Die Riviera Grünau ist ein historisches Bauensemble für große Tanz- und Freizeitvergnügen im Berliner Ortsteil Grünau in der Regattastraße 161 mit einem ehemals imposanten Ballsaal direkt an der Straße. Es entwickelte sich aus einem einfachen Ausschank um 1888. Südlich neben dem Haus Riviera steht das Gesellschaftshaus Grünau, das auf Veranlassung des Berliner Börsenmaklers Schmidt 1874/1875 errichtet worden war.

Kernstück der Riviera war das Restaurant Bellevue. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde Johannes Bittner Eigentümer der Immobilie und blieb es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Gesellschaftshaus und die Riviera stehen seit 1977 in der Landesdenkmalliste, seit 1991 sind sie jedoch geschlossen und verfielen langsam. Eine Teilsanierung der Bauten fand 2018–2021 statt. Ergänzt um Neubauten entstand eine Seniorenresidenz mit dem Namen VILVIF.

Geschichte

Vergnügungseinrichtungen entlang der Gewässer der Berliner Umgebung

Zusammen mit der schnell wachsenden Bevölkerung von Berlin nach der Gründung des Deutschen Reichs entwickelten sich die Bedürfnisse für eine abwechslungsreiche Gestaltung der Freizeit. Im Umland der deutschen Hauptstadt entstanden neue Wohnviertel, Einrichtungen für den Wassersport, im Jahr 1880 eine Regattastrecke und „Vergnügungsetablissements“. Im Rahmen dieser Entwicklung gründeten sich an der Dahme – die zur damaligen Zeit auch Wendische Spree genannt wurde – Klubs für Ruderer, Paddler, Segelbootfahrer und ließen zugehörig epochale Bootshäuser errichten. Für das Wohlbefinden der Besucher und Sportler eröffneten zum Ende des 19. Jahrhunderts viele Ausflugs- und Tanzlokale, darunter Steins Restaurant (später: Steins Casino), das Etablissement Paradiesgarten, das Café Liebig, das Gesellschaftshaus Grünau, die Riviera und noch viele andere. (Die lange Regattastraße entstand erst im Jahr 1935 durch Zusammenführung dreier Straßen).

Unmittelbar am Ufer gab es Anlegestege für Ruder- und Segelboote, mit denen die Besucher von der Wasserseite aus kommen konnten. Große Sonnenterrassen und Biergärten luden zum Verweilen.

Die Riviera begann 1888 bescheiden mit einem Bierausschank von Ernst Krüger im Uferbereich der Dahme. Zwei Jahre später ließ Krüger zur Straßenseite hin einen freistehenden Tanzsaal mit den Außenmaßen 14,60 m × 19,60 m errichten. Dieses Gebäude verfügte nach allen vier Seiten über acht Meter hohe Rundbogenfenster und bot eine schöne Aussicht auf das Wasser. Deshalb erhielt die Einrichtung offiziell den Namen Restaurant Bellevue. Bezirksamt Treptow-Köpenick (Hrsg.); Helgunde Henschel: Riviera und Gesellschaftshaus – Glanz und Niedergang (Leseprobe, S. 134–137.) Der Tanzsaal ist in der Infobox (am linken Bildrand) zu sehen. Bald verkaufte Krüger dieses Gebäude an C. Klebig, wie der nebenstehenden kolorierten Ansichtskarte entnommen werden kann.

mini|Ansichtskarte von 1895: Restaurant Bellevue

Das Aussehen des Restaurants Bellevue um 1895 zeigt die hier abgebildete Grußkarte. Im Besitz von Klebig blieb das Bellevue nicht lange, neuer Eigentümer wurde Johannes Bittner.

Totalumbau und Umbenennung

Ab etwa 1920 bis um 1930 entstanden nach Entwürfen von Otto Gerth schrittweise Erweiterungsbauten und völlig neue Gartenbereiche auf der straßenabgewandten Seite.

Das Gebäude des Tanzsaals mit seinem neoklassizistischen Aussehen wurde mit einigen früheren Einzelgebäuden auf der Gartenseite verbunden, die wiederum aufgestockt wurden.

Bittner kaufte zur großzügigen Erweiterung des Gartenbereichs Anschlussgrundstücke hinzu wie den benachbarten Spreehof.

