Es geschah morgen (alternativ auch Was morgen geschah, Originaltitel: It Happened Tomorrow) ist eine US-amerikanische romantische Komödie aus dem Jahr 1944 unter der Regie von René Clair. Die Geschichte über einen Journalisten, gespielt von Dick Powell, der in seiner Zeitung von Ereignissen berichtet, die in der Zukunft liegen, also erst morgen geschehen, beinhaltet wirre Situationen, die dank einer brillanten Montage und einfallsreicher Bildsprache filmisch aufgelöst werden.Herbert Wilfinger: Was morgen geschah – Filmprogramm November 2012, Verlag Filmprogramm & Kunstverlag Susanne Odlas, Wien, S. 4 Die weiteren Hauptrollen sind mit Linda Darnell und Jack Oakie besetzt.
Das Drehbuch beruht auf einer Komödie von Lord Dunsany nach einer Story von Hugh Wedlock Jr., dem Roman von Howard Snyder und einer Idee von Lewis R. Foster.
Handlung Larry und Sylvia Stevens begehen demnächst ihre Goldene Hochzeit. Der Zeitungsverleger Larry möchte das zum Anlass nehmen, eine Geschichte zu veröffentlichen, die sich vor 50 Jahren zugetragen hat. Sylvia spricht sich dagegen aus, da ihm die Geschichte, die er nur ihr über die Jahre erzählt hatte, keiner glauben und er sich nur lächerlich machen würde. Anschließend beginnt eine Rückblende, die den Rest des Filmes ausmacht.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Der junge Larry Stevens feiert seine Beförderung zum Reporter der Evening Post. Vollmundig behauptet er, dass er zehn Jahre seines Lebens dafür geben würde, wenn er heute schon die Nachrichten von morgen kennen würde. Lachend fordert er den alten Archivar Pop Benson heraus, ihn doch einmal mit Nachrichten aus der Zukunft zu versorgen und neckt ihn, ob es nicht langweilig sei, immer in den alten Zeitungen herumzukramen. Pop jedoch warnt ihn, dass es gefährlich sein könne, die Zukunft zu kennen.
Ein Plakat des Hellsehers und Wahrsagers Oscar Cigolini veranlasst Larry dazu, am Abend dessen Show zu besuchen. Cigolinis Nichte Sylvia Smith, die dem Künstler assistiert, macht großen Eindruck auf den jungen Reporter. Er verabredet sich mit Sylvia für den nächsten Tag. Auf dem Heimweg in den frühen Morgenstunden begegnet er Pop Benson, der ihm eine Zeitung überreicht. Sie stellt sich allerdings als Abendausgabe des nächsten Tages heraus und berichtet von Ereignissen, die noch gar nicht geschehen sind. Larry ist entgeistert, was sich noch verstärkt, als sich die in der Zeitung angekündigten Ereignisse tatsächlich bewahrheiten.
Auch in den folgenden Tagen erhält Larry eine Zeitung von morgen durch Pop Benson (der, wie sich erst später herausstellt, bereits vor Übergabe seiner ersten Zeitung an Larry eines natürlichen Todes gestorben war). Die Zeitungen verschaffen Larry unglaubliche Vorteile als Reporter: So weiß er von einem Raubüberfall in der Oper während einer Vorstellung und kann als erster darüber schreiben, was ihm aber zugleich das Misstrauen der Polizei einbringt, er könne mit den Verbrechern unter einer Decke stecken. Er kann aber auch eingreifen, damit schlimme Nachrichten, nicht wahr werden: So rettet er Sylvia vor dem Ertrinken.
Am dritten Tag der Zeitungen von morgen muss er lesen, dass er morgen Abend in einem Hotel erschossen werden wird. Verzweifelt tut er alles, damit diese Vorhersage seiner Zukunft nicht wahr wird. Zuerst einmal heiratet er – nicht ohne Streitereien mit ihrem Onkel Oscar, der sie lieber als Teil seines Showakts behalten will – Sylvia, um die junge Frau im Falle seines Todes abzusichern. Direkt danach geht es zum Erstaunen der Braut auf die Rennbahn: Larry versucht, Profit aus seinem Wissen zu schlagen, indem er die Rennergebnisse beim Trabrennen des nächsten Tages für sich nutzen will, um ans große Geld zu kommen. Tatsächlich gewinnt er 60.000 Dollar, die er in eine Brieftasche steckt. Diese entwendet ihm aber der Gauner Shep.
