mini|Karte des russischen Gouvernements Wolhynien mit Straßen- und Eisenbahnverbindungen, 1911 Der Feldzug nach Rowno im Herbst 1915 war Teil des Ersten Weltkrieges und spielte sich am südlichen Teil der Ostfront ab. Nach dem Großen Rückzug der russischen Fronten erfolgte ab 26. August der Vormarsch der österreichisch-ungarischen Truppen über die Grenze Ostgaliziens zum Übertritt auf russisches Gebiet. Nach anfänglichen Erfolgen in Wolhynien folgten in der ersten Monatshälfte des September aus dem Raum Rowno starke Gegenangriffe der russischen 8. Armee. Nur mit Hilfe der deutschen Korpsgruppe Gerok konnte Ende September die bereits verlorene Stadt Luzk (Luck) wieder genommen werden und die zum Stellungskrieg übergegangene Front stabilisiert werden. Der Feldzug brachte den Mittelmächten Gebietsgewinne bis zum Styr-Abschnitt, die dafür bezahlten Truppenverluste waren für die k.u.k. Armee besonders schwer.

Vorgeschichte Infolge des Großen Rückzuges war auch die russische Südwestfront im Sommer 1915 kampflos auf die Grenze von Ostgalizien zurückgegangen. Am 21. August gab der österreichisch-ungarische Generalstabschef Generaloberst Conrad von Hötzendorf die allgemeinen Richtlinien zur Fortsetzung der k.u.k. Offensive vor, darin sollte der rechte Heeresflügel der k.u.k. Streitkräfte über die alte Landesgrenze auf russisches Staatsgebiet vorgehen. Die k.u.k. 1. und 2. Armee sowie die deutsche Südarmee wurden angewiesen, nach Beginn des russischen Rückzuges sofort die Verfolgung aufzunehmen. Der linke Flügel der 1. Armee wurde an Truppenzahl verstärkt, indem die Gruppe Smekal (45. Schützen-Division) und die von der Armeeabteilung Woyrsch herankommende 7. Kavallerie-Division über Kowel nachgeführt wurde. Die Verfolgung des über Kowel zurückgehenden russischen XXXI. Armeekorps wäre durch den rechten Flügel die Bugarmee des General von Linsingen anzustreben, diese Aufgabe wurde bald von der herankommenden k.u.k. 4. Armee unter Erzherzog Joseph Ferdinand übernommen.

Feldzeugmeister von Puhallo, der Oberbefehlshaber der k.u.k. 1. Armee folgte am Nachmittag des 26. August mit dem I. und II. Korps sowie der Gruppe Szurmay zum Luga-Abschnitt, das X. und IX. Korps schloss auf die Linie Zimno–Makowicze auf. Das XIV. Korps und die 4. Kavallerie-Division stellten sich bei Holoby beiderseits der Bahn von Kowel zum Durchbruch in Richtung auf Rowno bereit. Zur Besetzung von Kowel wurde die 2. Division (FML Sellner) bestimmt, die Verfolgung des russischen XXXI. Korps (75. und 83. Reserve-Division) und die Sicherung der Nordflanke wurde dem Kavalleriekorps Heydebreck mit der deutschen 5. Kavallerie-Division, der ungarischen 11. Honved-Kavallerie-Division und der sich bei Luboml versammelnden k.u.k. 7. Kavallerie-Division übertragen.

Das XIV. Korps besetzte am 25. August Kowel und verfolgte die Russen über die Turija. Der Vormarsch der k.u.k. Heeresgruppe in Ostgalizien erreichte am 25. August den Raum Luck. Das X. Korps (24. und 62. Division) und das IX. Korps (10. und 26. Division) marschierte zwischen Luga und der Turija nach Osten vor. Das XIV. Korps (3. und 21. Division) besetzte Kowel und schwenkte nach Südosten ein, um der russischen 8. Armee in die Flanke zu stoßen. Gemäß der Order Conrads hatte das X. Korps gegen Lokaczy, das IX. Korps gegen Torczyn vorzustoßen und den Hauptstoß des X. Korps bei Zaturcy zu unterstützen. Die 4. Kavallerie-Division deckte die Flanke entlang der Straße Kowel-Luck. Dahinter folgte das XIV. Korps im zweiten Treffen nach.Österreich-Ungarns letzter Krieg Band III, S. 51.

Aufmarsch der k.u.k. Streitkräfte mini|hochkant|Erzherzog Joseph Ferdinand mini|hochkant|Paul Puhallo von Brlog mini|hochkant|Eduard von Böhm-Ermolli

Am Südflügel der Bugarmee marschierte das Korps Szurmay längs der Luha bis zur Mündung der Rata vor. Das herankommende I. und II. Korps der k.u.k. 1. Armee hatte das Vorgehen am Nordflügel Linsingens zu unterstützen. Hinter dem X. Korps marschierte die 13. Schützen-Division als Reserve auf.

