mini|Strübhaus Das Strübhaus wurde vermutlich im 14. Jahrhundert erbaut und ist das originale Wohnhaus mit Werkstätte der Künstlerfamilie Strüb. Es bildet einen Blickfang im Altstadtensemble von Veringenstadt. Im April 1972 verhinderte die Aktionsgemeinschaft „Rettet das Strübhaus“ den Abbruch des Gebäudes. Die Aktionsgemeinschaft sanierte das Gebäude und entwickelte es zu einem „Haus der mittelalterlichen Malkunst“. Die Sanierung des Gebäudes gab Anstoß zur landesweiten „Dorfentwicklung“ in Baden-Württemberg. In den folgenden Dekaden entwickelte sich die Aktionsgemeinschaft mit ihrem Strübhaus zu einer lebendigen Quelle vielfältigen städtebaulichen und kulturellen Engagements der Stadt Veringen und Umgebung.
Ursprünge des Hauses um 1360 mini|Strübhaus (1970) mini|Strübhaus (2012) Schon in der Stiftungsurkunde der St. Nikolauskaplanei zu Veringenstadt aus dem Jahre 1360 wird ein Haintz Strüb genannt. In einem Nachtrag zur gleichen Urkunde wird auch ein Hans Strüb erwähnt, „item hans Strüb hat geben an sant nicolaus 1 schl vss sinem nüwen hus gelegen in siner hofraiti“. Das Strübhaus ist damit nach der Peterskapelle und der Burg Veringen, noch vor dem Rathaus (um 1415Nach anderer Angabe im Jahr 1503.), das älteste Gebäude von Veringenstadt.
Die Künstlerwerkstatt der Familie Strüb Mitglieder der Familie Strüb wohnten von 1360 (bzw. 1417) bis 1540 in Veringenstadt am Fuße des Kirchbergs. Das Strübhaus war Wohnhaus und Werkstatt der Künstlerfamilie Strüb. Zur eigentlichen Künstlerfamilie werden gezählt: Peter Strüb der Ältere sowie dessen Söhne Jakob Strüb Hans Strüb Peter Strüb der Jüngere Die Künstler-Werkstatt der Familie wird auch unter dem Namen „Meister von Veringen“ geführt, während die Brüder Hans und Jakob Strüb auch unter dem Namen „Meister von Sigmaringen“ bekannt sind. Ihre Werke sind in Kirchen der näheren Umgebung sowie in- und ausländischen Museen zu sehen, unter anderen in der Sammlung Würth, ferner in Mannheim, Berlin, Madrid und Warschau. Altäre der Meister von Sigmaringen-Veringen stehen beispielsweise in Sigmaringen, Inzigkofen, Heudorf und Kraków.
Heute beherbergt das Haus ein Museum mittelalterlicher Malkunst, in dem die Arbeitsweise der Malkunst der Künstlerfamilie Strüb vorgestellt wird: die Besucher erfahren die einzelnen Schritte von der ersten Rohzeichnung auf dem weiß grundierten Fichtenbrett bis hin zum Auftragen der edelsten Mineralfarben in der Werkstatt Strüb.
Die Künstlerfamilie Strüb hatte in der Zeit von 1500 bis 1535 in 30 Aufträgen insgesamt 24 Flügelaltäre, zwei Schreine, vier Einzelbilder und weitere verschiedene Fragmente hergestellt. Viele Bilder und Schnitzwerke der Familie Strüb sind in der Ausstellung als Foto-Reproduktionen dargestellt und geben einen Überblick über ihr Schaffen der Renaissance – zum Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit.
Außerdem kann im 1. Stock eine sehenswerte alte Küche mit gemauertem Herd besichtigt werden. In weiteren Räumen wird der Werdegang des alten Fachwerkhauses in den vergangenen 50 Jahren gezeigt.
