mini|200 px|Porträt von Kita Genki (Nagasaki Museum of History and Culture) mini|200 px|"Preisung der Herbstlaute" (zànchū qiūshēng ). Schriftrolle von Dokuryū Shōeki (Nationalmuseum Tokio) mini|200 px|Tai Mankō chitō yōhō („Dai Mangongs Rezepte zur Behandlung von Pocken“). Aufgezeichnet von Ikeda Seichoku/Masanao, bearbeitet durch dessen Ururenkel Ikeda Narushige. Frühes 19. Jh. mini|200 px|Taikei-Halle im Heirin-Tempel (Heirin-ji) zu Niiza mini|200 px|Statue von Dài Màngōng (Taikei-Halle, Heirin-Tempel) Dài Màngōng (jap. ; * 22. März 1596Im chinesischen Mondkalender der 24. Tag des 2. Monats im 24. Jahr der Devise Wanli im Distrikt Rénhé der Präfektur Hángzhōu, Provinz Zhèjiāng, China; † 24. Dezember 1672Im japanischen Mondkalender der 6. Tag des 11. Monats im 12. Jahr der Devise Kanbun in Nagasaki, Japan), auch Dokuryū Shōeki (), war ein chinesischer Konfuzianer, Dichter und Kalligraph, der nach Japan emigrierte, Mönch wurde und sich auch dort einen Namen machte. Als Beiname verwendete er zunächst Zǐchén (), später Màngōng. In Japan signierte er seine Werke mit Héchú rén (), Tiānwài yīxián rén (), Tiānwài lǎorén () u. a. m.

Leben Dài Màngōng wuchs in der Endphase der Ming-Dynastie auf. Einzelheiten über seine Kindheit und Jugend sind nicht bekannt. 1620 starb der Vater, im folgenden Jahr vernichtete ein Feuer den Besitz der Familie. Hierauf entschloss er sich zum Studium des Konfuzianismus und der Medizin. Sein Lehrer Gōng Tíngxián (, 1522–1619) hatte 1587 eine „Kur aller Krankheiten“ () mit 1000 Rezepten publiziert, die auch in Japan berühmt wurde.

Der offenbar begabte und beschlagene Dài erhielt eine Position am kaiserlichen Hofe, wo er sich bald einen Namen als Dichter und Kalligraph erwarb. Der Überlieferung zufolge schied er jedoch aus dem Staatsdienst aus, weil er mit dem berüchtigten Hof-Eunuchen Wèi Zhōngxián nicht zurechtkam, und betrieb zurückgezogen eine medizinische Praxis.

Die seinerzeit tobenden Kämpfe zwischen Anhängern der Ming-Dynastie gegen die aus dem Norden vorrückenden Mandschu verwüsteten das Land und dauerten im Süden auch nach der Einnahme von Peking und dem Thronantritt des ersten Mandschu-Kaisers im Jahre 1644 für mehr als zwei Jahrzehnte an. Einige der Flüchtlinge zogen nach Japan, darunter Dài Màngōng, der 1653 im Alter von 58 Jahren auf dem Schiff eines vietnamesischen Kaufmanns in Nagasaki anlandete. Fürs Erste fand er Unterkunft bei zwei Landsleuten: Egawa Nittoku (, chinesischer Name Chén Míngdé )Egawa erwarb sich große Verdienste in der Erschließung der heißen Quellen (Onsen) von Obama (heute Teil von Unzen) zur Gesundheitspflege und Kur von Krankheiten., der seit 1627 in Nagasaki lebte, und Shu Shunshui (, chinesischer Name Zhū Zhīyú , 1600–1682)Shu Shunshui kam mehrfach nach Japan, um für Unterstützung der Ming-Kräfte gegen die Mandschu zu werben. 1659 erhielt er die Erlaubnis, im Lande zu bleiben. Seit 1664 erfreute er sich der Protektion durch Tokugawa Mitsukuni und übte einen starken Einfluss auf die Entstehung der sogenannten Kogaku () aus., der wenig später Japan verließ, um 1659 endgültig überzusiedeln.

1654 traf der von seinem Landsmann Itsunen Shōyū (, chines. Yìrán Xìngróng) eingeladene eminente Ingen Ryūki (chin. ) zusammen mit 20 weiteren Mönchen und einer Gruppe von Kunsthandwerkern ein. Bereits 1629 hatten Emigranten aus der südlichen Provinz Fujian in Nagasaki den Sōfuku-Tempel (Sōfuku-ji) errichtet. Itsunen Shōyū überließ Ingen das Amt des Oberpriesters. Wenig später bat der konfuzianisch gebildete Dài Màngōng Ingen um Aufnahme in den Mönchsstand, die dieser ihm gewährte. Von nun an führte er den Mönchsnamen Dokuryū Shōeki.

