Mitte () ist der 1. Stadtbezirk in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Er hat 38.270 Einwohner (18.983 Frauen und 19.287 Männer) und besteht aus den Stadtteilen Mitte (11.412 Einwohner), Calenberger Neustadt (7.641 Einwohner), Oststadt (14.196 Einwohner) und Zoo (5.021 Einwohner) (Stand 31. Dezember 2022)
Mitte Der Stadtteil Mitte liegt innerhalb des Cityrings (Brühlstraße – Leibnizufer – Friedrichswall – Aegidientorplatz – Marienstraße – Hamburger Allee – Berliner Allee – Arndtstraße – Schloßwenderstraße – Königsworther Platz), im Süden erweitert um den Maschpark mit dem dort befindlichen Neuen Rathaus.
Altstadt mini|links|Altes Rathaus
Die historische Altstadt Hannovers befand sich im Bereich zwischen Leine, Friedrichswall, Georgstraße und Goethestraße. Durch die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg wurde die historische Altstadtbebauung fast vollständig zerstört. Lediglich im Bereich Kramerstraße (z. B. Broyhanhaus) und Burgstraße (u. a. ältestes Fachwerkhaus der Stadt) blieben einige Fachwerkhäuser erhalten oder wurden nach hier transloziert. Die im Krieg zerstörte Aegidienkirche wurde nicht wieder aufgebaut, ihre Ruine dient heute als Mahnmal für die Opfer von Kriegen und Gewalt. mini|Burg-, Kramerstraße und Holzmarkt
Prägende historische Bauten der Altstadt sind unter anderem die Marktkirche, das Alte Rathaus, das Seilwinderhaus und der Ballhof. Im Leineschloss am Hannah-Arendt-Platz residiert heute der Niedersächsische Landtag. In das 1966 vom Architekten Dieter Oesterlen entworfene Historische Museum am Hohen Ufer wurden Reste der historischen Stadtmauer sowie der Beginenturm integriert.
Das Kreuzkirchenviertel rund um die Kreuzkirche wurde nach dem Krieg völlig neu konzipiert und im Stil der 1950er Jahre erbaut.
Die Altstadt wird geprägt durch vielfältige gastronomische Angebote. Seit über 40 Jahren findet samstags am Hohen Ufer der Altstadt-Flohmarkt statt. Die Markthalle als „Bauch von Hannover“ bietet auf 4000 m² an 73 Ständen ein reichhaltiges Angebot an Lebensmitteln und Gastronomie.
Weitere Stadtviertel mini|Treffpunkt Kröpcke
Zwischen Georgstraße und der Eisenbahn wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Laves die Ernst-August-Stadt angelegt. Infolge des U-Bahn-Baus wurden große Bereiche der Innenstadt im Bereich Kröpcke, Georgstraße, Georgsplatz und Bahnhofstraße zur Fußgängerzone. Die U-Bahn-Station Kröpcke ist die wichtigste Station der Stadtbahn Hannover.
In unmittelbarer Nähe befinden sich das Opernhaus, das Schauspielhaus und weitere kulturelle Veranstaltungsorte.
Die Bahnhofstraße mündet im Ernst-August-Platz, dem Vorplatz des Hauptbahnhofes. Im Oktober 2008 öffnete nordwestlich des Hauptbahnhofs die Ernst-August-Galerie, ein dreistöckiges ECE-Einkaufszentrum mit Fachgeschäften, Dienstleistungs- und Gastronomiebetrieben. Ein kleineres Einkaufszentrum ist das Ernst-August-Carrée, das ab den 2000er Jahren in einem historischen Gebäudekomplex entstand, der der Deutschen Bundesbahn lange als Verwaltungsgebäude gedient hatte.
Die Anfang des 19. Jahrhunderts nordwestlich der Stadt Hannover bestehende Steintor-Gartengemeinde wurde 1829 in die Ortschaften Königsworth, Schloßwende, Nordfeld, Fernrode, Vorort, Ostwende, Bütersworth und Westwende gegliedert. 1843 wurde sie zusammen mit den sechs Ortschaften der Aegidientor-Gartengemeinde (Kirchwende, Bult, Kleefeld, Heidorn, Tiefenriede und Emmerberg) zur Vorstadt Hannover vereinigt und 1859 nach Hannover eingemeindet.
Auf dem Klagesmarkt fand am 31. März 1979 mit etwa 100.000 Teilnehmern die bis dahin größte Anti-Atom-Demonstration und bis heute größte Demonstration Niedersachsens statt. Es war die Abschlusskundgebung des eine Woche zuvor im Wendland gestarteten Gorleben-Trecks mit rund 500 Traktoren.
