreichischen Bundesland Steiermark. Durch sie entwässert der Weizbach den östlichen Teil des Passailer Beckens. Die durch die Klamm verlaufende Rechberg Straße (B 64) bildet eine wichtige regionale Verkehrsachse zwischen der Bezirkshauptstadt Weiz im Süden und Passail im Norden. Das bedeutende Karstgebiet enthält neben zahlreichen Höhlen ein nicht unwesentliches Karstwasservorkommen, aufgrund dessen das Weizer Bergland 2009 zum Wasserschongebiet ernannt wurde.Schongebiets-VO Weizer Bergland, LGBl. Nr. 58/2009. wasserwirtschaft.steiermark.at (PDF; 49 KB), abgerufen am 31. Januar 2015. Wegen einiger vegetations- und tierkundlicher Besonderheiten gehört der Nordteil der unter Landschaftsschutz stehenden Klamm zum Naturpark Almenland.

Geographie Lage und Umgebung Die Klamm im engeren Sinne erstreckt sich zwischen dem Kreuzwirt (Gemeinde Sankt Kathrein am Offenegg) und dem Steinbruch Marko (Gemeinde Naas) in einer Seehöhe zwischen 621 und über eine Gesamtlänge von 2,4 Kilometern.Fritz Ebner: Naturführer Weiztal. (siehe Literatur). Das entspricht einem durchschnittlichen Gefälle von 2,46 Prozent. Die Gemeinde Passail hat ebenfalls einen Flächenanteil an der Weizklamm.

Die umliegenden Erhebungen weisen Mittelgebirgscharakter auf und erreichen Höhen um die . Sie werden häufig als „Weizer Bergland“ bezeichnet und bilden den östlichen Abschluss des übergeordneten Grazer Berglandes. Westlich der Klamm liegt der Sattelberg (), am Ostufer erhebt sich der Patschaberg (). Das Gemeindezentrum von Naas befindet sich vom Klammausgang rund 1300 Meter talauswärts.

Geologie und Geomorphologie mini|Der Weizbach bahnt sich seinen Weg durch den Schöcklkalk. Am rechten Ufer ist das Einfallen der Schichten gut erkennbar. Das Passailer Becken wird im Südosten von einer durchschnittlich rund 500 Meter aufragenden Gebirgsschwelle begrenzt. Diese auffällige Geländeform ist aus devonischem Schöcklkalk aufgebaut und unterscheidet sich geologisch somit grundlegend von ihrer unmittelbaren Umgebung. An zwei Stellen wird die SW-NO-streichende Kalkscholle von Fließgewässern durchbrochen, durch die Raab und durch den Weizbach. Während sich das Durchbruchstal der Raab, die so genannte Raabklamm, über fast zehn Kilometer erstreckt (dort erreicht die Breite der Kalkscholle ihre maximale Ausdehnung), ist die nordöstlich gelegene Weizklamm lediglich rund zweieinhalb Kilometer lang. Sowohl die Kalksteinschwelle als auch die meisten anstehenden Gesteine in deren unmittelbarer Umgebung sind dem Grazer Paläozoikum zuzuordnen und gehören damit tektonostratigraphisch zum Oberostalpin.Fritz Ebner: Die Geologie des Weiztales, ein Abbild von 500 Millionen Jahren Erdgeschichte. In: Naturführer Weiztal, S. 7 (siehe Literatur). Morphologisch zeigt die Weizklamm am Beginn Kerbtalcharakter, verengt sich auf den ersten 600 Metern langsam zu einer Schlucht und schließlich zu einer Klamm. Dort ist das steile Einfallen der Schöcklkalk-Schichten besonders gut beobachtbar, während härtere Gesteine als Felswände und Pfeiler in Erscheinung treten. Der „echte Klammcharakter“ prägt die Landschaft bis etwa 100 Meter über dem Bachbett, darüber beginnen die Hänge zurückzuweichen. Schrofen und steil aufragende Grate dominieren das Bild ebenso wie steile Rinnen. Beim Steinbruch Marko weitet sich der Durchbruch wieder und das Weiztal bildet einen schmalen Talboden aus.Thomas Untersweg: Erscheinungsbild und Werden der Landschaft. In: Naturführer Weiztal, S. 14 (siehe Literatur).