An der oberen Zlota Lipa marschierte die k.u.k. 2. Armee mit dem V. Korps mit 44.000 Mann und 182 Geschützen auf. Die Gruppe Goglia beteiligte sich auf 20 Kilometern Breite am allgemeinen Vorstoß. Der linke Flügel der 2. Armee wurde mit dem Korps Czibulka verstärkt. Im Zentrum der k.u.k. 2. Armee hatte das XIX. Korps (29. Division) und das IV. (51. Honved- und 27. und 32. Division) den Angriff der Gruppe Goglia zu unterstützen. Operatives Ziel der 2. Armee war der Übergang über die Ikwa bei Werba. Die Südarmee des Generals von Bothmer hatte zur Unterstützung durch einen Vorstoß des Korps Marschall über den Dunajow auf Zborów zu unterstützen. Südlich davon hatte das Korps Hofmann parallel dazu bei Zawalow über die Zlota Lipa vorzugehen.

Die österreichisch-ungarischen Streitkräfte standen mit 38 ½ Infanterie- und 8 ½ Kavallerie-Divisionen (etwa 480.000 Mann) der russischen Südwestfront (mit 29 Infanterie- und 14 Kavalleriedivisionen) gegenüber:

4. Armee unter Erzherzog Joseph Ferdinand: Kavalleriekorps FML Graf Bissingen (2. Kavalleriedivision und 11. Honved-Kavalleriedivision) Kavalleriekorps Berndt (4., 7. und 10. Kavalleriedivision) XIV. Korps (Josef Roth; 2., 3. und 21. Division) X. Korps (Hugo Martiny von Malastów; 24., 37. und 62. Division) IX. Korps (Rudolf Králíček; 10. und 26. Division) Gruppe Smekal (4. und 45. Division)

1. Armee unter Paul Puhallo von Brlog: Gruppe Szurmay (7. und 40. Division) II Korps (Johann von Kirchbach; 13. und 25. Division) I. Korps (Karl von Kirchbach; 9. und 46. Division) Armeereserve: 13. Schützendivision

2. Armee unter Eduard von Böhm-Ermolli: XVIII. Korps (Claudius von Czibulka; 31. und 43. Division, 1. Kav.-Division, 1. Landsturm-Brigade) XIX. Korps (Ignaz Trollmann; 29. und 34. Division) IV. Korps (Albert Schmidt von Georgenegg; 27. und 32. Division, 51. Honved-Division) V. Korps (Ferdinand Goglia; 14. und 33. Division)

Südarmee unter Felix von Bothmer: Korps Hofmann (55. Division, 131. Brigade, k.u.k. 1. Kavallerie-Division, Brigade Bolzano und 48. Reserve-Division) Korps Marschall (3. Garde-Division, k.u.k. 19. Infanterie- und 38. Honved-Division)

7. Armee unter Karl von Pflanzer-Baltin: VI. Korps (Arthur Arz von Straußenburg; 12. und 39. Division) XIII. Korps (Adolf von Rhemen; 15. und 36. Division) Korps Henriquez (5. und 30. Division, 8. Kavallerie-Division) Korps Benigni (6. Division, 3., und 5. Kavallerie-Division) XI. Korps (Ignaz Edler von Korda; 42. Honved-Division, 6. Kavallerie-Division)

Situation bei den Russen mini|hochkant|General der Artillerie Iwan Iwanow (Südwestfront) mini|hochkant|Alexei Brussilow (AOK 8)

Südlich des Pripjatgebietes erfolgte bei Włodawa der russische Rückzug über den Bug in Richtung auf Kowel. General Sawitsch, der Stabschef der russischen Südwestfront, versuchte, die neue Frontlinie am oberen Bug über der Olzanica bis zur Zlota Lipa aufzubauen. General der Artillerie Nikolaj Iwanow zog das XII. Armeekorps nach Torczyn und Swiniuchy heran und baute mit dem XXXIX. Armeekorps einen starken Flankenschutz am Bug auf. Nach Norden verlängerte das russische Kavallerie-Korps unter General Gyllenschmidt die Südwestfront bis zum Pripjat.

3. Armee unter General Leonid Lesch: Grenadierkorps (2. und 4. Grenadier-Division) XXXI. Armeekorps (75. und 83. Reserve-Division) Kavalleriekorps Gyllenschmidt (2. und 3. Kosakendivision, 3. kaukasische Kosaken-Division) 77. Reserve-Division

Nachdem sie im Juli und August 1915 zehn Infanterie-Divisionen an die Nordwestfront abgegeben hatte, verfügte die Südwestfront über noch 29 Infanterie- und elf Kavalleriedivisionen.

