Das Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier, auch Meuselwitz-Rositzer Braunkohlerevier genannt, ist das südlichste Abbaugebiet des Mitteldeutschen Braunkohlereviers. Es liegt im Norden des Altenburger Lands im äußersten Osten von Thüringen.

Geografie Das Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier liegt zum größten Teil im Nordwesten des Landkreises Altenburger Land in Thüringen mit der Stadt Meuselwitz als Zentrum. Im Westen gehört die zur Gemeinde Elsteraue gehörige Ortschaft Spora im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt) zum Revier. Das Braunkohlerevier liegt im Übergang von der Leipziger Tieflandsbucht zum Altenburg-Zeitzer Lösshügelland. Der bedeutendste Fluss im Gebiet ist die Schnauder. Größere Waldgebiete sind der Luckaer Forst und der Kammerforst, welche zum Teil Tagebauen weichen mussten. In Tagebaurestlöchern entstanden u. a. der Haselbacher See, das Restloch Zechau, der Penkwitzer See (Restloch Spora), der Hainbergsee Meuselwitz, der Prößdorfer See und der Rusendorfer See.

Geologie und Förderzahlen Geologie Das Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier gehört geologisch zum Weißelsterbecken. Es liegt in dessen südlichstem Bereich. Abgebaut wurden die folgenden vier Braunkohlenflöze: Böhlener Oberflöz (IV) Thüringer Hauptflöz (Flöz III) im Süden von Altenburg und im Kernbereich Meuselwitz/Rositz, 7 bis 15 m mächtig Bornaer Hauptflöz (Flöz II) Sächsisch-Thüringisches Unterflöz (Flöz I) im Norden bei Haselbach an der Grenze zu Sachsen.

Besonderheit des Flözes ist, dass es flach in nördlicher Richtung eintritt. Teilweise treten im Bereich von Kessellagen Flözanschwellungen von 20 m bis 30 m auf (Tagebaue Haselbach und Schleenhain). Während das Hauptflöz bis zu 22 m mächtig war, wurde es von einer Deckschicht einer Stärke zwischen 40 und 55 m überlagert.

Förderzahlen Jahr Rohkohleförderung pro Jahr 1864 80.959 Tonnen 1876 750.000 Tonnen 1895 4,5 Millionen Tonnen 1898 5,0 Millionen Tonnen 1914 bis 1918 6,5 Millionen Tonnen 1919 6,6 Millionen Tonnen 1928 10,3 Millionen Tonnen 1950 37 Millionen Tonnen (mit Bornaer Revier) 1957 57 Millionen Tonnen (mit Bornaer Revier)

Zwischen 1800 und 1977 wurden etwa 480 Mio. t Kohle abgebaut, davon entfallen auf den Braunkohlentiefbau ca. 130 Mio. t und auf den Tagebau ca. 350 Mio. t. Bei einem Kohle-Abraumverhältnis zwischen 1:3 und 1:5 kann für den Tagebaubetrieb nochmals von über 1,2 Mrd. t bewegtem Deckgebirge ausgegangen werden. Der mittlere Heizwert der Braunkohle liegt bei 22,2 bis 25,1 MJ/kg (= 5300–6000 kcal/kg).

Geschichte 17. und 18. Jahrhundert Im 17. Jahrhundert gibt es die ersten urkundlichen Nachweise des Braunkohlebergbaus im Altenburger Land. Der Altenburger Stadtphysikus Dr. Matthias Zacharias Pilling fand um 1671/72 nordwestlich von Rositz „brennende Erde“, die er anschließend in einer Abhandlung beschrieb. Auf dem heutigen Stadtgebiet von Meuselwitz wurden für den Braunkohleabbau im Jahr 1671 die ersten Schächte geteuft. Dort sollte neben der stark mit Schwefel durchsetzten Kohle aus dem Oberflöz auch Schwefelvitriol und Alaun gewonnen werden. Bereits 1677 ging das erste Bergwerk in Meuselwitz mangels Akzeptanz der gewonnenen Kohle für die Verbrennung und mangels bergmännischer Erfahrung wieder ein. Auch die Bevölkerung und die Besitzer des Ritterguts in Meuselwitz standen dem Bergbau ablehnend gegenüber.