Der früher zur Oststadt gehörende Bereich zwischen Hamburger und Berliner Allee sowie der Eisenbahn wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der Neuanlage des Cityrings dem Stadtteil Mitte zugeordnet. Im 19. Jahrhundert waren hier im Zuge der Stadterweiterung die Vororte Fernrode (der Bereich nordwestlich der Alten Celler Heerstraße, der heutigen Lister Meile) und Bütersworth (der Bereich südöstlich davon) entstanden. Am oder in der Nähe des Raschplatzes befinden sich das Land- und das Amtsgericht Hannover, ein Cinemaxxkino, das Kino am Raschplatz, Discos und Bars. Der Zentrale Omnibusbahnhof wurde 2013/14 neben seinem bisherigen Standort neu errichtet. Die U-Bahn-Station Hauptbahnhof ist eine der wichtigsten Stationen der Stadtbahn.
Das Warmbüchenviertel (historische Bezeichnung Kirchwende) befindet sich zwischen den Straßen Schiffgraben, Marienstraße und Berliner Allee. Namensgebend sind die Straßen Warmbüchenstraße und Warmbüchenkamp. Das Stadtviertel ist geprägt von Versicherungen und anderer Bürobebauung, zugleich ist es ein zentrumsnahes Wohnquartier.
Calenberger Neustadt mini|links|Die Calenberger Neustadt mit Neustädter Kirche und Basilika St. Clemens mini|Stadtplan Hannover als Skizze „Hannover im Mittelalter“; die erst später erbaute Neustadt (links) hatte noch mehrere Leinearme – und Mühlen wie etwa die Brückmühle
Der heutige Stadtteil besteht neben der historischen Calenberger Neustadt aus den früheren Ortschaften Königsworth, Ohe und Glocksee. Leine, Ihme und Schneller Graben bilden die Stadtteilgrenze, im Norden abgerundet durch die Brühlstraße und den Bremer Damm als Zubringer des Westschnellwegs. Entlang der Leine bildet die Hauptverkehrsachse Leibnizufer die Grenze zum Stadtteil Mitte, so dass der Flohmarkt vollständig in dessen Bereich liegt.
Calenberger Neustadt mini|Hauptsitz des Niedersächsischen Landesarchivs in der Calenberger Neustadt
Die eigentliche Calenberger Neustadt () befindet sich im Bereich zwischen Leine, Lavesallee, Humboldt- und Goethestraße. Die erste Stadterweiterung Hannovers entstand in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und wurde nach dem Calenberger Land benannt. An ihrer Stelle hatte zuvor die Burg Lauenrode gelegen. Nach einem Brand der Siedlung im 15. Jahrhundert wurde sie bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Nachdem Hannover 1636 Residenzstadt geworden war, wurde die Calenberger Neustadt in den Befestigungsring der Stadtbefestigung Hannover einbezogen. Auch bekamen Behörden und Garnisonseinrichtungen dort ihren Standort. 1689 hatte die Calenberger Neustadt rund 3.000 Einwohner und wurde 1709 zur Kleinen Stadt erklärt. 1824 erfolgte die Vereinigung mit Hannover.
Im Stadtteil liegen die Neustädter Kirche, der Neustädter Markt mit dem Neustädter-Markt-Brunnen, der Neustädter Friedhof, die Basilika St. Clemens und die Reformierte Kirche. Ein Mahnmal erinnert an die von Edwin Oppler entworfene und von 1864 bis 1870 errichtete Neue Synagoge, die im Zug der Novemberpogrome 1938 zerstört wurde (→ Geschichte der Juden in Hannover). Das Niedersächsische Landesarchiv hat seinen Hauptsitz im Stadtteil. In der Calenberger Esplanade befindet sich das Sozialgericht Hannover, in direkter Nachbarschaft das Friederikenstift. Im Stadtteil haben das Landeskirchenamt Hannover und das Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ihren Sitz sowie auch das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover. In der Nähe des Goetheplatzes befindet sich die Wache 10 (ehemals Feuerwache 1) der hannoverschen Berufsfeuerwehr.
Durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg gab es großflächige Zerstörungen. Nach 1945 wurden im Zuge der Neuordnung der Verkehrsachsen unter Stadtbaudirektor Rudolf Hillebrecht einige erhaltene Gebäude des 18. und 19. Jahrhunderts abgebrochen, darunter das Friederikenschlösschen und die Flusswasserkunst. Ein ursprünglich vorhandener zweiter Leinearm wurde zugeschüttet und zerstörte Häuser wurden nicht wieder aufgebaut, um Platz für die mehrspurige Straße Leibnizufer zu schaffen.
