Franz Josef Wagner (* 7. August 1943 in Olmütz; † 6. Oktober 2025 in Berlin) war ein deutscher Boulevard-Journalist, Kolumnist und Schriftsteller. Er war Chefredakteur der Illustrierten Bunte und der Berliner Boulevardzeitung B.Z. sowie Kolumnist bei Bild.
Leben Wagner wurde während des Zweiten Weltkrieges in Olmütz im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren als Kind Sudetendeutscher geboren. Nach der Vertreibung wuchs er als Sohn einer Handarbeitslehrerin in Regensburg auf, wo er Sänger im Chor der Domspatzen war. Sein Vater, ein Lehrer, kehrte 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Wagner besuchte eine Klosterschule, bestand jedoch die Abiturprüfung nicht und verließ die Schule ohne Abschluss. In: Bild, 5. Januar 2008. Danach hatte er einige Jahre Gelegenheitsjobs in Genf (unter anderem in der Flaschenrückgabe bei Migros) und Paris, bevor er ein Volontariat bei der Nürnberger Zeitung begann.
Anfang der 1960er Jahre arbeitete Wagner als Reporter für die Bild-Redaktion in München. Dort lernte er im Schelling-Salon den späteren RAF-Terroristen Andreas Baader kennen, mit dem er sich anfreundete. Nachdem Baader zum Terroristen geworden war, verschwieg Wagner die Freundschaft für lange Zeit. Zu Beginn seiner Karriere schrieb Wagner für die Medienagentur von Josef von Ferenczy. Ab 1966 arbeitete Wagner beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg, unter anderem als Kriegsberichterstatter aus dem Jom-Kippur-Krieg und als Chefreporter für Bild. Für die Zeitschrift Jasmin berichtete er aus dem Vietnamkrieg. Nachdem sein erstes Buch Das Ding ein Bestseller geworden war, arbeitete Wagner als Autor, Ghostwriter und freier Reporter für Bild.
Im Jahr 1988 wechselte Wagner zum Hubert-Burda-Verlag in München. Er war ab 1989 für die Illustrierte Bunte tätig und war von 1990 bis 1992 und 1993 bis 1996 deren Chefredakteur. Dort entwickelte er zusammen mit Günter Prinz auch die Zeitschriften Elle und Superillu. 1991 folgte die Boulevardzeitung Super!, deren erster Chefredakteur er wurde.Presse: Depp der Deppen, Burdas Revolverblatt Super ist drauf und dran, die Bild-Zeitung in Ostdeutschland zu überholen., spiegel.de, 39/1991, 23. September 1991. Sie war als für Ostdeutschland konzipierte Konkurrenz zu Bild gedacht, wurde aber nach einem Jahr wieder eingestellt. Die Schlagzeile „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen!! Ganz Bernau ist glücklich, dass er tot ist“ vom 3. Mai 1991, dem zweiten Erscheinungstag, sorgte für Aufsehen.Tod in Bernau und die „Super!“-Zeitung: Das Gespenst der Einheit, tagesspiegel.de, 3. Mai 2011. Medien bezeichneten die Zeitung als „Revolverblatt“.„Ewig währender Zeitungskrieg“, spiegel.de, Der Spiegel 24/1991, 10. Juni 1991.
Im Jahr 1996 druckte die Bunte unter Wagner ein von Günter Stampf geführtes, in weiten Teilen erfundenes Interview mit Tom Cruise über dessen angebliche Zeugungsunfähigkeit. Cruise verklagte Burda auf 90 Millionen Mark, ließ die Klage jedoch fallen, nachdem mehrere Manager des Verlags – darunter Gerd Bolls, als Vorstand verantwortlich für Zeitschriften – bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen waren.Wagner, Brief an Deutschland, S. 90 ff. Das von Wagner ab 1996 betreute Illustriertenprojekt Korsika wurde nach einer Nullnummer eingestellt. 1997 verließ Wagner den Burda-Verlag. Ein Angebot von Springer-Chef Peter Tamm, Bild-Chefredakteur zu werden, hatte er abgelehnt.