1739 setzte die erste Herstellung von Handstreichsteinen zur Brennstoffversorgung von Haushalten durch ein Braunkohlenbergwerk in der Stadt Altenburg ein. Auf die fördernde Gesetzgebung im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg stützend, begann Dr. Polster aus Waldenburg im Jahr 1776 nach Steinkohle zu suchen. Der Abbau scheiterte letztendlich am eindringenden Wasser und am fehlenden Bedarf in der damals landwirtschaftlich geprägten Region. Ebenso wurden die seit 1804 und 1806 in Meuselwitz und Rositz aufgrund der Verteuerung von Brennholz eröffneten Gruben bald wieder aufgegeben. Die erste Abbauperiode zwischen 1670 und 1806 erfolgte noch nicht als Abbau im Sinne eines Bergbaus, sondern in gelegentlichen und unergiebigen Grabungen am Rand des ausstreichenden Braunkohlenflözes.

19. Jahrhundert Aufgrund der massiven Ausbeutung und Abholzung der Wälder sowie dem Bevölkerungszuwachs stiegen im beginnenden 19. Jahrhundert die Brennholzpreise zunehmend an, wodurch die Zahl der Braunkohlengruben bei Meuselwitz und Rositz wuchs. Ein erster wirklicher Abbau von Kohle setzte zunächst um 1838 durch Bauern ein, die auf ihren Grundstücken Braunkohle als Nebenerwerb von Hand in 37 Tagebauen und 19 Tiefbauen gruben. Diese waren durch das nach dem Abteufen eintretende Grundwasser und mangelnde bergmännische Kenntnisse teilweise nur mäßig wirtschaftlich. Durch den planlosen Abbau wurde nur etwa 30 % der Vorkommen genutzt. Konnte die Kohle nicht als Stückkohle verkauft werden, wurde sie im Nasspresssteinverfahren zu Ziegeln geformt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Meuselwitz-Altenburger Revier Braunkohle im Tiefbauverfahren abgebaut. 42 Altschächte konnten nachgewiesen werden. Im Jahr 1865 gab der Berginspektor Wohlfarth gesetzliche Bestimmungen heraus, um die Sicherheit und einen geordneten Abbau der Kohle in den inzwischen 82 Gruben im Meuselwitz-Rositzer Revier zu gewährleisten. Von ihnen lagen 77 Gruben auf dem Gebiet des Herzogtums Sachsen-Altenburg und fünf auf dem benachbarten preußischen Territorium.

Die Entwicklung des Braunkohlebergbaus im Altenburger Land begann sich erst nach der Übernahme der Kohlegruben durch finanzkräftige Aktienkapitalgesellschaften in der Zeit von 1865 bis 1871 besser zu entwickeln. Wurde die Abbaugesellschaft „Fortschritt“ bereits 1858 gegründet, entstanden zwischen 1871 und 1881 im Meuselwitz-Rositzer Revier 13 Aktiengesellschaften, die den Aufbau von Großschachtanlagen und Brikettfabriken förderten. Dies hatte eine massive Zuwanderung von Arbeitskräften zur Folge und konnte die Braunkohlenförderung von 80.959 t im Jahr 1864 bei 217 Beschäftigten auf eine Jahresleistung von rund 750.000 t im Jahr 1876 steigern.

1873 eröffnete die Brikettfabrik „Germania“ in Rositz, wodurch die Nasspresssteinproduktion durch die Einführung von Brikettpressen abgelöst wurde. Weitere Brikettfabriken folgten, in denen täglich zwischen 40.000 und 60 000 Briketts gepresst werden konnten. Die am längsten betriebene Braunkohlentiefbaugrube Nr. 113 nahm im Jahr 1875 ihren Betrieb auf. Sie wurde erst im Jahr 1957 eingestellt.

Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1871 und der damit einhergehenden Reparationsleistungen an das Deutsche Reich erfuhr der Braunkohlebergbau im Altenburger Land besonders durch die 1872 eröffnete Bahnstrecke Altenburg–Meuselwitz–Zeitz einen Aufschwung, da mit der Bahn neue Absatzmärkte erschlossen werden konnten. Weitere Bahnlinien, die teilweise speziell dem Kohletransport und der Belieferung von städtischen Großabnehmern dienten, waren die 1874 eröffnete Bahnstrecke Gaschwitz–Meuselwitz, die 1887 eröffnete Bahnstrecke Meuselwitz–Ronneburg und die 1901 eröffnete Bahnstrecke Altenburg–Langenleuba-Oberhain sowie die Bahnstrecke Gera-Pforten–Wuitz-Mumsdorf.