Ingen trieb die Verbreitung der Ōbaku-Schule voran, und der nur wenige Jahre jüngere Dokuryū stand ihm als gelehrter Sekretär auf mehreren Reisen bei. 1658 begleitete er Ingen zu einer Audienz beim Shōgun Tokugawa Ietsuna nach Edo. Auch hier wurden Dokuryūs Gedichte, Kalligraphien und Tuschmalereien gepriesen. Der gelehrte, einflussreiche Reichsrat Matsudaira Nobutsuna (1596–1662) fand an ihm großen Gefallen und hätte ihn gerne in Edo gehalten, doch wegen einer Erkrankung entschloss sich Dokuryū zur Rückkehr nach Nagasaki. Während er sein Beinleiden kurierte, verfasste er eine Schrift über die Kalligraphie und stellte die in Japan noch nicht bekannte Siegelschnitt-Technik der Ming-Dynastie vor.

1661 wurde er von dem Lehnsherren (Daimyō) Kikkawa Hiromasa () und dessen Sohn Hiroyoshi () nach Iwakuni eingeladen. Die lokale Holzbrücke über den flachen, doch breiten Fluss Nishiki (Nishikigawa) war wiederholt vom Hochwasser zerstört worden. Hiroyoshi hörte von Dokuryū, dass es in Hangzhou eine lange Brücke aus sechs Bögen mit Steinfundamenten gebe. Die hierauf 1673 errichtete „Brokatschärpen-Brücke“ (, Kintai-kyō) überspannte mit fünf Bögen eine Strecke von 193,3 Metern. Während seines Aufenthaltes in Iwakuni instruierte Dokuryū des Weiteren den in Diensten des Lehens stehenden Ikeda Seichoku/Masanao (, 1597–1677) über die Diagnose und Therapie der gefürchteten Pocken. Dokuryū erwarb sich auch als Arzt einen guten Ruf, was weitere Einladungen nach sich zog. Das Jahr 1662 verbrachte er mit ärztlicher Hilfeleistung in verschiedenen Regionen Westjapans.

1665 wurde er als Sekretär des Ōbaku-Zen-Mönches Sokuhi Nyoitsu (chin. Jífēi Rúyī, Jífēi Rúyī war 1657 auf Einladung Ingens nach Japan gekommen.) an den vom Landesherren Ogasawara Tadazane neugegründeten Fukuju-Tempel (, Fukuju-ji) nach Kokura gerufen. Im Frühjahr 1672 kamen zwei seiner Enkel nach Japan, im November segnete er im Sōfuku-Tempel zu Nagasaki im Alter von 78 Jahren das Zeitliche. Seine Urne wurde zum Mampuku-ji in Uji, dem Haupttempel der Ōbaku-Schule, überführt.

Dokuryū Shōeki, zuweilen auch Ōbaku Dokuryū genannt, ist der Nachwelt vor allem als Kalligraf und Dichter bekannt. Viele seiner Werke werden heute im Nationalmuseum Tokio gehütet. Einige sind auch in westlichen Museen zu finden (Worcester Art Museum, Indianapolis Museum of Art, Cleveland Museum of Art). 1718 errichtete sein Schüler Kō Gentai (, 1649–1722) im Heirin-Tempel (Heirin-ji Der dem Zenbuddhismus der Rinzai-Schule zugehörige Heirin-Tempel wurde von dem Sohn des oben genannten Reichsrats Matsudaira Nobutsuna zum Familientempel der Matsudaira ausgebaut.) der Provinz Musashi (heute im Stadtgebiet von Niiza, Präfektur Saitama) eine schlichte Gedenkhalle (Taikeidō ) mit einer Holzplastik des sitzenden Dokuryū und einer Kannon-Statue.

Einen starken Einfluss übten zugleich seine Instruktionen über die Pocken aus, die durch die Familie Ikeda weit verbreitet wurden. Sie umfassen detaillierte Beschreibungen der Symptome der einzelnen Krankheitsstadien, der Farbe, Konsistenz der Pockenpusteln, der Veränderungen im Lippenbereich und der Zunge, geben die jeweilige Prognose zum weiteren Verlauf und allerlei Rezepte an. Ikeda Seichokus Nachfahren verbesserten und verbreiteten fortan als Pockenärzte die Lehren des Tai Mankō (= Dài Màngōng). Bei der Epidemie von 1777 erregten die Erfolge des Enkels Ikeda Zuisen (, 1734–1816) großes Aufsehen, und als die Zentralregierung 1798 eine Medizin-Akademie einrichtete, wurde er als Dozent nach Edo berufen.

Werke Shyu, Shing-ching (ed.): The Complete Works of Dokuryū Shōeki. Taip’ei: Taiwan National University Press, 2015. ()

Literatur Ōtsuki, Mikio (hrsg.): Ōbakubunka jinmei jiten (Personenlexikon der Ōbaku-Kultur). Kyōtō: Shibunkaku Shuppan, 1988 () Shyu, Shing-ching: Nicchū bunkakōryū no denba to eikyō – Tokugawa shoki no Dokuryū zenshi wo chūshin ni (Verbreitung und Einfluss des japanisch-chinesischen Kulturaustausches). Hikaku Nihongaku kyōiku kenkyū sentā kenkyū nenpō, Ochanomizu University, 2011 ()

Anmerkungen, Einzelnachweise

Weblinks Hängerolle „Daruma“ (Bodhidharma) im Worcester Art Museum Schriftrolle „Preisung der Herbstlaute“ von Dokuryū Shōeki (Nationalmuseum Tokio) Genkhalle Taikeidō im Heirin-Tempel (Stadt Niiza, Präfektur Saitama)

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