200px|mini|Bundeshaus in Bern:Sitz des Schweizer Parlaments Die Schweizer Parlamentswahlen 1971 fanden am 31. Oktober 1971 statt. Dabei waren die 200 Mandate des Nationalrats sowie 31 der 44 Mandate im Ständerat neu zu vergeben. Diese 39. Legislaturperiode dauerte vier Jahre bis Oktober 1975. Es waren die ersten Nationalratswahlen, bei denen Männer und Frauen stimmberechtigt waren.
Grosse Wahlsieger waren die beiden „Überfremdungsparteien“, die Republikaner (REP) und die Nationale Aktion. Die Nationale Aktion steigerte sich von 1 auf 4 Sitze, die Republikaner waren neu mit 7 Mandaten vertreten. Ein kleinerer Wahlsieger war die EVP, die ihren Wähleranteil klar steigern konnte, jedoch keinen Sitz gewann. Die neugegründete SVP erreichte einen leicht tieferen Wähleranteil als ihre Vorgängerparteien (BGB und Bündner Demokraten) und gleich viele Sitze. Die drei Grossparteien, die LPS und die Wahlsieger von 1967 (LdU und PdA) verloren Wähleranteile. Dabei kam es zu aussergewöhnlich hohen Sitzverlusten für die Sozialdemokraten (5 ihrer bisherigen 51 Sitze) und den Landesring (13 statt 16 Mandate).
Im Ständerat gab es keine grossen Veränderungen. SPS und legten um 2 Sitze zu. Die SVP verzeichnete reell ein Mandatsverlust, weil sie nur einen der beiden demokratischen Ständeratssitze aus Glarus halten konnte.
Die Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen 1971 erreichte mit 56,9 % ihren damals tiefsten Wert seit der Einführung der Proporzwahl 1919, sie sank aber bei folgenden Wahlen noch weiter und erreichte 1995 mit 42,2 % ihren vorläufigen Tiefpunkt.
Wahlmodus Nationalrat Die Nationalräte werden seit 1919 nach dem Proporzwahlsystem gewählt, d. h. die Sitze werden nach dem Wähleranteil der Parteilisten in den einzelnen Kantonen verteilt und erst innerhalb der Liste gemäss den Personenstimmen. Die Anzahl Sitze pro Kanton werden anhand der Einwohnerzahl bestimmt.
Ausführlicher hierzu: Nationalrat (Schweiz) – Wahlverfahren
Ständerat Jeder Kanton wählt seit 1848 zwei Vertreter für den Ständerat (damalige Halbkantone: einen Vertreter). Die Ständeratswahlen richten sich nach kantonalem Recht. In den meisten Kantonen wurde am 29. Oktober auch die Ständevertretung gewählt. Dabei kam es zu mehreren 2. Wahlgängen. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Nidwalden und Obwalden wählten die Landsgemeinden die Ständeräte. Die Kantone Graubünden (Wahlperiode von 1968 bis 1972) und Zug (1970–1974) hatten abweichende Wahltermine. In den Kantonen Bern und Freiburg wurden die Ständeräte vom Kantonsparlament gewählt. In 7 Kantonen (GL, GR, SG, SZ, TG, UR und ZG) und 4 Halbkantonen (AI, AR, NW und OW) waren Frauen für die Ständeratswahlen nicht stimmberechtigt.
Ausführlicher hierzu: Ständerat – Wahlverfahren
Resultate Nationalrat
Parteien, Stimme, Sitze Die landesweiten Ergebnisse sahen wie untenstehend dargestellt aus. Resultate aus den Kantonen finden sich unter Schweizer Parlamentswahlen 1971/Resultate Nationalratswahlen.
