miniatur|Eberhard Henneböle, 1969 Eberhard Henneböle (* 20. September 1891 in Göttingen; † 19. Januar 1979 in Salzkotten) war ein deutscher Volksschuldirektor, Heimatpfleger und Heimatforscher.

Leben Eberhard Henneböle wurde am 20. September 1891 in Göttingen, heute Kreis Warendorf, als Sohn des Polizei-Sergeanten Eberhard Henneböle und seiner Ehefrau Klara, geb. Hillebrand, geboren. Nach dem berufsbedingten Umzug des Vaters nach Geseke verbrachte er dort zusammen mit seinen zwei Brüdern seine Kindheit und Jugend. Hier musste er den frühen Tod des Vaters erleben. Nach seiner Volksschulzeit besuchte er mit 15 Jahren von 1906 bis 1909 die Präparandie in Rüthen, die um 1900 die erste Stufe der Volksschullehrerausbildung bildete. Anschließend absolvierte er erfolgreich die dreijährige Ausbildung im Lehrerseminar in Büren mit dem Bestehen der ersten Lehrerprüfung im Januar 1912.

Im Februar 1912 war er für einen Monat vertretungsweise an der einklassigen Schule in Füchtorf-Rippelbaum, Kreis Warendorf, eingesetzt. Danach leistete er seine einjährige Militärpflicht beim Füsilier-Regiment 39 in Düsseldorf ab.

mini|Kriegstagebuch Sommeschlacht von Eberhard Henneböle, 1916, 46 Seiten, 2 Karten Die ihm von der Regierung in Münster übertragene Verwaltung einer Lehrerstelle in Ahaus, Kreis Borken, musste er schon nach 16 Monaten wegen der Einberufung zum Kriegsdienst aufgeben. Im Ersten Weltkrieg war er vom 1. August 1914 bis zum 1. März 1919 in verschiedenen Einheiten eingesetzt. Schon am 28. August 1914 wurde er in Frankreich verwundet und nach seiner Genesung im Generalkommando im Nachrichtendienst und in der Spionageabwehr eingesetzt. Diese Tätigkeit wurde 1916 noch einmal durch einen dreimonatigen Fronteinsatz in Frankreich unterbrochen. Er führte ein sehr detailliertes Kriegstagebuch über die Schlacht an der Somme im Jahr 1916.

Nach dem Kriege wurde er wieder in Ahaus eingesetzt, wo er auch am 2. August 1919 seine zweite Lehrerprüfung mit Erfolg ablegte. Nach sieben Jahren an der dortigen Volksschule wurde ihm 1926 auf eigenen Wunsch in Rüthen eine Lehrerstelle übertragen. Dort übernahm er zum gleichen Zeitpunkt die Leitung der gewerblichen Berufsschule sowie den Unterricht in Naturkunde und Rechnen an der ländlichen Fortbildungsschule. In Rüthen lebte er fortan mit seiner Ehefrau Emma, geb. Läufer, und den zehn gemeinsamen Kindern. Schon nach vier Jahren wurde er 1930 zum Konrektor an der Volksschule Rüthen befördert. Während des Zweiten Weltkriegs behielt er seine Lehrerstelle in Rüthen. Erst in den letzten Kriegstagen wurde er noch zum Volkssturm eingezogen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er von 1946 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1952 Rektor der Volksschule in Rüthen. Im Ruhestand hat er seine Forschungen und Grabungen, die er schon neben seiner schulischen Tätigkeit in der Freizeit und besonders in den Ferien in großem Umfang und auf einem hohen Niveau betrieben hatte, noch weiter intensiviert. Henneböle galt als charismatisch und strahlte natürliche Autorität aus. Ulrich Grun, der mit ihm seit den 1970er Jahren intensiv zusammenarbeitete, charakterisierte seine erste Begegnung mit Henneböle denn auch folgendermaßen: „Als ich in sein Arbeitszimmer trat, erblickte ich am Tisch, mir halb zugewandt, eine straff aufrecht sitzende Gestalt mit einem mächtigen kahlen Schädel und eindringlichen Augen, wie ein Patriarch - menschliches Urgestein - beherrschte er den Raum...“.

mini|Grab Familie Eberhard Henneböle, 2016 Auf Grund seiner besonderen Verdienste wurde Henneböle 1961 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Außerdem wurde er 1971 an seinem 80. Geburtstag zum Ehrenbürger der Stadt Rüthen ernannt und 1999 posthum durch die Benennung einer Straße in Rüthen („Henneböle-Straße“) geehrt. Über viele Jahre war er Beauftragter für Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutz sowie ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte in Münster. Außerdem war er Mitglied der Römisch-Germanischen Kommission und der Altertumskommission für Westfalen.

