Bananarama ist eine britische Girlgroup. Ihre ersten Hits wie Shy Boy, Cruel Summer und Robert De Niro’s Waiting gehen auf das Konto des Produzententeams Steve Jolley und Tony Swain. Von 1986 bis 1989 wurden sie von dem Produzenten-Trio Stock Aitken Waterman betreut. Die Band verkaufte in ihrer Karriere bisher mehr als 40 Millionen Tonträger.

Bandgeschichte 1981–1983: Entstehung und erstes Album Gründungsmitglieder der Gruppe waren Siobhan Fahey, Keren Woodward und Sara Dallin, die zusammen den Demo-Song Aie a Mwana aufnahmen, der dem pseudo-japanischen Tanz-Album Le monde fabuleux des Yamasuki („Die fabelhafte Welt der Yamasuki“, Daniel Vangarde, Jean Kluger) aus dem Jahr 1971 entnommen wurde und nur zur Demonstration der stimmlichen Fähigkeiten der Bandmitglieder in der für Europäer noch schwerer sprechbaren Version der belgischen Formation „Black Blood“ (A.I.E. a Mwana, 1975, Michel Jasper) auf Band gesungen wurde. Entgegen einer oft geäußerten Vermutung handelt es sich bei der Black-Blood-Sprachversion nicht um Original-Swahili, sondern einen Kongo-Dialekt dieser afrikanischen Sprache.

Dieses originale Demoband war so überzeugend, dass es unbearbeitet in einer Single aufgelegt wurde und sich im Spätsommer 1981 schnell zu einem Underground-Hit entwickelte, der sich in den offiziellen Charts zwar nicht hoch platzieren konnte, aber der Band den ersten Plattenvertrag mit London Records sicherte. Der Song wurde in verschiedenen Versionen in nachfolgende Alben der Gruppe eingespielt. Die drei Frauen landeten auf dem Titelbild des trendigen Magazins The Face und wurden dort von der Post-Punk-Band Fun Boy Three gesehen, die sie einluden, als Gastsängerinnen auf ihrer Anfang 1982 erschienenen Single It Ain’t What You Do (It’s the Way That You Do It) aufzutreten. Die Platte wurde ein großer Hit und erreichte Platz vier der britischen Charts.

Auf der nächsten Platte Really Saying Something, einem Cover des Velvelettes-Hits aus den 1960er Jahren, revanchierten sich die „Fun Boy Three“ und steuerten nun ihrerseits die Gastvocals bei. Die Single erreichte im April 1982 Platz fünf in den britischen Charts. Auch die Titel Shy Boy (Juni 1982) und Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye (Februar 1983) konnten sich in den britischen Top Ten platzieren.

Anfang 1983 erschien Bananaramas Debüt-Album Deep Sea Skiving, das zum überwiegenden Teil vom damals erfolgreichen Team Steve Jolley / Tony Swain (Alison Moyet, Spandau Ballet) produziert wurde.

1984–1985: Zweites Album Bananarama und Durchbruch in den USA Das im Frühjahr 1984 veröffentlichte zweite Album, schlicht Bananarama betitelt, wurde komplett von Jolley/Swain produziert. Es verschaffte der Band den Durchbruch in den USA und auf dem europäischen Kontinent. Die erste Singleauskopplung Cruel Summer erreichte im Juli 1983 in Großbritannien Platz acht und mit einem Jahr Verspätung die amerikanischen Top Ten, nachdem der Song in dem Film Karate Kid verwendet, aber nach dem Willen der Band nicht auf dem Soundtrack enthalten war. Größter Hit des Albums wurde im April 1984 der Titel Robert de Niro’s Waiting.

Bananarama versuchten mit diesem Album von ihrem bisherigen Spaß-Image wegzukommen und als Künstlerinnen ernst genommen zu werden. Ihre Songs, bei denen sie als Co-Autorinnen fungierten, beschäftigen sich daher auch mit sozialkritischen Themen wie Kinderarmut (Rough Justice), Drogensucht (Hotline to Heaven) und dem Bürgerkrieg in Nordirland (King of the Jungle). Hintergrund dieses Songs war die Tatsache, dass ein enger Freund der Band kurz zuvor in Belfast erschossen worden war.

1986: Weltweiter Erfolg mit Venus Mit dem dritten Album True Confessions schafften Bananarama im Sommer 1986 endgültig den internationalen Durchbruch.