Ohe mini|Stadionbad Die Ohe war der Siedlungsbereich von der Ihmebrücke am Schwarzen Bär südwärts bis zur heutigen Heinz-von-Heiden-Arena. Die Ohe gehörte früher in Teilen zu Linden und erhielt zusammen mit der Glocksee 1829 den Status einer selbständigen Ortschaft. Am 1. Januar 1870 wurde die Vorstadt Glocksee und Ohe nach Hannover eingemeindet.Amtsblatt für Hannover 1870, S. 3
In der Ohestraße 8/9 richteten die Nationalsozialisten 1941 eines von 15 sogenannten Judenhäusern ein, die der Vorbereitung der Deportation der jüdischen Bevölkerung dienten.
Heute liegen im ehemals bewohnten Bereich Ohe die Berufsbildenden Schulen 2, 3 und 4, die Berufsbildende Schule Metalltechnik-Elektrotechnik (Otto-Brenner-Schule) und die Hannah-Arendt-Schule. Die Ohe erstreckt sich weiter über den Schützenplatz Hannover und den Sportpark. Hier befinden sich die Heinz-vonHeiden-Arena, die Swiss Life Hall, das Stadionbad und der Olympiastützpunkt Niedersachsen. An der Mündung des Schnellen Grabens in die Ihme im Südwesten des Stadtbezirks befindet sich die hannoversche Jugendherberge.
mini|800px|zentriert|Das Glasmosaik Sport von Eduard Bargheer (heutiger Standort neben dem Südeingang der HDI-Arena) wurde 1962 in den Werkstätten August Wagner gefertigt.
Glocksee mini|Wohnhäuser der Johann-Jobst Wagener’schen Stiftung mini|Unabhängiges Jugendzentrum Glocksee
Die Glocksee, ursprünglich Klocse (to Puttenhusen),Grotefend: Urkundenbuch der Stadt Hannover; S. 400 + 491http://www.hannover-kist.de/abc/c.htm war der Siedlungsbereich zwischen der alten Stadtbefestigung Hannovers und der Ihme und zog sich von der Ihmebrücke am Schwarzen Bären bis zur Leine im Norden hin. Die bereits um 1700 als Fahrweg vorhandene Glockseestraße diente der Erschließung der hiesigen Gärten. Von den früher zahlreichen repräsentativen Häusern außerhalb der Stadtbefestigung existiert noch die um 1830 nach Plänen von Laves erbaute Villa Rosa.
1829 erhielt die zuvor zu Linden gehörige Glocksee zusammen mit der Ohe den Status einer selbständigen Ortschaft, etwa gleichzeitig begann die Industrieansiedlung beiderseits der Ihme. 1826 wurde ein Gaswerk der Imperial Continental Gas Association, den späteren Stadtwerken Hannover, errichtet; noch heute hat Enercity dort einen Verwaltungssitz. 1870 wurde die Glocksee nach Hannover eingemeindet.
Nachdem der Stadtgraben zugeschüttet worden war, legte man 1870 die Humboldtstraße und die Goethestraße an. Dieser Straßenzug stellte eine Verkehrsanbindung an die repräsentativen Straßen und Plätze der nördlichen und östlichen Stadterweiterungen und an den Bahnhof her. Ab 1877 fuhr hier eine Pferdebahn vom Steintor über die damals einzige Brücke am Schwarzen Bären nach Linden.
Die Lenaustraße, die eigentlich einen weiteren Brückenübergang nach Linden schaffen sollte, entstand 1889 zusammen mit der Braunstraße und dem weiteren Ausbau der Königsworther Straße. In deren Verlängerung entstand 1890 die zweite Brücke nach Linden, die heutige Leinertbrücke am Küchengarten.
Nördlich der Königsworther Straße baute die Straßenbahn 1896 ihren Betriebshof, bis heute befindet sich hier die Hauptwerkstatt der Üstra. Daneben befinden sich die Wohnhäuser der Johann-Jobst Wagener’schen Stiftung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die Hastra gegenüber dem Schwarzen Bären das Hastra-Hochhaus. Deren Nachfolger Avacon betrieb in der Humboldtstraße bis 2021 das Museum für Energiegeschichte(n).
Im Zuge der Erstellung des Ihme-Zentrums wurde am Ufer der Ihme der größte Teil der verbliebenen Industriebauten nebst teilweise villenartigen Verwaltungsgebäuden abgerissen. Auf dem früheren Industriegelände entstanden öffentliche Grünflächen. Lediglich die Gebäude des ehemaligen Fuhramtes blieben erhalten. Hier entstanden 1972 das Unabhängige Jugendzentrum Glocksee, der Glocksee Bauhaus e. V., der eine Bauteilbörse für gebrauchte Gebäudebauteile betreibt und den Glocksee Waste Award (Upcycling-Wettbewerb) veranstaltet sowie die alternativ-pädagogische Glockseeschule und 1989 das freie Theater an der Glocksee.www.theater-an-der-glocksee.de