Als Larry am Abend Shep zufällig wiedertrifft, verfolgt er den Gauner bis aufs Dach eines Hotels, wo beide durch den Kamin in die Hotellobby fallen. Zum Schreck stellt Larry fest, dass es eben jenes Hotel ist, in dem er laut Pops Zeitung erschossen werden soll. Die Nachricht über Larrys Tod stellt sich dann aber als Irrtum der Polizei heraus: Nicht er, sondern der Gauner Shep wird in einer Schießerei mit der Polizei erschossen. Da Shep Larrys Brieftasche bei sich trug, verbreitete sich die Nachricht, dass der Reporter Larry Stevens in einer Hotellobby erschossen worden sei, und fand so auch Eingang in die Zeitung.
Larry jedoch ist unglaublich erleichtert, dass er am Leben ist und sich die Meldung von morgen in einer für ihn glücklichen Weise aufgelöst hat. Mit Sylvia zusammen steht er im Regen und träumt von einer langen, glücklichen Zukunft. Sie benutzen die Evening News als Schutz vor dem auf sie einprasselnden Regen und träumen darunter von ihrer Goldenen Hochzeit.
Produktion, Hintergrund, Soundtrack Die Dreharbeiten erstreckten sich über den Zeitraum Anfang Oktober bis Mitte Dezember 1943, einige Zusatzszenen wurden am 24. Dezember 1943 gedreht.It Happened Tomorrow Orig. Print Infos (englisch) bei TCM – Turner Classic Movies (englisch) Zusätzliche Dialoge stammen von Helene Fraenkel, die Filmbauten von Ernő Metzner, die Ausstattung von Emile Kuri und die Kostüme von René Hubert.
Laut Hollywood Reporter und der New York Times kaufte Frank Capra die Ursprungsgeschichte, auf der der Film basiert, von Hugh Wedlock, der wiederum auf den Roman von Howard Snyder zurückgriff. Dann entdeckte Capra jedoch, dass die eigentlichen Rechte bei Lord Dunsany lagen. Um eine Plagiatsklage zu vermeiden, kaufte er diese Rechte ebenfalls. Nachdem Capra von der Armee angeworben worden war, verkaufte er die Rechte an den Produzenten Arnold Pressburger weiter. Dieser war von der Story sehr angetan und warb René Clair für die Regie an. Beide Männer waren sich einig, Dudley Nichols für die Erstellung des Drehbuchs gewinnen zu wollen. Clair hatte gehofft, Cary Grant für die Rolle des Reporters Larry Stevens zu bekommen.It Happened Tomorrow Articles bei TCM (englisch) Nichols und Clair beschlossen sodann, die Handlung Ende 1890 spielen zu lassen, um jede Verbindung zum derzeitigen Krieg auszuschließen. Am 3. Juli 1944 strahlte Lux Radio Theatre eine Adaption der Geschichte mit Don Ameche aus.It Happened Tomorrow Notes bei TCM (englisch)
Es geschah morgen gehörte nicht zu René Clairs bevorzugten Filmen, obwohl er ihm bescheinigte, dass die letzten zwanzig Minuten des Films das Beste gewesen seien, was er in Hollywood gemacht habe. Der Film war jedoch ein Publikumserfolg für United Artists und erhielt zwei Oscarnominierungen, eine in der Kategorie „Beste Filmmusik“ (Drama/Komödie) für Robert Stolz und eine in der Kategorie Bester Ton für Jack Whitney. Robert Stolz musste sich Max Steiner und der Literaturverfilmung Als du Abschied nahmst geschlagen geben, Jack Whitney Edmund H. Hansen und der Filmbiografie Wilson.