Partei Wähler % (+/-) Sitze (+/-) Sozialdemokratische Partei 456'23322,90 % −0,53 % 46-5 Freisinnig-Demokratische Partei 434'72121,82 %−1,88 % 49−1 Christlichdemokratische Volkspartei 404'76320,32 %−1,73 % 44−1 Schweizerische Volkspartei 220'48711,07 %−0,85 % 23±0 Landesring der Unabhängigen 152'0867,63 %−1,42 % 13−3 Republikanische Bewegung 80'3094,03 %+4,03 % 7+7 Nationale Aktion gegen die Überfremdung von Volk und Heimat 63'7813,20 %+2,57 % 4+3 Partei der Arbeit 51'3412,58 %−0,31 % 5±0 Liberale Partei der Schweiz43'7102,19 %−0,15 % 6±0 Evangelische Volkspartei 42'7782,15 %+0,58 % 3±0Unabhängige Christlich-soziale Parteien (BE, FR)5'9460,30 %+0,30 % 0±0Partito Socialista Autonomo (PSA) (TI) 5'2710,26 %+0,26 % 0±0 Vigilance (GE) 4'3910,22 %+0,05 % 0±0Team 67 (AG)3'7600,19 %−0,13 % 0±0Landsektionen der nationalen Aktion (ZH) 3’0600,15 %+0,15 %0±0Mouvement sociale indépendant (VS) 2'9180,15 %+0,01 % 0±0Freie Stimmberechtigte und parteilose Wähler (AG)2'6750,13 %−0,08 % 0±0Wir wollen wählen (SZ)2'6050,13 %+0,13 % 0±0Parti progressiste national (NE) 2'4260,12 %+0,12 % 0±0Europäische Föderalistische Partei (ZH, AG, SG)2'1800,11 %+0,11 % 0±0 Progressive Organisationen der Schweiz (BS+SG)1'8200,09 %+0,09 % 0±0Erwa-Bund (Kampf für Recht und Umweltschutz) (ZH)1'1470,06 %+0,06 % 0±0Helvetische Volksbewegung gegen die Überfremdung (ZH)9310,05 %+0,05 % 0±0Die Initianten (ZH)7100,04 %+0,04 % 0±0Freie Wähler für Bildung und Fortschritt (AG)5960,03 %+0,03 % 0±0Freie Oppositionelle Partei Basel (BS)2880,01 %+0,01 % 0±0Schweizervolk-Partei (ZH)2600,01 %−0,02 % 0±0Volkstümlich (BE)1550,01 %+0,01 % 0±0Vereinzelte Stimmen in Einerwahlkreisen (AI, GL, NW, OW, UR)9060,04 %+0,01 % 0±0Total1'992'316100 % 200±0
Wähleranteile in den Kantonen (mit mehreren Sitzen) Wählerzahlen, Prozente kleinerer Parteien und Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1971/Resultate Nationalratswahlen KantonSPFDPCVPSVPLdUREP/VNAPdALPSEVP23,9 %15,9 %20,0 %12,5 %9,4 %5,8 %3,4 %3,8 %37,4 %62,5 %28,2 %23,0 %13,3 %11,8 %13,8 %10,0 %30,4 %11,5 %11,2 %12,7 %4,9 %8,0 %6,1 %13,0 %31,0 %17,2 %5,4 %29,3 %6,3 %2,1 %3,7 %4,1 %19,9 %24,7 %41,5 %8,7 %19,1 %19,2 %6,2 %5,4 %1,4 %20,9 %14,0 %13,9 %14,8 %37,3 %34,0 %12,4 %30,0 %48,8 %8,7 %30,6 %24,3 %10,1 %13,7 %16,0 %40,2 %33,1 %8,1 %12,2 %6,4 %29,0 %20,4 %38,5 %26,3 %34,3 %27,7 %7,2 %4,6 %14,6 %23,6 %44,0 %7,0 %7,0 %3,0 %13,2 %38,4 %34,8 %2,4 %1,7 %2,7 %20,7 %16,9 %23,4 %26,0 %8,8 %4,2 %25,0 %26,0 %5,3 %7,7 %4,1 %2,9 %4,2 %12,2 %12,4 %15,5 %19,3 %61,6 %20,9 %16,8 %9,5 %12,2 %16,5 %10,4 %5,0 %1,6 %5,2 %Schweiz22,9 %21,8 %20,3 %11,1 %7,6 %4,3 %3,2 %2,6 %2,2 %2,0 %