Karst Die mächtige Kalkscholle prädestiniert die Weizklamm und ihre Umgebung für den Prozess der Verkarstung. Im Laufe der alpidischen Gebirgsbildung kam es zur Faltung der paläozoischen Sedimentgesteine und das Passailer Becken bildete eine Polje aus.Gerald Fuchs: Der Karst am Ostufer der Weizklamm. In: Berichte der wasserwirtschaftlichen Rahmenplanung, Band 65, S. 9 (siehe Literatur). Der Weizbach bahnte sich daraufhin seinen Weg unterirdisch durch den gebankten, stark geklüfteten Schöcklkalk, der mit einem CaCO3-Gehalt von bis zu 99 % über eine besonders hohe Löslichkeit verfügt. Das jüngste Tertiär war von einer tektonischen Hebung des Berglandes und gleichzeitigen Einschneidung des Baches geprägt. In einer Ruhephase erfolgte die Bildung zahlreicher Höhlen, die vom Wasser des Weizbaches geformt wurden. Ein Großteil der Hohlformen liegt auf einer Seehöhe von 700 bis 800 Meter auf dem so genannten Landscha-Niveau. Im Zuge erneuter Hebungsvorgänge schnitt sich der Bach noch tiefer ein und die Klamm erreichte ihre heutige Ausprägung.Josef Flack: Die Weizklamm – Eine Karstlandschaft. In: Naturführer Weiztal, S. 23 f. (siehe Literatur).

Höhlen mini|Das Rablloch ist die bekannteste Höhle in der Weizklamm. mini|Wagenhüttentorbogen mit Versturzmaterial. An der Höhlendecke sind bereits Sinterbildungen erkennbar. Rund um die Weizklamm liegen insgesamt über 100 Höhlen, die sich gleichmäßig auf das West- und das Ostufer verteilen. Wenige davon sind gut begehbar, es existieren daher auch keine Schauhöhlen. Es wird heute davon ausgegangen, dass zumindest einige der größeren Höhlen während der Römerzeit besiedelt gewesen sein könnten.Fritz Ebner et al.: Von St. Ruprecht a. d. Raab bis zum Plankogel – ein naturkundlicher Exkursionsführer durch das Weiztal. In: Naturführer Weiztal, S. 136 (siehe Literatur). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in einigen Höhlen Gangvorkommen von Baryt beschürft.Helmut Flügel: Die Geologie des Grazer Berglandes (= Mitteilungen der Abteilung Geologie Paläontologie und Bergbau am Joanneum. SH1). 2. neubearbeitete Auflage. Graz/Wien 1975, S. 217 (). Die meisten der Hohlräume bieten Fledermauspopulationen ein wichtiges Habitat und sollten aufgrund ihrer naturräumlichen Sensibilität nicht betreten werden.

Die bekannteste Höhle ist das Rablloch (Kataster-Nr. 2834/8), dessen Portal sich auf orografisch links der Klamm am Fuß des Rablgrats öffnet. Mit einer Länge von 195 und einer maximalen Breite von 15 Metern ist es zugleich eine der größeren Höhlen im Weizer Bergland. Die beiden bedeutendsten Passagen im Höhleninneren sind der „Große Dom“ und die anschließende „Glockenhalle“. Die Höhlensohle besteht aus einer von Kleinschutt überzogenen Sinterdecke, aus der bis zu 1,5 Meter hohe Stalagmiten ragen. Diese stellen eine Besonderheit dar, da sie dem in Österreich seltenen breit-kegeligen Typus angehören. Dazu zählen jene Stalagmiten, deren Durchmesser an der Basis doppelt so groß ist wie deren Höhe. Die Möglichkeiten einer systematischen Untersuchung der Sedimentabfolge sowie die Bindung an tektonische Bewegungsflächen verleihen dem Rablloch eine gewisse naturwissenschaftliche Relevanz. 1968 wurde es vom Bundesdenkmalamt zum Naturdenkmal erklärt.Hubert Trimmel: Höhlenschutz in Österreich im Jahre 1968. In: Die Höhle 20, Wien 1969, S. 13–14 ().