Nach der Umgestaltung bestimmten Blumenrabatten, Palmen in Kübeln, überdachte Restaurantplätze, Wasserspiele und eine offene glasüberwölbte Konzerthalle das Ambiente. Eine gesonderte Tanzfläche im Freien und kunstvoll gestaltete Leuchten lockerten die Einrichtung auf, die nun auf Wunsch des Besitzers offiziell als Die Riviera beziehungsweise Hotel-Restaurant Riviera firmierte.

Historische Ansichtskarten zeigen neben dem Gebäudekomplex auch die Freiluftterrassen der Riviera unter Palmen.

Im Souterrain und in den Erdgeschossetagen der Gebäudekombination mit dem Tanzsaal hatten die Gastwirtsfamilie und die Familie des Kochs (H. Gottschlich) ihre Wohnungen, darüber befand sich ein Sommersaal mit breiter Fensterfront zur Dahme. Dieser Raum war oval und in Nischen unterteilt, hatte die Abmessungen 7 m × 12 m und erfreute die Besucher mit einer Ausstattung im Stil des Art déco. Außerdem gab es ein gesondertes Weinzimmer.Bau- und Kunstdenkmale Im Tanzsaal dirigierte auch Paul Lincke sein Orchester.

Den früheren Spreehof betrieb Bittner als Hotel.

Um 1929 erhielten die Parzellen der hier dargestellten Gastwirtschaften in der Friedrichstraße (seit 1935: Teil der Regattastraße) neue Hausnummern, Nummer 36/37 (Gesellschaftshaus) und 38/39 (Riviera).

Im Jahr 1943 befand sich die Anlage die Riviera noch immer im Eigentum (= E) des Gastwirts Johannes Bittner, der weiterhin dort wohnte.

Unmittelbar gegenüber auf der anderen Seite der Regattastraße (Nummer 168) hatten sich die Deutsche Arbeitsfront, Ortsgruppe Grünau, sowie ein Amt für Volkswohlfahrt und die NSDAP, Ortsgruppe Grünau, in einem ehemaligen Kolonisten­gehöft eingerichtet.

Aus einer Veröffentlichung des Jahres 2013 geht hervor, dass in der NS-Zeit die Organisation Kraft durch Freude Träger der Ausflugslokale Gesellschaftshaus und Riviera gewesen sein soll. zitty-berlin.de 2013. (Herunterscrollen zum „Ballhaus Riviera“); abgerufen am 17. Januar 2014. Das Bauwerksensemble überdauerte die beiden Weltkriege relativ unbeschadet.

Nach 1945 Treuhandverwaltung mit Betreiberwechsel

Nach dem Zweiten Weltkrieg übertrug die Sowjetische Stadtkommandantur mit dem Befehl 124 die Verwaltung aller Sport- und Gastronomieeinrichtungen von Grünau dem Bezirksamt Köpenick. Die Namen von Riviera und Gesellschaftshaus blieben erhalten, auch in der DDR-Zeit, ihre Bewirtschaftung erfolgte durch die HO.

Nach den langen Jahren der Nutzung war eine gründliche Renovierung erforderlich, die ab 1957 erfolgte. Dabei schlugen die Bauarbeiter den vorherigen grün-gelben Putz der Riviera ab, teilweise auch die Klinker des Gesellschaftshauses. Beide Gebäude erhielten einheitlichen grauen Rauputz.

Die vorher auf dem Dach der Riviera vorhandenen Balustraden wurden abgebaut, die Bogennischen im Inneren verloren ihre gemalten italienischen Landschaften. Die Riviera wurde zur HO Gaststätte Riviera und ergänzte auf diese Weise das benachbarte Gesellschaftshaus, als Tanzbälle nicht mehr zeitgemäß waren.

In den 1980er Jahren musste der Tanzsaal der Riviera wegen gravierender Baumängel gesperrt werden, die verbliebenen Räume wurden als DiskothekPrivatwebsite mit kurzen Geschichtsabrissen und einer Sammlung von rund 100 historischen Ansichten aus Grünau, abgerufen am 4. Februar 2016. und als Nachtbar genutztFoto des verrosteten Schildes „Nacht BAR Riviera“ am Gebäude, auf flickr.com, Ansichtskarte aus Grünau mit HOG Riviera und Gesellschaftshaus, 1963, Ansichtskarte von drei Teilen der HOG Riviera, ohne Jahr..

Nach 1990 Schließung und Verfall

Nach der politischen Wende und der Auflösung der HO gingen die Immobilien in den Besitz des Bundes und damit an die Treuhandanstalt bzw. deren Nachfolgeeinrichtung, den Liegenschaftsfonds. Die Bewirtschaftung wurde aufgegeben, die Häuser geschlossen. Für den Erhalt der seit 1991 leer stehenden Gebäude war der Bezirk (seit 2001: Treptow-Köpenick) verantwortlich.