Eberhard Henneböle starb am 19. Januar 1979 in Salzkotten. Er ist begraben auf dem Friedhof in Rüthen.

Die umfangreichen und bedeutenden Funde aus seinen Ausgrabungen befinden sich im LWL-Museum für Archäologie Westfälisches Landesmuseum Herne, im Stadtmuseum Lippstadt, im Museum Haus Kupferhammer Warstein, im zentralen Fundarchiv der LWL-Archäologie in Münster und im Stadtarchiv Rüthen.

Forschungen Vorgeschichtliche Forschungen Schon während seiner Lehrertätigkeit in Ahaus hat er bei Ausgrabungen im Kreis Ahaus mitgearbeitet, die zu wertvollen Ergebnissen geführt haben und die von den Professoren Wegner in Münster und van Deinse in Amsterdam veröffentlicht wurden.

Hohler Stein mini|Hohler Stein im Lörmecketal bei Kallenhardt, 2012 mini|Hohler Stein, Innenraum, 2023 Bei einer Wanderung weckte der Hohle Stein bei Kallenhardt Henneböles Aufmerksamkeit und er bemühte sich um eine Ausgrabungsgenehmigung. Beim Ausräumen der Erd- und Schuttmassen wurde er vom Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster unterstützt. Die altsteinzeitlichen Funde in der „Kulturhöhle Hohler Stein“ sind einmalig in Deutschland, so dass sie sogar als besondere Kulturstufe nach ihrem Fundort „Kallenhardter Stufe“ oder „Hohlesteinstufe“ benannt werden. Hierbei handelt es sich um eine Kulturstufe zwischen der Altsteinzeit und der mittleren Steinzeit um etwa 12.000 v. Chr. Die Ausgrabungen in den Jahren 1927 bis 1933 wurden von den Professoren August Stieren und Julius Andreé von der Universität Münster begleitet. Seine zeichnerische Begabung ermöglichte es ihm, die Funde eigenhändig zu zeichnen. (Veröffentlichungen)

Höhlenforschung Es waren nicht zuletzt die Entdeckungen am Hohlen Stein, die Henneböles Interesse für die Erforschung von Höhlen hervorriefen. Der devonische Massenkalksattel, der sich im Raum von Brilon über Kallenhardt nach Warstein erstreckt, weist ausgeprägte Karsterscheinungen und Höhlensysteme auf, die nach und nach entdeckt wurden.

1934 schrieb er über neuere Erkenntnisse der Besiedlung der Rösenbecker Höhle bei Brilon in der Stein- und Eisenzeit und wies darauf hin, dass diese schon länger bekannte Höhle auch eine bewohnte Kulturhöhle war. Im Bereich des Lörmecketales unterhalb des Hohlen Steins waren es der Wasserverlauf des Baches mit Bachschwinden und kleinen Quelltöpfen, an deren Untersuchung Henneböle in den folgenden Jahren beteiligt war. So wurde der unterirdische Lauf des Wassers schon frühzeitig mit Wassereinfärbungen erforscht. Dabei stellte man fest, dass das Wasser der Lörmecke bei Kallenhardt in den Quellen der Wester in Warstein wieder zutage tritt.

Spektakulär waren die Funde im Bereich der 1935 in Warstein entdeckten Liethöhlen. Als hier bei Steinbrucharbeiten Gänge angeschnitten wurden, erhielt Henneböle vom Landesmuseum Münster den Auftrag, Untersuchungen durchzuführen, und er konnte zahlreiche Knochenfunde der eiszeitlichen Tierwelt sichern. 1948 wurden an den Seiten des erweiterten Steinbruches weitere Gänge freigelegt, die zur Entdeckung eines Höhlensystems mit Kalzitausscheidungen von einzigartiger Schönheit geführt haben. Henneböle begleitete die Forschungen von Franz Lotze aus Münster und veröffentlichte zahlreiche Aufsätze.Peter Meiburg (Hrsg.): Geologie und Mineralogie des Warsteiner Raumes Der Aufschluss, Sonderband 29 (Warstein), Heidelberg 1979. Abgerufen am 22. Juni 2016. (Veröffentlichungen)

Mesolithische Siedlungen im Möhnegebiet Neben der Untersuchung verschiedener Höhlen hat sich Henneböle auch den anderen Wohnplätzen des steinzeitlichen Menschen gewidmet. So konnte er u. a. im Bereich der Alme und der oberen Möhne mehr als zehn nacheiszeitliche Wohn- und Lagerplätze des Menschen durch Funde lokalisieren. (Veröffentlichungen)

Bronzezeitliche Hügelgräber Henneböles Aufmerksamkeit galt auch den Bodendenkmälern. Im Arnsberger und Briloner Wald sowie an der Haar zeigten sich in Feld und Wald viele große, mächtige Steinhaufen, die im Volk als Steinkisten oder Bestattungsstellen auffielen. Diese identifizierte Henneböle anhand von Form und Größe als Grabhügel (1800 bis 800 v. Chr.).