Im Juli 1998 kehrte Wagner zurück zum Springer-Verlag und wurde Chefredakteur von B.Z. und B.Z. am Sonntag.Franz Josef Wagner, kress.de.Franz Josef Wagner soll Chefredakteur der BZ werden, horizont.net, 22. Juni 1998. Dort engagierte er unter anderem Walter Mayer und den Schriftsteller Christian Kracht. Im Jahr 2000 verlor er diesen Posten, nachdem er gegenüber Franziska van Almsick ehrverletzende Töne angeschlagen hatte: Die Schlagzeile auf der Titelseite lautete Franzi van Speck – als Molch holt man kein Gold.Axel Springer: „Gossen-Goethe“ wird Springer-Edelfeder, manager-magazin.de, 26. Oktober 2000. Von Anfang 2001 bis zu seinem Tod 2025 war Wagner „Chefkolumnist“ beim Springer-Verlag. Die Position war unter dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann eigens für ihn geschaffen worden.
Er starb am 6. Oktober 2025 im Alter von 82 Jahren.Traueranzeige in sueddeutsche.de
Wagner war verheiratet und Vater einer Tochter.Franz Josef Wagner: Was kann ich überhaupt?, faz.net, 3. Dezember 2001. Er lebte in Berlin-Charlottenburg und war römisch-katholisch.
Bücher und Kolumnen Wagner verfasste vier Romane und eine Autobiographie. Er schrieb als Ghostwriter ab den 1980er-Jahren für Bücher von Udo Jürgens, Franz Beckenbauer und Boris Becker.Alexander Kühn: Franz Josef Wagner – Der Großstadt-Indianer. In: Stephan Alexander Weichert, Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten. Deutschlands Wortführer im Porträt. Herbert von Halem Verlag, Köln 2007, ISBN 978-3-938258-29-3, S. 358–365, hier S. 365 .
Von 1999 bis 2005 schrieb er die Kolumne Wagners Welt in der Welt am Sonntag. Die erste Bild-Kolumne Post von Wagner erschien am 2. Januar 2001 und war an den Bundeskanzler Gerhard Schröder gerichtet. Die Kolumne, die montags bis freitags auf Seite 2 der Bild erschien, hatte jeweils einen Adressaten und endete mit den Worten „Herzlichst, Ihr F. J. Wagner“. Für die Kolumne erhielt Wagner 2002 den vom Bauer-Verlag verliehenen Journalistenpreis Goldene Feder in der Kategorie „Print“. 2011 schrieb Wagner eine an Deniz Yücel gerichtete Gastkolumne in der taz. Seine letzte Kolumne erschien am 3. September 2025 und richtete sich an Bundeskanzler Friedrich Merz. Wagners Nachfolge als Bild-Kolumnist trat 2026 Harald Martenstein mit der Kolumne Mail von Martenstein an.
Rezeption Sein charakteristischer Stil brachte Wagner den Spitznamen „Gossen-Goethe“ ein.Peer Schader: Bild dir deinen Reißwolf. In: Spiegel Online, 19. April 2006.Thomas Schuler: „Gossen-Goethe“ auf der Straße. In: Berliner Zeitung, 30. September 2000.Man nennt ihn „Gossen-Goethe“ In: Hamburger Abendblatt, 19. April 2006. FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher bezeichnete ihn als „Volksschriftsteller“; Kolumnist Jan Fleischhauer benannte Wagner 2020 als Vorbild.How dare you. Vom Vorteil, eine eigene Meinung zu haben, wenn alle dasselbe denken, München, Siedler 2020, ISBN 978-3-8275-0140-0, S. 22.
Das Satiremagazin Titanic bezeichnete Wagner als „Gaga-Kolumnisten“,Arno Frank: Hurra, Berlin hat's gepackt. In: Titanic, Ausgabe Mai 2004. Stern-Chefredakteur Werner Funk ihn als „Lügen-Wagner“. Sein Führungsstil in der B.Z.-Redaktion wurde als chaotisch beschrieben und führte zu Kündigungen.Dem Chefredakteur der "B. Z. ", Franz Josef Wagner, droht der Rauswurf: „Gossen-Goethe“ auf der Straße, Berliner Zeitung, 30. September 2000. Die ihm kritisch gegenüberstehende taz schrieb zu seinem 60. Geburtstag: „Er gilt als cholerisch, viril, impulsiv, reaktionär, hysterisch, zynisch, chaotisch, mithin unerträglich.“Schöner scheitern mit Franz-Josef. In: Die Tageszeitung, 7. August 2003. Häufige Kritik erhielt Wagner im Bildblog und von dessen damaligem Betreiber Stefan Niggemeier.Suchergebnisse für ‘franz josef wagner’ In: Bildblog.