Für die zweite Single-Auskopplung Venus, einem Cover des 1970er-Jahre-Hits der niederländischen Rockband Shocking Blue, arbeiteten sie erstmals mit dem erfolgreichen britischen Produzententeam Stock/Aitken/Waterman zusammen, weil sie von deren Produktion des Dead-or-Alive-Hits You Spin Me Round (Like a Record) begeistert waren. Venus avancierte zum weltweiten Top-Hit und bescherte Bananarama ihren ersten (und bisher einzigen) Nummer-1-Hit in den USA. In zahlreichen weiteren Ländern erreichte der Titel Top-Platzierungen, jedoch nicht in ihrer Heimat, wo er nur auf Platz acht kam.

Abgesehen von der wenig erfolgreichen dritten Single More Than Physical waren die übrigen Titel des Albums wieder von Jolley/Swain produziert. Venus mit seinem High-Energy-Sound ist denn auch nicht typisch für den Sound des Albums, das insgesamt von einer eher ruhigen Stimmung geprägt ist und von langsamen Stücken und Midtempo-Nummern dominiert wird. Auch textlich schlägt sich diese Stimmung nieder. So handelt etwa der Song Trick of the Night, der Ende 1986 als letzte Single ausgekoppelt wurde, von einem Strichjungen.

1986–1988: Zusammenarbeit mit Stock/Aitken/Waterman und Abschied von Siobhan Fahey Nach ihrem großen Erfolg mit Venus entschloss sich die Band, ihr viertes, im Herbst 1987 erschienenes Album Wow! ausschließlich von Stock/Aitken/Waterman produzieren zu lassen.

Der glatte Dance-Pop-Sound des Albums stieß allerdings nicht bei allen Fans auf Gegenliebe. Kommerziell war das Album aber sehr erfolgreich. Fünf Singles erreichten die britischen Top 20, zwei davon die Top 10.

I Heard a Rumour, die erste Single, erreichte als letzte Bananarama-Single auch die amerikanischen Top Ten. Die zweite Single Love in the First Degree, die auf der Harmonie des Pachelbel-Kanons basiert, erreichte in Großbritannien Platz drei und war dort damit einer der größten Hits der Band.

Vom Image her entwickelte sich das Trio in Richtung Camp. In ihren Musikvideos traten sie in verrückten ultrabunten Kostümen auf und tanzten dilettantisch teilweise absurde Choreographien. Zum Markenzeichen der Band wurden knapp bekleidete, muskulöse Backgroundtänzer, mit denen sie gezielt auch ein homosexuelles Publikum ansprachen. Höhepunkt dieses Stils war eine Live-Performance von Love in the First Degree bei der Verleihung der Brit Awards 1988, bei der eine ganze Armada gut gebauter junger Männer in sehr knappen Hosen auftrat und eine stark sexuell konnotierte, Aerobic-artige Choreographie vollführte.

Dies war der letzte Auftritt mit Siobhan Fahey, die wenig später die Band verließ. Fahey, die im Jahr zuvor den Eurythmics-Musiker Dave Stewart geheiratet und einen gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht hatte, war schon seit längerem unzufrieden mit dem von Stock/Aitken/Waterman geprägten kommerziellen Sound der Band. Bei den Aufnahmen zum Album Wow! hatte es Auseinandersetzungen zwischen ihr und den Produzenten gegeben. So hielt sich die Sängerin bei der Aufnahme des Songs Strike It Rich demonstrativ die Hand vor den Mund, da sie den Text als zu materialistisch empfand.

Noch im selben Jahr gründete Fahey das Solo-Projekt Shakespears Sister, das kurze Zeit später mit der amerikanischen Sängerin und Gitarristin Marcella Detroit zum erfolgreichen Duo erweitert wurde.

1988–1989: Jacquie O’Sullivan als neues Bandmitglied und Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde Nach dem Weggang von Fahey wollten Sara Dallin und Keren Woodward als Duo weitermachen, aber die Plattenfirma befand, dass Bananarama ein Trio bleiben sollte. So wurde im Frühjahr 1988 Jacquie O’Sullivan, ehemalige Sängerin der Rockabilly-Band Silleagh Sisters und eine alte Freundin der Bandmitglieder, als Ersatz für Fahey rekrutiert. Für I Want You Back, die vierte Single-Auskopplung aus dem Album Wow!, wurde der Gesang mit O’Sullivan neu eingespielt. Der Song erreichte Platz fünf der britischen Charts.

Kurz nach diesem Erfolg veröffentlichten Bananarama im Herbst 1988 die Greatest Hits Collection, auf der mit Love, Truth & Honesty auch ein neuer Song vertreten war. Das Album wurde zum erfolgreichsten ihrer Karriere, erreichte Platz drei in den britischen LP-Charts und die Band erhielt einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als bis dahin erfolgreichste britische Girl-Band aller Zeiten.