Entwicklungsgeschichte und Aktivitäten der Fördergemeinschaft Strübhaus Jahr Aktivitätvor 1970 Die Witwe Franziska Hartmann bewohnte bis zu ihrem Tode das Haus am Fuße des Kirchbergs. Da ihr Mann Feldschütz in Veringenstadt war, wurde sie im Volksmund „Schützen-Frenze“ genannt und ihr Haus entsprechend „Schützenfrenzes Haus“.vor 1971 Frau Helene Rädle geb. Hartmann erbte das Haus ihrer Mutter.1971 Um eine Engstelle im Straßenverkehr abzuschaffen beschloss die Gemeinde Veringenstadt (mit Zustimmung des Landkreises und des Regierungspräsidiums) das Haus zu kaufen und abzureißen.Mitteilung des Landesdenkmalamtes: „Abbruchkandidaten mit Zukunft“ S. 92 April 1971 Erste Gespräche von Bürgermeister a. D. Stefan Fink, Regionaldekan Franz Gluitz, Leitender Ministerialrat Erwin Zillenbiller zum Erhalt des Strübhauses mit Bürgermeister Harald Müller, der jedoch am Abrissbeschluss festhält.Aushang Strübhaus: Entstehungsgeschichte und Aktivitäten. 2010.19. Mai 1971 Bürgermeister a. D. Fink schreibt an den Vertrauensmann der Denkmalpflege in Hohenzollern Oskar Heck, Hechingen.22. Dez. 1971 Schreiben von Erwin Zillenbiller an Regierungspräsident Willi Birn und Landrat Max Gögler, Sigmaringen.7. März 1972 Landesdenkmalamt fertigt Gutachten für das Regierungspräsidium an.April 1972 mini| Gegen die Abbruchabsichten des Gemeinderats formierte sich unter Leitung von Altbürgermeister Fink und Ministerialrat Zillenbiller die Bürgeraktion „Rettet das Strübhaus“. Gründung der Aktionsgemeinschaft „Rettet das Strübhaus“ durch Bürgermeister a. D. Stefan Fink (* 1908, † 2000); Freier Architekt Fridolin Gäßler (* 1918, †), Regionaldekan Franz Gluitz; Stadträtin Maria Langenstein (* 1917, † 2014); Pfarrer i. R. Otto Kohler (* 1909, † 1984); Leitender Ministerialrat Erwin Zillenbiller.1973 Kaufverhandlungen mit Helene Rädle. Die Aktionsgemeinschaft „Rettet das Strübhaus“ wird Hauseigentümerin.29. März 1974 Schreiben der Aktionsgemeinschaft an Regierungspräsident Hansjörg Mauser und Landrat Gögler.29. März 1974 Schreiben der Aktionsgemeinschaft an Reg. Präsident Hansjörg Mauser und Landrat Max Gögler.2. April 1974 Aufruf der Aktionsgemeinschaft an das Bürgermeisteramt und alle entsprechenden Behörden.11. September 1974 Bürgermeister a. D. Fink führt Kaufverhandlungen mit der Besitzerin Helene Rädle. Die Aktionsgemeinschaft „Rettet das Strübhaus“ kommt der Gemeinde durch den Kauf zuvor und verhindert damit den bereits beschlossen Abbruch.25. September 1974 Lokaltermin im Rathaus von Veringenstadt unter dem Vorsitz des Regierungspräsidiums mit Landesdenkmalamt, Landratsamt, Straßenbauverwaltung, Stadt Veringenstadt, Aktionsgemeinschaft „Rettet das Strübhaus“.April 1975 Gespräche mit Behörden zur Unterstützung der Außenrenovierung. Mit Mitteln der Dorferneuerung wird das Gebäude außen renoviert und das Fachwerk freigelegt. Um die Verkehrsverhältnisse zu verbessern, wurde lediglich eine Abschrägung der am weitesten in den Straßenraum vorspringenden Hausecke vorgenommen.18. November 1975 Außenrenovierung ist abgeschlossen.1976 / 1977 Strübhaus wird zum historischen städtebaulichen Akzent und wirkt initiativ für die folgende Dorfentwicklung.1977 Fördergemeinschaft (im Werden) regt das 1. Stadtfest als „Richtfest“ der Ortsentwicklung an.1977 