Die nach heutigem Erkenntnisstand größte Höhle in der Weizklamm ist die Klementgrotte (auch Klementhöhle, 2833/21), deren Portal am Westufer auf liegt. Die labyrinthartigen Gänge der Höhle erreichen eine Länge von insgesamt 845 MeternHarald Polt: Höhlen am Westufer der Weizklamm. In: Mitteilungen des Landesvereins für Höhlenkunde in der Steiermark 24, S. 6–167 (siehe Literatur). bei einem Höhenunterschied von 50 Metern. Dazu kann die Klementgrotte mit einigen Tropfsteingebilden und Sinterbecken aufwarten, besonders bemerkenswert ist eine acht Meter hohe Wandsinterfigur. Bei der Erforschung des Hohlraums wurden im 19. Jahrhundert Knochen des Höhlenbären (Ursus spelaeus) gefunden. Nach 1910 war die Höhle durch Weganlagen und Stiegen erschlossen und diente eine Zeit lang als Schauhöhle. Wie das Rablloch wurde auch die Klementgrotte 1968 zum Naturdenkmal ernannt.

Eine weitere erwähnenswerte Höhle ist der so genannte Wagenhüttentorbogen (2834/14), eine kurze Durchgangshöhle mit drei großen Öffnungen, die am Jägersteig durchquert werden muss. Das Felsentor, wie die Höhle auch genannt wird, verdankt seine Entstehung einem parallel zum Weg verlaufenden Störungssystem. Deckenkolke zeigen die einstige Fließrichtung des Weizbaches an.

Klima Im Wesentlichen lässt sich die Weizklamm in zwei geländeklimatische Einheiten untergliedern. Durch das Relief besteht im engsten Bereich des Durchbruchs ein durch hohe Besonnungsverluste geprägtes Klammklima. Die Steilhänge darüber weisen hingegen je nach Exposition günstige oder ungünstige Bedingungen auf. Vor allem im Südabschnitt der Klamm existieren Bereiche, in die die Wintersonne selten bis gar nicht vordringt, mit Besonnungsverlusten von 20 bis 40 Prozent gegenüber der Umgebung. Die Morphologie des Durchbruchs ist außerdem von entscheidender Bedeutung für den nächtlichen Kaltluftabfluss. So kommt es am Nordportal der Klamm zu einem Kaltluftstau, der bis in eine Höhe von 150 Metern reichen kann. Bereiche wie diese sind durch eine hohe Frostgefährdung gekennzeichnet und werden dementsprechend kaum genutzt. Am Südausgang der Klamm sorgen dagegen Düseneffekte mit Windgeschwindigkeiten um drei Meter pro Sekunde für ein relativ geringes Frostrisiko.Reinhold Lazar: Klimatische Besonderheiten. In: Naturführer Weiztal, S. 99–106 (siehe Literatur).

Die Weizklamm liegt in einer der gewitterreichsten Regionen Österreichs. Bei 35 bis 45 Gewittertagen im Jahr ist es daher keine Seltenheit, dass der Weizbach wie etwa im Juli 2014 für Überschwemmungen sorgt. Dank geringer Winterniederschläge und damit einhergehender Schneearmut wirkt sich die Schneeschmelze im Frühjahr vergleichsweise wenig auf die Wasserführung aus.

Flora und Fauna Die Weizklamm bildet aus vegetationskundlicher Sicht eine submediterrane Insel, die für die Oststeiermark höchst ungewöhnliche Arten beherbergt. Die speziellen landschaftlichen Gegebenheiten haben dazu geführt, dass sich viele selten gewordene Pflanzenarten im Sinne von Relikten erhalten haben. Dazu gehören neben der Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) die Flaumeiche (Quercus pubescens), die Blumen-Esche (Fraxinus ornus) und der sonst nur als Zierstrauch vorkommende Falsche Jasmin (Philadelphus coronarius).Walter Weiss: Die letzten Paradiese Österreichs – Wanderungen durch Österreichs Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei. 3. Auflage, Wien 1992, S. 144. Die dort bestandsbildende Hopfenbuche wurde 1896 floristisch nachgewiesen und 1968 pflanzensoziologisch bearbeitet. Aufgrund der lokalklimatischen Gunstlage – insbesondere des Schutzes vor Spätfrösten und der hohen Luftfeuchtigkeit – in Verbindung mit dem kalkreichen Boden und dem extremen Relief findet die Hopfenbuche ideale Lebensbedingungen vor und tritt als Lokalendemit auf.Arnold Zimmermann, Stefan Plank: Standortuntersuchungen an der Hopfenbuchen-Exklave bei Weiz, Steiermark. In: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark. Band 112. Graz 1982, S. 145–154 ().

mini|Die Kleine Hufeisennase ist ein häufiger Gast in den Höhlen der Weizklamm und gilt in Österreich als gefährdet.