Soundtrack Believe Me If All Those Endearing Young Charms, traditionelle Weise,gesungen zu Beginn des Films I Would Not Die in Spring Time, Text von Stephen Foster als Milton Mooregesungen von den Männern der Zeitung Ah, fors’ e lui aus La traviata von Giuseppe Verdivorgetragen von Jean Forward als Nellie Melba, als der Zeitungsjournalist und seine Freundin in der Oper an der Abendkasse warten Wedding March aus A Midsummer Night’s Dream, Musik von Felix Mendelssohn Bartholdygespielt auf der Hochzeit Light Cavalry Ouvertüre, Musik von Franz von Suppègespielt, als Larry und Cigolini auf der Jagd nach dem Dieb sind
Kinostart Der Film wurde in den Vereinigten Staaten erstmals am 25. Februar 1944 veröffentlicht und kam am 28. Mai 1944 dann allgemein in die Kinos und im Januar 1948 erneut. Der vollständige Titel in den USA lautet: René Clair’s It Happened Tomorrow. In Deutschland wurde der Film 1947 in einer untertitelten Version veröffentlicht und je nach Kino mit dem Titel Es geschah morgen oder dem Titel Was morgen geschah angekündigt.Was morgen geschah Film Bühne Jahrg. 1 Nr. 8 Am 13. Juli 1965 war er in der Bundesrepublik Deutschland erstmals im Fernsehen zu sehen. In Österreich wurde der Film unter dem Titel Was morgen geschah veröffentlicht.Was morgen geschah Filmpost Nummer 37, 2. Jahrgang Weitere Veröffentlichungen: Mexiko: 14. September 1944 unter dem Titel Hoy es mañana Schweden: 9. Oktober 1944 unter dem Titel Det hände i morgon Australien: 1945, englischer Originaltitel Portugal: 15. Januar 1945 unter dem Titel Aconteceu Amanhã Frankreich: 19. September 1945 unter dem Titel C'est arrivé demain Dänemark: 7. April 1947 Finnland: 16. Oktober 1953 unter dem Titel Tapahtui huomenna Belgien (französischer Titel): C’est arrivé demain und unter dem flämischen Titel Dit bebeurde Morgen Belgien (synchronisierte Version): C'est arrivé... demain Brasilien: O Tempo é uma Ilusão Spanien: Sucedió mañana Ungarn: Holnap történt Italien: Avvenne... domani und dem OT Ora X, colpo sensazionale Polen: Zdarzylo sie to jutro Jugoslawien (serbischer Titel/wörtlicher Titel): Sutrasnje novine
Kritik Von den Kritikern in Frankreich wurde der Film ganz überwiegend positiv beurteilt und wurde teils auch glühend gelobt oder als einer von Clairs besten Filmen bezeichnet. Gelobt wurde die „strenge Ästhetik“ des Films. Clair habe ein Thema aufgegriffen, das Voltaire oder Chamisso gefallen hätte, ein Thema, das ebenso gut für düstere Filme mit philosophischen Ansprüchen geeignet gewesen wäre. Clair habe mit diesem Film erneut sein Talent unter Beweis gestellt, wie in einem rhythmischen Ballett, würden alle Zahnräder perfekt ineinandergreifen und alles funktioniere mit einer Klarheit und scheinbaren Einfachheit.
Das Lexikon des internationalen Films war voll des Lobes und urteilte: „René-Clair-Komödie mit verblüffender Lösung. Ein ungetrübtes Vergnügen voll witziger Einfälle und heiterem Optimismus.“
Variety befand, dass der Film es verstehe, unterhaltend von der Wirklichkeit abzulenken und unter dem Strich viele prickelnde Momente liefere.Review: ‚It Happened Tomorrow‘ In: Variety 1943/1944 (englisch). Abgerufen am 12. Februar 2016.
Dennis Schwartz, Ozus’ World, war der Ansicht, der Film ergehe sich zwar in Albernheiten, sei aber geistreich und lustig erzählt. Auch handele es sich um unterhaltsamen, gutherzigen und sorgfältig gestalteten Unsinn, was besonders auf einige Sketche zutreffe.Dennis Schwartz: Ozus’ World Movie Reviews, 8. März 2009. Abgerufen am 12. Februar 2016.
Timeout, London, äußerte, der Film sei nicht konstant so einfallsreich, wie er hätte sein können, verstehe es aber dennoch zu fesseln.TM: In: TimeOut, London (englisch). Abgerufen am 12. Februar 2016.
Auszeichnungen, Nominierungen Oscarverleihung 1945 Jack Whitney nominiert in der Kategorie „Bester Ton“ Robert Stolz nominiert in der Kategorie „Beste Filmmusik“ (Drama/Komödie)
Weblinks
It Happened Tomorrow mehrere Filmausschnitte im Original bei Turner Classic Movies Es geschah morgen Filmposter
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1944 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Fantasyfilm Kategorie:Literaturverfilmung