Sitzverteilung in den Kantonen Stimmen und Prozente in den Kantonen sowie die Namen der Gewählten unter Schweizer Parlamentswahlen 1971/Resultate Nationalratswahlen. Kanton Total FDP SP CVP SVP LdU REP NA LPSPdA EVP 14 3 +1 3 −1 3 ±0 2 ±0 2 ±0 1 +1 2 1 ±0 1 ±0 1 1 ±0 7 2 +1 2 ±0 1 ±0 1 ±0 1 +1 7 1 −1 2 −1 1 ±0 1 ±0 1 +1 1 ±0 31 5 −1 10 −2 1 −1 10 ±0 2 ±0 1 +1 1 +1 1 ±0 6 2 ±0 1 ±0 3 ±0 11 2 ±0 2 ±0 2 +1 0 −1 2 ±0 3 +1 1 0 −1 1 ±0 5 1 ±0 0 ±0 2 ±0 2 ±0 9 3 ±0 1 ±0 5 ±0 5 2 +1 2 ±0 1 ±0 0 −1 1 1 ±0 1 1 ±0 2 1 ±0 1 ±0 3 1 ±0 1 ±0 1 ±0 7 3 ±0 2 ±0 2 ±0 12 3 −1 2 ±0 6 ±0 1 ±0 8 4 +1 1 ±0 3 ±0 6 1 ±0 1 −1 1 ±0 2 ±0 1 +1 1 1 ±0 16 5 −1 4 ±0 1 ±0 1 ±0 1 +1 2 ±0 2 ±0 7 1 ±0 1 ±0 5 ±0 2 1 ±0 1 ±0 35 6 ±0 8 ±0 3 −1 5 ±0 6 −3 4 +4 1 ±0 2 ±0 Schweiz 200 49 −1 46 −5 44 −1 23 ±0 13 −3 7 +7 4 +3 6 ±0 5 ±0 3 ±0
Ergebnisse der Ständeratswahlen
Sitzverteilung
Partei Wahlen 1971 Wahlen 1967CVP1718FDP1514SVP56SP44LPS23LdU11
Gewählte Ständerätinnen und Ständeräte Detaillierte Ergebnisse mit Stimmen aller Kandidierenden unterStänderatswahlen in der 39. Legislaturperiode
Kanton 1. Ständeratssitz 2. Ständeratssitz Robert Reimann, CVP (bisher) Willy Urech, FDP (neu) Hans Nänni, FDP (bisher) nur ein Sitz Raymond Broger, CVP (neu) nur ein Sitz Werner Jauslin, FDP (bisher) nur ein Sitz Willi Wenk, SP (bisher) nur ein Sitz Fritz Krauchthaler, BGB/SVP (neu) Maurice Péquignot, FDP (bisher) Gustave-Laurent Roulin, CVP (bisher) Paul Torche, CVP (bisher) Lise Girardin, FDP (neu) Olivier Reverdin, LPS (bisher) Peter Hefti, FDP (bisher) Fridolin Stucki, DP/SVP (bisher) Arno Theus, DP/SVP (bisher) Gion Clau Vinzenz, CVP (bisher) Peter Knüsel, FDP (neu) Franz-Xaver Leu, CVP (bisher) Pierre Aubert, SP (neu) Carlos Grosjean, FDP (bisher) Eduard Amstad, CVP (bisher) nur ein Sitz Jost Dillier, CVP (bisher) nur ein Sitz Kurt Bächtold, FDP (bisher) Konrad Graf, BGB/SVP (bisher) Heinrich Oechslin, CVP (bisher) Josef Ulrich, CVP (bisher) Ulrich Luder, FDP (bisher) Walter Weber, SP (neu) Mathias Eggenberger, SP (neu) Paul Hofmann, CVP (bisher) Ferruccio Bolla, FDP (bisher) Alberto Stefani, CVP (bisher) Heinrich Herzog, BGB/SVP (bisher) Hans Munz, FDP (bisher) Leo Arnold, CVP (neu) Franz Muheim, CVP (neu) Louis Guisan, LPS (bisher) Jean-Pierre Pradervand, FDP (bisher) Hermann Bodenmann, CVP (bisher) Marius Lampert, CVP (bisher) Othmar Andermatt, FDP (neu) Hans Hürlimann, CVP (bisher) Albin Heimann, LdU (bisher) Fritz Honegger, FDP (bisher)
Weblinks Bundesblatt vom 3. Dezember 1971 mit amtlichen Schlussresultaten Bundesamt für Statistik: Nationalratswahlen 1971 – (Statistische Quellenwerke der Schweiz Heft 529) Internationale Parlamentarische Union, Ergebnisse der Wahlen 71 (englisch; PDF; 30 kB) Anzahl der Kandidaturen nach Kanton
Einzelnachweise
Parlamentswahlen 1971 Kategorie:Parlamentswahl 1971 Wahlen 1971