Die 8. Armee unter General Alexei Brussilow stand noch am Bug mit acht Infanterie- und vier Kavalleriedivisionen: Kavalleriekorps Weljassew (11. und 16. Kavalleriedivision) XXIV. Armeekorps (49. Division und 81. Reserve-Division) XII. Armeekorps (12. und 19. Division) XXXIX. Armeekorps (102. und 105. Reserve-Division) XVII. Armeekorps (3. und 35. Division) VIII. Armeekorps (14. und 15. Division) Kavalleriekorps Rerberg (7. Kavalleriedivision, 2. und 3. Don-Kosaken-Brigade)

An der Grenze Ostgaliziens und in Podolien sicherte die 11. Armee unter General Wladimir Sacharow mit 6 ½ Infanterie-Divisionen: VII. Armeekorps (13. und 34. Division) VI. Armeekorps (4. und 16. Division) XVIII. Armeekorps (23. und 37. Division) XXII. Armeekorps (finnische 1. und 3. Schützen-Division)

Im Süden am Sereth sicherte die 9. Armee unter General Platon Letschizki mit acht Infanterie- und 5 ½ Kavalleriedivisionen: 2. Kavallerie-Korps (Kuban-Kosaken-Division, 9. Kavallerie-Division) XI. Armeekorps (11. und 32. Division) XXX. Armeekorps (71. und 74. Reserve-Division) XXXIII. Armeekorps (79. und 82. Reserve-Division) XXXII. Armeekorps (78. und 103. Reserve-Division) 3. Kavallerie-Korps (6., 10. und 12. Kavallerie-Division)

Erste Angriffsphase 26. bis 31. August Vorstoß der 1. Armee zum Styr und an den Stochod Die k.u.k. 1. Armee führte am 26. August den ersten Angriff auf 50 Kilometern Breite mit neun Infanterie- und zwei Kavalleriedivisionen zwischen der Luga und Roziszcze. Das X. Korps gelangte nach Chorostow, das IX. Korps war im Vorgehen auf Makowiczy und erreichte den Übergang am Stochod bei Kisielin. Das XIV. Korps ging auf Lubitow vor. Die 4. Kavalleriedivision hatte keinen Feind vor sich und erreichte Holoby, die 7. Kavalleriedivision sicherte, nach Südosten einschwenkend, den Armeeflügel gegen Luboml ab. Die Gruppe Smekal (4. und 45. Division) erreichte Cholm. Der russische Rückzug erfolgte vom Styrabschnitt bei Luck, die russische 12. Division (XII. Armeekorps) ging auf Torczyn zurück. Der Nordflügel der 1. Armee (X. und IX. Korps) konnte am 27. August die Linie Biskupiczy-Wojmica-Kisielin überschreiten. Ebenfalls am 27. August konnte das Korps Szurmay mit der 24. Division Biskopiczy und die 9. Division (I. Korps) die Linie Steniatyn-Szewow gewinnen, das XIV. Korps (3. und 21. Division) hatte den Raum südöstlich Perespa erreicht.

Die am 28. August über den Styr gegangene 4. Kavallerie-Division stieß nach Südosten auf Troscianiec vor. Generaloberst von Conrad befahl FZM Puhallo am 28. August, den Styr mit starkem linken Flügel abwärts von Rozyszcze zu überschreiten, um den Knotenpunkt Luzk besetzten zu können.Österreich-Ungarns letzter Krieg Band III, S. 54.

Am 29. August deckte die 4. Kavallerie-Division den Nordflügel der 1. Armee, noch am Abend überschritt das Korps Szurmay die Luga zwischen Zytanie und Markostaw und erreichte die neue Linie Poryck-Szelwow. Ein Gegenangriff der russischen 12. Division traf auf die Mitte des IX. Korps. Die 9. Division erreichte derweil Steniatyn, die Russen hatten zwischen Poryck und Szelwow neue Stellungen angelegt. Die 10. Division schwenkte gegen Zaturcy ein und die 26. Schützen-Division erreichte Chorochorin.

Offensive der 2. Armee bei Gologory und Zloczow Nach einstündigem Artillerieschlag ging das V. Korps (14., 33., 34. und 43. Division) der k.u.k. 2. Armee am 27. August auf Ciemierzyne in Richtung auf Gologory vor. Die 14. Division unter FML Csicserics überschritt die Zlota Lipa bei Dunajow und drang in die Front des russischen VI. Korps ein. Die 34. Division unter Generalmajor Birkenhain erstürmte die Höhen südöstlich von Gologory und wurde durch einen russischen Gegenangriff gestoppt. Das Infanterie-Regiment Nr. 26 eroberte Gologory, die 2. Armee hatte Verluste von 4500 Mann erlitten. Am Abend des Tages entschloss sich General Iwanow, die Südwestfront zwischen Bug und Styr auf die Linie Torczyn-Swiniuchy-Stojanow-Radziechow-Toporow zurückzuführen, der Nordflügel der russischen 11. Armee ging in den Raum östlichen von Zloczow zurück. Der rechte Flügel der russischen 9. Armee hielt – an die Strypa angelehnt – am 28. August erfolgreich stand.