Anfang 1989 nahmen Bananarama für das Comic-Relief-Projekt eine Coverversion des Beatles-Hits Help! auf. Als Gäste sangen bei den Aufnahmen das Komikerduo French & Saunders und die Schauspielerin Kathy Burke unter dem Namen „Lananeeneenoonoo“ mit; sie hatten Bananarama zuvor in einer TV-Show parodiert. Die Single erreichte Platz drei in den UK-Charts und ist bis heute der letzte britische Top-Ten-Hit der Band. Im Anschluss absolvierte die Band ihre erste (und bis heute einzige) Welttournee, die sie bis nach Japan und Australien führte.

1990–1991: Neue Produzenten und das Album Pop Life Nachdem die Bandmitglieder mit ersten unter der Regie von Stock/Aitken/Waterman entstandenen Demoaufnahmen unzufrieden waren, wählten sie für ihr fünftes Album neue Produzenten aus, darunter erneut Jolley/Swain und den Ex-Killing-Joke-Bassisten Youth, der sich einen Namen als Dance-Produzent gemacht hatte. Nur zwei von Stock/Aitken/Waterman produzierte Songs kamen auf Druck der Plattenfirma auf das Album, wurden aber nicht als Singles ausgekoppelt.

Das im Mai 1991 auf den Markt gebrachte Album Pop Life war geprägt von einem experimentellen Sound, Dance-Beats, Samples und ungewöhnlichen Instrumentierungen (z. B. Flamenco-Gitarren auf dem Cover von Long Train Runnin').

Während die Kritik zum Teil durchaus positiv reagierte, hatte das Album kommerziell gesehen nur bescheidenen Erfolg: Drei Singles erreichten die Top 40 der britischen Charts und der Song Preacher Man erreichte Anfang 1991 mit Platz 20 noch die höchste Platzierung. Außerhalb der Heimat der Band war der Erfolg noch geringer.

1992–1994: Abschied von Jacquie O’Sullivan und Verlust des Plattenvertrages Nach dem relativen Misserfolg des Albums Pop Life verließ Jacquie O’Sullivan bereits Anfang 1992 die Band. Während Dallin und Woodward ihr mangelndes Interesse und Engagement für die Band vorwarfen, beklagte O’Sullivan sich darüber, auch vier Jahre nach ihrem Einstieg immer noch als „die Neue“ in der Band angesehen und mit Siobhan Fahey verglichen zu werden. Später wurde bekannt, dass von vornherein vertraglich festgelegt war, dass O’Sullivan in künstlerischen Belangen keinerlei Mitspracherechte zustanden.

Von da an machten Dallin und Woodward als Duo weiter. Auf Druck der Plattenfirma – laut Vertrag hatten sie noch ein Album für London Records abzuliefern – arbeiteten sie wieder mit den inzwischen ebenfalls zum Duo geschrumpften Produzenten-Team Mike Stock und Pete Waterman zusammen.

Das Anfang 1993 erschienene Album Please Yourself war ursprünglich unter dem Arbeitstitel Abbabanana als Konzept-Album mit einem an die schwedische Erfolgsband ABBA angelehnten Sound gedacht. Dieses Konzept wurde jedoch verworfen, lediglich der zweiten Single Last Thing on My Mind (Ende 1992), die floppte, aber später im Jahr 1998 von den Steps erfolgreich gecovert wurde, ist das ursprüngliche Konzept noch anzuhören.

Das Album wurde von der Kritik überwiegend negativ aufgenommen: Die Produzenten Stock und Waterman hatten ihren Zenit längst überschritten und verhalfen dem Album zu einem glatten, seelenlosen Sound, während die Songs bisweilen ins Schlagerhafte abdrifteten.

Auch der kommerzielle Erfolg des Albums war mäßig. Die zwei Singles Movin’ On (Sommer 1992), dessen Bridge Note für Note mit den Strophen von Jason Donovans Hit Everyday (I Love You More) (1989) übereinstimmt, und More More More (Anfang 1993), ein Cover des Disco-Hits von Andrea True Connection, erreichten jeweils Platz 24 der britischen Charts. Das Album selbst verkaufte sich schlecht, konnte sich nur eine Woche in den britischen Album-Charts halten, und die Plattenfirma London Records verlängerte den Vertrag nicht.

1995–2001: Wenig erfolgreiche Jahre bei Independent-Labeln Ihre nächsten Alben konnten Bananarama daher nur auf kleineren Independent-Labels veröffentlichen.