Zahlreiche Hügel sind von ihm untersucht worden. So hat er insgesamt über 80 bronzezeitliche Grabhügel im Möhnegebiet nachgewiesen und kartographisch erfasst. (Veröffentlichungen)

Frühgeschichtliche Forschungen Römerlager Kneblinghausen Schon während seiner Ausbildung in der Präparandie in Rüthen kam Eberhard Henneböle durch den damaligen Leiter, Anton Hartmann, in Kontakt mit vor- und frühgeschichtlichen Ausgrabungen. Der Seminaroberlehrer Hartmann hatte im Rahmen seiner Forschungen das Römerlager bei Kneblinghausen entdeckt. Nach Henneböles eigenen Worten ist durch dieses Vorbild sein Interesse geweckt worden. Er begann ab 1934 mit eigenen Forschungen und Ausgrabungen im Auftrag der Altertumskommission für Westfalen, die er nach dem Zweiten Weltkrieg im Auftrag der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt fortsetzte und u. a. einen vorgelagerten römischen Spitzgraben mit Kastenwall und Palisadenschutz sowie ein sog. Klavikeltor aufdeckte.Bernhard Rudnik: Römerlager in Westfalen. Heft 1: Kneblinghausen. Veröffentlichungen des LWL, 2008. (Veröffentlichungen)

Regionalgeschichtliche Forschungen mini|hochkant|Ausgrabungen in der Wüstung Ölinghusen/Fahlenhof in Rüthen 1962, re. Eberhard Henneböle, sitzend Paul-Werner Vahle aus Kamen Wüstungsforschung Eberhard Henneböle setzte die von Joseph Bender, dem ehemaligen Rüthener Stadtarchivar Franz Viegener und Josef Lappe begonnene Wüstungsforschung im Rüthener Raum auf der Basis akribischer Archivrecherchen fort und führte sie durch umfangreiche Lesefunde bei Feldbegehungen und genaue zeichnerische Erfassungen von Zufallsfunden bei Ausschachtungsarbeiten zu einer archäologisch abgesicherten Lokalisierung.

Neben der Lokalisierung der aufgegebenen Orte, wobei immer wieder die Flurnamen wichtige Aufschlüsse gaben, waren es auch besonders die Ursachen der Wüstungen, die Henneböle zu erforschen versuchte. Eine Ursache sah er in der Gründung der Städte Rüthen und Kallenhardt, die die Bewohner der umliegenden kleinen Ortschaften veranlassten, ihre alten Siedlungen zu verlassen und in die neuen Städte umzuziehen. Viele Orte wurden ganz aufgegeben – sie leben teilweise nur noch in Straßennamen weiter (z. B. Schneringhusen und Harderinghusen) –, andere Dörfer erlebten eine Teilwüstung. Neuere Forschungen gehen zum Teil auch von anderen Gründen für das Wüstfallen aus. (Veröffentlichungen)

Geschichte der Stadt Rüthen und der Landesburg Rüdenburg Auch die Geschichte der im Rahmen der territorialen Expansionsbestrebungen der Kölner Erzbischöfe 1200 gegründeten Stadt Rüthen und der 1217 vorgelagerten Burg wurden von Eberhard Henneböle erforscht und in mehreren zum Teil umfangreichen Abhandlungen erfasst. Besonders hervorzuheben ist sein Verdienst um die erste kartographische Erfassung und Beschreibung der mittelalterlichen Befestigungsanlagen der Stadt und der Burg sowie der wichtigsten Gebäude, wobei er auf den Vorarbeiten des ehemaligen Stadtarchivars Franz Viegener aufbauen konnte. Daneben wurden von ihm verschiedene für die Stadt Rüthen wichtige geschichtliche Ereignisse und die Geschichte wesentlicher Gebäude aufgearbeitet. (Veröffentlichungen)

Geschichte der Hanse in Rüthen In der Nachfolge der Historiker Johann Suibert Seibertz und Joseph Bender erforschte Henneböle die Rolle Rüthens in der Hanse, wobei er u. a. auch deren Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Hansestädten erfasste. Henneböle fand auch heraus, dass zahlreiche Rüthener Namen in den Lübecker Neubürgerlisten von 1317 bis 1356 aufgeführt waren. Hierdurch konnte er die Bedeutung der Stadt Rüthen in der damaligen Hanse aufzeigen und belegen. (Veröffentlichungen)

Verlauf der Landwehren im Raum Rüthen