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung entstanden in Meuselwitz in dieser Zeit folgende Unternehmen: 1871: Otto-Schacht, Friedensgrube, Grube Ernst und die Prehlitzer Braunkohlen-AG, Mariengrube 1872: Grube Union bei Kriebitzsch, Schenkenschacht, Bruderzeche, Grube Agnes und Ida-Schacht 1873: Kiefernschacht, Wilhelm- und Alfredschacht, Rositzer Braunkohlenwerke Die zahlreichen Neugründungen brachten eine Steigerung der Förderzahlen im gesamten Revier von 750.000 t im Jahr 1876. Nach dieser Zeit des Aufschwungs erreichte die im Deutschen Reich seit 1873 einsetzende Wirtschaftskrise auch den Braunkohlebergbau im Altenburger Land, der mit dem Konkurs verschiedener Unternehmen und einer Entlassung von Arbeitern einherging. Dadurch setzte eine Konzentration und Zentralisation der Kohleförderung und -verarbeitung ein. Da andere Industriebetriebe verstärkt zur Brikettfeuerung übergingen, erlebte der Braunkohlebergbau ab 1890 eine neue Periode des Aufschwungs, die sich in der Gründung mehrerer Großbetriebe und Aktiengesellschaften niederschlug. Auf preußischem Gebiet waren dies zum Beispiel die Fürst-Bismarck-GmbH und die Braunkohlenwerke Leonhard-AG sowie im Herzogtum Sachsen-Altenburg die Gewerkschaft Heureka, die Phönix AG für Braunkohlenverwertung, die Grube Kraft I und das Bergwerk Herzog-Ernst. Auf der anderen Seite ging der Großteil der Kleinunternehmungen und der landwirtschaftlichen Nebenbetriebe zugrunde oder schloss sich an Großunternehmen an. Im Jahre 1895 wurden im Meuselwitz-Rositzer Revier bereits 4,5 Millionen t Kohle gefördert und drei Jahre später konnte die Jahresförderleistung von 5 Mio. t jährlich überschritten werden.

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Ab 1900 machte der technische Fortschritt und die Bildung weiterer kapitalkräftiger Unternehmen den Abbau von Braunkohle im industriellen Maßstab möglich. Durch den Übergang zur Zugförderung wurde der Abbau im Großtagebau möglich, neben dem weiterhin betriebenen mehrsöhligen untertägigen Abbau. Zwischen 1903 und 1913 wurden in der Region insgesamt sieben Tagebaue eröffnet. In Haselbach war der Abbau von Braunkohle auf den Feldern im 19. Jahrhundert zunächst gescheitert. Im Jahr 1909 konnte durch die „Herzogin Adelheid“ Kohlenverwertungsgesellschaft die kleine Tiefbaugrube 141 erschlossen und die Brikettfabrik Adelheid errichtet werden. Nachdem der Tiefbau wegen Wassereinbrüchen im Jahr 1911 wieder aufgegeben werden musste, wurden die kleinen Tagebaue Adelheid I und II aufgeschlossen.

Die Bergwerksbetreiber der Reviere von Borna-Leipzig, Zeitz-Weißenfels und Meuselwitz-Rositz einigten sich im Jahr 1909 auf die Gründung des Mitteldeutschen Braunkohlen-Syndikats. Dadurch wurden die bis dahin bestehenden drei monopolistischen Vereinigungen unterschiedlichen Charakters beseitigt. Andererseits griff das Syndikat weitgehend in die Selbstständigkeit der ihm angeschlossenen Werke ein. So wurden z. B. die Produktionsmengen vorgeschrieben, die Annahme von Aufträgen verboten und deren Überweisung an das Syndikat gefordert, das allein den Verkauf der Kohle übernahm. Das Syndikat garantierte als Gegenleistung hohe Verkaufspreise.

Die Steigerung der Braunkohlengewinnung nahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiter stetig zu. Dies hatte u. a. seine Gründe in der Verwendung in der chemischen Industrie sowie im erhöhten Energiebedarf der Rüstungs- und Kriegsproduktion nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Während des Kriegs betrug die Kohleförderung 6,5 Millionen t pro Jahr. Mit der Deutschen Erdöl-AG ließ sich im Jahr 1917 der erste karbochemische Betrieb der Großindustrie im Gebiet am Standort Rositz nieder.