Heimatgeschichtlicher Rundweg mit den 3 Stationen, Bohnerzgruben – Schwammriff – Frühgeschichtliche Siedlung wird eröffnet.1978 Plankonzept für die Renovierung der „St. Gallusquelle“ mit mehr Natur und frühchristlicher Überlieferung.1978 / 1979 Gespräche über die endgültige Zweckbestimmung und der Gründung einer Fördergemeinschaft als Träger der weiteren Baumaßnahmen und der Einrichtung.1979 Errichtung eines Kalkofens aus dem 17. Jahrhundert am historischen Standort gemeinsam mit dem Schwäbischen Albverein.24. September 1979 Gründungsversammlung der Fördergemeinschaft Strübhaus e. V. und Satzungsbeschluss für die Eintragung in das Vereinsregister.1980 Anträge der Fördergemeinschaft zur Innenrenovierung des Strübhauses an das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Regierungspräsidium Tübingen, Landratsamt Sigmaringen und die Stadt Veringenstadt. Alle Stellen haben Hilfe zugesagt.1980 / 1981 Innenausbau und Inneneinrichtung. Konzeption und Präsentation durch den Kulturwissenschaftler und Restaurator des Landesdenkmalamtes Tübingen, Hans Dieter Ingenhoff (1927–1994).1981 Bildpatenschaften werden von Einwohnern übernommen.2. Juli 1982 Feierliche Übergabe des Strübhauses an die Öffentlichkeit.1984 Auszeichnung als „vorbildliches Museum“. In seiner Laudatio würdigte Gottfried Korff die Fördergemeinschaft als eine „Gemeinschaft, die sich durch höchste Lebendigkeit und intensive Bürgernähe kennzeichne. Man setze hier auf zukunftsweisende Objekte und beschränke sich nicht nur aufs Sammeln und Bewahren, sondern setze sich in lebendiger Weise mit Vergangenem und Gegenwärtigem auseinander.“Vgl. Schwäbische Zeitung (Redaktion Sigmaringen) Nr. 227 vom 30. September 1994.1985 Stadtfest-Historienspiel „Marktgerechtigkeitsverleihung im Jahre 1285“.1987 Anregung eines Iro-Schottischen Kreuzes für das kleine St. Gallus-Dorf Hermentingen mit Historienspiel „Hermentingen in den Jahrhunderten“.1992 Veringer Forum und Stadtfest mit Ausstellung „Zuwanderungen“1993 Stadtfest-Historienspiel „Hexe von Veringen“ mit Ausstellung „Herimannus-Contractus“ in Veringendorf.1994 mini|1994 errichtete Skulptur zur Erinnerung an die als „Hexe“ hingerichtete Bader-Ann in Veringenstadt (Künstlerin: Monika Geiselhart (Reutlingen))mini|Mahntafel zur Erinnerung an die „Hexenverfolgung“ Veringer Forum am 8. Juni 1994: „Hexenwahn. Stand der Forschung“ Mit Enthüllung und Würdigung der Symbolfigur der Bader-Ann von Monika Geiselhart (Reutlingen).
Veringer Stadtfest am 2. Juli 1994: Eröffnung des Lehrpfades „Lebendige Lauchert Veringen“ mit Ausstellung und Lauchert-Kantate.
Veringer Forum am 22. Oktober 1994: Der Uferpfad „Lebendige Lauchert Veringen“ als landesweites Modellbeispiel.1995 Veringer Stadtfest am 2. Juli 1995: Vortragsveranstaltung „Badstuben im Mittelalter“ mit Ausstellung.
Präsentation der Studie von Erwin Zillenbiller, „Kulturlandschaft Erbe und Auftrag. Entwicklungsphasen von der Natur- zur Kulturlandschaft. Auf den Spuren der Landschafts- und Siedlungsgeschichte - ein modellhafter Beitrag zur Heimatkunde und Landschaftsplanung“ mit Ausstellung (am 27. September 1995 in Sigmaringen; am 20. Oktober 1995 in Veringenstadt).1996 Ausstellung und Veringer Forum mit den „erdgeschichtlichen Entwicklungsphasen von der Natur- zur Kulturlandschaft“.