Im Jahr 2009 wurde er wegen einer Beleidigung gegenüber Eva Herman zu Schadensersatz von 10.000 Euro verurteilt: Anlässlich ihrer vielfach kritisierten Äußerungen zur Familienpolitik der Nationalsozialisten hatte er sie in seiner Bild-Kolumne als „dumme Kuh“ bezeichnet., letzter Zugriff 18. März 2020.
Im Januar 2014 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt sei, Gabriele Pauli als „durchgeknallte Frau“ zu bezeichnen.Bundesverfassungsgericht: Gabriele Pauli nicht „durchgeknallt“ In: heise online, 21. Januar 2014.
Künstlerische Rezeption Wagners Kriminalroman Das Ding (1978) über einen Coup im Zusammenhang mit dem Austausch der 5-DM-Münzen im Jahr 1975 wurde ein Bestseller und 1979 von Uli Edel als Fernsehzweiteiler Das Ding verfilmt. 2006 wurde im NDR Fernsehen, SWR Fernsehen, auf 3sat und im Ersten eine Fernsehdokumentation mit dem Titel Ich bin Wagner – Du bist Deutschland als Zapp-Spezial ausgestrahlt.Peer Schader: TV-Porträt von Franz Josef Wagner: Bild dir deinen Reißwolf, spiegel.de, 19. April 2006.TV-Tipp: Wagner-Porträt im NDR, kress.de, 19. April 2006.Ich bin Wagner – Du bist Deutschland, 19. November 2006. 2012 adaptierte der Regisseur Patrick Wengenroth Wagners Buch Brief an Deutschland und Rainald Goetz’ Text Katarakt in einem Theaterabend am Berliner HAU 2. Im 2022 veröffentlichten Song Fahr mit mir (4x4) erwähnen die Bands Kraftklub und Tokio Hotel Wagner in der Textzeile: „Keine Regeln, Strafen und Gesetze / Außer so zu leben, dass Franz Josef Wagner was dagegen hätte“.
Imitationen 2019 parodierte der Autor Nils Markwardt Wagners Stil auf Twitter und in der taz in Briefen an Intellektuelle wie Hegel, Luhmann oder Kafka. Kolumnen von Wagner wurden in der Rubrik Forrest Drunk der Webserie Walulis vorgetragen.Walulis hört mit Walulis Story-Format auf, comicschau.de, 1. August 2022. Der Autor Micky Beisenherz liest Wagners Kolumnen regelmäßig in seinem Podcast Apokalypse & Filterkaffee mit der Stimme von Homer Simpson vor und formuliert gelegentlich eigene Kolumnen in Wagners Stil. Zu Wagners 80. Geburtstag veröffentlichte Beisenherz eine in dessen Stil geschriebene Kolumne in der Süddeutschen Zeitung.
Veröffentlichungen Romane Das Ding. Blanvalet, München 1978, ISBN 3-7645-0854-X (1979 verfilmt, Ausstrahlung im ZDF). Im September, wenn ich noch lebe. Blanvalet, München 1979, ISBN 3-7645-5302-2. Big Story. Bertelsmann, München 1982, ISBN 3-570-01857-1. Wolfs Spur. Bertelsmann, München 1984, ISBN 3-570-00279-9.
Als Ghostwriter Udo Jürgens: Smoking und Blue Jeans – Jahre eines Traumtänzers. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1984, ISBN 3-7857-0378-3. Franz Beckenbauer: Ich – Wie es wirklich war. C. Bertelsmann, München 1992, ISBN 3-570-02079-7. Boris Becker: Augenblick, verweile doch … Bertelsmann, München 2003, ISBN 3-570-00780-4.
Autobiographie Brief an Deutschland. Diederichs, München 2010, ISBN 978-3-424-35041-8.
Literatur Claudia Roth: Post an Wagner. In: Schmierfinken: Politiker über Journalisten. Hrsg. von Maybrit Illner und Hajo Schumacher. Heyne, München 2009, ISBN 978-3-453-62037-7. Benjamin v. Stuckrad-Barre: Boulevardjournalismus. In: Benjamin v. Stuckrad-Barre: Deutsches Theater. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001, ISBN 3-462-03050-7, S. 122–127.
Weblinks
Post von Wagner – Alle Kolumnen von Wagner seit 2007 auf bild.de Gegenüberstellung zweier „Artikel“ Wagners auf Bildblog (beispielhaft) Kolumnisten: Der Schamane, spiegel.de, 9. April 2001
Einzelnachweise
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