Der Jüdische Friedhof in Złotów (deutsch Flatow) ist ein Begräbnisplatz in der polnischen Woiwodschaft Großpolen und wurde bis 1940 belegt.
Geschichte Ab dem 17. Jahrhundert lebten Juden dauerhafte im Ort und errichteten eine Synagoge und einen Friedhof. Urkundlich erwähnt wurde die Begräbnisstätte erstmals 1690. Ende des 18. Jahrhunderts betrug der jüdische Bevölkerungsanteil mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung in Flatow. 1806 lebten etwa 220 jüdische Familien in der Stadt, zu Beginn der 1830er Jahre nur noch knapp 100 Familien. Ende der 1870er Jahre wurde am Standort der alten Synagoge ein neuer Sakralbau errichtet.
In den 1920er Jahren verfügte der Friedhof über ein Gebäude, das vermutlich als Bestattungsinstitut, Pförtnerhaus und Leichenwagengarage diente. Die Grabsteine waren aus Granit, Sandstein, Gusseisen und Holz. Eine zeitgenössische Schilderung aus dem Jahr 1926 beschrieb den Friedhof als umgeben von Seen und Wiesen, mit „alten Eichen und moosbewachsenen Grabsteinen […] im Barock-, Flecht- und Biedermeierstil“.
Anfang der 1930er hatte Flatow noch knapp 200 jüdische Bürger. In der Zeit des Nationalsozialismus zogen nach Boykottt-Aktionen gegen jüdische Geschäfte weitere jüdische Familien vor allem nach Berlin. Während der Novemberpogrome 1938 wurden die restlichen jüdischen Geschäfte demoliert, die Synagoge zerstört und die jüdischen Männer ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Im Frühjahr 1940 wurden die letzten jüdischen Einwohner in ein Internierungslager nahe Schneidemühl gebracht und von dort in Ghettos und Vernichtungslager deportiert. Der jüdische Friedhof wurde im Jahr 1940 zum letzten Mal belegt. Während der NS-Zeit und in den Jahren danach wurde er vollständig zerstört und die Grabsteine zum Wegebau zweckentfremdet.
Beschreibung und Gedenken mini|Das Mahnmal Der Friedhof liegt etwa 450 Meter nördlich des Stadtzentrums und südlich der Straße Jerozolimska auf einem kleinen, mit alten Eichen und anderen Bäumen bewachsenen Hügel, dem sogenannten „Judenberg“. Das Gelände ist nicht umzäunt und befindet sich in städtischem Besitz.
1998 wurden bei Bauarbeiten an den Straßen Wańkowicza und Reymonta einige in der Straße verbaute Grabsteine entdeckt und im Landmuseum von Złotów gesichert. Seit 2002 erinnert ein kegelförmiges Mahnmal am höchsten Punkt des Friedhofs an die Geschichte des Ortes. Die Fassade ist aus den gefundenen eingefügten Grabsteinbruchstücken zusammengegefügt. Das Lapidarium besteht aus etwa 200 Grabsteinfragmenten, das älteste stammt aus dem Jahr 1799, das jüngste von 1880. Das Landmuseum Złotów erstellte ein Inventar der Grabsteine.
Direkt vor dem Mahnmal ist eine Steinplatte mit einer Inschrift in Polnisch, Deutsch und Hebräisch angebracht. Der Text lautet: „Zum ewigen Angedenken. Dieser Hügel ist aus Steinen längst verfallener Gräber errichtet, um die Ehre der Dahingeschiedenen, denen sie als Denkmal gesetzt wurden, zu wahren“. Zudem ist eine Informationstafel mit ausführlicher Beschreibung aufgestellt.
Das Grundstück ist im städtischen und regionalen Denkmalregister eingetragen, jedoch nicht im Denkmalregister der Woiwodschaft Großpolen verzeichnet.
Literatur Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Band 1: Aach – Groß-Bieberau. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2008, ISBN 978-3-579-08077-2 (Online-Ausgabe).
Weblinks
Virtuelles Schtetl (englisch, abgerufen am 14. Februar 2016)
Einzelnachweise Krzysztof Bielawski: Złotów (niem. Flatow). In: Cmentarze żydowski w Polsce. Abgerufen am 25. März 2026
Zlotow Jewish Cemetery. In: European Jewish Cemeteries Initiative (ESJF). Abgerufen am 25. März 2026
Aus der Geschichte jüdischer Gemeinden im deutschen Sprachraum. Flatow (Westpreußen). In: jüdische-gemeinden.de. Abgerufen am 25. März 2026
Zlotow Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Złotów Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Zlotow