Im Jahr 2006 fand sich nach einer Ausschreibung eine türkische Unternehmerin aus Ankara, die das Bauensemble aus Gesellschaftshaus und Riviera mit den Grundstücken bis auf einen sechs Meter breiten Uferstreifen kaufte. Der Kaufpreis betrug rund 650.000 Euro. Die neue Eigentümerin hatte beabsichtigt, auf dem Gelände ein Kongresshotel als siebengeschossigen Turmbau und Wohnvillen für Eigentümer zu errichten. Konkrete Bauanträge wurden dem Bauamt nie vorgelegt (Stand: Ende 2015), eine zuvor beantragte Abrissgenehmigung hatte das Amt wegen des Denkmalschutzes abgelehnt.Gericht rettet diese Häuser Faksimile eines Artikels vom Berliner Kurier, 6. Dezember 2013; abgerufen am 17. Januar 2014. Mehrfach, zuletzt Ende des Jahres 2013, hatte das Bezirksamt die Besitzerin aufgefordert, „Maßnahmen zum Schutz der Gebäude vor weiterem Verfall“ einzuleiten.Teilerfolg für Riviera und Gesellschaftshaus. Pressemitteilung des Bezirksamts zum Problem der beiden Baudenkmale in Grünau vom 6. Dezember 2013. Abgerufen am 20. Januar 2014. Weil bis Januar 2014 nichts passiert war, wollte der Bezirk Handwerkeraufträge zur Reparatur der kaputten Dächer beider Häuser und für den sicheren Verschluss der Türen und Fenster ausschreiben (eine Ersatzvornahme veranlassen). Die entstandenen Kosten von rund 40.000 EuroEilantrag abgewiesen: Besitzerin muss Hotel „Riviera“ schützen. In: MOZ, 7. Dezember 2013. wären der Besitzerin in Rechnung gestellt worden. Im Sommer des gleichen Jahres wurde bekannt, dass die Eigentümerin nach Gerichtsurteilen und mehrstündigen Gesprächen mit dem Bezirksamt doch selbst notdürftige Maßnahmen veranlasst hat, um weiteren Verfall und Vandalismus aufzuhalten: Die demolierten Fenster und Türen wurden mit Spanplatten verschlossen (vorgesehen war die Anbringung von Lochplatten, um die Luftzirkulation zu ermöglichen, die einer Schimmelbildung vorbeugt). Die vereinbarten Fristen für Dachdeckerarbeiten, für eine Sanierung der Regenrinnen und für die sorgfältige Abnahme vorhandenen Stuckzierrats wurden aber nicht eingehalten. Die Bezirksverantwortlichen haben, wie schon zuvor angekündigt, die Sicherungsarbeiten an Baufirmen vergeben und die Rechnungen dann weitergereicht.Karin Schmidl: Spanplatte statt Lochblech. Trotz gerichtlicher Auflagen an die Eigentümerin verfallen in Grünau die Ausflugslokale Gesellschaftshaus und Riviera weiter. In: Berliner Zeitung, 27. August 2014, S. 18.

Aus zahlreichen im Internet kursierenden Amateurvideos aus dem Jahr 2014 ging hervor, dass sowohl das Parkett als auch die Kronleuchter entfernt worden waren. Einen Großteil der Innenwände verzierten die illegalen Besucher mit Graffiti. Baufachleute schätzten, dass die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude etwa 15 Millionen Euro kosten wird. was „für uns nicht zumutbar ist“, wie der in Potsdam lebende Bruder der Besitzerin mitteilte.Karin Schmidl: Löcher im Dach. Seit 20 Jahren verfallen in Grünau die Ausflugslokale Riviera und Gesellschaftshaus. Jetzt greift der Bezirk ein. In: Berliner Zeitung, 16. Januar 2014. Aus den Tatsachen schlussfolgerten Bauexperten und Wirtschaftsfachleute, dass die Tatenlosigkeit beabsichtigt ist, um das Zusammenbrechen des Ensembles abzuwarten. Damit hätte sich der Denkmalschutz erledigt.Die Wut über den Verfall wächst. In: Berliner Abendblatt, mit einem großen Foto des Ballsaals vom Riviera; abgerufen am 3. Februar 2016.